2015


 
oi

Ich hatte jüngst das Missvergnügen, einer Leseempfehlung zu folgen, die ich als guter Misanthrop eigentlich weitergeben müsste. Nennt es Altersweichheit, aber ich will euch das Wochenende nicht verderben, und wer Montag mit authentischer Migräne oder sichtbar durch die Depression versehrt beim Doc aufschlagen will, kann das ja am Sonntag Abend lesen. Ihr werdet es schon finden anhand des Zitates:

"Wer nicht darauf zählen kann, dass sein Eigentum geachtet wird, der verliert das Vertrauen in die Zukunft: Keine Anstrengung lohnt sich [...]".

Das ist zwar der Kern der Sache, aber bei Weitem nicht die brutalste Verwüstung, welche die Einschläge der Ideologie in der Landschaft dieser erbärmlichen Lektüre hinterlassen haben. Wer seinen Schädelschwamm nicht ohnehin schon in kochenden Stahl getunkt hat, sollte sich das tunlichst ersparen. Die anderen werden ihren Spaß haben.

Treu im Glauben

Man erkennt sogleich den Frommen, unerschütterlich im Glauben ans göttliche Eigentum®, ohne das nichts ist. Kein Wasser im Meer, kein Blau am Himmel, keine Sonne, keine Tiere, kein Mensch. Was hält Atome zusammen, bewirkt den Lauf der Gezeiten und versorgt die Zellen des Lebens mit Energie? Eigentum! Gott schütze es, auf dass Zukunft® sei und erlöse uns von dem Bösen, Amen!

Das Schinden dieser Zeilen soll nicht alles sein, sondern vielmehr Anlauf zur Kunde von der Weisheit einer für mich maßgeblichen Person. Diese nämlich stellte eben in ihrer Güte und Weitsicht fest, dass Zukunft auch nicht mehr das ist, was sie einmal war. Wie wahr! Star Trek, so stellte sie fest, halte zwar eine seltsame Food Culture vor, sei aber doch wenigstens ein Zukunftsmodell gewesen. Heute, so die fmmP, sei nur noch Zombieapokalypse. Bestenfalls wandere die Menschheit vor sich selbst aus.

Ich kann das nur bestätigen und fürchte, wir werden dereinst vor einen interstellaren Zaun dengeln, der unsere Rakete in eine sichere Drittsingularität zurück schubst. Die Zombieapokalypse ist derweil längst real. Man muss sich ja nur die Entwicklung der Prinzessinnen anschauen. Waren sie dereinst unschuldige süße Dinger, die mit glockenklaren Stimmchen Reime vortrugen, magerten sie alsbald zusehends ab, nicht zuletzt an Kleidung und Moral. In der Postmoderne angekommen, erfreuen sie sich nunmehr an Mord und Vergewaltigung, gern an Säuglingen und schreiben dergleichen ab. Als meine Generation "No Future" anstimmte, haben wir das so nicht gemeint.

Armageddon am Replikator

Die Zukunft war früher also nicht bloß besser, sie entbehrte auch jeder Verantwortung®. Wie konnte die Idee des "Replikators" je Gegenstand einer erfolgreichen Fernsehserie und angeschlossener Hollywood-Produktionen werden? Einfach sagen, was man braucht und es wird automatisch zubereitet? Wer soll da noch Arbeitsplätze® schaffen? Wozu braucht man dann noch Produktionsmittel? Was bedeutet dann noch Eigentum®? Obendrein sausen die Leute mit den komischen Trainingsanzügen munter durchs ganze Universum; man stelle sich vor, wie sich das auf die Grundstückspreise auswirkt!

Gut, es gibt da noch die Ferengi, jene verfreakte Spezies, die "Erwerbsregeln" zur Religion erhebt und für die Ausbeutung das höchste Ideal ist. Wie verrückt! Das wäre ja, als ließe man sich eine ganze Kuh replizieren, um sie dann zu schlachten, anstatt sich gleich ein fertiges Steak zu bestellen. Was sagt ihr? Das schafft wenigstens Arbeitsplätze? Also wo ihr recht habt ...

 
3l

Die NZZ spekuliert über Merkels Motive; eine Kunst, die hierzulande lange als Majestätsbeleidigung galt und inzwischen "Verschwörungstheorie" heißt. Man spekuliert nicht in der freien Presse®, es gilt die Losung: Die Herrschaft hat recht und der Feind ist schuld. In der Schweiz hingegen schreiben sie:

"Selbst wenn am rechten Rand der Union fremdenfeindliche Reflexe wach und rechte Populisten gestärkt werden, so ist noch genug Potenzial in der politischen Mitte und im bürgerlich-liberalen Feld, um eine Mehrheit zu sichern [...]"

Das sei vielleicht Merkels Gedanke gewesen, sie habe sich aber verkalkuliert. Die NZZ verheddert sich im Weiteren leider im offiziellen deutschen Narrativ und gewinnt nicht die nötige Distanz. Vor allem im Hinblick auf die scheinbare Konfliktlinie zwischen Merkel und de Maizière/Schäuble muss man noch Erklärungen finden. Da man in der Schweiz spekulieren darf, begebe ich mich virtuell kurz hinüber und stelle eine These auf:

Busines as usual

Das Narrativ der BRD ist antirussisch, antikommunistisch und geprägt von der strategischen Allianz zwischen NATO und Nationalsozialisten, die u.a. durch Gehlens Geheimdienst und dessen Nachfolger im Inneren gepflegt wurden. Ergänzt wurde diese Struktur durch ein Netz transatlantischer Interessenvertreter, bestehend aus Medien, Industrie, Politik und Militär.

Aktuell fahren Politik und Medien einen aggressiven Kurs gegen Russland und vertreten völlig unkritisch die militärischen Strategien der USA, obwohl diese wahlweise bewusst Chaos herbeiführen oder auf breiter Front scheitern. Business as usual also. Die Verfassungsschutzbehörden wissen nichts über die Welle von faschistischem Terror gegen Flüchtlinge, bzw. wann immer ein brauner Täter überführt wird, kann man sich darauf verlassen, dass er mit dem "Schutz" kooperiert hat.

Das Ganze führt dazu, dass erstens Gewalt gegen Ausländer alltäglich ist und kein besonderes Aufsehen erregt. Die militante Rechte darf sich in aller Ruhe entwickeln. Die politische Rechte jenseits des Establishments erstarkt gleichzeitig durch eine Angst vor Überfremdung, die man bislang für quasi paranoid halten durfte. Bislang - bis angesichts Millionen Flüchtender die Bundeskanzlerin höchstselbst kundtat, sie sollten sich doch gern hier niederlassen.

Dies war für die Rechtsextremen von Pegida bis AfD die späte Bestätigung für die reale Gefahr der Überfremdung, sprich: Islamisierung, mehr noch: Eine der wenigen echten Verschwörungstheorien, die von der geplanten Überfremdung, erhält einen gewaltigen Schub, zumal es keine offizielle Erklärung gibt für die vermeintlichen Launen der Kanzlerin. Haben wir's doch gewusst! Prompt erreicht die AfD zweistellige Umfrageergebnisse.

Missverständnisse und Pannen

Auf der anderen Flanke de Maizière und Schäuble, die völlig andere Fakten schaffen. Zwar hat die Deutsche Bank kürzlich berechnet, dass der Zuzug von Flüchtlingen sich wirtschaftlich rechnet, aber was vorn eingeladen wurde, muss jetzt ganz schnell hinten wieder eingedämmt werden. Zudem muss die regierende gemäßigte Rechte den Eindruck aufrecht erhalten, für Ordnung und das Wohl der Deutschen zu sorgen.

Über all dem wird es gewiss zu einem nicht kommen, was unter der Hand droht und durch die Welle der Hilfsbereitschaft Aufwind erhält: Eine breite Solidarität sonst konkurrierender Menschen und womöglich die Abkehr von einer Politik, die Menschen aufeinander hetzt und Europa in Armut stürzt. Wer es mag, darf das auch als "Linksrutsch" bezeichnen, aber es ginge diesmal um einen echten, einen, der europaweit Kreise zieht und und dem Establishment den Rücken kehrt - übrigens auch dem 'linken'.

In Deutschland ist die klassische Reaktion darauf, obendrein eine bislang sehr erfolgreiche, die Rechte zu stärken, nicht zuletzt die extreme Rechte. Sollte dergleichen also zu beobachten sein und womöglich durch eine Serie von Pannen und Missverständnissen genau so vonstatten gehen, darf man - in der Schweiz - spekulieren, dass es sich vielmehr um Kalkül handelt. Vielleicht ist der Gradmesser die Karriere de Maizières. Sollte der trotz des ausgesprochenen 'Vertrauens' der Kanzlerin im Amt bleiben, wäre das ein Indiz fürs Kalkül.

 
cm

Ich habe mit wachsendem Unmut die letzte Diskussion hier mäßig durchgestanden, und wenn manche hier wüssten, was ich so denke, wären sie sehr glücklich über meine höfliche Wortwahl. Was mir ungeheuer auf den Sack geht, ist Ignoranz gegenüber bereits formulierten Statements und dem Stand der Diskussion. Man muss hier nicht alles gelesen haben, aber sich bitte einmal darüber orientieren, wo man ist.

Nun gibt es auch solche, die haben es etwas schwer mit dem Nachvollziehen anderer Meinungen, aber spätestens, wenn es an der Logik hapert, ist es nicht mehr angezeigt, andere zu belehren. Zum Thema "Korruption" hatte ich das nicht zum ersten Mal, dass argumentiert wurde, 3+3 könne nicht 6 sein, weil 1+5 ja schon 6 sind. Konkret muss ich mir immer wieder anhören, Korruption könne nicht charakteristisch für Kapitalismus sein oder es könne keine spezifisch kapitalistische Korruption geben, weil es auch jenseits desselben welche gebe.

Das Zebra, ein Tiger mit Hufen

Kapitalismus fördert Hierarchien, die besonders korruptionsanfällig sind. Gibt es auch Hierarchien jenseits des Kapitalismus? Ja. Ist das ein Gegenargument? The fuck, no! Es gibt extreme Armut und extremen Reichtum im Kapitalismus. So extrem wie in keinem anderen System. Das macht Korruption nachgerade zur Selbstverständlichkeit. Aber selbst wenn es woanders auch solche Extreme gibt, ist das ein Gegenargument? Nein.

Kapitalismus ist das einzige globale System, und in dem ist Macht verflüssigt. Natürlich kann mir eine Frau Sex anbieten, damit ich ihren Mann kille oder für sie eine Kuh stehle. Das ist auch Korruption. Das Potential aber, sämtliche Systeme zu korrumpieren, und zwar ohne dass noch das Mittel dazu (Geld) verschwunden geht, gibt es nur im Kapitalismus. Ich mag an dieser Stelle nicht die Diskussion über theoretisch andere Modelle von Geldwirtschaft führen, denn die sind m.E. erstens auch nur noch als Kapitalismus denkbar, und zweitens gibt es nicht ganz zufällig kein anderes (mehr).

Gerade in dem Zusammenhang, in dem ich das Problem Korruption häufig nenne, nämlich als Gegenkraft zu allen guten Wünschen und Vorstellungen, die innerhalb des Kapitalismus ansetzen, hier vor allem Keynesianische, ist das doch offensichtlich. Kapitalismus ist zu korrupt, um Mehrheiten unter den Entscheidern zu finden, die ihn begrenzen. Warum entscheiden immer wieder Funktionäre gegen ihre 'Basis' und die Programme, für die sie gewählt wurden? Weil sie die Wahl haben, sich mit der kapitalistischen Elite anzulegen oder von ihr zu profitieren und sich im Glanz der Macht zu sonnen.

Korruption als System

"Korruption" kommt übrigens von "Bestechung". Jemand wird bezahlt, um dafür etwas zu tun. Das nennt sich heute auch "Lohn". Das Beste aber ist, dass diese Art der Korruption auf jeder denkbaren Ebene abläuft und schon in den Köpfen verankert ist. Als "fairer Wettbewerb" zwischen Monopolbildung und Preisabsprache. Als Stöckchen vor dem Kopf, dem Traum vom Lottogewinn; die Zustimmung zur Ungleichheit ausgerechnet bei den Ausgebeuteten, das ist die finale Korruption, für die man so ein System erst mal erfinden müsste. Korrupter geht nicht. Es sei als Ergänzung noch erwähnt, dass sich die Staaten als oberster Eigentumsschützer noch Geheimdienste und Militär halten, um "Handelswege zu sichern", denn Macht im Kapitalismus kennt keine Grenzen.

Hinzu kommt, dass ich in den Diskussionen hier seit Jahren betone, ein nichtkapitalistisches System müsste auf allen Ebenen die Möglichkeit von Korruption eingrenzen. Daran erkennt der Halbgescheite, dass ich nie behauptet habe, es gebe nur im Kapitalismus Korruption. Es ist allein daher schon befremdlich, mir das zu unterstellen. Der Clou hier ist, dass es im Kapitalismus schlicht paradox ist, Korruption bekämpfen zu wollen. Da lacht Herr Sisyphos.

So viel dazu. Ich hatte überdies angekündigt, die Nutzungsbedingungen hier einmal zu diskutieren und nachzufragen, ob die unverständlich sind. Siehe auch die FAQ. Das will ich an dieser Stelle dann direkt tun. Wie gesagt geht es mir darum, miteinander zu diskutieren und nicht aneinander vorbei. Das ist manchmal schwieriger als man sich das so vorstellt. Grundsätzlich erwarte ich also, dass man nicht in die Tasten haut, weil man ein Stichwort aufgeschnappt hat und sich mitteilen will, sondern erst liest, dann versteht und dann antwortet. Danke dafür.

 
lf

Der Säzzer war am Samstag windsurfen und hat einiges an heißer Luft eingesammelt.

Floating Flassbeck revisited

Heiner Flassbeck jagt weiterhin Moby Dick:

"Angesichts der Unfähigkeit der neoliberalen Agenda, die Lage zu verbessern, wäre es leicht, ein Umdenken auch politisch durchzusetzen. Wer das anstoßen könnte, ist allerdings schwer zu sagen. [...] Mir fehlen die Personen, die etwas ändern können."

Ja ja, die Personen machen den "Neoliberalismus", nicht etwa der feine Mix aus Sachzwang und Korruption. Man müsste doch nur wollen. Ja warum wollen sie denn bloß nicht?! Das Heilmittel ist noch immer dasselbe: Zehn Jahre (waren es zuletzt nicht 15?) die Löhne um je 6% erhöhen in Deutschland. Immer noch eine großartige Idee. Immerhin erkennt er jetzt, dass der Euro am Ende ist, wenn auch nur - haha - widerwillig und uneinsichtig.

Sozial ist, was Marktwirt schafft

Kapitalistischer Parlamentarismus als "Soziale Marktwirtschaft" geht jetzt so: Die absurde Grundidee, dem Kapitalismus Ketten anzulegen, ist inzwischen obendrein auf den Kopf gestellt und auf dem Wirtschaftsmarktplatz ausgestellt worden. TTIP schränkt drastisch und ganz selbstverständlich illegal die Handlungsmöglichkeiten der Staaten und Parlamente ein. Sozialdemokraten verkaufen das als mächtig sozialdemokratisch, wenn die Einschränkung eingeschränkt wird - beziehungsweise wenn sie noch so tun dürfen, als hätten sie irgendetwas mitzureden. Sofort wiederwählen!

Flucht ist keine Politik

Verarscht mich doch! Nein, ernsthaft verhandeln Politikikeriki noch immer über Status, Verfahren und Formulare. Sie glauben wie die Kleinkinder, wenn man die richtigen Wörter aufsagt, passiert auch das Gute. Nun ja, sie beten schließlich auch zu höheren Wesen. Kahlschlag im kognitiven Forst; hier das Echo: Hallo, da kommen eine Million Menschen, die lassen sich nicht durch Buchstaben aufhalten. Auch nicht durch Gesetze. Wie wäre es also, endlich über praktische Problemlösungen zu verhandeln? Pfui Deibel, immer diese eklige Realität!

p.s.: Das geht übrigens alles auch noch blöder, wenn man die SPD ranlässt.

Wahrheitspresse

Ein Historiker beweist: Die Freie Presse des Westens® kämpft gegen die Mächtigen für die Wahrheit. Ähm, jedenfalls 1955. Da hat sich die FAZ mal mit einem Teil der Industrie angelegt. Und das soll heute alles nicht mehr zählen? Verschwörungstheoretiker, Querfrontpack, Putinversteher!!!11!!

Oops, war das euer Jet?

A propos: Da hätte beinahe eine ägyptische Rakete ein britisches Passagierflugzeug abgeholzt. Ja nuu, das kann doch mal passieren! Halb so wild, das macht doch niix! Offenbar gab es keine Chance, das irgendwie Putin® anzuhängen, da hätte die Qualitätspresse im Gefolge der nordatlantischen Oszillation vermutlich weniger sonnig reagiert.


Die Guten®

Während der Verfassungsschutz in seinen Nazinetzwerken keine Terroristen findet, hat das FBI Probleme, in ihren Rassistenbrigaden die Herrenmenschen auszumachen. Verdammte Elektronik, wenn man sie braucht, ist sie mit Big Data beschäftigt!

 
xx

Die Sueddeutsche unkt, der Link sterbe aus. Ich halte das zwar für reichlich vorschnell geurteilt, aber der damit angedeutete Trend ist real. Das Netz der Nerds und das der Nutzer ist tot, es lebe das Kapitaltransfermedium! Das Protokoll könnte bei der Gelegenheit oder einer anderen in "ctp" umbenannt werden.

Die Idee des Netzes, einer Verbindung beliebig vieler gleichrangiger Knoten, von denen aus jeder jeden erreicht, war gestern. Heute baut man nicht nur Zäune, die Millionen von Flüchtlingen aufhalten sollen, sondern auch welche, die Kunden ("Nutzer" oder "User" ist auch sowas von 2000er) nicht mehr hinaus lassen, und das geht ungefähr so:

Wenn ich mich in meiner Wohnung der Korridortür nähere, erklingt auf dem letzten Meter ein Warnton. In grellen LED-Lettern werde ich gewarnt: Achtung! Sie verlassen die Heimzone! Wollen Sie wirklich die Außenwelt betreten?! Bitte bestätigen Sie! Bitte bestätigen Sie! So ist das auch wenn ich mein Auto abstelle, dann piepsen nicht nur die üblichen "Licht ist an, du bist nicht angeschnallt, dein Parfum ist abgelaufen"-Töne, sondern es erschallt auch die eindringliche Warnung: "Achtung Achtung! Sie verlassen Ihren BMW! Wollen Sie wirklich Straße betreten, einen der gefährlichsten Orte der Welt??!!

Leaving the Sane Sector

Wer einen Facebook-Account hat, wird das völlig normal finden, und das ist der Skandal. Tatsächlich ist die Warnung beim "Verlassen" von Facebook noch hundert dööfer (nicht nur, weil sie "vertraulich" nicht von "vertrauenswürdig" unterscheiden können), denn man verlässt ja gar nichts. Wie denn auch? Man sitzt an einem verdammten Rechner, hat eine verdammte Internetverbindung und damit den Anbieter Zuckerberg Unlimited Exploit angesurft. Bloß weil ich danach etwas anderes aufrufe, habe ich weder etwas betreten noch etwas verlassen.

Besser noch, klebt mir Facebook aber obendrein weiter an den Hacken, denn die Skripte und Cookies, die ich mir von denen ungefragt unterjubeln lasse, bin ich erst los, wenn ich entsprechende Gegenmaßnahmen treffe. Jetzt noch geiler: Künftig wollen Facebook und andere Hirnverwurster noch mehr dazu tun, riesige Ghettos im Netz zu errichten, die man nicht so einfach betritt und verlässt (siehe Link oben).

Verblödung der Kunden ist dabei nicht die einzige Waffe, die zum Einsatz kommt, sondern, wenn das hier stimmt, auch das aktive Blockieren* von Links. Wer sich das im Einzelfall bieten lässt, hat sicher auch nichts dagegen, wenn es schrittweise schlimmer wird, bis es gar keine Verbindung mehr zwischen der Datenkrake und den Rest des Netzes gibt. Tja, Kinder, ihr müsst euch dann entscheiden: Facebook oder Internet.

Schö mit Ö

Es gab Zeiten, da habe ich mich über solche Trends aufgeregt, genau wie über so manches, das faule verblödete Lemminge so ihr "Nutzerverhalten" nennen und das sie von Leuten unterscheidet, die sich darüber orientieren, was Internet eigentlich ist. Wisst ihr was? Verblödet doch einfach weiter! Lasst euch womöglich "Antivirussoftware" unterjubeln und meckert nachher, wenn die euch nicht schützt. Lasst fröhlich jedes Script auf eure Rechner los, das wer euch "vertraulich" anbietet.

Bleibt doch "bei Facebook", Whatsapp und Wasweißich, verschenkt eure Fotos, Texte und Kontakte, macht es euch einfach und gemütlich und lebt damit. Selbst wenn meine Mailadresse dabei mal unter die Räuber fällt, dann schalte ich die halt ab. Mir wurscht. Nur eines macht euch bitte klar: Ich werde niemandem von euch mehr irgend einen Gefallen tun, wenn eure Mistkiste mal wieder spinnt. Ich werde keine eurer doofen Fragen mehr beantworten, wenn ihr mal wieder nicht wisst, wo der Einschaltknopf ist. Fragt mich einfach nichts mehr; ihr wollt die Antwort ja eh nicht hören.

Derweil wird es noch ruhiger werden und ich betue mich mit denen, die den Knall noch hören. Ich bin es ohnehin leid, immer denselben Vortrag zu halten.

*Inhalt der Quelle ist nicht geprüft.

 
od

Geschichte ist die Voraussetzung zum Verständnis von Zusammenhängen. Dabei ist es gleich, ob in den sogenannten Natur- oder Geisteswissenschaften: Wer die Entstehung des Denkens, der Theorien und auch der banalen Gegenwart nicht kennt, weiß nichts. Ich kann einen beliebigen Gegenstand zur Hand nehmen und fragen, woher er kommt, es wird sich mir ein Kosmos von Fragen eröffnen, der in die Geschichte weist.

Meine Erfahrung mit Studenten ist streckenweise trostlos, was deren Geschichtsbewusstsein angeht. Dabei geht es selbstverständlich nicht um das, was ich selbst noch im Schulunterricht erlebt habe, nämlich die Herrschaftsgeschichte in Zahlen (wer herrschte von bis da und dort), sondern eben die Frage, wie es kommt, dass es ist wie es ist oder auch die Gewordenheit der Dinge.

Ist so

Für die meisten meiner Zeitgenossen scheinen die Dinge vom Himmel zu fallen, und es ist umso trauriger je Jünger sie sind. Der Status Quo wird nicht nur als Naturzustand betrachtet (das geht so weit, dass sich bald eine Generation das Leben ohne Handy nicht mehr vorstellen kann), man wird sogar für leicht irre gehalten, wenn man das völlig anders sieht. Irre oder wahlweise senil, weil man so etwas wie technische oder politische Entwicklung erlebt habt, sie hinterfragt und darauf hinweist, dass es schon bald ganz anders kommen kann.

Wer mit Schwarzweißfernsehen aufwuchs, auf winzige Monitore hüpfende Sterne programmiert hat oder nur ein Wählscheibentelefon bedienen kann, wird nicht etwa befragt als Zeitzeuge, der zum Verständnis der Veränderung beiträgt, sondern beiseite geschoben als Spielverderber und Technikmuffel. Das spätestens ist die große Lachnummer, dass Kiddies, die keine Ahnung haben wie ihr Spielzeug funktioniert, die alten Durchblicker zu Deppen erklären.

War immer so

Das alles ist Geschichte, und die große Erzählung der Gegenwart wird immer kürzer. Sie ist Vergessen als Leitmotiv, das neue Paradigma ist die Philosophie des Goldfischs, der sich bei der zweiten Runde in seinem Glas nicht mehr an die erste erinnert. Die Inhalte sind austauschbar wie die Spielzeuge, so lange jeder weiß, was angesagt ist, was man haben muss und wer welchen sozialen Rang hat. Krone der Schöpfung!

Ich weiß nicht, ob es ein Trost ist oder die nächste Stufe der Depression, wenn man sich mit Geschichte und Geschichtlichkeit intensiver befasst, aber wer wissen will, hat ohnehin keine Wahl. Ich mache daher einmal an prominenter Stelle Werbung für ein Buch, das meiner Weltsicht neue Perspektiven eröffnet hat, deutsch unter dem Titel "Die Ordnung der Dinge" erhältlich. Michel Foucault beschreibt darin die unterschiedlichen Formationen des Denkens und der Sicht auf die Welt, vom Mittelalter bis zur Moderne.

Kann gar nicht anders

Wir erfahren, was einst Wissen war, was Wissen sein durfte und was nicht, und dass es in der Geschichte immer wieder Sprünge gegeben hat, in denen sich relativ plötzlich gewaltige Veränderungen ereignet haben. Am Anfang steht die Frage "Was ist eigentlich für uns unmöglich zu denken?". Wer sich das aktuell fragt, zumal im Bezug auf öffentliche Kommunikation, kommt vielleicht der Verzweiflung nahe. Andererseits hat es sich gezeigt, dass sich die Welt, auch die des Denkens, oft radikal geändert hat, wenn eigentlich niemand damit gerechnet hat.

Ganz nebenbei ist "Die Ordnung der Dinge" selbst ein wissenschaftlicher Meilenstein. Es ist ein Sachbuch mit einem komplexen Gegenstand, kein Groschenroman, für große Wissenschaft aber sehr gut zu lesen und jede Mühe wert.

 
rg

Man kann Wirklichkeit auf zweierlei Weise verarbeiten, nämlich indem man die Theorie der Realität anpasst oder umgekehrt. Letzteres pflegt Ideologie zu tun, jene religiöse oder quasi religiöse Weltsicht, über die sich Menschen so gern einigen, ohne dass Bagatellen wie Naturgesetze oder geschichtliche Erfahrung die Gemütlichkeit stören.

Ebenso verhält es sich generell mit Systemen. Sie können der Wirklichkeit angepasst werden, umgebaut und revidiert mit den Erfahrungen und Lernprozessen, oder sie passen Menschen und Welt dem System an, was immer auf Gewalt hinausläuft.

Das war schon immer so

Der Konservatismus definiert sich durch den Versuch, das Gegebene unverändert zu lassen, daher neigt er per se dazu, eben die Wirklichkeit dem System anzupassen. Ein konservativer Klassiker ist der Ruf nach "härteren Strafen", die übrigens gerade dort eine gern gezogenene Option sind, wo es bereits die Todesstrafe gibt. Wer abweicht und sich nicht an die Moral hält, deren Regeln das System vorgibt, muss mit aller Gewalt eingepasst werden. Je mehr Menschen abweichen und je deutlicher sie es tun, desto mehr Gewalt braucht das System, um die Abweichungen zu unterdrücken.

Die Alternative wäre grundsätzlich, das System zu ändern; sein Selbstverständnis, die Wahrnehmung der Realität, die Regeln, die Gewohnheiten. Das kann der Konservative nicht zulassen. Im Gegenteil bildet er eine ganze Kaskade von Filtern, um sich vor Erkenntnissen zu schützen, die seine Ideologie durchbrechen. Auf gar keinen Fall darf der Fall eintreten, dass Grundsätze, auf die sich das System stützt, verändert werden. Dazu gehört aktuell übrigens auch die Geldwirtschaft, aber darauf will ich hier nicht hinaus.

Da kann ja jeder kommen

In der sogenannten "Flüchtlingskrise" ist die Einsicht in die Tatsachen nicht mehr getrübt, sondern komplett blockiert. Allein die Zahl scheint niemand zu verstehen, geschweige denn, was aus ihr folgt. Gehen wir von ca. einer Million Flüchtlingen aus, die es nach Europa schaffen. Wenn ich jemanden einstelle, der nichts anderes tut als denen die Hand zu schütteln und für jeden Ankömmling drei Sekunden braucht, ist der Mann bei einer 40-Stunden Woche ein halbes Jahr beschäftigt.

Jetzt füllen Sie einmal Formulare mit denen aus, übersetzen Sie die, bringen sie die Leute unter, geben ihnen etwas zu essen usf., dann wird schnell deutlich, wie sinnvoll irgendwelche "Beschleunigungsgesetze" sind. Das Verfahren soll in vier Wochen abgeschlossen sein, wenn es Jahre dauert, die heute bereits anstehenden Fälle zu bearbeiten? Prima Idee. Aber das ist noch die gute Nachricht.

Wir tun nur unsere Pflicht

Die schlechte Nachricht ist die vom Sachzwang, der aus dem Fortbestand der bisherigen Regelung folgt. Da sind Millionen unterwegs, und die sollen also abgeschoben werden. Meinen intelligenten Leser/innen ist sofort klar, was das bedeutet, aber ich will es trotzdem ausführen: Man kann keine Millionen abschieben. Sie sind jetzt hier, und wir müssen ihnen geben, was sie brauchen um zu leben; und wenn wir schon dabei sind, könnten wir eigentlich auch anfangen, Menschen generell mit Respekt zu behandeln.

Es gibt nur eine Alternative, und was mich davon abhält zu schreiben: "Es ist unmöglich, diese Menschen abzuschieben", ist die Kenntnis, dass sie in der jüngeren deutschen Geschichte schon verwirklicht wurde. Doch, das geht. In Zügen. Man pfercht sie massenhaft in Züge und bringt sie fort. Sie werden aber an der Grenze zu Europa nicht die Richtung ändern, also muss man sie mit den Zügen in "Sonderzonen" bringen, zur Sonderbehandlung. Das ist die einzige Möglichkeit, am Grenzregime festzuhalten. Das ist das, was folgt, wenn sich das System der Wirklichkeit verweigert, die es nicht vorhergesehen hat.

 
sn

Original: Bundesarchiv_Bild_183-11076-0006

Wenn Verschwörungstheoretiker Verschwörungstheoretikern Verschwörungstheorien vorwerfen, ist für Unterhaltung gesorgt. Martin Reeh schreibt für die TAZ. Den Berichten seiner eigenen Zeitung kann man entnehmen, dass er Mitglied bei den Grünen war, jener Partei, die sich kürzlich wieder einmal Pädophilievorwürfen stellen musste. Er war auch Mitglied der SED-Nachfolgepartei PDS. Der Ultralinke wurde in der WASG sogar von Stalinisten als Stalinist bezeichnet.

Zu dieser Zeit wurde wiederum Udo Ulfkotte, den er selbst einen Verschwörungstheoretiker nennt, als "Terrorexperte" hofiert, und zwar von der "Zeit", für die Reeh auch schon geschrieben hat. Aus diesem sauberen Umfeld kommt also einer, der die "linke Tageszeitung" offenbar innenpolitisch auf Kurs trimmen soll. Das hat er ja gelernt, nur dass er inzwischen von ganz links nach ganz rechts gerutscht ist.

Na, macht's Spaß? Solchen Vernichtungsjournalismus kann man sogar mit Quellenangaben aus der Hand schütteln, wenn man handwerklich nicht völlig unfähig ist. Herr Reeh verzichtet darauf, wo er sich mit Albrecht Müller befasst in einem unterirdischen Machwerk, das den Schmutz fleißig in den Ventilator schaufelt ohne jedwede Fakten zu benennen oder sich mit welchen zu befassen. Da sind eben alle finstere Gesellen, die mal einen anderen getroffen haben, alle "Verschwörungstheoretiker", die in irgendeiner Weise anzweifeln, was Herr Reeh für Common Sense hält. Da ist es dann auch egal, wie und wo einer abweicht, sie sind allesamt "wahnsinniger Rand".

Wer kennt wen

Zum Objekt seiner inquisitorischen Betrachtung lässt sich vieles sagen, ich fasse das einmal aus meiner Sicht zusammen: Dass Lieb die Nachdenkseiten verlassen hat, kann eine Chance sein. Ich persönlich bin mit vielem, was Müller zum Besten gegeben hat, auch nicht einverstanden; seine Wortwahl ist da durchaus hervorzuheben, und auch ich hätte hier und da mehr Abgrenzungsbedürfnis. Ausgerechnet aber die Netzwerke von Atlantikern, die die NDS benannt haben, eine schlichte Tatsache also, zur Verschwörungstheorie zu erklären, stinkt. Dieser Unverschämtheit kommt man nur mehr mit Verschwörungstheorie bei; ich halte es da aber mit Überprüfbarem und prognostiziere schlicht, dass wir von Herrn Reeh noch mehr in dieser Richtung hören werden.

Ich habe die NDS vor einiger Zeit aus meiner dynamischen Blogroll entfernt, weil ich dort immer dieselben Quellen angezeigt bekomme und stets eine bestimmte politische Richtung. Das machen andere auch, aber wo ist dann der besondere Wert der NDS? Vor allem, dass sie sich nicht (mehr) streiten, finde ich bedauerlich (schönen Gruß an Herrn Berger). Was die Substanz anbetrifft, nicht zuletzt die Arbeit mit Quellen, sind aber selbst die NDS jenen Journallikern turmhoch überlegen, die nur noch aus der Arroganz ihrer vermeintlich höheren Warte die Wahrheit® verkünden.

Am Ende habe ich keinen Grund, die NDS zu verteidigen, es sei denn gegen eine schon stilistisch entlarvende Verleumdung. Dies auch nicht, weil sie es nötig hätten oder nicht selbst könnten, sondern weil ich einen derart konzentrierten Dreck wie den aus Reehs Giftspritze unerträglich finde. Es bleibt also die Frage, die wir Verschwörungstheoretiker alle irgendwann stellen: Cui bono? Die besseren von uns lassen sie offen.

 
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Die lieben Kollegen schreiben wieder einmal nur für mich. Alle. Nicht bloß, dass die Regierung Berichte über Millionen Flüchtlinge schreiben lässt, um meine politische Standhaftigkeit zu testen! Die "Kollegen" sind auch von denen gekauft und schreiben Artikel, um mich neidisch zu machen. Ich greife mir einmal zwei heraus:

Da ist jener, der sich "Pantoufle" nennt und postet so etwas. Durchschaue ich sofort. Das kann er gar nicht selbst gemacht haben. Aber so tun als ob, weil er weiß, dass ich auch gern so etwas könnte. Überhaupt: Schöne Dinge, mit Phantasie gewerkelt, Kunsthandwerk oder gar Kunst, was soll das? Das tun sie, um uns zu zeigen: "Seht her, so etwas gibt es. Das könnt ihr euch aber nicht leisten!". Falle ich nicht drauf rein.

Wie gern hätte ich gelernt, Gitarren zu bauen. Ich schraube seit ein paar Jahren an welchen herum, auf der Suche nach einem Ton, der nicht drin ist. Oder schlimmer noch: Er ist drin, und dann merke ich, dass ich ihn gar nicht haben will. Neulich habe ich einen Hit komponiert. Echt geiles Stück. Da ich aber nicht notieren kann und es zu spät war, das aufzunehmen, ist er jetzt weg. Das weiß Herr Pantoufle natürlich, weil sein Verfassungsschutz mich beobachten lässt, und darum schreibt er Artikel, die mich daran erinnern. Macht mir gar nichts.

Mein kämpferischer Weg

Na klar, es ist am besten, wenn man sich abspricht und eine konzertierte Aktion daraus macht. Zweifrontenkrieg. Also kommt der andere daher und täuscht einen Jahrestag vor. Ich müsste ihm also gratulieren, ihn loben, weil er so fette Schnitzel schreibt. Als wüsste ich nicht, dass er mich nur anhängig machen will, und eines Tages kommt er mir dann mit: "X Jahre sind genug, ich mache jetzt was anderes." Durchschaut, mein Lieber, ich weiß, was deine Redaktion vorhat!!

Überhaupt solltest du mal endlich eine eigene Domain beziehen und darüber nachdenken, was du eigentlich treibst. "Ich will immer noch keine Verlagsangebote. Ättätättätää bätsch bätsch!" Ich bin ja nicht der Einzige, den du mit dieser Beleidigung triffst. Weißt genau, wie gern ich ein Buch veröffentlichen würde, dabei kriege ich es nicht mal geschrieben. Aber da draußen sind noch andere, die sich nach einem solchen Angebot die Finger lecken würden. Denen mal satt in die Visage gegrätscht, nur um mich zu provozieren. Toll gemacht!

So sind sie, diese Trolle. Nehmen keinen Rat an, verfolgen erbarmungslos Kollegen, auf die sie neidisch sind und bilden Fronten. Wenn ich dann bei ihnen kommentiere, fliege ich meistens raus, weil ihnen eines gar nicht passt: Kritik. Daher habe ich die Taktik geändert und schreibe inzwischen meine Kritiken unter dutzenden Pseudonymen. Anfangs ganz höflich und positiv, Lob lesen sie ja alle gern. Dann gut vorbereitet die Wahrheit. Als Kommentar, per Mail und auch schon mal in den Briefkasten, das wirkt am besten. Wir müssen dafür sorgen, dass der Hass aus dem Internet nicht ausufert. In mir habt ihr dabei immer einen Kämpfer für die gute Sache. Nichts zu danken!

 
VIDEO MERKEL

Zum Thema "was ihr wählt, ist uns egal", gibt es ein neues Highlight aus Portugal, wo ein einziger auf Linie getrimmter Hanswurst ausreicht, um eine NATO- und EU-treue Regierung zu erzwingen. Die Argumentation ist dann auch diese: Da drohe ja eine Regierungsbeteiligung gewählter "Kommunisten", das sei eben schlecht für den Euro und das Ansehen in der EU. Denn das ist es, was zählt: Bündnistreue, Treue zu den Mächtigen, Treue zum Kapital. Sogar die Währung wird erwähnt, damit daran auch kein Zweifel bleibt.

Es geht eben um Macht, und da sind Argumente das Klappern der Pistole, die demonstrativ auf den Tisch gelegt wird. Regierungen regieren nicht mehr, sie üben die Macht derer aus, von denen sie beeinflusst werden. Zur Not muss eben ein 'Präsident' dafür sorgen, dass die Mehrheit nichts zählt. So verhält es sich dann folgerichtig auch mit Gesetzen und ihrer Auslegung. Am besten man überlässt das gleich geheimen Zirkeln von Lobbyisten und gedungenen politischen Funktionären wie bei ACTA, CETA, TTIP oder dem ESM. Wenn nicht, kommt allemal so etwas dabei heraus:

Geliefert wie bestellt

Wenn ein Großverlag beim berüchtigten Amts-und Landgericht eine Entscheidung bestellt, wird die geliefert, gleich wie unsäglich dumm die 'Begründung' ausfällt. Es sei eine Urheberrechtsverletzung, wenn durch Werbeblocker Werbung nicht angezeigt wird, die technische Möglichkeit dazu also bereits ein Rechtsbruch. Dahinter steht das absolute Recht des Kapitals auf Verwertung, dem sich alles unterzuordnen hat. Dem Gericht erscheint dies so unzweifelhaft, dass es für eine einstweilige Verfügung reicht.

Aus den USA wird aktuell gemeldet, dass eine Klage gegen die NSA abgewiesen wurde mit dem 'Argument', Snowden habe ja nur belegt, dass die NSA die Möglichkeit zur Totalüberwachung hätte, nicht aber, dass sie genutzt werde. Das kennen wir schon von der originellen deutschen Rechtslage, nach der ein Angriffskrieg nicht rechtswidrig ist, sondern nur die Vorbereitung dazu. Ein anständiger Angriffskrieg hat daher überfallartig stattzufinden, dann klappt's auch mit dem Rechtsgutachten.

Alles im Griff

Das fröhliche Flip-flop der ausführenden Politclowns wie Merkel und Gabriel ist da nur logisch - wie gesagt: heute pro, morgen contra, mit derselben Begründung, das folgt dem, was von Logik übrigbleibt, wo die Willkür herrscht. Wir wollen das heute so, also muss es heute so entschieden werden. Morgen wollen wir etwas anderes, vielleicht kommt auch wer daher, der noch mehr Einfluss hat, dann wird das halt anders entschieden. Wichtig ist nur, dass die ehemaligen Rechtsstaaten den angemeldeten Interessen folgen. Dafür sorgen das richtige Personal und steile Hierarchien. Entschieden wird oben, und wer dort ankommt, ist bereits bestens betreut.

Dort braucht es keine Intelligenz; Moral ist erwünscht, aber nur solche, die für alle anderen gilt. Brutal soll es sein, aber auf keinen Fall so aussehen. Es darf gern menscheln, auch wo das Blut in Strömen fließt. Sympathisch muss es wirken und verkaufsfördernd, die Macht preisen, beschönigen und verharmlosen. Gern strunzdumm, denn das ist der Lackmustest der Macht. Wer damit (siehe Video) durchkommt, hat den Laden im Griff.

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