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November 2020


 
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Meine Regierungsverklärung begänne ja mit den Worten:

“Liebe dies, das, Ananas! Wir müssen mehr Verantwortung tragen in der Welt, als Volk und als Deutsche. Die Verantwortung muss bunter, weiblicher und diverser werden. Seit es Frauen in der Bundeswehr gibt und auch Schwule dort gern gesehen sind, reisen wir auch wieder gern. Das ist Material, mit dem man gern Verantwortung und so. Verstanden? Nicht? Was glotzt ihr so, ihr Spachtel?

Also nochmal: Wir schicken seit Jahren wieder Leute in Angriffskriege. Das lassen wir gern als “Verantwortung” verschlagworten, und zwar u.a. unter Verantwortung von Weibern (Scharping, Uschi, Krampkarre). Weiber schicken Weiber an die Front. Was waren wir empört wegen Kießling, jetzt sind wir stolz auf echte Homos, die wir mit billigem Schrott ausgerüstet dem Taliban vor die Flinte schieben. Darauf einen Regenbogen!”

Sozialer Aufstieg ist möglich!

Immerhin: Im Kern ist die Truppe immer noch braun, doof und gewalttätig. Was willst du mit solchen Leuten machen? Die schickst du nach Magdeburg ins JobCenter, zum Tönnies oder zum Barras. Oder lässt ihnen sogar die Wahl, dann läuft das von ganz allein. Keine Sau will in Hartz vier (egal, welche Schreibtischseite), beim Tönnies verdienst du schlechter, es ist saukalt, die Klamotten sehen scheiße aus und gefährlicher ist das auch noch.

Kann man natürlich auch als Aufstiegsmodell etablieren. Beim Tönnies holst du dir die Skills fürs Schlachten und die Todesverachtung, beim Taliban kannst du dann ernten. Auch für deine Instagram-Karriere nicht schlecht: im Hintergrund der Hindukusch, vor dir eine Leiche (möglichst nicht die eigene). Man muss ja nicht gleich draufstrullen, das ist nämlich sexistisch.

Beim Tönnies bist du so der Arsch, dass du für das Angebot, in einen dreckigen Krieg zu ziehen, sofort alles stehen und liegen lässt. Es ist ja nicht bloß so, dass du da ungefragt den Covid als Bonus einstreichst und mit der Kohle nur in Rumänien auskommst, du tötest Tiere! Sowas wie dich will man in keiner deutschen Innenstadt mehr sehen. Wie gut, dass es noch andere Länder gibt. Da will dich zwar auch keiner, aber wenn ihnen dein Gesicht nicht gefällt, schießt du denen halt in ihres.

Und jetzt alle!

Doch doch, es ist schon einiges besser geworden. Demokratischer auch. Jed*r/In Waffenfähige kriegt eine Waffe. Niemand (oder heißt das jetzt auch “niefraud”? Verdammt!) wird mehr vorab aufgeknüpft oder am Straßenrand vergewaltigt, bloß weil sie fälschlicherweise für kampfunfähig gehalten werden. Nehmen wir die Susanne: Hat sie eine Kalaschnikow in der Hand, fällt keiner über sie her, und bei einer H&K denkt man zumindest nochmal drüber nach.

Also: Verantwortung. Das kann gar nicht verantwortungsvoll genug sein. Da sollte man keinesfalls auf dem halben Weg stehen bleiben. Komplettbewaffnung des Volkskörpers, Mindestalter zwölf, und kreative Lösungen für das Austragen von Konflikten, die unvermeidlich auch bewaffnete sein werden. Wo souverän Völkerrecht gebeugt wird, sollte man im Strafrecht nicht knausern, zumal sich das alles ohnehin einpendeln wird. Wer wird da schon kleinlich Erbsen zählen, mit Schusswaffen oder an Schusswaffen? Ohne Schusswaffen, das ist doch der Skandal!

 
Hier geht’s zum Film

Ein wunderbares Lehrstück vor allem für unsere Sozialdemokraten, aus dem Jahr 1970. Damals wurde in meinem Stadtteil ein Werk dichtgemacht. Der Film stellt einige Betroffene vor. Schon 1970 hatten viele offenbar völlig verdrängt, was Kapitalismus ist. Geradezu rührend die überraschte Feststellung, dass das Kapital ein Werk schließt, wenn es nicht mehr ausreichend Profit abwirft.

Nicht minder tragisch die selbstverständliche Hinnahme der Opfer, vor allem in Hinblick auf ihre Gesundheit, die die Arbeiter gebracht hatten. Das firmierte bei ihnen offenbar nicht unter “Ausbeutung”, sondern zaghaft erst der Skandal, dass ihnen im Gegenzug nicht das Recht zugestanden wurde, bis zur Rente an ihrem Platz arbeiten zu dürfen.

Welche Krise?

In dieser kleinen Krise, die ein erster Vorläufer dessen sein sollte, was folgte, wurde kurzfristig die Farbe Rot wieder attraktiv – “rot” wie in Kommunismus. Auch das Engagement der DKP wird erwähnt, wo die Krefelder Sozialdemokraten den Anlass wohl nicht wichtig genug fanden. Jetzt sei es, so die Belegschaft des Betriebs, “höchste Zeit, dass den Profitinteressen die Zügel angelegt werden“. Genau. Einhegen® – seit 50 Jahren ein Erfolgsmodell.

Ein wenig hat sich seitdem verschoben im Verhältnis Kapital zu Arbeit(ern). Positiv ist festzustellen, dass die Gewerkschaften sich mit Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen in puncto Sicherheit und Gesundheit Gehör verschaffen konnten. Auf der anderen Seite sitzen nämlich seit jeher Leute, die rechnen können. Es amortisiert sich doppelt: weniger Krankheitsausfall und ein wichtiges sichtbares Symptom der Ausbeutung weniger.

Symbol und Ladung

Andererseits ist nicht bloß der Worst Case eingetreten im Hinblick auf die Ausnutzung der “besten Jahre” der Beschäftigten. Inzwischen gibt es das Blümchenwort “Erwerbsbiographie”, das keinen Zweifel lässt an der Pflicht, lebenslang zu dienen, aber nicht einmal mehr die Illusion zulässt, man habe eine Beschäftigung für Jahrzehnte. Widerstand gegen Ausbeutung, Lohndumping, Hire and Fire, Verlust der Sozialleistungen? Der ist mit den Kommunisten verschwunden. Gewerkschaften betätigen sich derweil selbst als Vertreter von Kapitalinteressen.

Die Symbolkraft der roten Fahnen ist ebenso passé. Selbst die SPD, zuletzt die wichtigste ideologische Instanz für Ausbeutung, maßt sich an, ihre nützlichen Mitglieder mit roten Fahnen auszustatten. Der Bedeutungsverlust politischer Symbole beruht auf solcher Korruption, die sich auch in sog. “Farbenrevolutionen” abgenutzt hat und bei Anne-Frank-Vergleichen auf den kalten Boden aufklatscht. Es braucht Geschichtsbewusstsein, um daraus zu lernen.

 

Wie viele der reichsten deutschen Familien haben ihr Vermögen eigentlich nicht mithilfe der Nazis gemacht?

#sozialneid #leistungsträger

 
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Es gibt da ein nettes Video von Rezo, in dem er sich wundert, wieso die Truppe aus Nazis und anderen Covidioten mit Polonaise durch die Innenstadt spreaden kann, während linke Gegendemonstranten mit der ganzen Wucht des Wasserwerfers zusammengeschossen werden. Wieso diese esoterischen Ufologen und ihre Freunde aus dem braunen Gesocks keinerlei Konsequenzen zu fürchten haben, wenn sie die Pandemie im Alleingang vorantreiben, während andere die harten Konsequenzen wie Pleite, Krankheit und Tod tragen müssen.

Ein Schritt zurück zu der anderen Dauerwurst: Hemmungslose Aufklärung über das Treiben der Nazis in der Polizei sieht so aus, dass zunächst Parodien aufgespürt und dafür harmlose Kolleginnen aus dem Dienst gekärchert werden, die sich dann zurückklagen müssen, während rechtsterroristische Strukturen nicht so wild sind, weil da nur Angeber unterwegs seien. Da, wo das vielleicht echte Nazis sind, wird schon traditionell versagt®. Pannen® halt, da kann man nix machen.

Volklore

Das erinnert mich nicht zufällig daran, dass schon in meinen jungen Jahren reichlich Linke für Buttons mit einem durchgestrichenen Hakenkreuz vor dem Kadi landeten, während das Zusammenschlagen von Ausländern nie als politische Tat erkannt werden konnte. Wo immer man hinschaut, trifft man bei den Schützern des Supergrundrechts Faschisten und Gesinnungsgenossen. Zudem sind die Nazis in den Hundertschaften (‘Demobullen’) erfahrungsgemäß besonders konzentriert.

Da muss man sich nicht wundern, im Gegenteil: Es ist gut und richtig, darauf aufmerksam zu machen, wenn Polizei(präsidenten) und Innenminister(ien) unübersehbar zweierlei Maß anlegen, wenn es um Linke oder Nazis geht. Befasst man sich aber näher mit den Strukturen, ist das nur der erste Schritt auf dem Weg zur Erkenntnis. Es ist essenziell, keine Studie über Rechtsextremismus bei den Sicherheitskräften zuzulassen. Die Resultate muss der Apparat ebenso fürchten wie die Katholen den Bericht über Kindervergewaltiger bei der Heiligen Mutter Kirche.

 
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Kaufe sie jetzt, unsere stylishen neuen Sneaker “Sophie Scholl” aus deiner Lieblingskollektion von Adinike! Farblich perfekt abgestimmt auf das “Impfschande Niemals!”-T-Shirt und das Yolocaust-Käppi. Alles selbstverständlich aus judenfreier Produktion, vegan und G5-abweisend. Lass dich nicht umvolken, zeig die völkische Seite deines Widerstands und sieh dabei einfach megagut aus!

Das ist der Trend: Eine Göre (derer sollen es eine ganze Reihe sein) fühlt sich “wie Sophie Scholl”, sagt sie auf einer Bühne und instrumentalisiert sich für die faschistische Trollarmee, deren Logik diese Aufführung folgt. Wir haben es hier mit dem Königswasser der Nazitrolle zu tun: Helden- und Opfermythos sowie der Gipfel aggressiver Projektion in einer einzigen Geste. Der Nazi geriert sich als Opfer eines Holocaust, den er hintenrum leugnet, und schickt die Unschuld vom Lande vor.

Heldenopfernazijude

Das Umfeld der armen Idiotin hat in die Vollen gegriffen und ein willfähriges Opfer gefunden, das nicht annähernd ahnt, worin die Tat besteht, wie und warum diese Angelegenheit sie geschädigt hinterlassen wird. Sollte sie sich jemals mit der Geschichte des Holocaust befassen, liegt vielleicht ein Trost darin, dass es ihr ganz und gar nicht geht ‘wie Sophie Scholl’ und ihre Peinlichkeit mit nachträglicher Scham vielleicht korrigiert werden kann.

Sie selbst wird meinen, was sie sagt. Sie nämlich meint nicht die historische Person, ihre Hinrichtung oder ein mögliches Ende im KZ (wie Anne Frank, die ebenfalls von der Rechtsaußen-Spralleria in Beschlag genommen wird), wo sie vergewaltigt, in Experimenten verstümmelt, gequält, ausgehungert und vergast worden wäre. Nein, sie meint die Marke Sophie Scholl.

Sie glaubt, das stünde ihr. Sie träumt davon, eine kleine rechte Influenzerin zu werden, die Applaus und vielleicht sogar ein bisschen Geld einheimsen kann, wenn sie sich so darstellt. Der Unterschied zwischen Schein und Sein ist ihr völlig unbekannt. Furchtbares Leiden kennt sie als abgebrochenen Fingernagel und ausverkauftes Haarspray. Das riskiert sie für ihre Überzeugung. Wie Sophie Scholl.

update: Es gab einige Bauarbeiten zu diesem Artikel, da ich aus ursprünglich einem zwei gemacht habe. Sollten jetzt weitgehend abgeschlossen sein.

 
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Ich habe da was recherchiert: Mein Freund Wenbo und ich, wir mögen kein Windows. Früher, als sogar Microsoft besser war, habe ich das mal benutzt, aber dann fing das an, dauernd zu telefonieren und wurde immer undurchsichtiger und hatte den Exploder. Da (Ja, ich mag Desktopse. Habt ihr mal gesehen, wie ich einen Dateinamen tippe? Bis ich den fertig habe, ist die neue Version draußen.) auch Linux inzwischen gut nutzbar war, nahm ich halt das.

So, der Wenbo ist eh schon immer Linuxer gewesen, und da hat der Bill Gehts sich gedacht: Die mach ich fertig. Also hat er, weil er uns ja kein Windowsvirus anjubeln kann, dieses andere in China ausgesetzt. Was der nicht wusste: Der Wenbo ist längst wieder in Deutschland, wo er auch aufgewachsen ist. Da hat der Bill also zugesehen, dass uns das auch hier erwischt, weil er uns nicht leiden kann. Weil er uns bestrafen will und nicht will, dass wir uns treffen. Toll, Bill Gehts, danke!!!1!

Kuschelig

Derweil sitze ich mit 30 Schnöseln in einem winzigen Raum. Die zuppeln sich dauernd an den MNS rum und lassen die flitschen. Jeden Tag neue Fälle an meiner Schule. Zwei meiner Freunde hatten Kontakt zu einem C-Zombie, ne Bekannte hat Symptome. Boom! Baang! Gut, dass ich eh gerade den Topscore im Burnout-Bingo knacke, ich habe da wohl eine Lösung …

Andere haben andere Probleme. Tausendfünfhundert, darunter mehrere freche. Nein, ich verstehe das, man muss nicht warten, bis das hunderttausend sind und man sich an “Arschloch, Penner, Wichser, ich bring‘ dich um” gewöhnt hat. Ein Hinweis aber für die raffinierten unter meinen Verschwörungsexperten: “erdmanteltief” heißt nicht, dass ich das war. Komisches Wort, allerdings.

Hörnsema, Kolleje …

Und dann das hier: “Rose” heißt nicht nur der Träner von Menschenjagdbach, sondern auch ein Fußballpatriot. Ich habe am nämlichen Abend bis zum Nullzwo geguckt, festgestellt, dass das nullsechs ausgehen würde (no shit!), und dann Snooker geguckt, was eh die schönere Ballsportart ist. Deutschland interessiert mich nicht, aber Fußball schon, auch als Wissenschaft.

Aus dieser Sicht ist es nicht zu erklären, wie Menschen, die schon in einem Verein gekickt haben, so ‘spielen’ können, schon gar nicht Profis. Niemand hat seine Position eingehalten oder sich aus derselben irgendwie nachvollziehbar hinausbewegt. Das ist völlig unmöglich. Gehen wir davon aus, dass eine Fernsteuerung nicht möglich ist, bleibt nur Folgendes:

Ein Gasleck

Joachim Löw hat diese Leute umprogrammiert. These eins: Geblitzdingst. Keiner wusste mehr, wer er war, was er kann oder gelernt hat. These zwei: Löw hat ihre Freunde und Familien in Geiselhaft genommen und verlangt, dass sie all ihr Können aufbieten, um virtuos absurde Bewegungen auf den Platz zu bringen. These drei: Ein ukrainisches Hodencovid hat die Spielerhirnchen mit mutierten Neurotransmittern geflutet. Die einzige Erklärung, bei der Löw seiner unverzüglichen Exekutierung entgeht. Eher unwahrscheinlich.

So, die Viertelmillion ist auch erreicht, check! Frage: Cui bono? Quid est in intellectu, quod non prior fuerit in sensu? Wer zündet die Mondlampe an? Warum starben die Saurier aus (und kommt mir jetzt nicht mit “Meteorit”, den hätte ja wohl irgendwer sehen müssen!!!1!)? Qui quae quod! Ich desinfiziere mindestens stündlich meine Hände. Zum Saufen ist es einfach noch zu früh, aber ganz ohne Alkohol geht es auch nicht. Rührt euch!

 
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ein Gastbeitrag von Greta Leo

My name is Loca. Mein Opa sagte immer zu mir: “Du hast doch ne Schraube, Loca!” Und so heiße ich jetzt. Ich habe auch immer eine dabei. Also ne Schraube. Das ist ganz praktisch. Sie kann sich ganz schön tief reinschrauben. Ich habe mich immer noch nicht dran gewöhnt.

Manchmal habe ich Trouble mit Leuten. Dann ist die Frage: “Zu dir oder zu mir?”. Also für die Schraube. Bei dir hat sie noch mehr Wirkung als bei mir. Selbst bei mir kommen die Tränen. Besser ist es, keinen Trouble zu haben. Besser, die Schraube bleibt in der Tasche.

Leute

Leute sind überhaupt komisch. Die meisten sind bipolar. Also wenn sie nicht noch eine Schublade drunter leben. Manche leben in einem Punkt. Mein Opa hatte mal einen Fernseher, da war das Bild schwarzweiß. Keine Farbe drin in seinem Leben. Und wenn man den Knopf drückte, zog sich das schwarzweiße Bild auf einen Punkt zusammen. Nur noch ein Punkt. Und dann nichts mehr.

Ein Freund von mir heißt Terence. Ich nenne ihn so, weil er Tourette hat. Terence Tourette. Der kommt immer mit so‘m Zeug wie “Ficken!” und “Heil Hitler!” um die Ecke. Mit dem habe ich mich mal über die Bipolaren lustig gemacht. Diese Leute, die alles zwischen zwei Dinger pressen. Reich/arm, schlau/doof, geil/ungeil und vor allem natürlich gut/böse. Das ist dann ihre Welt. Ein Strich mit zwei Enden.

Punkt Komma Strich

Terence und ich, wir haben das mal durchgespielt: Die ganze Welt zwischen zwei Polen. Weil es naheliegt, haben wir Ficken und Hitler genommen. Alles ist entweder Ficken oder Hitler. Nehmen wir einen stinknormalen Tag: Aufstehen ist Hitler. Frühstücken ist Ficken. Arbeiten ist wieder Hitler. Feierabend ist natürlich Ficken. Und so weiter. Ganz einfach.

Tja, so denken sie da draußen. Die Leute sind zu einfach. Du findest kaum wen, der eine Fläche zusammenbringt, noch viel seltener wen, der einen Raum ausfüllt. Striche. Und Punkte. Ficken, Hitler, gut, böse. Wer braucht das? Kann man nicht auch ganz was anderes sein? Muss man dann Tabletten nehmen? Versteh’ ich nicht. Punkt.

 
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Nein, du darfst nicht überall mitreden, Thorben-Marie. Dass deine Eltern meinen, du dürftest zu allem eine Meinung haben, ist ein trauriger Umstand. Es gibt aber Dinge, die besprechen Erwachsene unter sich – und “erwachsen” sind sie auch erst dann, wenn sie sich über ein Thema umfassend orientiert haben. Was das wiederum heißt, ist noch ein ganz anderes Thema.

Doch, es gibt Dinge, die sollten ausschließlich unter Experten diskutiert werden. Es ist nicht zielführend, zu Grundproblemen der Physik jemanden zu fragen, der die allgemeine Relativitätstheorie, Quantentheorie oder Unschärferelation nicht kennt. Mit solchem Unwissen hat man den Vorteil, Ufologe werden zu können, aber aus Diskussionen über Dunkle Materie hat man sich dann rauszuhalten.

Mitreden dürfen

Eine zielführende Diskussion ist auf die Kompetenz der Teilnehmer angewiesen. Bei einem Thema wie Fußball etwa fällt schnell auf, ob jemand die Abseitsregel verstanden hat, während in so läppischen Bereichen wie Virologie oder Epidemiologie schon der Mofa-Führerschein ausreicht und zwei Youtube-Videos. Dieses Phänomen hat Geschichte und Methode.

Das Ritual ‘Diskussion’ wird schon im Elternhaus zum bizarren Kult, wo Kinder ständig mit Entscheidungsbefugnissen überfordert werden. Kinder bis zum Grundschulalter sollten im Grunde gar nichts entscheiden dürfen oder müssen (was aus Sicht der damit gestressten Lütten auf dasselbe hinausläuft), danach kann man sie schrittweise in Erwägungen einbeziehen, die sie auch verstehen.

Stattdessen gehen schon im Kindergarten epische Erklärungen los, wenn die Kleinen mal wieder keinen Bock haben zu tun, was gerade angesagt ist. Das bringt gar nichts, es ist sogar Heuchelei, denn am Ende passiert ohnehin das, was zuvor bereits entschieden wurde. Diesen Prozess einfach und kurz zu halten, das nennt sich “Orientierung”. Die Kids werden es euch danken.

Jeder nur ein Kreuz

Auf weiterführenden Schulen, lange bevor irgendein Schüler kapiert hat, was Überprüfbarkeit, Wiederholbarkeit oder Gültigkeit bedeutet, werden sie bereits in das Ritual des Austauschs sinnloser Wortschwalle eingeführt. Sie lernen, was ein Pro und ein Contra ist, dass man das irgendwie formulieren muss und sich gegenseitig ausreden lässt (immerhin!), um am Ende etwas gesagt zu haben, von dem man selber kein Stück überzeugt ist. Wenn man Pech hat, kommt später noch Rhetorik dazu und von der bleibt wirklich etwas hängen.

Zu erkennen, was ist und was nicht ist, spielt in dieser Show keine Rolle. Man muss halt mitreden für das tolle Gefühl, gehört worden zu sein. Dann noch “ja” oder “nein” ankreuzen, fertig ist die Demokratie®. Diese Methode hat den doppelten Vorteil: Politische Prozesse werden mit endgültiger Wirkung von Kompetenz befreit und das Ganze harmoniert bestens mit einem System, in dem vorn gelabert und hinten entschieden wird.

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Dass Vernunft und die ‘Kraft des Arguments’ nicht allzuweit tragen, haben wir hier schon ausgiebig diskutiert. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter, um dann den hilflosen Versuch zu machen, vielleicht wieder zwei Schritte zurück zu machen.

Die Erfahrung – beinahe alle Erfahrung – mit Diskussionen zeigt, dass es nicht darum geht, einen Sachverhalt gemeinsam möglichst genau zu beschreiben und zu richtigen Schlüssen zu kommen. Vielmehr ist zu beobachten, dass Diskutanten stets mit allen Mitteln – wider die Vernunft – ihren eingangs erklärten Standpunkt verteidigen. Selbst, wenn dieser auf vielen Ebenen widerlegt wird, ändern sie ihn nicht. Im Gegenteil: Je besser das Argument der Gegenseite, desto eher fühlt man sich davon beleidigt.

Daher wehrt man sich umso heftiger, je näher man der Erkenntnis kommt, dass man falsch liegt. Die Gründe dafür sind vielschichtig und unterschiedlich, darauf will ich im Einzelnen hier nicht eingehen. Festhalten lässt sich aber, dass gemeinhin das Ideal einer Vernunft, die sich auf die Sache bezieht und nach Wahrheit strebt, von Diskutanten weit verfehlt wird. Das liegt m.E. nicht (nur) daran, dass sie es nicht anders wollen, sondern daran, dass sie es nicht besser können.

Anpassen, überleben

Um als Mensch, dessen Fokus stets die bestmögliche Anpassung an eine Umwelt ist, nach den Regeln der Vernunft zu denken (und ggf. zu handeln, sei es auch nur kurzfristig), muss man die Instanz ‘Verstand’ nämlich psychisch abspalten. Es ist eine Art Störung – vermutlich wird auch deshalb ‘Nerdism’ mit Autismus assoziiert. Im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich erscheint das schlimmstenfalls exotisch, denn es kann einem egal sein, welche Zahl oder Formel am Ende herauskommt.

Es ist aber ein ganz anderer Sport, sich als Person mit ihren Erfahrungen völlig zurück zu nehmen und quasi neutral zu erörtern, was richtig und falsch ist, wenn vom Ergebnis das eigene Wohlergehen abhängt. Mit diesem Ansatz fällt man aus der Natur und spaltet jedes Eigeninteresse von der Erkenntnisproduktion ab. Das ist unter Evolutionsgesichtspunkten dumm, andererseits aber die einzige Möglichkeit, sich in komplexen Systemen zu orientieren.

Vereinfacht: Du hast die Wahl, klüger zu werden oder zu überleben. In günstigen Situationen kann beides funktionieren, aber die Anpassungsleistung war stets wichtiger als die Möglichkeit von Erkenntnis. Wo diese nicht unmittelbar nützlich war, war sie Zufallsprodukt. Daher ist es ganz natürlich, sich der Vernunft zu verweigern.

Vernunft, zumal praktizierte, ist etwas für Freaks. Es dürften allerdings solche Freaks sein, denen die Zukunft gehört, denn die neue Regel der Evolution, die für komplexe Systeme eben, lautet: “Du wirst überleben, wenn deine Anpassungsleistungen sich auf das System beziehen, an das du dich anpasst.” Was über Jahrmillionen funktioniert hat, versagt in einer Umwelt, die nach anderen Regeln funktioniert – vor allem denen beschleunigter Abläufe.

Wie dumm muss man sein!

Die bislang erfolgreichen Strategien funktionierten vor allem durch den Mechanismus sterben/aussterben vs. überleben. Alle evolutionär erworbenen Strategien sind ein Teil davon, und sie alle sind auch menschliche. Aus dieser Regel fällt zuerst der Verstand, die Fähigkeit, auf Umwegen zum Ziel zu kommen, wobei auch das noch eine Überlebensstrategie ist. Die Vernunft schließlich bezieht sich auf die Regeln des Spiels selbst, entzieht sich der Anpassung an die Situation und verzichtet auf Überlebensstrategien.

Um erkennen zu können, was ist, sind der Vernunft der eigene Tod und das Überleben sprichwörtlich gleichgültig. Wie dumm muss ein Wesen sein, dass der Vernunft folgt! Es ist also kein Wunder, dass es so gar nicht gelingen will, jemandem Vernunft aufzuzwingen. Argumentieren ist deshalb (jenseits des Nerdism) ein Ritual.

Dass sich durch Vernunft gewonnene Erkenntnisse dennoch durchsetzen können, liegt vor allem an ihrer Vermittlung durch Autoritäten. Nicht der Inhalt wird dabei vermittelt, sondern die Gültigkeit der Erkenntnis. Eine nachgerade unverwüstliche Überlebensstrategie liegt nach wie vor darin, Autoritäten zu folgen.

 
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Es gäbe so viel zu schreiben. Ein Artikel ist sogar fertig, ich muss ihn nur abtippen. Gerade keine Lust. Oder etwas über die zuletzt überbordenden Überwachungs-Updates, den noch immer steigenden miefigen Modder aus dem Amri-Fall und andere alte Neuigkeiten von der Nazifront. Einen Vergleich zwischen den Knüppelorgien bei ‘linken’ Demos und der gespielten Hilflosigkeit, wenn Nazis marschieren.

Ach, das sind doch keine Nazis! Melden eine Demo am 09.11. um 18:18 Uhr an. Das können die doch nicht wissen, dass “18″ eine Chiffre für Adolf Hitler ist und am 09.11. mal so ein Pogrom war. Das sind Querdenker, die bleiben oft an Hindernissen hängen, wenn sie es kognitiv versuchen. Dafür haben sie gute Bauchgefühle und ganz knuddelige Alternativen zur Wissenschaft. Raten zum Beispiel, oder einfach feste glauben.

November

Man könnte aus dem, was in den Kommentaren schon angerissen ist, auch einen Artikel machen. Zum Beispiel über das Riesenglück, dass Trump weg vom Fenster ist. Aber irgendwie ist November, wo ich immer ein wenig kränkele und auf Dezember warte, damit es irgendwann wieder heller wird. Ich hätte schon lange mal wieder meckern und den Blogblues rauslassen können, das will ich aber auch nicht.

Etwas Kunst gefällig? Oder ist es doch wieder Wissenschaft?
Halluzination hingegen hinterlässt Not und erhält die Forderung nach Befriedigung oder der nächsten Halluzination aufrecht. Die Differenz zwischen Halluzination und Realität ist kein Produkt von Denken oder Bewusstsein.” Mal für eine Viertelstunde, wir kommen inhaltlich darauf zurück, wenn auch aus einem ganz anderen Winkel. Nerdy!

Stellt sich schließlich noch die Frage: “Was soll das?” Nun, wenn der Acker abgeerntet ist und die Vorräte noch nicht reif zum Aufbrauchen sind, mixt man halt aus dem, was da ist, eine Kleinigkeit. November ist kein Monat für Festmahle. Schon gar nicht in den Zeiten des ausgehenden Mittelalters ohne eine Aussicht auf die Moderne. Man richtet sich ein und versucht, zu überleben. Ab und an trifft man sich draußen und verbrennt eine Hexe.

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