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Mai 2019


 
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Das politische Stellvertretersystem ist in der womöglichen letzten Krise. Dass es der Krise des Kapitalismus folgt, ist eine Binsenweisheit, aber es gibt Symptome, die unabhängig davon auf einen wichtigen nötigen Entwicklungsschritt hinweisen. Wenn die Menschheit einmal etwas anderes schaffen soll als irgendwelchen Führern, Despoten oder Milliardären zu folgen, muss sie sich dringend von der Moral befreien, die immer wieder Herrschaftssysteme stützt.

Wir erleben gerade jetzt, wie eine Generation politischer Moralisten an ihrer Heuchelei scheitert, um der nächsten den Weg frei zu machen. Diese wird, das hat vor allem die jüngste Vergangenheit gezeigt, schneller an denselben Punkt gelangen als ihre Vorgänger. Es gibt einen stabilen rechten Bodensatz, der wie bereits erklärt gern in eine romantische Vergangenheit zurückreisen will. Diese Kandidaten müssen und werden an sich selbst scheitern. Die Lügen ihrer Führer sind zu offensichtlich und sobald diese Klappspaten etwas regeln müssen, geht das ohnehin schief.

Klimaneutraler Luxus

Interessanter ist das Sammelbecken der verwöhnten Mittelschicht mit ihren Hypermoralen, die alles besser haben wollen – die Welt, die Umwelt und den ganzen Rest. Dass deren Führer das verlogenste politische Pack sind, das sich nicht einmal Sozialdemokraten unverschämter hätten ausdenken können, wird nicht ewig ein Geheimnis bleiben. Zudem machen diese konfliktunfähigen Gutmenschen schlicht alles falsch – was ihnen derzeit einen paradoxen Erfolg beschert.

Die Partei der Angriffskriege, Laufzeitverlängerung, Hartz IV, Deregulierung, Gewerkschaftenkorrumpierung et cetera reitet derzeit auf dem Rettet-die-Welt-Ticket, wobei “Welt” die Bezirke rund um die Bioläden sind, wo man sich mit dem Kapital versöhnt, selbst was verdient und die Bienen lieb hat. Man ist bereit zum Verzicht, lebt man ja immerhin vegetarisch bis vegan, fliegt nur zweimal im Jahr in den Urlaub, spart auf ein Elektroauto, man hat Respekt vor den Fremden und findet Chemie schlimm.

Damit verbunden ist unmittelbar, dass niemand in dieser Blase wissen will, was Regierungen unter Beteiligung der Guten/Grünen in den vergangenen Jahrzehnten beschlossen haben. Man macht sich nicht für zehn Pfennig Gedanken darüber, wie sich Weltrettungsphantasien mit der Endkrise des Kapitalismus vertragen und wer dabei die Spielregeln bestimmt. Keine Ahnung, wie viel zu spät es schon ist und wieso gerade die Grünen als, Pardon, Huren des Kapitals dem auch noch das sprichwörtliche Biosiegel verpasst haben. Das Versagen bildet in Kombination mit den vollen Moralintanks eine explosive Mischung.

Triumph des Willens

Nachdem die einen christlichen Heuchler also allmählich aussterben, kommen die jungen Pietisten ans Ruder und sorgen noch einmal für eine Renaissance der dümmsten politischen Begleitkultur des Kapitalismus. Sie werden jedem Einzelnen ins Gewissen labern und weiterhin so tun als käme es auf ‘unseren’ Willen an. Sie werden weiterhin “Verantwortung” predigen, wo nur ein radikaler Ausstieg aus dem System noch Hoffnung zuließe. Auch sie werden ‘Sicherheit’ heucheln und sie den Geheimdiensten überlassen anstatt endlich volle Transparenz zu schaffen, damit wir wenigstens anfangen zu diskutieren, wie wir den Schlamassel in den Griff kriegen.

Sie werden uns die Ohren blutig faseln mit ihrem guten Willen, hohen Idealen und der schönen neuen Welt am Ende des Regenbogens. Die Grünen sind der Spiegel der Braunen, genau so bewusstlos, genau so idealistisch (bitte “Idealismus” selbst nachschlagen!), genau so vom Wahnbild eines rechten Willens geprägt, nur eben nicht ganz so rückwärts gewandt. Mit diesen Pfeifen ändert sich gar nichts. Da kann man auch gleich FPÖ wählen.

 
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Vor einigen Wochen saß ich wieder einmal mit Vlad und Gerd zusammen. Wir tranken Single Malt und rauchten Cohiba Behike. Auf dem Teppich spielten ein paar Blondinen.
“Immer noch keine Natascha, Dude?”, fragte Vlad. Er nennt mich “Dude”, weil ich bei unserer ersten Begegnung einen Bademantel trug.
“Ich bin doch nicht doof, und mein Geschmack hat sich auch nicht geändert. In meiner Suite warten die Brünetten”, antwortete ich. Vlad lächelte spitz.
“Ha-ha-ha”, rumpelte Gerd, “völlich richtich! Aber was ist jetzt mit deinem Plan? Du wolltest uns einen Plan vorstellen für die Europawahl.”
“Plan, Plan … Plan wäre zu viel gesagt, aber eine oder zwei Ideen.”
“Schieß’ los”, sagte Gerd und un zielte mit zwei Fingern auf meinen Kopf.
“Also, zur SPD muss ich nichts sagen, muss ich?”
“Hör’ mal, na sicher! Das ist immerhin meine Pattei, ha-ha-ha!”
War deine Partei, Gerd, ich bin zwar der beste Mann für den Job, aber ich bin nicht Jesus. Tote auferwecken hab ich nicht drauf. Hast du überhaupt zur Kenntnis genommen, wer den Laden schmeißen soll? Nahles und Barley! Muss ich noch mehr sagen? Okay, kann ich: Schulz droht mit Comeback. Schulz, und zwar nicht Axel, sondern Martin. Der Willy aus Würselen. Kannste dir gar nicht ausdenken, sowas. Noch Fragn, Kienzle?”
“Nee, lass mal. Ist schon gut”, winkte Gerd ab.
“Na gut”, raunte Vlad, “also was ist mit meiner Kampagne?”
“Brauchst du nicht. Keine Kampagne, keine Twitter-Bots, keine gekauften Rechtsradikalen.”
Vlad lachte und schaute mich an, bis sein Lachen verstummte und sein Blick diese unnachahmliche Mischung aus verbranntem Fleisch und Angstschweiß verströmte.
“Nein, im Ernst, Vlad. Wenn du mal überlegst, was das alles kostet! Du kannst Tausende Handlanger besser im Straßenbau einsetzen oder als Söldner nach Fukushima vermieten. Die brauchen wir alle nicht. Ich habe eine bessere Idee.”
“Und kriege ich die jetzt zu hören oder möchtest du meine Freunde im Keller besuchen?”
“Ja doch, Großwesir! Es ist ganz einfach: Wir brauchen nur einen. Einen unbedeutenden Schnösel, der ordentlich vorbereitet, mäßig bezahlt und dann auf die CDU losgelassen wird. So ähnlich wie die Chinesen das mit dieser Greta gemacht haben. Nur billiger.”
“Ich muss nachdenken”, sagte Vlad. Der Mann ist ein Genie und hat sofort gerafft, was ich meinte. Er brauchte etwa fünf Sekunden, dann hatte er entschieden: “Das machen wir von hier aus, Dude. Du bist ein Genie. Gib mir nur den Namen!”
“Rezo. Kostet keine Fünfzigtausend. Ich habe dir die Daten schon per Telegram geschickt.”
“Superjob, wie immer. Dann genieße deine Suite! Und dem da schicke ich ein paar eisenharte durchgeknallte Cracknigger. Der steht auf Kneifzangen und Lötkolben. Gerd?”
Gerd war inzwischen eingeschlafen.

 
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Einer der wenigen, die angesichts des Falls Strache nicht in die kindische Empörung eingestimmt, sondern sondern Zusammenhänge aufgezeigt hat, war Tomasz Konicz. Um ehrlich zu sein, interessiert mich weder Strache, noch finde ich etwas Neues an all dem. Man kann aber hier recht anschaulich erkennen, was der Unterschied zwischen Kritik und deren Gegenteil, Affirmation, ist.

Es sind wie so oft die Massenmedien, deren Produzenten ihre Werke noch ernsthaft als ‘kritisch’ etikettieren, während sie es sich in der tiefsten Affirmation gemütlich gemacht haben. Statt nüchterner Erklärungsversuche mit der gebotenen Distanz zum Gegenstand wird distanzlose Empörung geübt.

Noch ein Einzelfall

Diese Empörung funktioniert nur, weil erstens das Ereignis unter den Hand zur Sensation aufgeblasen wird und zweitens gar nicht erst versucht wird, es in so etwas wie einen Zusammenhang zu setzen. Es muss unbedingt ein Einzelfall sein, ein Unfall, ein Blitz aus heiterem Himmel. Kritik, die mit Recht so heißt, ist aber der Feind solch zusammenhanglosen Tamtams.

Affirmation hingegen will, das alles so bleibt wie es vermeintlich ist, wobei sie so tun muss, als sei eigentlich alles in Ordnung. Die aktuellen Plakate der CDU etwa triefen vor dieser reaktionären Haltung. Weiter gehen nur die ganz Rechten: Deren Weltbild kommt derweil auch noch gewollt ‘kritisch’ daher, weil sie eben nicht bloß wollen, das alles so bleibt. Sie wollen vielmehr, dass es wieder so wird, wie es in kitschiger Verklärung einer beliebigen Vergangenheit angeblich einmal war.

Kritik hingegen ist gegenüber wünschenswerten oder unerwünschten Umständen zunächst grundsätzlich unentschieden. Sie analysiert den Ist-Zustand, vergleicht ihn mit (geschichtlichen) Erfahrungen und fragt danach, wie ein Ereignis in den Rahmen dieser Erfahrungen passt. Nach einem solchen Prozess kann man sich über ‘Strache’ nicht mehr ernsthaft aufregen. Gerade da, wo die Empörung derzeit nicht gespielt ist, ist sie zutiefst unkritisch.

Update: Ich habe in den letzten Satz das nicht ganz irrelevante Wort “nicht” eingefügt.

 
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Im Sinne meiner Oberflächenbeschreibungen aka “Narrativ” muss ich mich heute noch einmal mit den Beschreibungen des Kapitalismus befassen, wie sie von dessen Befürwortern gern abgeliefert werden. Das fängt hierzulande bekanntermaßen schon mit propagandistischen Umbenennungen an. Kapitalismus heißt längst nicht mehr so, sondern grundsätzlich “Marktwirtschaft”, der noch das Prädikat “sozial” vorgestellt wird. Wenn eigentlich von Profit die Rede ist, heißt es je nach Thema “Arbeitsplätze”, “Gewinne” oder “Wachstum”. Kapital heißt “Investoren” und so fort.

Diese Umschreibungen sind quasi die Oberfläche der Oberfläche, hier kann man noch halbwegs erkennen, was sie eigentlich verdecken, zumal wenn man Schlüsselbegriffe wie “Wachstum” durchschaut, das als Selbstzweck nicht begründbar ist und damit recht unmittelbar auf die Mythologie weist, die dahinter steht. Wenn man dann noch Hayek gelesen hat, weiß man auch, wie die Messe in dieser Kirche zelebriert wird.

Wer hat’s erfunden?

Erfolgreicher sind freilich Inhalte, die ein wenig tiefer liegen und im Alltagsverstand als selbstverständlich gelten, obwohl oft das Gegenteil der Fall ist. So reklamiert der Kapitalismus für sich Errungenschaften, die ihm nicht zustehen. Allem voran ist das Prinzip der Arbeitsteilung zu nennen, das sehr viel älter ist und das sich überall dort entwickelt, wo es eben benötigt wird – auch ohne dass Profit das Ziel ist. Einfaches Beispiel hierfür ist die Brotproduktion. Bauern säen und ernten, Müller mahlen das Korn und Bäcker backen Brot. Dazu braucht es kein Geld, das vermehrt wird.

Dasselbe gilt für die technische Entwicklung. Als habe es diese nicht schon vor dem Kapitalismus gegeben! Es gibt sie sogar mitten in ihm ohne Profit, bekannt etwa durch Open-Source-Produkte oder “(Creative) Commons”. Zudem braucht es immer noch Köpfe, die entsprechende Ideen hervorbringen. Dass der Kapitalismus diese Kreativität ausbeutet, macht ihn nicht selbst zur Essenz der Erfindungen. Im Gegenteil unterdrückt er alle Entwicklungen, die dem Profit im Wege wären oder Menschen unabhängiger von Lohnverhältnissen macht.

Nach wie vor ist die aggressivste Behauptung der Propaganda, dass ausgerechnet Kapitalismus die Voraussetzung für ‘Freiheit’ sei. Sie nutzt dabei die vielschichtige Bedeutung des Begriffs, wobei sie mit Absicht das Eine meint und das Andere sagt. Zu verstehen ist unter solcher “Freiheit” die der Eigentümer, ihr Eigentum zu mehren, sprich: Profit. Garniert wird das Ganze regelmäßig mit Schauergeschichten von der vermeintlich einzigen Alternative: Kommunismus, Sozialismus, autoritärer Staat, Diktatur.

Wo Kritik versagt

Dem wird erstens unterstellt, er führe quasi zwangsläufig in die Pleite und zweitens, dass er eben autoritär sei. Dabei leugnet diese Propaganda unter der Hand die Existenz aller faschistischen Diktaturen und Parteien der Geschichte. Die Frage, ob Faschismus mit einer gewissen Logik aus dem Kapitalismus hervorgeht, kommt hier erst gar nicht auf. Dass die autoritären ‘Kommunisten’ derweil keine waren und statt Kommunismus einen halbgar gelenkten Kapitalismus samt Geldwirtschaft und Lohnarbeit pflegten, kommt ebenso wenig zur Sprache wie dass das ‘kommunistische’ China irgendwie gar nicht so pleite ist.

Die Unfreiheit der Abhängigen, die von ihrer Schufterei nicht leben können oder gar nicht erst die Chance dazu bekommen, wird gleich ganz verschwiegen bzw. einfach zur ‘Freiheit’ umgedeutet. Schließlich haben sie dasselbe Recht reich zu sein wie die Reichen auch. Damit ist Freiheit und Gleichheit Genüge getan. Mehr wäre nämlich Gleichmacherei, ergo Diktatur.

Propaganda stört sich nicht an solchen schreienden Widersprüchen; sie schreit einfach lauter, und wo ihr das lange genug gelingt, sickert der ganze Blödsinn ins Narrativ und wird für bare Münze genommen. Was die Kritik am Kapitalismus anbetrifft, die hier sogar am offensichtlichen Blödsinn scheitert, wird das wohl mit den Kritikern und ihren Strategien zusammenhängen. Wo es keine nennenswerten Gruppen und Strukturen gibt, die solche Kritik leisten, kommt man mit diesem Quatsch eben durch und streitet nur mehr darüber, ob Putin schuld ist oder ein anderer alter weißer Mann.

 
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W. Droste als Widros in “Spiel der Ringe”. Quelle: Pixabay

Wiglaf von Droste-Hülshoff ist tot. Der dem katholischen Biedermeier verpflichtete Dichter der banalen Vaginallyrik war eine der großen Reizfiguren der deutschen Gegenreformation und wird oft in einem Atemzug mit Oliver Pocher, Mario Barth und Lale Andersen genannt. Loriot sagte einmal über ihn, auch andere Granden der Komik wie Diether Krebs und Beate Klarsfeld nannten den jüngsten Sohn der Neuen Freiburger Schule einen “würdigen Nachfolger Plinius’ mit anderen Mitteln”.

Aber das ist hier überhaupt nicht das Thema. Das bestimme immer noch ich, und ich meine: Es reicht! Ich bin nicht schwul, nicht schwarz, weder blöd noch fett, keine Blondine, kein Ostfriese oder Einwohner sonstiger Paradiese der Inzest und der Zoophilie, kein Religiot, kein P’litiker, kein Franzmann, Pollack oder Kanake. So, ist das also dann meine Erbschuld oder wie? Bin ich es deshalb nicht wert? Unwichtig? Irrelevant? Marginal? Quasi nicht existent?

I matter

Auch ich habe ein Recht auf eigene Witze! Wer lacht auf meine Kosten, macht sich billig lustig über mich, disst mich, kriminiert und beleidigt mich? Wo bleiben die Demütigungen, mit denen ich mich identifizieren kann? Das hast du nicht drauf, “Titanic”, richtig? Kannst du nicht, bringst du nicht, bist du zu schwach für. Oder ist da draußen vielleicht irgendeine andere Instantz, die einspringen könnte?

Das Einzige, das mich in Sachen Niedermachen erreicht, sind die biersauren Altherrenfürze von zwei Ossis, die in Neunundachtzig hängengeblieben sind und sich jeden Freitag von sächselnden Dominas für meinen Soli ihren faltigen Sack durchklatschen lassen. Das soll dann alles gewesen sein? Da kann ich mich ja gleich der Hölle des Antihumors der Alteweißemännerhasser überantworten, die ungefähr so lustig sind wie ungesäuerte Weizenoplaten. Nee, noch viel weniger lustig. Dafür ernster.

Also, Auftrag: Passende Kategorie finden, dissen, dabei lustig sein. Das kann doch nicht so schwer sein, herrgottnochmal! Und zur Reise des Ersteren zum Letzteren, wie die dazwischen Genannten sie sich beim Verdauen ihres Gebäcks imaginieren, ein letzter Gruß:

Dies, das,
Ananas.
Chick Corea
Chicorée,
dem Lenin tut das Arschloch weh.

Und ab!

 
hs

Ein befreundeter Musiker wurde jüngst mit einem Manager der Musikindustrie bekannt gemacht, dem ein anderer Freund eine Aufnahme von ihm zugesandt hatte. Der Mann, nennen wir ihn “Malcolm”, war ersichtlich interessiert.

Malcolm : Dude, das ist der beste Riff, den ich seit den Siebzigerjahren gehört habe, das müssen wir groß rausbringen!

Dude: Schön, wenn es Ihnen gefällt. Was stellen Sie sich denn so vor?

Malcolm: Nenne mich “Mal”, Dude, wir sind doch alle Kreative. Also wir machen das so: Zuerst drücken wir dich mal in einige unserer aufstrebenden Youtube-Kanäle. Weißt du, wir unterhalten ein paar Hundert davon. Jungs und Mädels, die für ein Taschengeld da rummachen, und wenn einer von denen beliebt wird, kriegt er ein paar Groschen mehr. Von denen wiederum kommt einer noch weiter nach oben, und das sind dann die Kandidaten, bei denen wir Talente wie dich unterbringen.

Dude: Naja schön; ich meine, Youtube kann ich ja auch selber, das gucken sich dann zwar nicht so viele an, aber wenigstens diejenigen, die uns wirklich hören wollen, und eigentlich will ich vor allem Musik machen und weniger “groß rauskommen”.

Malcolm: Ja sollen das denn nur deine Mutter und dein Hund hören, Junge? Das ist ja auch nur der Anfang. Wenn das durchtstartet – und du hast absolut das Zeug dazu – gehst du auf Tour, und nicht in irgendwelchen Kneipen, Junge, ich sehe dich auf den ganz großen Bühnen stehen.

Dude: Immer dieses “Ganz groß”, ich möchte gar nicht ganz groß. Durch ein paar Clubs tingeln und vielleicht mal ins Studio, das könnte ich mir vorstellen. Vielleicht ein Konzeptalbum …

Malcolm: Um Gottes Willen, Junge, du hast ja überhaupt keine Ahnung, wie der Markt funktioniert. Vergiss es! So geht das nicht. Du musst dich schon auf das einlassen, was wir dir bieten, dann haben wir beide was davon. Weißt du, wenn du es schaffst und nach ganz oben kommst, kannst du irgendwann machen, was du willst, aber erst mal müssen wir dich in den Charts platzieren.

Dude: Nee Danke, Mann. Dann wird das wohl nichts.

Malcolm: Bitte was? Du meinst, du kannst hier die Bedingungen diktieren? Bist du bekloppt? Für wen hältst du dich?

Dude: Bleib mal locker, Mann. Ich diktiere gar nichts, und du diktierst auch nichts. Was du willst, hab ich nicht und was du hast, will ich nicht. End of story.

Malcolm: Du Träumer! Was glaubst du? Dass nächste Woche wieder wer kommt? Dass wer auf dich wartet? Ich sag dir was: Aus dir wird nichts. Gar nichts. Und wenn du meinst, du kannst zu nem Anderen rennen, kannst du das auch vergessen. Ich werde dafür sorgen, dass du in diesem Business niemals ein Bein auf die Erde kriegst, Junge. Du bist erledigt!

Dude: Dein Blutdruck, macht der dir eigentlich gar keine Sorgen?

Malcolm: Mein was?

Dude: Alter, du bist doch total krank! Mach mal ne Therapie oder sowas. Schönen Tag noch!

 
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Das ist keine Postleitzahl, als solche existiert sie nicht – da kann doch schon was nicht stimmen! Nein, ich ixquickte neulich nach einem Blogger in Kombination mit Schmähbegriffen, in der Absicht, bestimmte Kommunikationen zu finden, und was soll ich sagen? Mein Blog war wiederum bei fast allen üblichen Abfragen (“Arschloch/Penner/Wichser/”) ganz weit vorn. Dabei habe ich ihn nie derart geschmäht. Ich habe seinen Namen wiederum in der Überschrift kodiert, weil ich eben eine solche Kombination nicht an prominenter Stelle haben möchte. Im Übrigen muss ich wohl an meinem Vokabular arbeiten.

Brave new world! Wir hatten neulich hier das Thema, was wie wo zensuriert wird. Viel interessanter finde ich aber die Frage, was man eigentlich noch findet. Ich hatte mir vor Wochen schon die Notiz gemacht, dass man kaum mehr Neues im Netz entdecken kann – jedenfalls nichts von Qualität. Tonnen von Bullshit überlagern alles Interessante. Die alte Bloglandschaft z.B. wurde durch von Großkonzernen gehosteten Dung verdrängt – Knipsebilder von der Currywurst, Filmchen von debilen ‘Influencern’, Geschrei von Twittertrollen und unbeholfenes Gepose auf Instagram bringen einen stattdessen mit seichtem Entertainment über den Tag.

Bloß kein Stress

Es wundert mich kein bisschen, dass Gleiches nur mehr Gleiches findet und die Vorurteile auf keinerlei Widerstand stoßen. Dies ist die unvermeidliche Folge der technischen Entwicklung, vor allem bei Suchmaschinen, deren Betreiber aus Gründen des Profits zusehen, dass möglichst immer auf den größten Haufen gemacht wird. Dieser Trend bildet einen formidablen Teufelskreis mit der Inkompetenz fauler ‘User’, deren primitivste Bedürfnisse jeweils vorrangig bedient werden.

Dabei ist das nicht nur unnötig, sondern vor allem gewollt. Dass Leute, die nicht mehr als drei Klicks weit denken können oder suchen wollen, darin von der Industrie bestärkt werden, ist traurig genug. Dass aber obendrein Suchoptionen und Werkzeuge eingedampft wurden, mit denen man wenigstens noch Alternativen finden konnte, wenn man wusste, wie, ist eine Zumutung. Schon lange ist die Timeline abgeschaltet, die Operatoren und/oder sind auch weichgespült, ja, nicht einmal die Wort-für Wort-Suche nimmt die Krake noch ernst und liefert stattdessen Spam.

Es muss alles smooth, sexy, kewl und selbsterklärend sein, wo einzig Wissen und wenigstens ein wenig Mühe die nötige Kompetenz ermöglichen würden. Ausgerechnet in den Bereichen, die ihren Alltag 24/7 bestimmen, haben die ‘heutzutage’-Menschen keinen blassen Schimmer mehr. Haben wir uns vor ein paar Jahren noch geärgert, dass sie keinen Plan von Hard- und Software haben und immer angejammert kamen, so müssen wir inzwischen feststellen, dass sie noch für die zweitdümmste Anwendung zu erfolgreich verblödet wurden. Wir werden erleben, dass auch Emojis zu kompliziert werden und die verdammte Lautdifferenzierung sowieso. Mehr als drei Rülpslaute wird man dieser Spezies in Zukunft nicht mehr abverlangen können.

 
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Abb.: Steinkauz Brückmeier (Serviervorschlag)

Ein hoher Angestellter des Kladden-Konzerns erkennt in der SPD den Klassenfeind. Es droht ein Linksrutsch, schon wieder! Nachdem bereits die Parteilinkenahles® den Parteivorsitz erobert hat, schickt sich jetzt ein radikaler an, die Partei für Enteignungen zu missbrauchen. Dass sogar die Parteilinkenahles® sich davon distanziert, beweist, wie extremistisch die Kräfte zu Werke gehen, die jetzt die SPD spalten wollen.

Alle moderaten Kräfte wie Olaf Scholz, Johannes Kahrs und der Experte für Parteigeschichte, Sigmar Gabriel, warnen und mahnen. Sie fürchten um den Erfolg den Partei und die Sozialegerechtigkeit®. Wir erinnern uns: Noch vor einigen Jahren planten Sozialisten den Coup der eiskalten Enteignung® aka Erbschaftssteuer, die unsere Leistungsträger® im Zweifel um ihr Elternhaus hätten bringen können. Damals rettete die SPD den Sozialenfrieden®.

Foul is Fair

Jetzt kommen aus der eigenen Partei Stimmen, die unsere Leistungsträger® wieder enteignen wollen – diesmal von den Elternhäusern ganzer Bezirke. Ginge es nach Revoluzzern wie Kevin Kühnert, würden am Potsdamer Platz nur noch Sozialhilfeempfänger wohnen und Leistungsträger® am Stadtrand unter unwürdigen Bedingungen hausen. Derweil korrigiert Vorsitzendenahles endlich den Irrtum von der Arbeiterpartei: Die SPD ist “Facharbeiterpartei“, also keine für ungelerntes Kroppzeug, Schmarotzer oder Akademiker – gegen Letztere wirkt seit Achtundsechzig die bekannte Allergie.

Das Spitzenpersonal der Facharbeiterklasse, namentlich Heiko Maas, besorgt zeitgleich den internationalen Klassenkampf und verteidigt unsere Freiheit® in Caracas. Dort hat es einen Machthaber® und seinen Herausforderer®. “Herausforderer®” ist, wenn man versucht, das amtierende linke Staatsoberhaupt mit Teilen der Armee zu stürzen und sich selbst zum Chef zu erklären. Das findet die SPD gut. Like!

Lesen Sie morgen an dieser Stelle: “Putins Brückenkopf in Südamerika” und wie gemäßigte Rebellen® die Handchirurgie fördern.

 
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Abb.: Verfassungsschutz beobachtet Rechtsextreme

Erwähnte ich, dass Lohnarbeit doof macht, einem das Leben aussaugt und die Zeit für Wichtigeres klaut? Selbst wenn man noch etwas halbwegs Sinnvolles macht und sogar einen guten Job? Whatever. Es verhält sich derweil so, dass derzeit die Snooker-WM stattfindet, ein im hiesigen Hause eigentlich heiliger Akt, der sich über zweieinhalb Wochen zieht. Schon länger wollte ich am Rande dessen einmal mehr über das herziehen, was unter ‘KI’ firmiert.

Wie bereits bei anderer Gelegenheit beschrieben, passen wir fleißig die Umwelt den Bedürfnissen der Maschinen an, so dass sich zum Beispiel ‘selbstfahrende Autos’, also Autoautomobile, zurechtfinden. Was die alles brauchen! GPS, Korrekturdaten, tägliche Updates, Exakte Markierungen, maschinenlesbare Schilder et cetera et cetera. Wenn die dann in der Rechtskurve nicht links herum fahren, klatschen wir die Händchen über dem Kopf und bewundern solche “Intelligenz” wie den ersten Schiss in Töpfchen.

Einfach einfach

Zu komplex darf es nicht werden. Ich frage mich derweil, ob das Bestehen eines Tests, bei dem drei Förmchen zur Auswahl stehen und nur eines die Farbe des Rahmens und die Form des Lochs hat, in das man das richtige stecken soll, während ein leuchtender Pfeil noch auf die passende Stelle weist, ob wir also das Bewältigen einer solchen Aufgabe auch als ‘intelligent’ bezeichnen würden. Nun, sagt ihr aber, die können doch so dolle Schach und Go spielen?!

Wie gesagt: Das können die, weil die Regeln einfach und die Umwelt noch einfacher ist. Geben wir ihr doch einmal eine Aufgabe, die so schwer auch nicht sein sollte: Lassen wir sie Snooker spielen! Die Maße des rechteckigen Tisches, die Lage der Taschen (‘Löcher’), die Farben der Kugeln; alles leicht erkennbar. Man kann die KI auch trainieren, was die Länge der Bälle, den Effet und Bandenabstoß anbetrifft. Geben wir ihr ruhig 20 Jahre Zeit. Sie käme dennoch nicht einmal in die top 1000, dummes Ding (ich verbitte mir an dieser Stelle Chinesenwitze)!

An die Grenzen gestoßen

Was KI kann, kann derweil auch der schmierige Vollspaten eines Blockwarts, der weiß, was sich gehört, für wen das gilt und dass alles, was irgendwie fremd aussieht, Abschaum ist. Er erfüllt sogar mühelos die für ‘KI’ völlig unlösbare Aufgabe, ohne weitere Hilfe festzustellen, wer die Gleicheren unter den Gleichen sind. ‘KI’ braucht dafür noch den Eingriff (nein, nicht den in der Unterhose. Das war der Blockwart):

Wenn man nämlich die Algorithmen anwendet, die Twitter für seine Zensur-’KI’ entwickelt hat und damit nicht nur Moslemterror, allgemeine Hatespeech und Titten keine Chance haben, das Licht des Bildschirms zu erblicken, sondern auch Nazipropaganda, dann wird ein gerüttelt Maß der politischen Kommunikation von US-Republikanern in den Papierkorb geroutet, und das geht ja mal gar nicht. Die sind in vielen Fällen schließlich die gewählten Repräsentanten®. Okay, vielleicht reden wir hier eher über ‘natürliche Intelligenz’ und deren bedauerliche Limitierungen. Mag sein.