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Vor Jahren ergab sich hier in den Kommentaren folgender Dialog:

Erzähl mir etwas, und ich vergesse es. Zeig mir etwas, und ich erinnere mich. Lass es mich tun, und ich verstehe.

Genau so funktioniert Religion, und da dürfen wir die ‘Praxis’ der neoliberalen nicht unterschätzen. Das Einüben in Ritualen wie Meetings, Redaktionssitzungen, Konferenzen etc. prägt das “Wissen” durch rituelles ‘Handeln’ ein. Dazu noch eine Spendengala hier und eine Beschimpfung des Plebs dort, fertig ist die perfekte Welt.

Heilige Messen

Das Ganze ist völlig richtig, aber zu eng gefasst. Dass die neoliberale Religion, zumal der Bibel Hayeks, mit allem ausgestattet ist, was so eine braucht, bis hin zu Priestern, die dort “Intellektuelle” genannt werden, hatten wir schon. Die Religiosität eingeübten und wiederholten Wissens geht aber viel weiter als organisierte Ideologien und ihre Propaganda.

Nehmen wir einmal unsere Freunde, die Hardcore-Covidioten: Mancher fragt sich, wie man so einen unfassbaren Humbug glauben kann, und die Antwort liegt bereits in der Frage. Die Strukturen sind religiös, und hierbei ist es nicht das Wichtigste, dass sich ein Hokuspokus verbreitet und an die Stelle der Vernunft setzt – das wäre keine hinreichende Erklärung.

Die Frage ist vielmehr, wie der Hokuspokus dort hinkommt und sich festsetzt, womit wir bei dem oben sind. Es bilden sich Gemeinden. Die Mitglieder finden zunächst aus Unzufriedenheit zueinander, die sie miteinander teilen. Was sie keineswegs teilen, sind die Erklärungen dafür, die sich nämlich gern widersprechen: Covid19 existiert nicht, es wurde von der CIA ausgebracht, es ist harmlos, es wird über Funkwellen verbreitet.

Die Gemeinde

Die Gemeinsamkeiten bestehen darin, dass man Schuldige sucht und findet und dass man sich Geschichten dazu erzählt. Diese haben eine hier bereits mehrfach dargelegte Struktur: Es gibt Helden, Opfer, Autoritäten und Schurken. Dass sich trotz der offensichtlichen Widersprüche und Banalitäten eine Art Einigkeit einstellt, liegt an der gemeinsamen Ausübung der Rituale.

Man identifiziert sich, ein Innen und ein Außen. Es gibt das Gute, das Böse und jeweils Besetzungen für die entsprechenden Rollen. Es gibt feste Rituale (Demonstrationen), lose Zusammenkünfte (Social Media) und Feiertage. Man bestätigt sich gegenseitig im Glauben, identifiziert und verflucht Ketzer oder hält Gericht über sie. In den Strukturen der Leugner sind diese Elemente besonders stark vertreten.

Das heißt derweil keineswegs, dies sei charakteristisch für diese Gruppe(n). Ähnliches findet sich bei vielen anderen, durchaus auch bei solchen, die sich den Kampf gegen die Covidioten zur Mission gemacht haben. Die Gefahr, solcher Religiosität zu verfallen, besteht immer und überall, auch hier im Blog. Das Einzige, das dagegen hilft, ist kritisches, wissenschaftliches Denken. Beides muss gegeben sein. Wer hingegen vorrangig argumentiert, um seine Meinung zu verteidigen, ist schon auf dem Weg in die falsche Richtung.

 
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Ich habe einen guten Gewinn gemacht mit meinen Wetten. Sleepy Joe wird die Wahl gewinnen – wenn auch nicht annähernd so deutlich, wie sog. “Demoskopen” das prognostiziert hatten – und bald wird das von mir vorausgesagte Minimalziel des US-Bodycounts die Viertelmillion überschreiten. Ihr wisst schon: Das “mit”, nicht “an” Virus, das nicht existiert und von Bill Gates ausgesetzt wurde. Man kann ja auf alles wetten, solange Nevada nicht ausgezählt ist.

Was lernt uns das? Amorica ist immer einzwo Schritte voraus, und was Trump kann, können andere beinahe auch: Zum Beispiel das Proletariat an die Superreichen binden. Reaktionäre hatten es schon immer mit Nation, Pomp und Tamtam, sodass sie sich bei sog. “Wahlen” auf die systematisch Verblödeten verlassen können – solange die keine Alternative finden. Und da kommt mit Schwung und Schwang unsere ehemalige ‘Linke’ ins Spiel, die einen ratlos hinterlässt mit der Frage: “Wer wählt das eigentlich noch?”

Kann weg

Im Amerikaland mag der ‘Erfolg’ der Democrats zwei Ursachen haben: Die Besetzung des rechten Despoten mit einem halbirren Unsympathen, der die halbe Nation in Angst vor einer Machtübernahme durch Bauern und Hillybillys versetzt hat, sowie die Wahlenthaltung der Teile der Unterschicht, die sich mit ihrem Elend abgefunden haben. Nur so kann der Teil, der sich zumindest noch in erreichbarer Nähe zur Mittelschicht wähnt, genug Leute für den Erfolg des senilen ‘Liberalen’ an die Urne (Ha, Doppeldeut!) bringen.

Gucken wir uns das adäquat für Deutschland an, fällt Folgendes auf: Die Rechtsliberalen, Reaktionäre und Faschisten haben lose eine Zweidrittelmehrheit. Bis zu einem Drittel fällt für rechte Sozen (SPD, Grüne) ab, die, vergleichbar mit den Democrats, imperialistisch (NATO), neoliberal und arbeiterfeindlich unterwegs sind. Das wachsende Proletariat besteht für sie aus selbstverschuldet Dummen und Faulen. Sie verwechseln Einkommen mit Leistung und vertreten eine religiöse Ideologie, in der jeder kriegt, was er verdient.

Die extreme Linke in den Parlamenten besteht aus traditionellen Sozialdemokraten und extremistischen Mittelschichtskindern, die ersichtlich schon auf dem Sprung ins Establishment sind, nur halt ein bisschen schwul und schwarz. Das können die anderen aber auch längst. Wer soll das wählen?

Da geht noch was

Schließlich: Trumps Stärken, sein Narzissmus und die Irrationalität, die sich in dieser Ausprägung nur ein vermeintlich sehr mächtiger Führer leisten kann, sind hierzulande noch nirgends besetzt. Man müsste aber ein Idiot sein, zum Beispiel einer, der sich dauernd die Birne an seiner Mittelschichts-Glasglocke stößt, sähe man die Gefahr nicht. Die Faschisten, die es schon auf ein Viertel der Wähler gebracht haben, schaffen das trotz des Elends in ihrer Chefetage.

Das Potential einer Ideologie, die selbst Massen hinter einer grotesken Fehlbesetzung wie Höcke zusammenbringt (von Witzfiguren wie von Storch u.ä. ganz zu schweigen), hat noch reichlich Luft nach oben. Das Potential einer Mehrheit, für die sich niemand interessiert, deren systematische Verblödung den Boden bereitet hat, wartet nur auf einen charismatischen Narzissten, der ihr den Trump macht. Dann wird man sehen, wie weit diese ‘Demokratie’ bereits erodiert ist.

 
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Beginnen wir mit der Erklärung des Begriffs “Clusterfuck”: Es ist wie eine Matroschka-Puppe. Egal, in welche Tiefen der Begriffsverstümmelung du vordringst, du stößt immer auf die nächste. So ist das, wenn Trolle texten, und eine der Bestleistungen dieser Fraktion ist das vermeintliche Hannah-Arendt-Zitat: “Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen“.

Das fängt augenscheinlich damit an, dass Gehorsam kein Recht ist, sondern unmittelbar eine Pflicht, und zwar eine unbedingte, die Unterwerfung unter eine Autorität ohne Recht auf Widerspruch oder Zuwiderhandlung. Das Komplementär zum Gehorsam ist der Befehl, dessen Nichtbefolgung traditionell ein schweres Verbrechen darstellt, das adäquat die Todesstrafe nach sich zieht. Wie absurd, ein “Recht” darauf zu konstruieren.

Schlafschafe, Buckeldackel

Zudem hat dieser Kalenderspruch Konjunktur ausgerechnet in Kreisen, die entweder direkt eine Restauration des Kaiserreichs fordern oder mit solchen Gestalten Seit’ an Seit’ dasselbe kindische Rebellentum zelebrieren. Gar nicht zufällig blüht in dieser Landschaft der Rassismus, denn damit kann man wunderbar beide Seiten des Widerspruchs leben: Der Befehl wird zum Volkswillen, womit die Tat kein Gehorsam mehr ist, sondern Folklore, und alles Falsche tun automatisch die, die nicht dazugehören. Einem Anderen zu dienen – Volk, Ideal oder Überzeugung – ist Verrat. Dazu haben sie kein Recht.

Des Trolls Domäne ist die Projektion. Er verschafft sich Aufmerksamkeit und dem Gegner Empörung, indem er ihm vorwirft, das zu tun, was der Troll in Potenz verbrät. Auf seiner Seite ist jede Unterwerfung unter Autorität oder Ideologie Akt der Rebellion; folgt der Gegner aber seiner Überzeugung, so kann das nur die Tat des Wurms ohne Rückgrat sein, der vor der Elite buckelt und damit seinesgleichen verrät. Diese Haltung bedient das ideologische Grundmuster des Feindrechts, und so betrachtet man denn auch die Anderen: als Feinde.

Dass ausgerechnet diese Trolleria Hannah Arendt zitiert, ist eher unvermeidlich als zufällig, denn die große Geste, Emphase, Tamtam und Trara sind ihr Metier. Symbole werden aufgebläht wie ein sterbender Stern, egal welche. Kein Text ohne bedeutungsschwangere Zitate, keine Rede ohne Heldenpose. Kontext ist der Trick der Feindsender. Wer dazugehört, weiß, wie es gemeint ist. Wen interessiert da die Geschichte, der ein vergewaltigter Satz entstammt?

Sieg oder Tod

Der zitierte ist absurd und wird verständlich paradox, wenn man ihn zwischen Eichmann und Kant plaziert. So hieß es denn auch im Original: “Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen bei Kant.” Eichmann, den Arendt damit meinte, hatte seinen Vernichtungseifer als alternativlosen Gehorsam deklariert und sich damit ausgerechnet auf Kant berufen. Genau diese Masche aber, sich der persönlichen Verantwortung durch Verweis auf Gehorsam zu entziehen, ist das Gegenteil dessen, was Kant im Kategorischen Imperativ formuliert.

Das war es, was Arendt damit sagte. Es gibt kein Recht, sich auf Gehorsam zu berufen, um die eigene Tat einem Anderen zuzuschreiben. Das bedeutet nicht, dass man bei Rot über den Damm hüpfen muss, um sich als freier Bürger zu identifizieren. Genauso wenig, wie die “Freiheit der Andersdenkenden” bedeutet, dass du der Andere bist und alle dir zustimmen müssen.

 
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Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-1987-0909-423 / Sindermann, Jürgen / CC-BY-SA

Kommen wir zum Kern des Begriffs: “Demokratie”, eine Herrschaft des Volkes. Im Grunde reicht das schon, um den mythischen Charakter der Idee festzumachen. Was soll das sein, ein “Volk” und wie soll es (über sich selbst) herrschen? Nicht zufällig ist “Volk” ein politisch rechts zu verortender Begriff, der entsprechend mit allen möglichen Mythen aufgeladen wird.

Es gibt Entstehungsmythen, Abstammungsmythen, rassische Mythen und religiöse Mythen, auf denen sich der Begriff aufbauen lässt. Einer rationalen Definition entzieht er sich. Und gerade wenn man ihn entkleidet und auf die eben anwesende oder eingeschriebene Bevölkerung bezieht, zerfällt er.

Mitbestimmung

Herrschaft nämlich, Macht, ist keine rein politische und Politik schon immer abhängig, das sollten nicht nur Marxisten verstanden haben, von der Ökonomie – viel mehr als umgekehrt. Das deutsche Projekt “Bundesrepublik” war u.a. darum von Anfang an ein sozialdemokratisches. Prototypisch für diesen Ansatz steht die Idee “Betriebliche Mitbestimmung”.

Nicht nur der Staat sollte vermeintlich von innen und außen durch seine Bewohner kontrolliert werden, auch die Wirtschaft, nämlich über die Betriebe und ihre innere Organisation sowie über Gewerkschaften, an deren Macht vorbei kein Unternehmen sollte walten können. Das sah anfangs auch beinahe so aus, als könne es funktionieren.

… geht vom Kapital aus

Nehmen wir den Schnelldurchlauf: Ehe jemals wirklich Arbeiter und Angestellte über ihren beruflichen Alltag oder gar die Produktionsbedingungen bestimmen konnten, wurde ihnen das bisschen, das sie hatten, wieder genommen. Der Trend geht seit Langem zum Mietsklaven, Hire and Fire, Lohnstagnation und sowieso Befehl und Gehorsam. Ja, die ‘Demokratie’ postuliert “Gleichheits- und Freiheitsrechte, die sie aufgrund ihrer Eigentumsverhältnisse gar nicht einlösen kann.” Man hätte das wissen können, zumal in den 50ern Marx noch gelesen wurde.

Der Staat, jene Demokratie, die sich ausdrücklich “liberale Demokratie” nennt, schwächt sich absichtsvoll und seiner Grundideologie folgend selbst und gleichermaßen innerhalb seines schwindenden Einflusses den der Arbeiterschaft. Der Verzicht auf die Bestimmung der Produktionsbedingungen – was ja kommunistisch gewesen wäre – und die Beschränkung auf ‘Mitbestimmung’ hat nicht gehalten. Das Kapital, der Verwertungszwang, bestimmt über Arbeit und Staat, am Ende total.

 
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Er ist das Symptom des Verfalls eines Gesellschaftsmodells, das sich eben auflöst. Das ist nichts Neues. Schon in einer der hoffnungsvollsten Epochen der Geistesgeschichte – der Renaissance, in der sich der Erkenntnisstau nach 1000 Jahren katholischer Unterdrückung entlud – explodierte ebenso der moralische Rigorismus, gingen Menschen aufeinander los mit einer Verachtung, die jede Grausamkeit legitimierte. Spanische Inquisition und Hexenverfolgung – bei der sich vor allem Protestanten hervortaten – waren die Begleiterscheinungen. Am Ende der kapitalistischen Rechtfertigungsversuche für die Weltherrschaft eines irrsinnigen Systems zeigen sich ähnliche Tendenzen.

Mit einem kleinen Schritt zurück komme ich noch einmal auf das Thema “Moral versus Ethik”: Ethik fragt wie gesagt danach, was in einer Gesellschaft erwünscht(es Verhalten) ist und was sie optimaler Weise tun kann, um dies zu erreichen bzw. das Unerwünschte zu hemmen. Dies ist eine grundsätzlich praktisch-wissenschaftliche Perspektive. Vor allem muss hierbei auf die Gesellschaft Bezug genommen werden, um die es geht. Es muss deutlich werden, was sie ist, wie sie funktioniert, wer dazugehört und wie man diese Menschen erreichen kann.

Ping-Pong

Das Gegenteil besorgt wie so oft Moral, zumal in ihren extremen Formen eines Rigorismus hier und einer autoritären Willkür dort. Sie zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sich ‘Erlaubtes’ aus dem ‘Guten’ ableitet, welches wiederum den handelnden Personen innewohnt. Bei den neuen Pietisten wohnt dieses Gute bestimmten Opfergruppen inne (Frauen, LGTBXY, Leute von Farbe etc.) denen ein moralisch hoher Status zugewiesen wird, während potentielle Täter (weiße Männer) per se abgewertet werden, was wiederum Auswirkungen auf deren Rechte haben soll. Klassische Diskriminierung wird hier beibehalten und die Liste der Diskriminierten und Diskriminierenden umgedreht.

Damit einher geht die Moralisierung der Diskurse, vor allem Politik und Wissenschaften. Diese Moralität wird von einer in allen Medien sehr präsenten, in der Bevölkerung aber kleinen Minderheit gepflegt. Sie ist der elendige Rest dessen, was heute noch als ‘Links’ identifiziert wird – vor allem von Rechten. Auf deren Seite wiederum hat sich die Komplementärmoral dazu durchgesetzt, die sich durch diesen Rigorismus angespornt fühlt. Intuitiv erkennen deren Vertreter, dass diese ‘linke’ Ideologie nicht nur inkonsistent und irrational ist, sondern dass man so nicht leben kann. Diese, ihnen verfeindete Moral ist eine aggressive Anleitung zur (Gegen-)Unterdrückung – und zwar der Mehrheit.

Daher kann die Rechte ihren Muff der eigenen Klientel ernsthaft als ‘Freiheit’ verkaufen, obwohl der selbst ebenfalls das Gegenteil bedeutet. Nicht nur dass er, weil er eben reaktionär ist, die Unfreiheit des Kapitalismus zementiert, sondern weil er Hierarchien, übelste patriarchalische Strukturen und alle überwunden geglaubten Übel von Feudalherrschaft bis Faschismus restauriert: Rassismus, Frauenhass und jede Form von Diskriminierung. Dabei darf der Chef jeweils alles und das kleine Arschloch gar nichts – außer es findet eines, das noch unter ihm steht.

Illiberal, kapitalistisch

Der ‘linke’ Rigorismus, der diese rechte Willkürmoral enorm stabilisiert, fühlt sich dadurch wiederum (weil eben dogmatisch) befeuert: Der Kampf muss noch härter geführt werden! Auf der Strecke bleibt zuerst jede rationale Auseinandersetzung. Zumal im Rahmen einer medialen Aufmerksamkeitsökonomie, kommen moderate Töne oder die Frage, wie man sich mit Anderen einigen könnte, nicht zur Geltung.

Völlig unter die Räder gerät eine grundsätzliche Kritik, die eben jener Rationalität bedürfte und die wirklich relevanten Probleme benennt. Der Kapitalismus als solcher gerät in der Folge völlig aus dem Fokus. Die Rechte wollte das noch nie anders und diese ‘Linke’ stimmt dem mehr oder minder schweigend zu. In dieser Konstellation kann sich keine (zumal linke) positive Zukunftsvision entwickeln. Was bleibt, ist alternativlose Dekadenz.

 
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Es gibt so einiges unter der Rubrik “Kollateralschaden”, das sich in den letzten Jahren hier angesammelt hat; ich greife einmal etwas auf aus dem Artikel, der vor exakt fünf Jahren hier erschien und marschiere von da aus los in die Gegenwart. Es ging damals um faktische Lebensmittelknappheit auf dem Land. Deutschland.

Wir erinnern uns an die schlimmen Zustände in der DDR. Also eigentlich erinnern wir uns daran, was Guido Knopp und Peter Hintze uns dazu erzählt haben. Es gab ja nichts. Außer in Ost-Berlin vielleicht, weil da die ganzen Bonzen hausten. So ist das halt im Kommunismus, wo die Marktwirtschaft keine BMWs und I-Phones alloziert. Schlange stehen mussten sie und warten, bis sie dran waren. Grausam!

Diese Kommunisten …

Das gibt es hier selbstverständlich nicht. Hier gibt es erst gar keinen Laden, in dem man sich anstellen kann. Gut für die Landbevölkerung, die sich so auch nicht zu nahe kommt. Wer jung ist und etwas taugt, zieht in die Stadt. Da kriegt er dann die schönen Produkte vom Land. Logisch. Man erwartet von ihm auch ganz konsequent, dass er ein Auto hat. Die gab es bei den Kommunisten gar nicht. Also höchstens alle zehn Jahre mal eins, das dann stank. Hier hast du eins, dann kannst du auch 50 km zur Arbeit fahren. Das ist deine Eigenverantwortung. Wenn du die nicht hast, gibt es kein Auto und kein Geld, also nix zu futtern. Kannst du ja eh nicht kaufen.

In der Stadt solltest du also wohnen. Oh, das ist natürlich auch nicht nur von Vorteil. Dort sind die Immobilien entsprechend wertvoll und du musst den Investoren dabei helfen, ihren Einsatz wieder einzuspielen. Das kostet ein bisschen mehr. Da kann man nichts machen. Wir stehen ja im internationalen Wettbewerb. Tzia, wenn du da nicht mitziehst, musst du zurück aufs Land. Zeig halt ein bisschen Einsatz und lass dich nicht so pampern!

Man könnte übrigens auch mit Bus und Bahn in die Stadt. Okay, ist auch nicht ganz billig, dafür fahren sie nicht so oft. Aber komfortabel sind sie, nicht so wie bei den Kommunisten. Bei den Kommunisten haben sie nichts zu tun und hängen den ganzen Tag beim Arzt rum. Deshalb haben sie auch so viele davon. So viele, dass sie jetzt ausschwärmen und uns mit ihrer Ideologie überziehen wollen, aber da sind wir gewappnet. Nachher bleiben die als Wirtschaftsflüchtlinge hier.

Freiheit!

In der nächsten Stunde lernen wir an dieser Stelle etwas über die plumpe Propaganda des Ostens, wo sie ihr Volk Jahrzehnte lang belogen und betrogen haben. Wir lernen über Staatsmedien drüben und über die Kritischen Medien der Fünften Gewalt hüben. Wie demokratisch es hier zugeht und die Meinungsfreiheit auf höchstem Niveau gepflegt wird. Doch, wirklich, es ist ein Fest. Ich freue mich schon darauf.

p.s.: Alle verlinkten Medienunternehmer findet ihr unter den “500 reichsten Deutschen”. Siehe auch: “Tendenzschutz“, ein Wort, das man sich nicht merken soll und das daher nicht sagt, was es bedeutet. Es könnte die Bevölkerung verunsichern.

 
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Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F054975-0011 / Gräfingholt, Detlef / CC-BY-SA 3.0

Tomasz Konicz benennt einige schwere Symptome des Zerfalls einer Parlamentarischen Demokratie in den USA. Er nennt es “Oligarchie im Panikmodus” oder auch, präziser, das Entgleiten der “Kontrolle über den politischen Prozess“.

Es war mir selbst bereits aufgefallen, dass in hiesigen Medien offenbar niemand ein Problem darin sieht, wenn für die vorgeblich ‘linke’ Variante des US-Establishments ein Milliardär ins Rennen gehen will. Die Netzwerke der Superreichen funktionieren zwar intern offenbar noch gut, sie verlieren aber den Anschluss an die Mittelschicht, die bislang in ihrem Sinne das Geschäft besorgt hat. Konicz bringt es auf die Formel, dass die sich nicht mehr einfach kaufen lässt.

Jeder gegen jeden

Derweil findet in den Institutionen, namentlich hier der Justiz, der faschistische Putsch bereits statt. Die unter den rechten (GOP/Republikaner) schon immer gepflegte Tradition, Richterposten mit ideologischen Handlagern zu besetzen, vollzieht sich derzeit mit immensem Druck. Juristische Qualifikation ist eher hinderlich; Fanatismus ist gefragt. Dass sie damit einen massiven, unversöhnlichen Konfikt mit der großen Mehrheit der Bürger heraufbeschwören, ficht sie nicht an.

Während also die rechte Säuberung im Staat bereits läuft, ist es eine andere Schicht derselben Ideologie, die aggressiv mit “Bürgerkrieg” droht für den Fall, dass sich dem jemand entgegenstellt. In dem Maße, in dem sie die Mittelschicht verliert, bindet die dem Faschismus nicht abgeneigte Oligarchie den niedersten Plebs an sich, religiöse wie politische Eiferer, die durch keinerlei Beziehung zu Aufklärung, Rechtsstaat oder Kultur gebremst werden. Diese amerikanischen Taliban warten nur darauf, dass sie endlich den Befehl hören, alles Moderne und Unchristliche zu vernichten.

Krise? Welche Krise?

Die im Establishment als nachgerade linksradikal geltenden Sozialdemokraten wie Bernie Sanders sind in diesem Stadium eine letzte Hoffnung auf ein bisschen politische Stabilität; sie aber haben keinen Rückhalt in den verkrusteten Machtstrukturen. Industrie, Militär und Oligarchie betrachten sie als Feinde. Der Teil des Volkes, der sich nicht durch sie repräsentiert fühlt, ebenfalls, angereichert durch eine Paranoia, die der amtierende Präsident in ungeahnten Dimensionen befeuert.

Zu glauben, dieses Pulverfass könne ein “Bündnispartner” sein, fällt nur Menschen ein, die das Märchen des westlichen Narrativs auch dann noch mit der Wirklichkeit verwechseln, wenn der POTUS ihnen persönlich den Totalen Krieg erklärt. Da kann man nix machen, das sind doch die Guten®. Alles andere ist Antiamerikanismus. Derweil sorgt Amerika selbst dafür, dass von ihm nichts übrig bleibt, dem noch jemand folgen könnte. Wir brauchen wohl wieder einen eigenen Führer.

 
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Ich tue mich nicht nur schwer, das Meiste dessen, was aktuell als “links” bezeichnet wird, so zu akzeptieren. Was ich von Soizaldemokratie halte, muss ich hier nicht wiederholen. Tatsächlich haben auch die ganzen anderen Strömungen, deren Anhänger sich als links verstehen, den Begriff völlig zersetzt; den Rest gibt ihm die Wahrnehmung derer, die sich anderswo verorten. Die Konzepte sind schon immanent, in sich, widersprüchlich. Bestes Beispiel ist das Konglomerat von Rassisten und Sexisten, die sich ein “Anti-” davor pinseln und leider keine Ahnung haben, was das eigentlich ist.

Eine Ideologie, die jemanden wegen seiner Hautfarbe abwertet, ist rassistisch. Die ideologische Abwertung eines Geschlechts ist Sexismus. Dabei spielt es keine Rolle, ob die vorgeblich Minderwertigen oder Wertlosen Schwarze, Weiße oder Blaue sind, die Minderwertigen und Bösen Männer oder Frauen. Ausgebeutete kranke alte Menschen, die ihr Leben lang für ihre Familien gesorgt haben, als “privilegiert” zu brandmarken und ihnen eine Art Täterschaft zu unterstellen, weil sie Alteweißemänner® sind, ist widerwärtig. Begriffe wie “toxische Männlichkeit” “Manspreading”, “Mansplaning” und Ähnliches entspringen Hirnen, die aggressive Diskriminierung für gut und gerecht halten. Sie sind dasselbe wie Geschwafel über Hexen und Untermenschen.

Immer wieder gleicher

Was traditionell als links firmierte, führte Gleichheit im Schilde. Alle Menschen sollen gleich sein – niemand hat weniger Rechte, niemand ist minderwertig. Der Gipfel dessen, was diese Linke stets bekämpfte, waren Ideologien, die Angehörigen bestimmter Gruppen qua Geburt einen Makel zuordneten und sie deshalb herabstuften. Dieser Gedanke führt in der Konsequenz dazu, dass Hierarchien abzulehnen sind – in diesem Bezug hat die organisierte Linke in ihrer Geschichte schreckliche Fehler gemacht. Das, was sich heute so nennt, kriegt zum Teil gar nicht genug von Hierarchien und abgestufter Wertigkeit.

Andere ‘linke’ Gruppen, die sich anderen ideologischen Dogmen verschrieben haben, stehen im krassen Widerspruch zu den beschriebenen. Zwar haben sie nichts mit den o.g. Diskriminierungen zu schaffen, dafür pflegen sie ihre eigenen, etwa die Antideutschen, die sich besondere Meriten verdient haben durch ihre Vernichtungsphantasien wie den Einsatz einer israelischen Atombombe oder den infantil-zynischen Jubel über “Bomber Harris”. Deren Antinationalismus kippt teils ins Gegenteil, vor allem aber rechtfertigt er Massenmord – als Konsequenz aus dem Holocaust. Nazienkel at their best.

All diesen Strömungen ist – im Gegensatz zur Linken nach Marx – eine Unwissenschaftlichkeit gemein, die sie in Form von Pseudowissenschaft gar an die Unis gebracht haben. Satirische Beiträge sind hier nicht mehr von universitären zu unterscheiden, einzig das Resultat steht fest. Das hat die Katholische Kirche kaum besser gemacht. Das Weltbild ist geschlossen, Diskurs wird nirgends als solcher wahrgenommen. Man muss niemanden mehr überzeugen außer sich selbst. Es weht irgendeine Fahne über dem Camp (wie neuerdings bei “Extinction Rebellion”, die in unfreiwilliger Komik im NSDAP-Design daherkommt).

Wo der Feind steht

Bestimmend ist einzig die Identität, die wiederum ist geklaut. Man ist Anti, insofern ein Spiegelbild der Pros. Das Feindbild schweißt zusammen und die Soldaten der Bewegung wachen nicht einmal auf, wenn sie exakt dasselbe tun wie die Bösen, nur eben als die Guten. Was darf das Gute? Alles. Was tun wir mit dem Bösen? Wir vernichten es. Dies exakt ist übrigens der Erfolg von Moral mit ihrem Konzept von Gut und Böse, weswegen ich sie auch rundweg ablehne. Ethik wie gesagt ist die Wissenschaft der sozialen Ordnung.

Unter diesen Umständen muss ich darauf verzichten, links sein zu wollen. Aktuell ergibt der Begriff keinen Sinn. Er wird freilich dennoch weiterhin in aller Munde bleiben. Das Spiel ist auch zu lustig: Rechte erkennen ihrerseits in jedem verbohrten Deppen jener ‘Linken’ einen veritablen Feind, der ihre Reihen zusammenhält. Viel Feind, viel Ehr’, viel Identität. Dem allgemeinen Trend politischer Dekadenz folgend, hat sich auch hier die Herrschaft des Rückenmarks etabliert.

Tatsächlich nicht konsensfähig – wohlgemerkt in der sogenannten Linken – scheint das Prinzip zu sein, in dem ich das Urmotiv dessen sehe, was ich einmal unter dem Begriff verstanden habe: “Keine Herren, keine Sklaven”. Auf niemanden mehr herabblicken, niemanden bespucken, so ganz ohne Führer und Gefolgschaft soll es offenbar nicht sein. Dann am Arsch, Genossen, ohne mich!

 
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Bei dieser Gelegenheit muss ich noch einmal mein Buch empfehlen, das mehr Leser verdient hätte als es bislang erreichte. Wo ich mich mit dem Deutschen Narrativ befasse, steckt natürlich mehr dahinter. Eine Realität, die sich offenbar nicht abschütteln lässt etwa, die wiederum eng verknüpft ist mit dem amerikanischen Teil des Narrativs, der im Buch recht kurz kommt.

Es ist inzwischen wie auf den Kopf gestellt: Die Präsenz des Narrativs über die USA als Befreier, Hüter der Menschenrechte und moralisch souveräne Weltpolizei verhindert, dass wir an den Kern unserer eigenen Geschichte rühren, während sie sich wiederholt. Das Bindeglied zwischen Freiheit, Demokratie und Faschismus ist der unsichtbare Elefant – unsichtbar, weil jeder weiß, wer da alles in Schutt und Asche trampelt, man seinen Namen aber nicht nennen darf.

Als die Amerikaner als mächtigste Fraktion der Alliierten Westdeutschland reformierten, taten sie das, weil sie eben so demokratisch sind. Sie lieben doch – alle Menschen; so das Narrativ. Die Deutschen konnten ihr Glück nicht fassen, dabei mitmachen zu dürfen, drohten doch der Pranger für eine untilgbare Schuld und eine angemessene Demütigung nach dem Massenmord und dem zweiten verlorenen Weltkrieg. Es kam aber ganz anders.

Menschenfreunde

Das Kapital hatte andere Interessen. Nun kann man sagen, obwohl es nicht zu leugnen ist, dass dadurch massenhaft Nazis und ihre Verbündeten weiter Karriere und Profit machen durften, dass es ja doch zum besseren beigetragen hat. Sofern nicht trotzdem geleugnet wird, ist das ja auch wiederum die gängige Sichtweise. Es blendet aber völlig jeden ursächlichen Zusammenhang aus zwischen Kapitalismus und Faschismus – der ja nach dem Krieg sogar von der CDU erkannt worden war.

Eine der Lebenslügen der jungen Musterdemokratie BRD liegt darin, dass der Luxus, auf dem sie gebaut wurde, schon immer das Elend der anderen war. Die Ausbeutung der Welt durch den inkarnierten Exportweltmeister wurde schon immer ausgeblendet. Schon gar nicht wollte irgendwer etwas wissen von geostrategischen Kriegen, Bündnissen mit Diktatoren und Juntas, die Opposition und Gewerkschaften niederknüppeln und ermorden ließen.

Und auch seitdem es Allgemeinwissen ist, dass in der Produktion von Luxusgütern furchtbare Zustände herrschen, sei es bei Rohstoffen, in der Textilindustrie oder bei der Herstellung von Elektronik, zuckt der Michel nur mit der Schulter und lässt sich beruhigen durch Märchen wie dem von der Überlegenheit der deutschen Industrie und ihrer fleißigen Angestellten. Woanders hungern sie und springen aus dem Fenster? Damit haben wir doch nichts zu tun.

Die nächste Runde

Das ist bei Weitem nicht der Punkt, an dem die faschistische Ideologie anfängt, aber einer, an dem offensichtlich wird, wie kalt und abwertend das Verhältnis der Menschen im Kapitalismus ist zu denen, die dieser notwendig versklavt. Ihnen wird dann eben Minderwertigkeit bescheinigt, sei es moralisch, bezüglich ihrer angeblichen Leistungsbereitschaft oder gleich genetisch. Das ist am Ende ohnehin eine Sauce.

Wie oft muss Kapitalismus sich derat offenbaren, bis die Zusammenhänge endlich (an)erkannt werden? So wie die USA mit ihrer NATO in hunderten Kriegen seit dem ‘Zweiten’ brutal ihre Interessen durchsetzen oder weltweit Menschen verfolgen und foltern lassen, die ihnen im Wege sind, wurden die Profiteure schon immer als moralisch unantastbar dargestellt und die Opfer für ihr Leiden noch beschuldigt. Der freidrehende Nationalsozialismus war eine besondere, deutsche Form dieser Entwicklung des Kapitalismus, der aktuelle Trumpismus ist eine andere.

Derweil wächst hier wieder zusammen, was zusammen gehört: Die Nazis im tiefen Staat und die in den Parlamenten machen sich Hoffnung und schmieden Pläne, der Rest zerlegt sich unterdessen auf der Flucht vor der Wirklichkeit. Man hört und liest darüber so gut wie nichts. Es sind immer dieselben, die rufen und dieselben, die derweil das Radio lauter drehen.

 
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Die Strategien, mit denen sich die Menschen aus ihrer meist unbewussten Not zu retten versuchen, sind oft fatal. Vor allem in Gesellschaften, die religiös geprägte Muster anbieten, welche ihrerseits wiederum tief in den Haltungen, Vorstellungen und Narrativen stecken – wie etwa in der Arbeitsethik. Anstatt Arbeit als Übel zu betrachten, dem man möglichst wenig Zeit opfert, anstatt Ausbeutung anzuprangern und sich mit denen zu solidarisieren, die darunter leiden, trampeln allen voran deutsche ‘Arbeitnehmer’ missgünstig aufeinander herum, als sei es das allerhöchste Ziel, andere zur Maloche zu treiben. Dafür werden gleichermaßen Gefühl und Verstand betäubt, um sich am Ende jeweils selbst zu schaden.

Im dumpfen Gefühl der Einsamkeit, in der Überforderung als ‘Individuum’, Einzelkämpfer und Statuskonkurrent, meldet sich die taube Stelle, an der eigentlich das Bedürfnis nach Zugehörigkeit sitzt und schreit nach Ersatzbefriedigung. Längst ist dem trainierten Bürger, ganz auf den Bedarf und die Ideologie des Kapitalismus zugerichtet, Seinesgleichen zuwider. Die Anderen stinken, haben Meinungen, machen einem den Platz streitig; das will man nicht auch noch in der Freizeit haben. Was tun?

Wir ihr sie

Eine der attraktivsten Strategien liegt hier nahe: Wenn man schon den Planeten mit diesen Anderen teilen muss, dann wenigstens nicht auch noch die ‘Heimat’ mit Fremden. Schnell finden sich welche, deren Ansprüche man gänzlich zurückweisen kann, mit denen man also wenigstens die Konkurrenz verweigert. In einem Aufwasch bietet sich hier endlich die Aussicht auf Identifikation mit einer Gruppe, die einem nicht wehtut und nicht ablehnen kann, weil sie komplett abstrakt ist: Die Nation.

Der gehöre ich an, ganz gleich, was ich tue oder lasse. Andere wiederum eben nicht. All die Zwänge, unter denen ich täglich stehe, die Rücksichten, der Verzicht, Pflicht und Gehorsam, hier hören sie auf. Hier gehört der Nationale der überlegenen Gruppe an und kann als deren Teil anklagen, urteilen – und im Extremfall auch vollstrecken. Die ganze Macht der Nation scheint im Einzelnen gebündelt, der sich mit ihr identifiziert.

Nie genug

Ein schales Vergnügen, denn zunächst erweist sich diese Macht als eine, die dem Individuum, das sich an ihr weiden will, sogleich wieder entfleucht. Ein Kommentar im Internet, ein bisschen Gegröle im Stadion, ein paar Kraftworte beim Gespräch auf dem Gang, das war’s dann auch schon wieder. Befriedigung kann sich so nicht einstellen, was viele zur Eskalation treibt. Es ist alles so ungerecht, dabei ist doch klar, wer Herr im Haus ist und wer Eindringling, wer Täter ist und wer Opfer.

Weil sich das Ganze im luftleeren Raum abspielt, vollkommen abstrakt bleibt, kann sich um so weniger jegliches Erfolgserlebnis einstellen. Man erlebt ja gar nichts. Eine ideale Schnittstelle für Wahn und noch mehr Aggression – übrigens umso besser, je weniger Fremden man begegnet. Daher muss der Kreis der Feinde ausgedehnt werden: Freunde und Helfershelfer der Fremden, die sie bevorzugen, hierher holen und mit ihnen unter einer Decke stecken. Dumm nur, dass man die vermeintlich Schuldigen (Danke, Merkel!) ebenfalls nie zu Gesicht bekommen wird. Dann hockt man sich halt mit welchen zusammen, die es ihnen allen zeigen werden, wenn ihre Macht endlich konkret werden wird.