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2016


 
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Bundesarchiv, B 145 Bild-F054975-0007 / Gräfingholt, Detlef / CC-BY-SA 3.0

Wir sind im Krieg. Was das für die öffentliche Atmosphäre gilt, kennen wir aus Anschauung in den USA: Die Majestät wird nicht mehr kritisiert, der Präsident ist unantastbar, es wird nicht mehr berichtet, sondern verkündet. Die Regierung Bush Junior hat daraus ungeniert das Prinzip des “Embedded Journalism” gemacht, des “eingebetteten Journalismus”, der ganz offen an der Seite der politischen Herrschaft die Trommel rührt. “Propaganda” war nicht immer ein Schimpfwort, heute braucht es ein wenig Wortdesign, um dasselbe zu sagen.

In Deutschland ist das alles etwas schwieriger, denn während die Einen “Lügenpresse” spucken, weil ihnen der Inhalt der Propaganda nicht gefällt, müssen die Anderen sich weiterhin “kritisch” nennen, auch wenn sie so kritisch sind wie ein Kaugummi unterm Schuh. Mal schauen, was wir da haben, am Beispiel der “Zeit”, der treuen Atlantikerpostille. Kritik oder Propaganda?

Den Herrschaften dort fehlt nicht nur die Contenance, sich ihrerseits der Kritik zu stellen, sie sind nicht bloß komplett humorlos, sondern auch noch aggressiv gegen Gegner, die ihnen die Wahrheit nachsagen. Die (abgewiesene) Klage Josef Joffes gegen “Die Anstalt” steht dafür nicht nur symbolisch. Warum leugnen die Atlantiker, welche zu sein, wenn es doch so transparent ist? Nicht bloß, dass sie als eingebettete Hofberichterstatter dastehen, der Herausgeber hat per Klage auch noch nachgewiesen, dass Kabarettisten die besseren Journalisten sind.

Der allmächtige Feind

Das Blatt scheut nicht vor den übelsten Techniken der Trolle zurück, sie machen sich unbelegbare Spekulationen zu eigen, die anderswo als Verschwörungstheorie abgetan werden, drehen sie einmal durch den Wolf und werfen sie dann in einer wüsten Projektion dem Feind vor. Ich habe letztes Jahr unter dem Vorbehalt, es sei eine Verschwörungstheorie (wenn auch eine plausible), folgendes geschrieben:

Eine These, die in der entschärften Form noch mehr Sinn ergibt: Die USA führen einen ‘Krieg’, der sie wieder einmal nicht erreichen kann, auf Kosten zweier Kontinente, und finden kollateral den Grund, alle Welt permanent zu überwachen.”

Der Krieg im Nahen Osten destabilisiert ja sowohl (Nord)Afrika) als auch Europa. Treibt man dann noch einen Keil zwischen Russland und Resteuropa, ist wirtschaftliche Konkurrenz durch die ‘Freunde’ fürs Erste erledigt. Und hier ist die Theorie der “Zeit” dazu:

Instrumentalisiert Russland Flüchtlinge? – Tausende Flüchtlinge kommen über die russische Grenze nach Norwegen und Finnland. Selbst in der EU-Kommission gibt es den Verdacht, Russland benutze sie als Druckmittel.

Unsere Freunde

Die NATO bombardiert seit mehr als zehn Jahren Afghanistan, den Irak, Libyen, Pakistan, Syrien, liefert kilotonnenweise Waffen in die Krisenregionen und unterstützt Brandstifter wie Saudi-Arabien. Hier schlagen daher Millionen Flüchtender auf, aber Putin will Europa destabilisieren, indem er welche nach Skandinavien reisen lässt? Auf so etwas kann man nur kommen, wenn man alle Fakten so sortiert, dass sie zu einem vorbestimmten Ergebnis führen. Das muss man schon lange trainieren, um es so konsequent abliefern zu können. Dafür dürfte vor allem der Gottvater der deutschen Atlantiker gesorgt haben, der ehemalige “Zeit”-Herausgeber Helmut Schmidt.

Dessen innige Freundschaft zu Henry Kissinger lässt da schon tief blicken, vielsagend auch wiederum dessen Ruf in Deutschland. Der Mann, der fast überall auf der Welt mit “Herr Kriegsverbrecher” angesprochen werden dürfte, wird hier hofiert wie ein Friedensnobelpreisträger. Ach richtig, das ist er ja sogar, der Schlächter “vom Hackfleischhügel”. Ich kann das hier nicht ausreichend vertiefen, aber über Schmidt und Kissinger sollte man sich eingehend informieren, wenn man eine Ahnung von Geopolitik und Deutschlands Rolle darin gewinnen will.

Was die weiteren Interessen am Krieg, die Rolle von Energiequellen und den Kampf um Profite anbetrifft, darüber erfahren wir aus den ‘Qualitätsmedien’ nahezu nichts. Wenn ein kleines Journalistenteam eine Doku im Nachtprogramm plazieren darf oder ein Gastartikel veröffentlicht wird, der solche Zusammenhänge benennt, werden im Gegenzug dutzende ‘Berichte’ und Kommentare abgesetzt, die deren Inhalt ignorieren oder ins Gegenteil verkehren. Derzeit kursiert derweil eine Einschätzung der Situation von Robert F. Kennedy, die den Atlantikern Schmerzen bereiten dürfte. Der ist dann wohl keiner von uns. Tun wir so, als hätten wir’s nicht gelesen!

Die Wahrheit

Dem “Pluralismus” ist Genüge getan, wenn ab und an einer widersprechen darf, den man dann hintenrum für verrückt erklären kann. Wie solch kritischer Pluralismus in der “Zeit” aussieht, spuckt die Suchfunktion unter dem Schlagwort “Putin” aus. Das da unten ist in fünf Minuten Copy und Paste zusammengekommen, nur aus Überschriften und Teasern, jede Zeile aus einem anderen Artikel. Bild’ dir unsere Meinung!

Putins neue Weltordnung – Zwei Supermächte, apokalyptische Atomdrohung, kontrollierte Eskalation, dann Einigung der Großen und Ruhe allerorten – so soll es sein. Findet die russische Regierung.

Putin ist zynisch

Putin, der Assad-Unterstützer

Syrien-Waffenstillstand: Putin entscheidet – Das Ende der Kämpfe ist jetzt das Wichtigste in Syrien. Der nächste Schritt ist es, ein Nachkriegssyrien zu gestalten. Die Russen müssen einsehen: Es geht nur ohne Assad.

Russland: Putins Krieg – Der russische Herrscher betreibt klassische Machtpolitik mit modernen Mitteln.

Bürgerkrieg: Obama wirft Russland Mitschuld an Zerstörung in Syrien vor

Wladimir Putin: Ist er so perfide … oder sind wir so dumm?

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz wurde deutlich, wie zynisch Russland den Syrien-Krieg instrumentalisiert.

Putins Spiel mit dem Krieg

Ob in der Schublade des russischen Präsidenten ein Plan zur Spaltung Europas liegt?

Wer mehr davon mag, weiß ja, wie man es findet.

 
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Was für Zeiten! Es fällt mir schwer einzuschätzen, ob die Aussicht da draußen wirklich so trübe ist oder ich sie mir mache, weil sie drinnen auch so aussieht. Wie gesagt war die Zukunft mal schöner als heute, aber ist das ein Grund? Ich las just, die Gedanken seien frei, auch wenn sonst nichts mehr frei ist und frage mich schon länger, warum bloß keiner was draus macht. Jadoch, das Sein bestimmt das Bewusstsein, aber können wir gar nicht anders?

Wenn man sich die geisteswissenschaftliche Fashion und Beauty so anschaut, sollte man das meinen. Sloterdijks neoliberal verseuchtes philosophisches Endzeitblabla etwa nährt diesen Verdacht. Wie gut andererseits, dass seine semantische Zombieapokalypse darauf angelegt ist, dass niemand ihn versteht. Das ist genau wie in den anderen zeitgenössichen Horrorserien. Deren Zweck besteht auch nicht darin, etwas Gehaltvolles zu sagen oder einer bekannten Variante der Logik zu entsprechen, sondern auf unterhaltsame Weise schlechte Laune zu verbreiten.

Die Unmoderne

Ein paar Jahrzehnte lang hatte sich der soziologische Stardesigner N. Luhmann auf den Catwalks der spätkapitalistischen Show gehalten; ganz zufällig war seine Theorie binärer Systeme aufgebaut wie ein Unternehmen. Ein System besteht demnach im Kern aus einem binären Code und einem Programm. Sagen wir zum Beispiel: “Gewinn/Verlust und Unternehmensstrategie”. Warte! Mensch, was ein Zufall! Derart reduzieren Systeme also Komplexität, schlicht gesagt: Sie schaffen ein einfaches Weltbild, das auf diese Struktur passt. Übrigens auch “psychische Systeme” – was vom Menschen übrig blieb: ein sich dem System anpassender Rest, der nur mehr als Funktionierendes in Erscheinung tritt. Der Mensch als Subroutine des Marktes®. Noch so ein Zufall!

Ich sitze manchmal einfach da, weil ich einfach nur da sitzen will und denke vor mich hin. Mir fallen ständig tausend Fragen ein, denen sich eine Wissenschaft widmen könnte, wäre sie nicht mit wichtigeren Dingen beschäftigt wie der Optimierung von Mordmaschinen oder einfach ‘Geld Reinholen’, was auf dasselbe hinausläuft. So fragte ich mich neulich, ob nur das Leben so komplex ist wie es ist. Eine Sonne zum Beispiel stellen wir uns vor als blöden Backofen, der zwei Protonen aneinander pappt, um stur Edelgas zu produzieren, bis er sich selbst um die Ohren fliegt. Aber ist das wirklich alles? Liegt es an dem doofen Ofen, dass der so simpel gestrickt ist oder an unserer Art zu denken?

Was ist die vierte Dimension? Ich habe mit immerhin mäßigem Erfolg versucht, mir einen vierdimensionalen Würfel vorzustellen und bin auf ein Modell gestoßen, das dem sehr nahe kommt. Wenn wir uns nun vorstellen, dass eine vierte Dimension real ist, was bedeutet das für unsere drei? Wie muss ein Sinnesorgan beschaffen sein, das Orientierung im vierdimensionalen Raum ermöglicht? Das sind doch Fragen, denen man nachgehen kann. Vielleicht lassen sich die Ergebnisse dieser Forschung sogar so anwenden, dass man damit was irre Großes total kaputt machen kann.

 
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2005 war genau die richtige Zeit, um dieses Blog zu starten. Ich war damals ein linksliberaler Salonsozialist und dachte nicht nur, Marx hätte sich an der entscheidenden Stelle geirrt, an der ich mich geirrt hatte. Ich hatte auch einige Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der Parlamentarischen Demokratie nicht hinreichend analysiert. Da ist vor allem die Sache mit der Sozialdemokratie. Die lässt einem zwei Möglichkeiten, nämlich sich entweder von ihr gründlich zu verabschieden oder in dieselbe Richtung zu marschieren wie die AfD. Aber eins nach dem anderen.

Schon immer konnte man wissen, dass die Profite des “Westens” nur gesichert werden konnten, solange er expandieren durfte. Das schuf einerseits ein paar neue Absatzmärkte, andererseits war es auf billige Arbeitssklaven und bittere Armut in ‘Entwicklungsländern’ angewiesen. Wer aber gedacht hat, etwa China und Indien wären Drittweltländer, hat keine Vorstellung davon, was ein Milliardenvolk ist. Tatsächlich war es unumgänglich, dass sich beide (wie übrigens auch Südamerika) zu Konkurrenten entwickeln würden. Die riesigen Ressourcen dieser Regionen mussten von ihrer Bevölkerung genutzt werden. Man kann sich auch alternativ vorstellen, was passiert wäre, wenn sich 2,5 Milliarden Menschen auf die Socken gemacht hätten.

Ende der Romantik

Inzwischen bringen die also eigenes Kapital auf den Markt, das sich ebenfalls vermehren will. Da springt dann der Marx doch wieder aus der Kiste und behält recht: Man kann Profitraten durch Expansion und andere Tricks eine Weile lang hoch halten, dann aber fallen sie bloß in ganz großem Stil, diesmal global und ausweglos. Das ist das Ende jeder sozialdemokratischen Romantik, die nach Keynes oder Lieschen Müller glaubte, es werde alles gut durch Marktwirtschaft. Sie war nur möglich, weil sie sich täuschen ließ durch die unsichtbaren Opfer, die ausgelagerte Armut. Die ist jetzt auf dem Weg zurück, und diesmal wird sie bleiben, bis es kracht.

Wenn in diesen Tagen der Herr Gabriel zum Naziversteher mutiert und ‘zitiert’: “Für die macht ihr alles, für uns macht ihr nichts“, ist das weder neu noch deplaziert für einen SPD-Chef. Er kommt immer wieder, der Punkt, an den sich Sozialdemokratie entscheiden muss zwischen Kapitalismus und Menschlichkeit, und immer hat sich die SPD fürs Kapital entschieden. Noske, Ebert und Gabriel sind keine Unfälle, sondern die Logik des Fortschritts. Wer aus diesem Zug nicht aussteigt, muss die Mittel bedienen, die am Ende der Strecke noch bleiben: Zwang, Rassismus, Diktatur. Wenn die Ursachen des Elends nicht genannt werden dürfen, müssen Schuldige her. Das sind immer “die”, die “uns etwas wegnehmen”: Es völlig egal, wer “die” sind. Juden, Muslime, Ausländer, Freimaurer oder Numismatiker. Gut, es ist natürlich praktisch, wenn man sie gleich erkennt.

Die SPD hat die Hälfte ihrer Mitglieder verloren in den letzten 25 Jahren. Der Schwund hält unvermindert an. Mit den Wählern sieht es nicht besser aus. Die Leute haben die Schnauze voll von der SPD. Das gilt für andere Parteien tendenziell auch, aber die Sozen sind da ganz weit vorn. Die meisten Sozialdemokraten haben also offenbar eine kluge Entscheidung getroffen. Die noch geblieben sind, machen hingegen alles mit. Die Absurdität eines “Sozialismus” im Parteiprogramm im Bunde mit dem wahnhaften Zwang, nicht als “zu links” eingestuft zu werden, treibt sie immer wieder in die Arme der Menschenfresser. “Lieber tot als wirklich rot” sorgt inzwischen für die dritte Beihilfe zum Dritten Weltkrieg und ein Verständnis von “Arbeit”, das selbst religiöse Fanatiker an Demut in den Schatten stellt. Sozial ist, was Sklaven schafft.

Same Procedure

Es hieß hier in den Kommentaren, Sozialdemokratie sei der Versuch, einen Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit zu finden. Für die SPD hieß das schon immer, die Arbeit dem Kapital anzupassen. Sie ist die Partei der Kapitalversteher, und wenn das wieder Sklaven braucht, dann besorgt sie halt welche. So weit waren wir bei Hartz IV. Ergänzend hat Sarrazin den Boden bereitet für einen Rassismus, der sich von dem Hitlers nicht mehr unterscheiden lässt. Die SPD erkannte darin freilich keinen. Wie vergleichsweise harmlos ist es da, wenn Gabriel jetzt das NPD-Motto “Deutsche zuerst” aufnimmt, noch verschämt mit einem Schleifchen in der Formulierung.

Seit Hartz wissen wir, was die SPD-Funktionäre ‘ihren Arbeitern’ sprichwörtlich zumutet. Ich möchte mir nicht ausmalen, was sie bereit ist, “denen” anzutun, „die“ nicht „wir“ sind. Die AfD, das ist der Unterschied, spricht es aus. Ihr menschenfeindliches Konzept von Wirtschaft und Arbeitsmarkt ist ebenfalls Agenda 2010 ohne Nebelkerzen. Sie ist obendrein eine Möglichkeit, es den Sozen sowie den anderen Etablierten heimzuzahlen und niemand meckert, wenn man sich bei denen mal so richtig gehen lässt. Was will ich dann noch mit der SPD?

 
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Über die Legenden und kindischen Vorstellungen von Geld, was es sei, in welchen Zusammenhängen es steht und was das mit den Einzelnen zu tun hat, könnte man vielbändige Werke schreiben. Ich möchte nur einige prominente Beispiele geben, unter anderem ein aktuelles. Alles beginnt mit der naiven Vorstellung, es gebe ‘eigenes’ Geld. Wer sagt: “Es ist mein Geld“, dokumentiert damit nur, dass er keine Ahnung hat. Der holde Geldfetisch, der Glaube, alles habe einen quasi natürlichen Preis oder man “verdiene” sein Geld, wird derweil nach Kräften gefördert von denen, die ein Interesse an dummen Bürgern haben.

Gern wird der Glaube bestärkt, es gebe praktisch eine große Portion Geld, von der alle ihre kleine(re) abbekommen. Eifrig schauen sich die Jünger dieses Glaubens um, wer von dieser Portion etwas abbekommt und nölen: “Alles von meinem Geld!”. Noch niemand, der je solche Sätze sprach, konnte mir auch nur eine vage Vorstellung davon vermitteln, was Geldschöpfung ist. Sie glauben wirklich und wirklich, dass jeder, der etwas abbekommt, die Portion der anderen verkleinert. Ob Politiker wirklich so dämlich sind, das auch zu glauben, wie der Herr Bundeswirtschaftsminister, oder so dreist lügen, ist die ewige Gretchenfrage.

Dumm wählt gut

Aktuell behauptet er, er höre immer wieder den Satz “Für die macht ihr alles, für uns macht ihr nichts“. Sehen wir davon ab, dass dieses neidische rechte Geschwalle ganz anderer Antworten bedarf und seine nationalen Sozialdemokraten nicht nur den Staat ausgehungert haben, sondern “Sparmaßnahmen” mit Absicht als Druckmittel gegen Arbeitslose einsetzen, dann bleibt immer noch der Unsinn, eine unvermeidliche Investition verhindere eine andere. Er wird wohl nicht meinen, man solle jetzt Massenunterkünfte für Deutsche bauen, also geht es eher um so etwas wie Infrastruktur.

Gabriel suggeriert in einem psychedelischen Salto Mortale, die Flüchtlinge seien ein möglicher Hinderungsgrund für andere Investitionen, die schon nicht getätigt wurden, als es noch gar keine Flüchtlinge gab. Das ist nicht nur infam, dahinter steckt auch dieselbe blöde Ansicht, man könne “jeden Euro nur einmal ausgeben”. Doppelt und dreifach falsch! Bitte nachschlagen unter “Wertschöpfung” oder sich fragen, wohin denn der Euro geht, wenn er “weg” ist. Ein Euro ist nie “weg”, du Idiot, er verweilt nur kurzfristig woanders. Was wiederum den für eine Investition angeht, ist die Sache ähnlich; gebe ich zwei Euro sinnvoll aus, ist der Gewinn doppelt so groß, oder, für den Staat, der Schaden durch marode Infrastruktur so vermeidbar wie der durch obdachlose Flüchtlinge.

Maultaschen feilhalten

Was kommt als Nächstes? Na klar, “die leben auf Pump, das macht die schwäbische Hausfrau auch nicht”. Letzteres ein ernsthaftes Argument des Bundesfinanzministers. In seinem Fall gehe ich von widerwärtigster Volksverblödung aus, denn er weiß es definitiv besser. Was macht die schwäbische Hausfrau, wenn sie Geld braucht? Sie erhöht halt die Steuern und Abgaben. Oh, der Vergleich hinkt ja! Schulden sind ohnehin nichts Schlechtes, was jeder Erstsemester in einem beliebigen Wirtschaftsstudium weiß. Ohne Schulden bräche die Wirtschaft sofort zusammen. Wieso sie dann eine “Schuldenbremse” beschlossen haben, fragt ihr? Ich kann nur spekulieren: Weil sie irre sind? Weil im Kleingedruckten eine Hintertür ist? Weil ihnen eure Verblödung echt was wert ist?

Bei all dem befinden wir uns übrigens noch streng auf dem Terrain der Glaubensgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft. Das alles kann man wissen, ohne je eine ernstzunehmende Theorie studiert oder Marx gelesen zu haben. Davon kann ich ohnehin nur abraten, denn wenn man wirklich etwas über Geld, Wert, Wirtschaft und Kapital weiß, ist eine teure Karriere als Medikamentensüchtiger ziemlich sicher.

Fleißig bis zur letzten Kugel

Einen noch zum Schluss, den hatten wir vor vielen Jahren hier schon oft genug: Wir stehen im globalen Wettbewerb. Das ist ganz schlimm, denn darum müssen wir sparen und uns bescheiden, damit wir nicht aufgefressen werden von den Konkurrenten. Komisch eigentlich, denn der Wettbewerb heißt ja sonst immer “fair”. Nun sind wir zum Stolz der Stammtische obendrein abonnierter “Exportweltmeister”. Wer konkurriert also wen an die Wand? Wer müsste eigentlich mal ein bisschen Luft zum Atmen haben, die da draußen oder wir hier? Und: Was bedeutet das für die Löhne hier? Aha.

Diese irre Erzählung folgt dabei der Mär vom emsigen Deutschen, dessen Fleiß eben alle anderen in den Schatten stellt. Darauf ist er so stolz, dass er immer viel arbeiten muss, wenig für sich beansprucht und eifrig darauf achtet, dass die weniger Fleißigen ja nicht mehr bekommen. Der Deutsche ist ein neidischer Sklave, ein Gottesgeschenk fürs Kapital. Er ist dabei ungebrochen nationalistisch und liebt Hierarchien. Wie das regelmäßig in Rassismus mündet, dazu mehr im nächsten Teil.

 
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Ich möchte zur Illustration (man mag es auch Infotainment nennen) hier gelegentlich konkrete Beispiele geben für das, was das Narrativ ausmacht, die Inhalte der großen Erzählung, teils anhand aktueller Äußerungen, teils anhand von ‘Weisheiten’, die man sich so überliefert. Ich hatte eineige bereits hier erwähnt bzw. verlinkt und möchte gleich aus diesem Artikel zitieren:

Klassische Beispiele aus dem immer wieder aktuellen politischen Narrativ des Westens setzen auf der Figur des Bösen Russen auf. Hunderte Filmproduktionen befördern es; der Russe ist gefühllos, gedrillt, brutal.”
Dieses Muster des Kalten Krieges, der seinerseits die ideologische Fortsetzung des heißen ist, hält sich bis heute:

Brutal, eiskalt, rachsüchtig

Unsere Schwäche ist das Mitgefühl. Wenn wir das Bild eines Kindes sehen, das tot an einen Strand bei Bodrum liegt, lässt es uns nicht kalt, sondern weckt den Wunsch, das Elend zu lindern.[...]
Zeigen Putin und seine Leute ausnahmsweise Gefühlsregungen, dann sind diese fast immer infantil: Es geht bei ihnen stets um Kränkung und Zorn wegen mangelnder Beachtung, nie um Empathie und Nachsicht
.”

(“Spiegel Online”, dafür gibt es hier keinen Link.) Dieselben kalten Krieger, die solche Stereotypen für Journalismus halten, werfen derweil den bösen Russen vor, diese “drohten” mit einem Kalten Krieg. Das Narrativ darf gern absurd sein, wenn es die Rollenverteilung damit festigen kann.

Jetzt sollen ausgerechnet die rechtslastigen Geheimdienste der BRD nach Belegen suchen, dass Russland die westliche Demokratie durch Propaganda destabilisiert.

Als wäre das nötig, wo Qualitätsjournalisten wie Reinhard Mohr bereits wissen:
Hier sind “russophile Überzeugungstäter wie Matthias Platzeck, altkommunistische Linkspartei-Funktionäre und berufsmäßige Putin-Propagandisten wie Krone-Schmalz” am Werk (No Link, no!), die die “Fakten leugnen” wie:

Fast lückenlose Beweiskette

Für Putins Regime ist die planvolle Dekonstruktion aller Gewissheiten in diesen Kriegstagen ein probates Mittel, alte Mythen zu platzieren, Verantwortung zu leugnen und alle Schuld anderen aufzuladen. Sein Rache- und Eroberungsfeldzug in der Ukraine ist ein einziges Versteckspiel, ein Verwirrspiel im Namen seiner chauvinistischen Machtansprüche.

Man könnte jetzt jemanden damit beauftragen, diese Sprache zu analysieren, (vergeblich) nach Sachbelegen im Text zu suchen, Formulierungen wie “so gut wie lückenlos belegten Abschuss der Passagiermaschine MH17” oder “Fakten des unerklärten russischen Krieges” mit den Gesetzen der Logik konfrontieren. Man könnte solche Beträge auf psychologische Muster wie Projektion untersuchen oder wenigstens virtuell eine andere Perspektive einnehmen, dann wäre man auf dem Weg einer sachlichen Betrachtung und genügte eventuell rudimentär den behaupteten Ansprüchen journalistischer Arbeit.

Aber es geht hier nicht um Wahrheit, Fairness oder Qualität. Es geht darum, die Geschichte weiter zu erzählen. Dass so dumpfe Propaganda dabei herauskommt, ist den Zeiten geschuldet und dem Eifer der wohl weniger talentierten Erzähler. Dass ihnen solche Skripte nicht krachend um die Ohren gehauen werden, liegt am Narrativ: Der Russe halt. Dem ist alles zuzutrauen. Der freut sich, wenn wir leiden. Der führt immer Übles im Schilde.

 
fuboSchon im Mai letzten Jahres hieß es: “Facebook-Mitglieder müssen künftig noch seltener das soziale Netzwerk verlassen.“. Dieses Ziel, das schon durch die alberne Warnung beim ‘Verlassen’ von Facebook verfolgt wird, ist nicht das letzte. Künftig sollen User Facebook gar nicht mehr verlassen. Das Angebot “Mobile Publishing” holt im aktuellen Schritt Inhalte von Verlagen direkt zu Facebook, und zwar aller Verlage, die sich darauf einlassen.

Während das Google-Internet sich zum Feind der Verlage entwickelt hat, die dort keinen ausreichenden Profit erzeugen, lockt Facebook mit Gewinnbeteiligungen und der Möglichkeit, sich innerhalb des Angebots selbst zu vermarkten. Wie man hört, ist das aber erst der Anfang. Ein kürzlich freigesetzter Entwickler von FB berichtet, dass man dort nur noch über einen überschaubaren Zeitraum Teil des Internets sein will. Man sei groß genug, auf veraltete Techniken wie Hyperlinks zu verzichten.

Am Scheideweg

In einem vertraulichen Bericht heißt es, Inhalte würden dann in einem eigenen Protokoll (die Rede ist von einem ctp-”content transfer protocol”) ausschließlich über die eigenen Server verteilt. Die Nutzer greifen so direkt auf die internen Datenbanken zu, die ihrerseits auf die genutzten Medien und Formate optimiert werden. Auf diese Weise werden Inhalte schneller ausgeliefert, schneller abgelegt und vor allem besser katalogisiert. Dem Anbieter stehen die Inhalte sofort wohl sortiert zur Verfügung, der Nutzer erfreut sich weiterhin kostenloser Angebote in optimaler Qualität.

Eine Anbindung externer Inhalte, Links auf Inhalte im Internet oder ein Zugang aus dem Netz sind dann nicht mehr möglich. Zunächst werden handelsübliche Browser das neue Design noch abbilden können. Dazu liefert der Konzern im nächsten Schritt ein eigenes Plug-in aus, danach wird es eine völlig neue Software geben. Abgeschlossen sei dieser Prozess, wenn das Soziale Netzwerk auf eigener lizenzierter Hardware installiert wird. Bis dahin werden sich die User bereits entschieden haben, was ihnen mehr wert ist: das neue All-in-One-Netzwerk oder “das alte chaotische Internet“.

 
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Originaldatei: ©Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Kollege Pantoufle (Ja, schreit doch “Inzucht”!) bedauert heute tränenreich das Schicksal des gemein nützlichen Konzerns RWE, dessen “Terraforming” in Garzweiler und anderswo tausenden von Menschen die Freude einer neuen Heimat bescherte, denn, so das Bundesverfassungsgericht: “Mit dem Abbau von Braunkohle wird ein gesetzlich hinreichend bestimmtes und ausreichend tragfähiges Gemeinwohlziel umgesetzt”.

Was mag das gewesen sein, dieses Ziel des Gemeinwohls? Die Dividende? Der Aktienkurs? Deutsches Kohlendioxid für den Weltmarkt? Der größte Parkplatz seit Caesar’s Palace? Inzwischen liegt die gerade aus der Kruste gekratzte Braunkohle wie Blei auf der Halde. Braucht kein Mensch, ist schädlich, bringt nix ein. Wenn das doch nur vorher jemand geahnt hätte! Schlagzeilen macht derzeit allerdings nur das Gejammer der Kämmerer, deren Kommunen als Teilhaber von RWE Teilhaber der Verluste sind. Was werden wir garantiert als nächstes hören? Dass RWE, dieser Mitmonopolist der Strommafia, ein Staatsbetrieb sei – und der Staat kann nicht mit Geld umgehen. Wetten das?

Alles in Ordnung

Die ganzen geschmierten Lokalgrößen, die vor Ort jene Privatisierungen umgesetzt haben, von denen das Wohl aller so ungemein profitiert, haben sich im übrigen alle selbst korrumpiert, na klar! Oh, ich höre gerade, dass es in Deutschland gar keine Korruption gibt, umso besser. Also: Die waren von Anfang von der guten Sache überzeugt. So wie sie bald alternativlos die verschuldeten Konzerne wieder ganz übernehmen werden. Seht ihr? Das Sprichwort stimmt. Die können einfach nicht mit Geld umgehen – verticken profitable Unternehmen, werfen eimerweise Geld in Pleitebanken und übernehmen grundsätzlich nur solche Unternehmen, die heillos in der Kreide stehen.

Tja, liebe Kinder, das ist wieder einmal so ein Auswuchs® der besten aller Welten aka Soziale Marktwirtschaft®. Man müsste eigentlich nur die Steuern von den richtigen einnehmen und die Casinos schließen, dann wären die schlimmen Nebenwirkungen der Kapitalitis wie weggeblasen. Schwups, wären sie weg, die Auswüchse® wie

Korruption, Kriege um Rohstoffe und regionale Vorherrschaft, Verschleudern von Staatseigentum, Landgrabbing, Naturzerstörung, Steuerflucht, Staatspleiten, Armut, Superreichtum, Hunger, Waffenhandel, Rechtsbeugung, organisierte Kriminalität, Flucht, Wasserknappheit, Ausbeutung, Sklaverei, Diskriminierung, Rohstoffverschwendung, Kinderarbeit, Massenarbeitslosigkeit, Gentrifizierung, Überschuldung, Inflation, Deflation, Geheimverträge, Vertreibung, Totalüberwachung, Propaganda, Feindrecht und die paar anderen, die mir nicht so spontan einfallen. Das kriegt man alles hin mit gutem sozialdemokratischem Reformwillen. Dafür muss man nicht das große Ganze infrage stellen!

p.s.: Machen Sie auch mal eine Liste; man weiß nicht, wo man anfangen und aufhören soll.

 
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Früher wird auch immer später. Nicht nur, dass die Technik sich hier und da rasant entwickelt hat – ich wage bei der Gelegenheit übrigens die Prognose, dass nützliche Fortschritte in den kommenden 20 Jahren kaum mehr zu erwarten sind – es ist auch die Kapitalflut, die binnen kürzester Zeit alles hinfort spült, was auch nur so aussieht als hätte es Sinn und Zweck. Das betrifft vor allem das Internet, das WWW und Träume von Freiheit und Unabhängigkeit wie die um Blogs.

Ich bin ein Spätstarter der Generation Dotcom, vielleicht auch zweite Generation, das geht ja inzwischen in wenigen Jahren von einer zur nächsten. Anfang bis Mitte der Nullerjahre etablierten sich Blogs in deutscher Sprache, deren ‘erfolgreichste’ Betreiber, also die mit der höchsten Reichweite, großenteils noch heute bekannt sind (wenn sie noch aktiv sind). Techies und Journalisten, die eben vor den anderen da waren und etwas zu sagen hatten. Eine der großen Anlaufstellen für Diskussionen und Selbstreferenz war die inzwischen verwaiste Blogbar von Don Alphonso, an der man sich fröhlich feierte, vors Bein trat oder eine großartige Zukunft ausmalte.

Generation Keinezeit

Ich habe damals in einer der Diskussionen gesagt, man solle einmal 10 Jahre abwarten, dann könne man sagen, wo die Bloggerei steht, was sie kann, was sie nicht kann und wohin die Reise geht. Das war vor etwa zehn Jahren, und inzwischen kann man das ziemlich deutlich sehen. In einer Veranstaltung an einer Uni habe ich junge Frauen, die sich für Bloggerinnen hielten, weil sie sich Klamotten anziehen und davon Fotos machen können, die sie dann mit drei Standardsätzen bejubeln, gefragt, wie sie das zehn Jahre lesenswert gestalten wollten. Die Reaktion war geradezu empört. Wie man auf die Frage kommen könne, was in zehn Jahren sei. Das ist schon einer der wesentlichen Unterschiede: Ein Morgen gibt es nicht mehr.

Unabhängigkeit war ebenfalls vorgestern. Wie sie sich dem Kapital zur Verwertung anwanzen, diese eingefleischte Nuttigkeit, ist das furchtbare Gegenteil all dessen, was wir uns vorgestellt hatten. Beauty, Reise, Fashion, man möchte kotzen. Alles, was man verticken kann, so kritiklos, seicht und nichtssagend, dass es sich dem Kommerz eben so anschmiegt wie dem hirnfreien Konsum, treu wie Herpes. Ach, wie schön, ach wie neu, das muss ich auch haben! Da muss ich unbedingt mal hin, jetzt pauschal und inklusive einheimischer Begleiterin noch günstiger! Längst sind das auch die “Blogger”, die von den Massenmedien und ihren verkeimten PR-Formaten noch wahrgenommen werden. Den Rest, die alten Männer, haben sie bei SpOn und FAZ verklappt, wo sie brav das jeweilige Verlagsspektrum mit heißer Luft befüllen und selbst damit noch qualitativ ziemlich weit vorn liegen.

Höraufmitderlaberei

Umso mehr belustigt es mich, wenn ich (gern übrigens nicht einmal hier in den Kommentaren, sondern in den laissez-faire moderierten Spalten der Nachbarschaft) lese, dass ich hier die Weltrevolution verhindere, weil ich partout den Zusammenschluss, die vereinigte Linke, nicht zur obersten Direktive mache. Bloß weil ich vor Jahren einmal einen Wahlaufruf verbrochen und mich an einem lustigen Kongress beteiligt habe, werde ich wohl immer noch verwechselt mit einem, der Partei machen will. Nein, auch dazu taugt es nicht.

Es scheint, als wolle eigentlich niemand so recht unabhängige Blogs. Es scheint, denn das ist nur der Chor derer, die etwas zu meckern haben; schlimmstenfalls derer, die sich eine Vorstellung machen und der freien Meinung® sind, jene Blogger, als deren Qualitätsleser sie wirken, hätten gefälligst umzusetzen, was demnach das Richtige ist. Willkommen wäre stattdessen schon die simple Erkenntnis, dass der Vorwurf “Ihr redet ja nur” zutrifft. Dazu reicht es aber nicht bei exakt denen, die ihn so gern erheben. Ja richtig, ich rede nur. So wie es mir einfällt und so wie ich es mag. Mit denen, die mich vorwärts bringen. Und wisst ihr, wie ich das nenne? Unabhängigkeit.

 
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Eine für mich maßgebliche Person echauffierte sich jüngst über etwas, das womöglich “Argument” sein möchte oder “Aussage”, aber selbst zum überpinselten Klospruch kaum taugt, nämliches in Bezug auf “Flüchtlinge” und uns arme Deutsche, die wir so schwer zu leiden haben: “Wir sind voll” wollte da wer meinen, und sie kommentierte das mit: “Was denn? Musstest du ein Zimmer abgeben? Kommst du auf der Straße nicht mehr durch? Was redest du da?!

Das ist womöglich die einzige Weise, damit adäquat umzugehen. Die Schwätzer abzukanzeln wie Schulkinder, denn man kann durchaus auf deren dunkle Ahnung bauen, dass sie dummes Zeug labern. Was wäre auch die Alternative? Unterstellte man eine von Vernunft geprägte Diskussion, könnte man Argumenten mit ebensolchen begegnen. Beispiel: Es wird gemeckert, jetzt falle überall der Sportunterricht aus, weil die Asylanten da wohnen. Vernünftig wäre es, die Zahl der belegten Sporthallen abzugleichen mit der Gesamtzahl der Hallen, regionale Verteilung, Lösungen, Ausweichhallen et cetera. Vernünftig wäre es, den Ausfall von einigen Schulstunden in Relation zu setzen zu der Gefahr, dass tausende Obdachlose durch die Landschaft zögen.

Quatsch mich nicht voll

Ankommen würde aber, dass man relativiert und somit die Situation beschönigen wolle. Gutmensch! Das Problem besteht ja schon darin, dass unsinnige Behauptungen sehr kompakt daherkommen, ohne jedes Wissen am besten funktionieren und die Antwort jeweils in einen Vortrag mündet. Dabei begibt man sich selbst noch aufs Glatteis, weil man ggf. Informationen braucht, die man gerade nicht hat. Du verlierst genau deshalb immer, weil die Schwätzer ohne Informationen auskommen, dir aber abverlangen mehr zu wissen als die Wikipedia – es sei denn, du weißt es wirklich, dann glauben sie dir einfach nicht.

Die bessere Antwort ist also die hier: “Ach, deine Kinder (wirkt am besten, wenn er gar keine hat) haben keinen Sport mehr? Der ist vom Lehrplan gestrichen? Was machen sie denn jetzt mit den ganzen Sportlehrern?” Beinahe vernünftig die Variante: “Ja, wie viele Sporthallen sind denn belegt? Gibt es keine Ausweichmöglichkeiten?” Dann läufst du aber sicher in das Messer der Allwissenheit, den jeder weiß, dass das fast alle sind; zum Beweis kennt man dann sogar eine, wo ganz furchtbare Verhältnisse herrschen (weil die 500 Flüchtlinge, die Säue, ihr Quartier nicht sauber halten können, dabei haben die sogar 10 Toiletten!).

Womit wir bei Zahlen sind, bei Relationen, Erfahrungen, halt bei dem, was Wissen schafft und nicht nur Blabla. Schade, dass Zahlen eine Art vom Magie sind, die dem ebensolchen Denken der Menschen folgen. Zahlen und Relationen entstehen aus Meinungen, nicht etwa umgekehrt. Umgekehrt ginge etwa so:

Eins zwei drei viele

Allein im Ruhrgebiet wuchs die Bevölkerung zur Jahrhundertwende (1900) binnen zwei Generationen von etwas über 500.000 auf über 3 Millionen an. Binnen 70 Jahren verzehnfachte sie sich. Bis 1910 wanderten allein 500.000 Polen ein. Umgerechnet wären das heute achthundert Millionen Einwanderer, davon vielleicht achtzig Millionen Syrer.

Noch einmal gab es einen Peak des Zuzugs, als Gastarbeiter kamen, allein 1,5 Millionen Türken und ca. 600.000 Italiener zwischen 1960 und 1980. In der BRD erhöhte sich der Anteil der Ausländer von 1,2% 1960 auf 4,9% 1970. Seitdem gibt es keine Deutschen mehr. Wir sind ausgestorben, weggefickt und unter die Knute des Islam gezwungen worden. Niemand spricht mehr deutsch, es gilt die Scharia und Freitags werden wir zum Döner gezwungen. Am schlimmsten ist es hier an der Ruhr. Uns haben sie so durchrasst, dass es uns am Arsch vorbei geht.

Dieser kleine Zahlensalat soll aber wie angedeutet nur als Hinweis darauf gelten, dass es völlig sinnlos ist, mit Informationen zu argumentieren. Wer das nicht wahrhaben will, mag sich einfach hier umschauen (Danke R@iner!). Seht ihr? Die Mehrheit der Besorgten und Sorglosen weiß es einfach besser als die Wirklichkeit.

 
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Kollege Pantoufle wirft fahrlässig mit Konfetti um sich, weil ein paar Physiker behaupten, es sei jetzt aber endgültig irre wahrscheinlich, dass sie Gravitationswellen nachgewiesen hätten. Ich bin ja der Ansicht (womit ich ausdrücklich nicht den Kollegen meine), dass Leute, die sich noch nie mit Gravitation befasst haben, dergleichen nicht lesen müssen und schon gar nicht schreiben dürfen. Sonst kommt dabei herum, dass es ein deutscher, ein deutscher ein deutscher!!! Laser war, der das gemessen hat. So kommt der Laser zum Leser. Ich halte die bisher bekannt gewordenen Fakten für wacklig – sprichwörtlich. Zudem meldet der “Spiegel” das, was immer ein Indiz für eine Ente ist, und erblödet sich der Forderung eines “schnellen” Nobelpreises. Das hat sich ja schon bei Obama bewährt.

Ich kommentierte heute, ich sei früher immer Hintertorwart oder Ball gewesen, wenn Fußball gespielt wurde. Hier möchte ich ergänzen, dass ich dereinst mit meiner ersten Freundin am Strand lag, in den Sternenhimmel schaute und über die Rotverschiebung im Spektrum sich entfernender Lichtquellen sinnierte. Eine dieser Geschichten ist möglicherweise wahr, zumindest signifikant wahrscheinlich.

Vorwärts immer, rückwärts nimmer

Ich wollte aber auf etwas ganz anderes hinaus, nämlich auf die sogenannte “Wissenschaft” der Politologie. Was die so an Wissen schafft und ausspuckt, ist mit signifikantester Wahrscheinlichkeit peinlicher Blödsinn, die Systemtapete in den geschlossenen Räumlichkeiten eines psychotischen Paralleluniversums. So ungefähr wie “Being John Malkovich”, nur mit Sigmar Gabriel anstelle von John Malkovich. Vor einigen Jahrzehnten trug ich einmal die Idee vor, soziale Systeme, zumal politische, müssten redundant sein, wenn sie nicht zwangsläufig im Innern zuwuchern und als Schwarzes Loch enden sollen. Will heißen: Eine Gesellschaft, die ihre Entwicklung und deren Prozesse nicht revidieren kann, wird instabil und zerstört sich selbst.

So weit, so Idee. Keine große, sondern historisch fast beliebig nachweisbar, das, was wir gerade wieder erleben und sowieso banal. Wo, frage ich mich jetzt, bleibt also die wissenschaftliche Forschung zu der Frage, wie sich Gesellschaft so formieren kann, dass sie fatale Prozesse erkennt, revidiert und korrigiert anstatt wie doof ins Verderben zu laufen? Man lacht sich ja tot, wenn man aus diesem Blickwickel so etwas wie Kapitalismus betrachtet. Ach, ihr meint, genau deshalb fragt sich das niemand an den Brutstätten solcher ‘Wissenschaft’? Na gut, ich geh’ dann mal wieder hinters Tor.

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