Wenn du ständig was dürfen willst, das du nicht darfst, musst du dir dauernd was verbieten lassen.
Wenn du ständig was dürfen willst, das du nicht darfst, musst du dir dauernd was verbieten lassen.

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Reiten wir gegen Bagdad, gegen Tripolis und Damaskus! Der Türke steht auch schon wieder vor Wien. Was dem Muselmann die die 72 Weiber beim finalen Priapismus, sind uns die 72 Cyber® im Weißbuch, die dem deutschen Vorwärtsverteidiger der Brute Force One den Weg ins Paradies weisen. Pizza und Kartoffelchips bis zum Jüngsten Tag, und die Musikauswahl ist ein weiterer Vorgeschmack. Das neue Technofieber heißt Marschmusik. Neben dem traditionellen Rummtata nach Art “Wir folgen blind und treu bis in den Tod unserem König” paukt und trompetet es heuer “Cyber Cyber”.
Drohnen-Uschi ist schier aus dem Häuschen angesichts ihrer pausbäckigen Lausejungs, ganz rosig noch in Adoleszenz und Killing Spree. Jetzt sind sie Kamerraaden, die 260 Pioniere; bald sollen es 800 sein, an einem Ort, an dem sogar die Maler “das Regiment führen“. Hier bin ich Männlein, hier darf ich’s sein. “Kammerraaden” hallt es allüberall durch die Zeilen, nix gegendersternte *_innen, und wenn doch wer aus versehen in Weibkontakt kommt, tut er’s im familienfreundlichen Unternehmen Bundeswehr®. Gebt her eure Söhne!
Das “Kommando Cyber- und Informationsraum” ist die Speerspitze der Strategie des 21. Jahrhunderts: Nicht nur verteidigen wir unsere Freiheit® überall auf der Welt, wir tun dies endlich auch wieder “offensiv”. Der neueste Sprech ist “Offensivverteidigung”, und zwar vom Boden des Vaterlands bis zu den Stränden Neuseelands, vom Eisernen Kern des Planeten bis zum Kreuz des Südens. Da staunt der Patriot, wird ihm doch bis heute selbst die kurze musikalische Reise zu Etsch und Belt untersagt. Endlich wieder Freiheit in Verantwortung®!
Uschi kann ihnen nur die Tür zeigen, von ihrem Verstand haben sie sich ganz alleine befreit. Da sind die Prioritäten eindeutig festgelegt: Wir brauchen keine Genies, nur ein paar Hundert willige Scriptkiddies, die sich durchklicken und pünktlich zum Rapport anchwabbeln. Wer C&P im Rahmen geordneten Codes drauf hat und sich dennoch für die blaue Pille entscheidet, hat das Zeug zum Cybergeneral. Dass ihm die Tablette keine ewige Dauerlatte beschert, sondern nur heiligen Stumpfsinn, ist zu verschmerzen: Sexy mini flower pop-op Cyber; alles ist in Cyber-Cyber.
04. Apr 2017 12:30

John Holloway hat einen höchst interessanten Beitrag zur Kapitalismus-Debatte verfasst. Ich empfehle, ihn selbst zu lesen, fasse ihn aber kurz zusammen:
Ware ist die Form, in der gesellschaftlicher Reichtum unter der Macht des Kapitals verwaltet wird: Produziert, verteilt, zugeteilt. Gleichzeitig wird damit die Herrschaft festgelegt; das Kommando über die Zeit der Einzelnen – ihre Arbeitszeit, die Bedingungen der Arbeit, ihre Freizeit, das Konsumgut und die Zugehörigkeit oder des Ausschluss aus dieser Welt der Waren.
Für Anfänger: Der Begriff „Ware“ bedeutet, dass etwas gekauft wird, um es teurer zu verkaufen und damit Profit zu erzielen. Der Profit ist der Zweck dieses Vorgangs. Ohne Profit findet er nicht statt, da niemand tätig wird, wenn er dabei Verluste macht.
Käuflich
Als Form des Klassengegensatzes ist die Warengesellschaft / der Kapitalismus nach klassischer Lesart (nur) durch eine Revolution überwindbar. Die Arbeiterklasse muss sich demnach – wie sie es bereits Anfang des 20. Jahrhunderts getan hat – erheben und die Herrschaft des Kapitals beenden. Holloway setzt anders an, nämlich beim „Reichtum“; nach Marx
„die volle Entwicklung der menschlichen Herrschaft über die Naturkräfte, die der sog. Natur sowohl wie seiner eignen Natur“; Reichtum, der durch das Zwingen in die Form der Ware pervertiert wird.
Demnach muss die Revolution nicht als Aufstand der Arbeiterklasse gegen die der Kapitalisten stattfinden, sondern gegen die Form der Ware. „Eine Mahlzeit ist keine Ware“, so Holloway, „sondern eine Geste der Liebe“. Kann man dies auch als pathetisch aufgeladen betrachten, so wird dennoch deutlich, wie weit sich die Warenwelt von den wahren Bedürfnissen der Menschen entfernt hat. Anderes Beispiel: „Bildung ist Reichtum, aber sie sollte keine Ware sein.“Kurzum: Die Warenform verwandelt Reichtum in trostlose Manövriermasse des Kapitals.
Der Kampf geht tiefer
Für den Klassenkampf bedeutet das:
„Der Klassenkampf ist der Kampf der Klassifizierten gegen die Klasse, gegen ihre Klassifizierung: Wir werden uns nicht einfügen, wir werden uns nicht klassifizieren lassen. Wir werden die Herrschaft des Geldes nicht hinnehmen. Wir sind die Bewegung des Reichtums gegen die Ware.“
Was das für konkrete Ideen, Projekte, Aktionen, politische Konzepte bedeutet, ist die Frage. Ganz offensichtlich ist ja längst, dass vor allem die eifrigsten Kämpfer für die Macht des Kapitals, ihre Ideologen wie ihre militärischen Handlanger, nicht in ihrem eigenen Interesse handeln. Sie handeln auch kaum mehr im Interesse einer „herrschenden Klasse“, sondern aus dem blinden Zwang des Systems heraus.
Es ist die Warenform, der Zwang, selbst aus obszönem Vermögen noch mehr zu machen, während Unternehmen, Staaten und Gesellschaften dadurch sprichwörtlich ruiniert werden. Es sieht derzeit so aus, als würde die Ware über die Menschheit obsiegen, weil sich die Menschheit global und fast unterschiedslos auf Befehl der Ware gegen sich selbst richtet. Die Lösung kann kaum darin liegen, noch mehr blutige Kämpfe zu führen. Sie muss darin liegen, den wahren Feind zu erkennen.

Die wohl bekannteste Rede eines deutschen Bundespräsidenten ist die sogenannte “Ruck”-Rede” von Roman Herzog von 1997. Sie ist die Essenz der Ideologie neoliberaler Politik und eigentlich ein Dokument epischen Versagens.
Herzog hebt damit an, dass er in einigen Staaten Asiens gewesen sei und zeigt sich begeistert über deren Entwicklung zu “führenden Industriestaaten des 21. Jahrhunderts“. Als er diese Worte sprach, hatte die Asienkrise gerade Anlauf genommen. Ein Jahr später sollte sie sich zu einer wirtschaftlichen Katastrophe entfaltet haben. Die Reformen, die er fordert, sind bald durch Schröder und Nachfolger umgesetzt worden, auch in einigen anderen europäischen Staaten. Zehn Jahre später begann die größte Krise in der Geschichte der EU, die bis heute andauert.
Freiheit – für wen eigentlich?
Herzog fordert in der Tradition protestantischer Ethik immer mehr ‘Eigenverantwortung’:
“Wäre es nicht ein Ziel, eine Gesellschaft der Selbständigkeit anzustreben, in der der Einzelne mehr Verantwortung für sich und andere trägt?”
Diese Formulierung ist propagandistisch, “für andere” ist die Schutzbehauptung, die Zustimmung ermöglicht, aber im Konzept selbst widerlegt wird. Es geht um einen Begriff von ‘Freiheit’, der Solidarität aufkündigt.
Ganz selbstverständlich soll gelten: “Statt Lebensarbeitsplätzen wird es mehr Mobilität und mehr Flexibilität geben“.
Dies ist ein großes Opfer für die Betroffenen, das als Naturgesetz dargestellt wird. Arbeitsplätze werden so unsicher wie Biographie, Familienplanung und Lebensqualität. Es gibt dafür als Gegenleistung – nichts.
Der Begriff “Solidarität” wird ad absurdum geführt:
“Wäre es nicht ein Ziel, eine Gesellschaft der Solidarität anzustreben – nicht im Sinne der Maximierung von Sozialtransfers, sondern im Vertrauen auf das verantwortliche Handeln jedes Einzelnen für sich selbst und die Gemeinschaft? Solidarität ist Hilfe für den, dem die Kraft fehlt, für sich selbst einzustehen. Solidarität heißt aber auch Rücksicht auf die kommenden Generationen.”
Solidarität ist demnach ein Sparprogramm. Zu konstruieren, Solidarität sei “das verantwortliche Handeln jedes Einzelnen für sich selbst” ist schlicht schwachsinnig. Sie als “Maximierung von Sozialtransfers” zu denunzieren, spricht Bände. Solidarität ist gegenseitige Unterstützung. Diese soll durch die neue Ideologie zerschlagen werden.
Die neue alte Leier
Das von Herzog geforderte Programm, das er “endlich” umgesetzt sehen will, weil “jeder weiß”, dass es richtig ist:
- schlanker Staat
- Sozialleistungen senken (“Lohnnebenkosten”)
- Deregulierung
- “Freiheit” statt Versorgung
- Umerziehung der Jugend auf solche “Freiheit”
- ‘Lohnabstandsgebot’ (niedrigere Sozialleistungen), denn:
- niedrige Lohnabschlüsse, “die Neueinstellungen möglich machen”
- Zustimmung der Gewerkschaften zum Programm
- Sparsamkeit des Staates
- “mehr Wettbewerb und mehr Spitzenleistungen”
- Globalisierung, “Weltmarkt der Ideen”
Tragende Begriffe seiner Terminologie: “Reformen, Märkte, Wachstum, Arbeitsplätze, Selbstverantwortung, Vollbeschäftigung“.
Die Wende
Die Rede wurde zum Ende der Amtszeit Helmut Kohls gehalten. Der war seinerzeit 15 Jahre im Amt und hatte trotz Dauerkoalition mit der FDP die neoliberalen Forderungen nicht umgesetzt. Die Gewerkschaften, die anderswo – wie in England – niedergerungen werden mussten, konnten ebenso korrumpiert werden wie die SPD und deren Kanzlerkandidat. Herzogs Rede war ein Beitrag zu der Entwicklung, die von den neoliberalen Think Tanks bis hin zu ehemals linken Parteien eine einheitliche Ideologie etablierte. Der ‘Markt’ trägt künftig religiöse Züge.
Wie bereits gezeigt, hat dies Risse im Narrativ hinterlassen. Nachdem unter “Soziale Marktwirtschaft” bis dahin zu verstehen war, dass Lohnabhängige am Wachstum beteiligt wurden und der Staat der Wirtschaft Vorgaben macht, sollte fortan das Gegenteil mit demselben Wort gemeint sein: Wachstum als alternativloses Ziel sollte durch “Lohnzurückhaltung” bei gleichzeitig drastisch sinkenden Sozialleistungen und freien „Märkten“ erreicht werden. Allein auf die Arbeitsethik konnte man noch setzen und die Opfer dieser Politik als Faulpelze darstellen, die ihr Essen nicht verdient hätten.

Ich werde regelmäßig denunziert als jemand, der quasi die Weltrevolution mit anschließendem Bällchenbad fordert, und zwar spätestens bis nächsten Mittwoch. Wenn einem das Hirn einschläft, breitet sich ein sanftes Summen aus, das unbedingt mit Bekenntnissen übertönt sein will. Leider sind die Symptome nicht so eindeutig wie bei den Füßen, deren Kribbeln deutlich die Durchblutungsstörung anzeigt.
Ich sei also revolutionär, weil mich der ganze Quatsch nicht überzeugt, der sich die Erkenntnis verbietet, dass es der Kapitalismus ist, der mordet, zerstört und versklavt. Das sind keine Auswüchse, das ist die unvermeidliche Anhäufung von Kapital und damit der Macht eines furchtbaren Zwangs. Bei der Frage, was man denn dagegen tun könnte, kommen einem die ‘Reformer’, deren Reformen man als untauglich erkennt, eben mit dem Vorwurf, man sei revolutionär. “Revolutionär” wiederum ist irgendwie falsch und daher alles radikal Linke, zumal kommunistische, indiskutabel.
Ich möchte einmal bei einem Punkt ansetzen, der sich gar nicht mit Kapital, Wirtschaft, Reichtum und Armut befasst, sondern mit einer politischen Idee, die vom ‘real Existierenden’ genau so mit Füßen getreten wurde wie vom Kapitalismus. Es ist hier bereits Konsens, das in einer Gesellschaft, die etwas taugt, Menschen selbst entscheiden, wie sie leben und arbeiten wollen. Das wiederum tun sie gemeinsam dort, wo sie leben. Hierarchische Gesellschaften wie Preußen, Nordkorea, die Sowjetunion oder jeder kapitalistische Staat, sind das Gegenteil.
Wille und Macht
Kommunismus kommt von “Kommune”, und mir hat noch selten jemand widersprochen, wenn ich ausgeführt habe, dass echte Demokratie, also die Entscheidungsgewalt der Menschen über sich selbst, nur praktikabel ist, wenn die Kommunen die höchste Entscheidungsgewalt innehaben. Was immer also auf einer anderen Ebene entschieden wird, kann durch die Kommune aufgehoben werden. Alles, was auf regionaler oder ‘Bundes’-Ebene koordiniert wird, bedarf der Zustimmung der Kommunen. Wenn eine nicht mitmachen will, kann sie niemand dazu zwingen.
Als Marxianer ist mir klar, dass sich diese politische Forderung in einem Kapitalistischen System nicht umsetzen lässt, weil das Kapital Macht konzentrieren muss, vor allem im fortgeschrittenen Stadium, in dem sich Monopole Bilden. Nun sind es aber die ‘Reformisten’, die ich “Sozialdemokraten” zu nennen pflege, die vom Gegenteil ausgehen. In deren Weltbild gibt es ja eine politische Macht, die Kraft ihres Willens die Gesellschaft regeln und formen kann. Sie kann ja – wenn man nur will – sogar den Kapitalismus zähmen.
Nun frage ich mich, warum dann die naheliegendste Idee, innerhalb einer ‘Marktwirtschaft’, die politisch regelbar ist, nicht einmal diskutiert wird. Die holden Halblinken lassen sich nicht einmal auf die Veränderung der politischen Strukturen ein. Warum verzichten ausgerechnet diejenigen, die an den Primat des Politischen glauben, auf die entscheidende Reform der Machtverhältnisse, die sich in deren Universum relativ leicht umsetzen ließe? Weiterhin frage ich mich, ob sie erkennen würden, woran das scheitert. Wenn sie doch bloß wollten …

Es gab in der Geschichte der BRD einige Meilensteine, in denen das Narrativ sprichwörtlich auf den Punkt gebracht wurde, nämlich in ‘berühmten’ Reden deutscher Bundeskanzler und Präsidenten. Ich habe Adenauers Rede von 1946 bereits erwähnt, in der er fordert, den Nationalsozialismus endlich abzuhaken und ausgerechnet die Kirchen zum Hort des Widerstands verklärt hat. Der Zusammenhang zwischen Luthers Ideologie und den Voraussetzungen für das Gedeihen des Nationalsozialsozialismus wurde ebenfalls angesprochen.
Es gibt zwei weitere Reden von Bundespräsidenten, die jeweils bis heute erwähnt werden; eine davon ist Weizsäckers Rede zum 40. Jahrestag der Kapitulation des Deutschen Reiches. Diese Rede vom Mai 1985 wurde skandalisiert, weil er von einem “Tag der Befreiung” sprach. Die Reaktionäre in der CDU/CSU und Vertriebenenverbänden konnten das kaum akzeptieren; Weizsäcker wurde dafür von Liberalen und Gemäßigten gefeiert, vor allem wohl für den Rest der Rede. Diese machte Kohls Ausspruch von der “Gnade der späten Geburt” zur Säule des Narrativs und verklärte den Nationalsozialismus zu einer Erfindung Hitlers, die er mit ein paar Getreuen über das Deutsche Volk gebracht hätte. Dieses steht als Opfer der Geschichte da.
Verführtes Volk
Das Kriegsende wird in düsteren Farben geschildert, denn “Unser Schicksal lag in der Hand der Feinde.”. Dabei war alles bloß ein Irrtum gewesen:
“Die meisten Deutschen hatten geglaubt, für die gute Sache des eigenen Landes zu kämpfen und zu leiden. Und nun sollte sich herausstellen: Das alles war nicht nur vergeblich und sinnlos, sondern es hatte den unmenschlichen Zielen einer verbrecherischen Führung gedient.”
Weizsäckers “Gedenken” gilt derweil ebenso den “Soldaten” wie den Opfern des Holocaust. Mehr ging wohl nicht.
Ein besonderer rhetorischer Kniff gelingt ihm, indem er den Fokus auf die Frauen lenkt, die er pauschal für unschuldig erklären kann:
“Sie haben in den dunkelsten Jahren das Licht der Humanität vor dem Erlöschen bewahrt.” Dies verknüpft er mit der Legende der Trümmerfrauen, die Heldengeschichte der frühen BRD, in derMord und Totschlag einmal nicht vorkommen. Ansonsten ist es das Lied von der missbrauchten Nation:
“Am Anfang der Gewaltherrschaft hatte der abgrundtiefe Haß Hitlers gegen unsere jüdischen Mitmenschen gestanden. Hitler hatte ihn nie vor der Öffentlichkeit verschwiegen, sondern das ganze Volk zum Werkzeug dieses Hasses gemacht.” Wie ihm das gelang, werden wir leider nie erfahren.
Dies soll an dieser Stelle genügen, und ich spule vor zum Schlussakkord:
“Ehren wir die Freiheit.
Arbeiten wir für den Frieden.
Halten wir uns an das Recht.
Dienen wir unseren inneren Maßstäben der Gerechtigkeit.
Schauen wir am heutigen 8. Mai, so gut wir es können, der Wahrheit ins Auge.”
Luther Reloaded
Die Weizsäckers sind Nachfahren evangelischer Theologen, die seit dem 19 Jahrhundert Ämter in diversen Regierungen innehatten. Richards Vater war ein in Nürnberg verurteilter Kriegsverbrecher, sein Bruder Teil der Gruppe, die für die Nazis an einer Kernwaffe arbeiteten. Wie viele geläuterte Nazis wurden die Weizsäckers amerikanisch demokratisiert. Richard selbst war Fähnleinführer der Hitlerjugend gewesen, später Offizier der Wehrmacht. Nach dem Stauffenberg-Attentat hat er offenbar einen der Verdächtigen geschützt.
Der letzte Absatz seiner Rede vereint seine Wurzeln wie die des deutschen Narrativs mustergültig. Ohne “Ehre” kommen die deutsche Nation und ihre Getreuen nicht aus. Wo die Nazis bedingungslose “Treue” ehrten, steht nunmehr die “Freiheit”, eine eher diffuse Angelegenheit, denn wovon oder wozu wird nicht so recht so klar – es sei denn, man denkt ökonomisch, aber dieser Teil kommt nicht vor in der Rede. “Arbeit” darf keineswegs fehlen, nicht beim Deutschen und schon gar nicht beim Lutheraner. “Frieden” ist das Ergebnis der Arbeit seitdem also. “Arbeit” rhetorisch weiterhin mit “Freiheit” zu verknüpfen, wäre wohl zu verfänglich gewesen.
“Halten wir uns an das Recht” ist die neue Formel für Unterordnung. Wo die von Hitler Verführten Gehorsam gelobt hatten, stellt sich der ‘Freie’ nunmehr willig unters Recht. Wie dem auch sei: Es braucht Autorität, wenigstens abstrakt als „Recht“. Der vorletzte Satz klingt kryptisch, ist aber wohl der eindeutigste Bezug auf die protestantische Ideologie. Die “inneren Maßstäbe” zeichnen den eigenverantwortlichen Christen aus und machen “Gerechtigkeit” zu einer Sache des Einzelnen. Am besten gefällt mir freilich der Schlusssatz mit der kabarettreifen Einschränkung “so gut wir können“. Nach bestem Wissen und Gewissen eben. Kann nicht immer klappen. Dann ist halt der Führer schuld.
siehe dazu auch Jenningers Versagen

Vor Jahren haben einige hier gesagt, es sei wichtig, sich gelegentlich zu wiederholen. Das einmal Gesagte verliert nicht an Gültigkeit, wird aber ggf. vergessen, und es gibt immer Menschen, zumal jüngere, die es nicht gelesen haben.
Das Ganze ist ein Art Verlegerarbeit. Ich habe mir heute angeschaut, was ich in den vergangengen zehn Jahren so zum Frühlingsanfang gepostet habe. Eine recht interessante Mischung:
”
Das beginnt immer mit der irrwitzigen Ankündigung, es schaffe Arbeitsplätze, wenn man Arbeitslosigkeit anders verwalte. Dann kommt grundsätzlich ein Vorschlag, wie man denen, die nichts haben, noch etwas wegnimmt. Schließlich werden alle, die eh schon den Kürzeren gezogen haben, gedemütigt und für alle wirtschaftlichen Probleme des aktuellen Jahrzehnts verantwortlich gemacht.
”
Am liebsten würde man Arbeitnehmerrechte ganz abschaffen. Dazu ist nicht nur die ‘Gesetzgebung’ aus der Feder des VW-Managers Hartz hoch willkommen, mit der man Arbeitslose in prekäre Arbeitsverhältnisse treibt. Wie sollen wir im globalen Wettbewerb bestehen, wenn wir Gewerkschaften zulassen?
”
Eine Airline, die kuschelweiche fliegende Gefängnisse baut, um die “Schüblinge” weich auf den Boden von Elend und Verfolgung zu verfrachten, ist das, was vom Humanismus übrig bleibt, wenn die Marktwirtschaft zuschlägt. Man fragt sich da tatsächlich: Ist der Schlagstock, der die Nase des Opfers zertrümmert, nicht wenigstens ehrlich?
”
Das unerträgliche Wiederkäuen kuhjournalistischer Stupiditäten wie die Behauptung aufwendiger Recherche will niemand mehr hören. Jörges mag beim “Stern” eine Qualitätsoffensive erkennen wollen, die das Niveau der Hitlertagebücher überbietet. Daraus sollte er freilich nicht die Lizenz zum Steinewerfen ableiten.
”
Wenn nun Fukushima ein Anlass war, die AKWs hierzulande mit anderen Augen zu sehen, sollte dieser GAU der Lobbyisten erst recht ein Anlass sein, endlich Gesetze gegen Korruption zu verabschieden. Aber wer sperrt sich schon gern selbst ein?
”
Sie zieht es vor, sinnlose Eingriffe in die Freiheitsrechte vorzunehmen, wenn es dem Empörungs-Management dient. Diese Strategie hat noch jede Diktatur gewählt, um einen Fuß in die Tür zu den Bürgerrechten zu bekommen. Was hier “verboten” wird, ist nicht das Verbrechen, sondern die Freiheit, die auch das Verbrechen ermöglicht.
”
Allein Deutschland hat bislang etwa 36 Milliarden Euro in das Wohlergehen der Afghanen investiert. Einige danken es uns, indem sie in die europäischen Sozialsysteme einwandern®. Aufgrund der demogeographischen Lage führt ihr Weg häufig über Griechenland, wo wir derzeit äußerst wenig Verständnis aufbringen für die Anspruchshaltung® von Wirtschaftsflüchtlingen. Da wundern sie sich darüber, dass sie eher von privaten Organisationen der Volkshygiene betreut werden als dass sie Hilfe von der Polizei erwarten dürfen. Die Hoffnung auf letztere belegt im übrigen eine grobe Unkenntnis der europäischen Kultur und damit wiederum bereits einen erkennbaren Unwillen zur Integration. Das wird man doch wohl einmal sagen dürfen.
”
“Hilfe” und “Rettung” sind die Titel für die Prügelei um die letzten Plätze auf dem Floß, dessen Passagiere sich am Ende gegenseitig fressen werden. Das ist der “Linksruck”, das bedeutet “Sozialdemokratisierung”. Die Frage an die Hinterbliebenen ist offen: Wohin treibt es uns?
”
Das bürgerlich-gemütliche Geschwalle, das manche nur mehr ablassen, nachdem sie sich die Hörner jugendlicher Attitüde abgestoßen haben, zeichnet sich nicht durch eine ‘falsche Gesinnung’ aus, sondern durch Langweiligkeit.
”
Die Marktmacht in Kombination mit Eingriffen in die Freiheit der Rede ist schädlicher als staatliche Zensur. Kein Grund nachzudenken, Facebook ist nämlich cool und gratis!
”
Selbstverständlich haben die Amerikaner gewusst, was sie da gezüchtet haben, und sie haben eine Menge von ihnen gelernt. Den flexiblen und phantasievollen Einsatz der Folter etwa. Dass ein Feindleben nichts wert ist zum Beispiel. Dass eine Weltmacht keine Skrupel gebrauchen kann. Die Five Eyes sind da schon ziemlich weit, da kann sich Deutschland nicht lumpen lassen, schließlich ist die GeStaPo unser Ricola.

Eine interessante Kritik zum „Equal Pay Day“ weist auf das ewige Problem hin, dass Frau vs. Mann eben ein erwünschter Effekt ist, der vom Klassenkampf ablenkt. Übrigens ist auch hier zu bemerken, dass „Gender Gap“ schon tendenziös ist, denn „Gender“ ist ein absurdes Konstrukt und es wird ja auch gar nicht erfasst, wie sogenannte ‚Gender‘ entlohnt werden, sondern nur die Geschlechter.
Es wird hier noch einiges mehr übersehen. Dem Kapital ist‘s eigentlich egal, aber Männer sind offenbar marktkompatibler, jedenfalls als ‚Verdiener‘. Das hat u.a. historische Gründe, Männer sind aber auch eher darauf dressiert, sich „selbständig“ zu machen. Ihre Karrieren sind eher ununterbrochen (der Artikel spricht das an), sie streben geradliniger in Spitzenpositionen. Erst weiter oben wiederum entstehen die großen Unterschiede in den Einkommen. Im Übrigen, das hatten wir schon, sind es ‚typische Frauenberufe‘, die oft schlechter entlohnt werden, hier trifft es aber auch die Männer.
Zeitlose Verblödung
Bezogen auf Familieneinkommen sieht die Welt anders aus, denn es müssen alle mit der Kohle auskommen. Dass Einkommen generell so ungerecht verteilt wird, dass Familiengründung ein ruinöses Unterfangen wurde, trifft ebenfalls alle. Es dient dem Kapital, hier die Rechnung aufzumachen, Frauen würden benachteiligt, um den Mann zu animieren darauf zu beharren, sie gebe ja sein Geld aus. So lange es wenigstens noch Kleinfamilien gibt, ist solcher Streit hirnrissig. Dergleichen ist ein Luxus für kinderlose Alleinstehende, die Lieblingsdrohnen der Ausbeuter.
Die Erzählung, die mich aktuell einmal mehr belustigt, ist die von Cinderella oder Aschenputtel, ein zeitloser Klassiker der Herrschaftsliteratur. Sie stammt vermutlich aus dem späten 17. Jahrhundert. Die relevanten Geschichten drehten sich schon in der Antike um Fürsten. Die Kommödie war die Geschichte des Pöbels, wenn es aber um das große Schicksal ging, in der Tragödie, waren gekrönte Häupter die Spielfiguren.
Aschenputtel ist die Geschichte des Aufstiegs der unterdrückten mittellosen Schönheit, die vom Prinzen erlöst wird, indem er ihr einen Schuh reicht. Das Muster geht gerade heute wieder gut; Kinofilme, in denen der Millionär die Hure heiratet, sind die Adaption der Geschichte; für die emanzipierte Frau gibt es Zalando. Die postmoderne Variante verdient sich selbst die Moppen, um damit sinnlos Schuhe zu kaufen. Es darf aber weiterhin devot gestöckelt werden.
Du bist dein Feind
Als Konsumentin sorgt die Frau dafür, dass die Kohle nicht nur reinkommt, sondern auch wieder rausgehauen wird. Seit jeher ist sie die erste Adressatin der Werbung, sei es als Hausfrau, sei es als Prinzessin. Dabei wickelt die Psychiatrie der PR-Experten sie bis zur Schnappatmung ein. Will die Reklame den Kerl anmachen, schickt sie maximal halbnackte Genossinnen vor die Kameras. An denen wiederum soll das Weib sich ein Beispiel nehmen und sich wenigstens permanent zurecht renovieren, um zu gefallen und die Konkurrenz auszustechen.
Da wünscht sie sich beinahe die Zeit zurück, als sie noch die souveräne Entscheiderin im Haushalt war und ihr Lenorgewissen mit der Riesenwaschkraft zu beruhigen wusste. Wie gesagt: Dem Kapital ist‘s egal, Hauptsache irgendwer lässt sich ausbeuten und jemand streckt sich nach der Decke, um möglichst hohe Absätze zu sichern. Die Vorbilder leuchten uns stets entgegen: Lottogewinner, Prinzessinnen und andere erlöste Huren. Im echten Leben ist Erlösung rar, und doch bücken sich alle und hoffen. Das ist nirgends eine Frage des Geschlechts. Es ist Klassenkampf, Dummkopf!
Uns erzählen Leute von “Freiheit”, die sich jeden Tag einen Strick um den Hals binden.
15. Mrz 2017 16:46

Waren das noch Zeiten, als es relevant erschien, Wahlen zu kommentieren. Schon vorher konnte man prognostizieren, so tun, als gebe es Optionen, sogenannte “Wahlaussagen” bewerten. Am Wahltag war so zu tun, als sei es spannend, um danach die Wahl selbst zu besprechen und Koalitionen durchzudeklinieren. Arbeit ohne Ende.
Was wird derzeit nicht alles gewählt. Die Einen haben Angst vor dem Wilders-Westen, die Anderen glotzen auf den deutschen Westen und den frischen Wind aus dem Darm der AfD. NRW wählt, und die chancenlosen Schwarzgelben versprechen das Ende des Rauchverbots in Kneipen. Tatsächlich ist das ein Landesgesetz, von dem wir wissen, dass es das Werk der Grünen Gesundheitsnazis und ihrer Spezialdemokratie ist. War da sonst noch was? G12 vielleicht. Gegender an den Unis. Superbilanz! Die Grünen kriegen dafür offenbar die Quittung, obwohl keiner weiß, warum ihre Exwähler wohin jetzt überlaufen, wo doch die Piraten auch noch absaufen.
Ein Supertyp
Alle zur AfD? Und wissen deren Kandidaten überhaupt, was ein Landtag ist? Oder deren Wähler so, wofür eine Landesregierung zuständig ist? Die Lindners und die Konservativen, von denen sie sich wedeln lassen wollen, haben immerhin einen Punkt. Ist das ein Grund, wen zu wählen? Dolles Symbol: Freiheit statt Zwangsaskese. Wären da bloß nicht A und B. A, dass die Pappnasen nur mit der AfD regieren könnten oder mit der SPD. B, dass in den kommenden fünf Jahren noch andere Entscheidungen getroffen werden müssen, und wessen Freiheit die neoliberale Phalanx von Grün bis AfD da verteidigt, ist kein Geheimnis.
Bleibt noch C, das “Abschneiden”. Das “der Rechten” zum Beispiel. Werden die wirklich abgeschnippelt? Verschwinden die, wenn sie verlieren? Sind deren Wähler mehr oder weniger Nazis, wenn sie ihr Kreuzchen bei Adenauers machen oder nicht? Ist Geert Wilders kein Idiot, wenn er eine Wahl gewinnt oder Rutte etwas anderes als ein neoliberaler Geisterfahrer, weil er Cheftürken rauswirft? Ist der holländische Joschka wirklich ein Jessias? Vor allem aber: Wen zur stinkenden Hölle interessieren Personen, wenn am Ende immer und immer wieder derselbe Dung in denselben Himmel mieft?
Ist wirklich diese Löhrmann schuld, wenn die Oliven die Wahl verlieren? Okay, jemand, der nicht hässlich und öde ist, kriegt bessere Noten bei der Vereinigten Gala aka “Journaille”, aber ist das die Lösung? Schöne Männer und Frauen, die sich perfekt präsentieren? Wenn sie schon bewertet werden wie Showstars, sollten sie auch gecastet werden wie bei Germany’s next Toppolitician. Hat nur Vorteile: Hohe Wahlbeteiligung, gute Stimmung und weniger kackbraune Spuckefäden. Am Ende kann man sich ja wie immer darauf einigen, dass Steuern und Sozialleistungen gesenkt werden. Nehmen wir doch eh hin, und die Nation kann endlich wieder stolz sein, weil wir von echt geilen Schnitten regiert werden.