2005-2013 (alle Beiträge)
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sarrazIch weiß, dass viele derer, die sich gern als aufgeklärt, kritisch oder links bezeichnen, große Probleme damit haben, wenn man ihnen an die Religion geht. Meist wird dann argumentiert, die Religion könne ja nicht der einzige Grund sein, warum etwas ist es wie es ist oder einzelne einflussreiche Männer könnten nicht so relevant sein, weil es ja immer das System sei, und in dem jeder ersetzbar.

Zu ersterem sei nur vermerkt, dass in aller Regel niemand behauptet hat, etwas sei “der einzige Grund”. Der rhetorische Versuch, derart ein Argument zu entkräften, trifft es also gar nicht. Was die Einflussreichen anbetrifft, so stimmt es weitgehend, dass irgendwann ein anderer gekommen wäre, aber es ist eben vor allem im Rückblick zu analysieren, ob nicht gerade die konkreten Auslegungen konkreter Personen zu einer konkreten Zeit die Geschichte um entscheidende Nuancen verändert und Möglichkeiten eröffnet haben, die es ohne sie nicht gegeben hätte.

Bloß das System

Man nehme zum Beispiel das kongeniale Duo Muhammad ibn ʿAbd al-Wahhāb und Muhammad ibn Saud. Wäre es richtig zu behaupten, der Einfluss dieser beiden, der Reichtum der Sauds, der Einfluss ihrer Ölpolitik und in deren Schlepptau der religiöse Extremismus ibn ʿAbd al-Wahhābs wäre unerheblich? Im Gegenteil bin ich davon überzeugt, dass die Entwicklung durch den Einfluss Saudi-Arabiens entscheidend verändert wurde.

Ebenso verhält es sich mit Luther und dessen Einfluss auf das deutsche Narrativ. Ich verweise auf diesen Aufsatz von Hubertus Mynarek hier, in dem sogar R.D. Precht einmal mit einem zutreffenden Satz zitiert wird. Das macht den trotzdem nicht falsch. Wie gesagt ist Luther der deutsche Religionsstifter, der die Hälfte der Bevölkerung auf die Knie gezwungen hat. Seine Botschaft ist: “Ordne dich unter, denke nicht, verdiene dein Leben durch Arbeit und Fleiß und hasse alle, die anders sind als wir”.

Faulpelze, Fremde, Juden

Der fleißige Deutsche, die faulen Fremden, der nichtsnutzige widerliche Jude, der ganze Hass und alle die Klischees, in denen er seine mal mehr mal weniger aggressive Form findet, bestimmen Luthers Ideologie und einen Großteil des deutschen Narrativs. Als der Nationalsozialismus endlich nicht mehr nur darüber redete, sondern Taten folgen ließ, vollstreckten die Nazis und ihre Mitläufer®, was der große Reformator seinen Schäfchen eingeflüstert hatte und die völkischen Autoritäten einige Jahrhunderte lang kultiviert haben.

Der gnadenlose Sadomasochismus mündet zwangsläufig in den Eifer von Hass und Verfolgung, weil er Menschen generell für minderwertig und sündig erklärt und ihnen abverlangt, das durch Fron und Unterwürfigkeit zu büßen. Die Buße wiederum kann nie tief genug sein; es gibt keine Absolution. Linderung gibt es allein durch die Projektion auf jene, die noch schlechter sind, unrettbar minderwertig und schuldig – wie eben die Faulen, die Aufmüpfigen oder die Juden. In der Neuzeit wurden sie noch manuell angezündet, später fand die moderne Form der Arbeit und ihrer christlichen Ethik effizientere Methoden.

Update: Noch mehr über Luther und seinen theologischen Sadomasochismus

Bildquelle oben: Wikimedia Commons / Richard Hebstreit

 
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Bundeskanzlerin Merkel wird die neue Bundespräsidentin. Sie wird derweil ihr bisheriges Amt weiterführen und weiterhin strikt politische Neutralität walten lassen. Wie schon immer wird sie heute dies und morgen jenes für richtig halten und warten, bis jemand anderes entscheidet, dem sie in Falle des Falles dafür ihr Vertrauen aussprechen wird. Um dem für Krisenzeiten alternativlosen Anspruch an eine Good Governance gerecht zu werden, übernimmt sie auch die Ämter des Bundestags- und Bundesratspräsidenten. Zum Ausgleich soll Vizekanzler Gabriel sämtliche Bundesministerien sowie die Ämter der 16 Ministerpräsidenten übernehmen.

Lustig? Nicht lustig. Aber das hier vielleicht? Steinmeier. Steinmeier! Ich will jetzt überhaupt nicht auf die Verdienste des großen Architekten der Hartz-Hölle eingehen, seine gloriose Rolle, als er seinen Landsmann Murat Kurnaz und alle anderen Unschuldigen in Guantanamo hat lieber weiter foltern lassen als ihm die Heimkehr zu gestatten. Nicht einmal sein je nach Ansicht unfassbares Versagen oder seine eiskalte Protektion für faschistische Geheimdienste will ich jetzt thematisieren, denn das wäre Inhalt, und der ist sowas von 2007. Schlimmer noch könnte man das schon als Hintergrundinformation betrachten, und Kinder, die Achtziger sind ja nun wirklich vorbei!

Reinstes Blut

Nein, ich will lediglich auf zwei Dinge hinweisen, die mit der Auswahl dieser bestens vernetzten Person zu tun haben. Erstens dass er nämlich wie gesagt, was schlicht bedeutet, dass der Mann aus dem inneren Zirkel des inneren Zirkels kommt, man also in dieser Kloake eines Treppenwitzes des de facto bereits abgewickelten sogenannten “Rechtsstaats” nicht einmal mehr einen beschissenen Grüßaugust findet, der kein Produkt einer widerlichen Inzucht ist. Diese Dimension von Selbstkontraktion und Vetternwirtschaft ist schon keine Clanherrschaft mehr, das ist der Terror einer genetisch unrettbar zerfickten Kleinfamilie über den Rest der Republik.

Und was, zweitens, schreibt einer der verschwägerten Neffen seines Bruders aus demselben Betrieb als Höhepunkt seines intellektuellen Schaffens und Zeugnis einer zerebralen Fehlbildung, für die weniger blutreine Idiotenkinder ein amtliches Schädel-Hirn-Trauma bemühen müssten? Dies sei “Anti-Trumpismus“, mithin die genau richtige Reaktion auf den Tritt in die Eier, den die amerikanischen Ableger für ihr öffentliches Kopulieren bekommen haben, bei dem nur Verwandte allerersten Grades zugelassen waren, die also mindestens in zwei Generationen mit sich selbst verwandt sind. “Wir wollen Inzest mit Inzucht bekämpfen!”, ja geil, Mann!

Falls es jemandem entgangen sein sollte und er vielleicht jetzt nicht weiß, ob er meinen Gleichmut bewundern oder mich für völlig abgehoben halten soll:
Ich bin angepisst!

 
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Solidarität kam im Kapitalismus endgültig unter die Räder. Das ist kein Zufall. Nicht nur sind Parteien, die sie sich auf die Fahnen geschrieben haben, inzwischen rechts abgebogen, sie hatten ohnehin schon immer nur solche Formen von Solidarität im Auge, für die man einer großen Organisation angehören musste. Es war die Arbeiterpartei, die Gewerkschaft, die Sozialkasse, der man angehörte; amtlich mit Unterschrift und Stempel. Solidarität ist dort Verwaltung.

Gelebte und direkt erlebte Solidarität wäre etwas anderes. Sie wäre das Kollektiv, dem man freiwillig und gleichberechtigt angehört. Selbstbestimmt Ziele verfolgen, Zeit verbringen und sich umsorgen, das wäre die Stärke eines Kollektivs, in dem jeder mitbestimmen kann und sich auskennt. Diese Form der Gesellschaft wäre urdemokratisch.

Der Moloch

Ehe ich den Blick auf die Möglichkeit und Wirklichkeit solcher Kollektive richte, will ich zunächst den Ist-Zustand beschreiben. Kapitalismus und das wirtschaftsliberale Weltbild, das ihm zugrunde liegt, kennt keine Kollektive, sondern im Gegenteil nur gesellschaftliche Formationen, die denkbar weit davon entfernt sind. Gefragt und gefeiert sind hier die Einzelnen, vorgeblich freie Individuen einerseits und Korporationen anderseits. Diese sind hierarchische Gebilde mit Befehlskette, die einem Zweck dienen, mit denen die Einzelnen nichts zu tun haben.

Zudem entwickeln sich solche Korporationen zu immer größeren Riesen, die niemand mehr überschaut. Flankiert wird diese Entwicklung ‘privater’ Organisationen von zentralistischen Staaten, in denen eben eine Führungsebene jederzeit die Entscheidungen und Interessen der Vielen überstimmen kann. Diese Staaten wiederum schließen sich zu noch größeren Konglomeraten zusammen (EU, NATO, ‘Freihandelszonen’).

Hier hat niemand mehr etwas mit sich zu tun, schon gar nicht mit seinem Nachbarn. Es ist Befehl und Gehorsam, Hire and Fire, fremdbestimmtes Arbeiten für einen äußeren Zweck, Zwang. Moralisch wird hingegen stets der Einzelne für sein Tun und Gelingen verantwortlich gemacht, und zwar um so drängender, je weniger Einfluss er tatsächlich hat. Wer aus dem System fällt, wird zum Objekt eines gigantischen Versicherungsapparates, der unter anderem die Aufgabe erfüllt, den Menschen, die der Solidarität bedürfen, dafür eine unverzeihliche moralische Schuld aufzubürden.

Durch die Maschen

Das ökonomische und soziale Netz (wobei „sozial“ hier nicht meint, dass jemand Hilfsgelder bekommt, sondern die konkrete gegenseitige Hilfe) ist dem entsprechend absurd großmaschig. Es gibt überhaupt keine Einheit mehr, keine relevanten gesellschaftlichen Gruppen, in denen sich Menschen aufeinander beziehen können. Immer noch hat Thatcher recht: There is no such thing as society. Vor nichts hat der Kapitalismus mehr Angst, darum kennt sein Narrativ Kollektive auch nur als willenlose “Borg” oder Zwangsgemeinschaften einer Diktatur.

Die Hoffnung auf eine zukünftige überlebensfähige Gesellschaft muss aber darauf Gründen, dass sich solidarische Gruppen, Einheiten, Zusammenschlüsse bilden, in denen Solidarität gelebt werden kann, in denen man sich kennt, gemeinsam entscheidet und sich gegenseitig trägt. Das größte Problem daran ist, neben dem Totalausverkauf der Welt, in der alles, was man braucht, schon irgendeiner großen Firma gehört, dass die Menschen gar nicht mehr wissen, wie man miteinander arbeitet, entscheidet und lebt. Dieses Manko muss behoben werden.

 
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Sehr feynen Dank an dieser Stelle an die großzügigen Spender, die mir nach meinem Aufruf ein paar wichtige Wochen Luft verschafft haben. Viele von ihnen kenne ich nicht, einige sind mir bekannt und von denen wiederum weiß ich in einigen Fällen, dass sie selbst nur sehr wenig haben. Auf der anderen Seite gab es Spenden, die mich leicht erröten lassen. Es ist nicht bloß Geld, das ich gut gebrauchen kann, es zeigt mir auch, dass mein Blog oder sein Betreiber da draußen einigen sehr wichtig zu sein scheint. Das werde ich mir merken.

Ich habe zumindest bei einem Kollegen für Aufregung gesorgt, als ich sagte, ich würde eher “Klauen und Abzocken” als einen Antrag auf ALG II aka Hartz IV zu stellen. Das möchte ich bei dieser Gelegenheit gern noch einmal zum Thema machen. Vorweg halte ich es für völlig selbstverständlich, dass dahinter nicht die Message steckt “habe ich nicht nötig” oder “ich bin was Besseres”. Vielmehr ist mir völlig klar, dass die Hatz auf Arbeitslose neben dem Drücken von Löhnen genau diesen Effekt haben soll: dass so viele wie möglich gar nicht erst ihre Ansprüche geltend machen; sie kosten dann nämlich nichts und sind offiziell auch nicht arbeitslos.

Zwischen Tripper und Syphilis

Wenn du also (länger als ein Jahr) in Not gerätst, hast du diese beiden Optionen, auf deinen Anspruch auf Existenzminimum(!) zu verzichten oder einen kompletten Striptease zu machen, deine Intimsphäre aufzugeben, dich zum Befehlsempfänger und Willküropfer zu machen und jede Schikane zu ertragen, die sich wer ausdenkt. Okay, so lange du stark genug bist, kannst du dich hier und da wehren, vor ‘Sanktionen’ schützt dich das aber auch nicht.

Ich bin schon allein zu zornig für solche Strukturen. Da ich dem Ärger nicht aus dem Weg gehen könnte, würde ich recht schnell an die Grenze stoßen, an der mich der Verzicht auf Gewalt zu viel kosten würde. Das sind die paar Flocken nicht wert, ebenso wenig wie die Alternative, sich an einem Büttel der Maschine zu vergehen. Ich kenne die Situation wie gesagt aus Besuchen, bei denen ich Abhängige begleitet habe. Es gab Situationen, in denen ich, wäre es um mich gegangen, den Boden der Freiheitlich Demokratischen Grundordnung verlassen hätte.

Es liegt durchaus nicht in meiner zweiten Natur eines guten Deutschen Arbeitsmannes, um Zuwendungen zu bitten, auch nicht weil ich meinte, meine Arbeit hier wäre das ‘wert’. Es ist ein Sprung über den Schatten, der freilich bei Weitem nicht so lang ist wie der des JobCenters. Ich respektiere jeden, der eine andere Entscheidung trifft. Der Skandal liegt darin, dass man Menschen tatsächlich dazu zwingt.

 
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Sagt er was? Er sagt was, denn es gibt so ein paar Ereignisse, von denen ich denke, dass ich sie nicht ignorieren kann, auch wenn ich das Ganze inzwischen müßig finde.
Sie nannten ihn “Hair Cut 100″, er aber wollte “The Ace in The Pack” heißen. Zweifellos talentiert, neigt Trump dazu, sich zu überschätzen. Er gehört zur Weltelite, hat aber noch nicht belegt, dass er zu den wirklich Großen gehört. Sein Lochspiel und vor allem seine Long Pottings sind herausragend, aber sein Framebuilding ist mau. Ob Judd Trump jemals Weltmeister werden wird, darf man bezweifeln.

Sein Namensvetter weist einige Gemeinsamkeiten auf, aber auch Gegensätzlichkeiten. Wenn der Donald eines kann, dann Framing. Mr. President ist einer, der es nicht nur schafft, sämtliche Botschaften an Dreiwortsätze anzupassen, er kann sie auch mit demselben Gesicht tausendmal wiederholen, um zur gleichen Zeit zweitausendmal das Gegenteil zu sagen. Nur die Stimmung ist immer gut, hurra!

Die nicht!

Burks wird jetzt einer abgehen, auch hurra, aber seine Wette war billig. Ich hatte dagegen gehalten und auch nicht gedacht, dass die Email-Affäre das Ereignis sein würde, das die Sache zum Kippen bringt. Uneingeschränkt richtig ist die Feststellung, dass die deutsche Journaille nur noch Propaganda kann und ihr die eigene Ahnungslosigkeit völlig wurscht ist. Trump konnte ja gar nicht gewinnen. Wer so wenig Ahnung hat, könnte wenigstens jetzt die Fresse halten, aber damit verdienen sie ja nichts.

In der Tat war das FBI die beste Hilfe, die Trump sich wünschen konnte. Hillary war für ihre Gegner das böse korrupte Establishment (“Sie ist korrupt. Sie ist korrupt. Sie ist korrupt. Sie ist korrupt.)”, was die Mails bestätigt haben, was vom FBI perfekt getimed wurde (für so etwas ist Engholm hier einmal zurückgetreten), was das FBI noch einmal auf die Spitze getrieben hat, indem es ihr unmittelbar vor der Wahl einen Persilschein ausstellte. Fazit: Sie ist zwar korrupt, aber sie ist so korrupt, dass es für sie keine Konsequenzen hat.

Anhänger und Folgende

Eine unsympathische Bratze wie Hillary muss so etwas erklären, ein Haudrauf wie Trump nichts. Der schlüpfrige Milliardär, der nicht Establishment ist, zieht als Tribun der Armen und Betrogenen ins Weiße Haus ein. Ja, das ist absurd, aber nicht absurder als das Ganze Gewese zwischen Endkapitalismus und neoliberaler Mythologie. Der große Unterschied ist der, dass Hillary den Charme eines Aktenordners im JobCenter hat, während der alte Lüstling total lustig ist. Hatten die empörten Genderexperten wirklich gedacht, es sei schlimm, eine Frau als Objekt zu behandeln? Kennen sie die Verhältnisse in ‘konservativen’ Familien?

Trumps Anhänger sind ein ekliger Mix aus Hurrapatrioten, Faschisten, Reaktionären, Religiösen, Idioten, Stammwählern und Leuten, die einfach die Schnauze voll haben. Normale Amerikaner eben und solche – wage ich zu vermuten -, die bislang nicht wählen gingen. “Eat this”-Wähler wie die von der AfD. Die Democrats wollten Clinton nicht, umso weniger, je mehr der Dreckwahlkampf zwei Dinge offenbart hat: Sie ist mindestens so eklig wie man vermuten musste, und sie kann es nicht. Womit hat sie denn überzeugt? Damit, dass sie kein sabbernder alter Depp ist, der Stammtischparolen als Politik verkauft? Das hat dann wohl nicht ganz gereicht.

Die Versager

Ein Schlusswort zur Atlantikerpresse hier: Peinlicher ist nicht einmal auszudenken. Keine Ahnung, Einheits-’Meinung’ und null Information. Was habe ich hier eigentlich erfahren über Clintons Politik, ihre Verbindungen, ihr Programm, die Meinung der Wählerschaft dazu (insbesondere der Democrats), die erwartete Wahlbeteiligung, kurz: Inhalte? Endlich verständlich: Nichts, gar nichts.

Schon überhaupt nicht hat das hiesige Establishment auch nur annähernd kapiert, dass es auf dieselbe Weise versagt wie Clinton und die Bevölkerung hier auf dem besten Wege ist, ebenfalls die Brandstiftung dem Systemerhalt vorzuziehen – wenn es nur noch diese beiden Optionen gibt. Die Amerikaner dürfen sich glücklich schätzen, dass es ein Schwätzer wie Trump ist und kein gut vernetzter Erzfaschist. Vielleicht haben sie tatsächlich die bessere Wahl getroffen.

 
bp

Die wichtigste tragende Säule des Kapitalismus in Europa, insbesondere in Deutschland, ist die Sozialdemokratie, vor allem das Narrativ betreffend. Sie bringt alles mit, um die Erzählung von der guten Marktwirtschaft zu transportieren, und zwar als Geschichte wie als Tabu. Sozialdemokratie grenzt sich vor allem und eigentlich konsequent ausschließlich nach links ab. Sie ist nicht kommunistisch, im Gegenteil: Sie war und ist unversöhnlich antikommunistisch. Ob Wehner als ‘geläuterter’ Kommunist, Schmidt als erster Transatlantiker und Kalter Krieger oder jedwede Parteigremien zu einer beliebigen Zeit, die SPD war stets der Feind der Kommunisten und Linksradikalen, schon um nicht selbst aus dem Kreis der ‘Guten’ ausgeschlossen zu werden.

Als politisch-ökonomische Konstruktion ist die Sozialdemokratie der absurde Versuch, Sozialismus zu verwirklichen unter der strikten Bedingung, dass es ein kapitalistischer zu sein hat. Der Titel ‘Soziale Marktwirtschaft’, den sie sich ausgerechnet noch von den Rechten hat vorgeben lassen, suggeriert, ein ‘Markt’, der nichts anderes ist als eben Kapitalismus – die Konkurrenz privater Eigentümer – könne und müsse ‘sozial’ sein. Sie nennt das ernsthaft bis heute “Sozialismus”, der als Ziel nach wie vor im aktuellen Parteiprogramm steht.

Eine absurde Idee

Dabei hat sie keinerlei Konzept. Keines für Demokratie, weil sich für sie Demokratie in der Existenz eines parlamentarischen Systems erschöpft. Keines für Sozialismus, weil sie sich überhaupt nicht damit beschäftigt, welcher Bedingungen denn ein sozialistisches Wirtschaften bedürfte. Schon gar nicht hätte sie ein Konzept oder eine Theorie des Kapitalismus. Den Marx verbietet sie sich, weil der halt am Kommunismus schuld ist. Dieses Tabu wird so konsequent aufrecht erhalten, dass sie auch völlig unfähig ist, die Ursachen sogenannter “Krisen” jemals im Kapitalismus selbst zu suchen. Dabei müsste sie mit dem Kopf darauf gestoßen werden, denn die Absurdität eines geforderten Sozialismus vor dem Hintergrund ihrer neoliberalen Ausrichtung erfordert dringend eine Klärung bzw. Entscheidung.

Es kann aber eben nicht sein, was nicht sein darf. Die SPD ist sozial. ‘Marktwirtschaft’ ist sozial. ‘Marktwirtschaft’ ist kein Kapitalismus. Diese Glaubenssätze einer bizarren Religion machen sie zum treuesten Vasallen noch des brutalsten Kapitalismus; sie segnet jedes Mittel, noch irgendwie Profite zu ermöglichen, ab und verkauft dies stets als Segnung, denn das Ziel ist ja der marktkompatible Sozialismus, in dem es allen Fleißigen gut geht. Sie darf daher auch weder Konzept noch Theorie haben, denn das würde den ganzen Schwindel sofort auffliegen lassen und den Nachweis erbringen, dass die Idee der Sozialdemokratie ein einziger großer Irrtum ist.

 
rg

Ich schreibe hier selten über Privates, aber der aktuelle Trend beim Schutz vor Minderheiten zwingt mich dazu. Durch meine Erziehung gehöre ich zu einer Minderheit, die sowohl sozial als auch in sexueller Hinsicht u.a. durch vielfache Traumatisierung beeinträchtigt ist. Für fast jede Spielart der Sexualität und Partnerschaft gibt es inzwischen ein ‘Gender’, nur Meinesgleichen wurde dabei völlig vernachlässigt.

Ich stehe unter dem Zwang, nur Sexualpartner zu akzeptieren, die sich auf jede erdenkliche Weise erniedrigen lassen. Das hat nichts mit meinem grundsätzlichen Respekt vor denen zu tun; ich kann halt nicht anders. Man kann sich ja kaum vorstellen, wie schwierig es für einen ohnehin unattraktiven alten Mann ist, ein Stück Fleisch zu finden, das auf mein irreversibel eingebranntes Programm positiv reagiert. Die meiste Zeit meines Lebens bin ich deshalb allein.

Akzeptiert mich!

Schlimmer aber noch: Permanent verlangt man von mir, Frauen in einer bestimmten Weise zu begegnen, zu behandeln und anzusprechen. Auf gar keinen Fall dürfe ich sie wie einen Putzlappen benutzen; ja, ich soll sie sogar siezen! Wie soll jemand mit meiner Behinderung so jemals eine Schlampe finden, die sich willig im Staub windet? Mir ist die Ausübung jeglicher Sexualität faktisch verboten, obwohl ich damit nicht einmal gegen Gesetze verstoße. Diskriminierung kann nicht gnadenloser sein.

Aber auch im ganz alltäglichen Umgang mit Menschen werden mir meine Rechte aberkannt. Mir werden die Rechte auf Meinungsäußerung und Freizügigkeit verweigert, ich werde gar zu absolutem Schweigen verurteilt. Meine Störung, eine Personalisierte-Tourette-Manie, tritt in Form abweichender Kommunikation zutage.

Inklusion sofort!

Ich nähere mich Menschen mit gefährlichen Gegenständen und stoße unwillkürlich zu, dabei treffe ich sie gemeinhin gar nicht. Außerdem muss ich sie zwanghaft beleidigen und Naziparolen brüllen. Habe ich deshalb kein Recht mehr auf soziale Teilhabe? Nicht einmal in lustigen Kostümen darf ich mich ausleben, dann schreit sofort wer nach schärferen Gesetzen.

Die Menschen da draußen haben ein Wort für uns, das wir nicht länger zurückweisen, sondern fortan mit Stolz zu unserem Label machen wollen. Wir kämpfen wie andere Minderheiten auch für unseren Platz in der Gesellschaft. Wie einen zweiten Namen tragen wir den Titel „Arschloch“ und nehmen ihn an. Wir, der freie Zusammenschluss „Union Stolzer Arschlöcher“, haben getagt und stellen für den Anfang drei Forderungen:

- Anerkennung als Gender
- Uneingeschränkten Zugang zu Clubs und Gesellschaften
- Befreiung von der permanenten Retraumatisierung durch den Zwang zur Höflichkeit

01.11.2016
U.S.A.

 
da

Furchtbar: Horrorclown realisiert Diele des Schreckens und droht: “Dies ist erst der Anfang!”

Man muss das einfach einmal gemacht haben: einen Rucksack am Bahnhof in eine Menschentraube geworfen und „Allahu akbar“ gerufen. Als Horrorclown verkleidet mit einem Baseballschläger nachts Kontakt zu jungen Frauen gesucht. Wer nicht weiß wie sich das anfühlt, hat es offenbar nicht nötig.

Womöglich ist er erwachsen, es geht ihm zu gut oder hat nicht die Eier, seine sichere Existenz gegen das kribbelnde Risiko einzutauschen. Pech für dich, denn du bewirkst nichts. Niemand hat Angst vor dir, du hast nichts zu erzählen und kein Schwein interessiert sich für dich. Du bist nicht nur ein Loser, du willst es auch gar nicht anders. Du hast Angst und duckst dich auch noch.

It’s Better to Burn Out

Besser ist das, denn auf der anderen Seite wartet Null Toleranz® auf dich. Man bestraft nämlich die Bösen® mit aller Härte®. Das ist der Deal: Duck dich und sei brav, dann darfst du einstimmen in den großen Chor der Gerechten, der die Bestrafung der Abtrünnigen fordert. Erhebe dich und ernte ein kleines bisschen Ruhm, dann wirst du in der Hölle schmoren.

Politik ist nur mehr Religion. Es werden Rituale vollzogen, die immer gleichen Formeln gemurmelt, und das Spannendste, das passieren kann, ist die öffentliche Anklage der finsteren Mächte unter Ankündigung von Höllenqualen. Noch nie haben die Pfaffen, ihre Ministranten und die Kniefälligen kapiert, welches Spiel sie selbst da spielen und dass es immer welche geben wird, die lieber Aufmerksamkeit erregen als auf eine Ewigkeit der Langeweile im Himmel hinzuarbeiten.

Teufelszeug

Nein, es darf keine Toleranz geben gegenüber kleinen Spackos, die sich eine Gesichtsmaske überziehen und Omas erschrecken. Wenn du Horrorclown werden willst, stell dich hinten an und lasse dir eine Hackfresse wachsen! Es kann sich nicht jeder einfach nehmen, wofür Rauten-Chucky sich ein Leben lang gebückt hat. Auch der Horrorclown aus dem Spukschloss Bellevue war Jahrzehnte lang ein Nützlicher Idiot, ehe er ganz legal seinen Grusel entfalten durfte.

Andererseits kommen die Gumminasen wie gerufen. Sollte die Welle bald abebben, sollte der Verfassungsschutz seine Sprallos entsprechend ausrüsten. Die Rechung ist einfach: Wenn man mit der Unterstützung eines Viertels des Wahlviehs durchregieren will, muss man dafür sorgen, dass die Hälfte nicht hingeht und die blödere Hälfte vom Rest gut unterhalten wird. BUH! Hilfe!!
Geht doch!

 
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[Via Zeitgeistlos] Schon Oskar Lafontaine wurde bei der Bundestagswahl 1990 hart bestraft für seine richtigen Prognosen bezüglich des Anschlusses der DDR an die BRD. Gregor Gysi hat 1998 die Konsequenzen der Euroeinführung präzise vorausgesagt; der Linken hat es nichts genützt. Im Gegenteil drängen dort heute diejenigen nach vorn, die mit den Neoliberalen gemeinsame Sache machen und die dritte sozialdemokratische Partei damit auf Linie bürsten wollen.

Klick aufs Pic führt zu Youtube.

 
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Ich bin noch nicht ganz durch die aktuelle ‘Alternativlos’, in der es grob um ‘postfaktische’ Kommunikation und Politik geht. Ggf. werde ich mich dazu später noch äußern. Epikur hat heute einen kurzen Text am Rande des Komplexes gepostet, in der es um fehlende Haltung geht. Es scheinen sich alle Konzepte aufzulösen, die einmal das Bürgerliche Denken und seine Philosophie ausmachten: Identität, Wahrheit, Bildung – von Gleichheit ganz zu schweigen. Übrig bleibt ein digitaler Liberalismus, der das Subjekt abgeworfen hat. “Digital”, weil die nackten Zahlen die Herrschaft übernommen haben. Es ist ein Kapitalismus, der nur mehr den Größenverhältnissen dient. Thatcher hatte recht: Es gibt keine Gesellschaft (mehr).

Letzteres ist aber das Ergebnis der letzten Politik, die sich selbst abgeschafft hat. Der Zwang Zahlen zu vergrößern, früher bekannt als “Profit”, heute zum Mythos Wachstum® verbrämt, hat wie ein schwarzes Loch alles andere in seinen Bann gezogen und zermalmt. Effizienz ist der neue Geist; aus möglichst wenig möglichst viel machen, von möglichst viel möglichst wenig investieren. Übrig bleibt selbst von den Persönlichkeiten eine leere Hülle. Nix drin, reichlich Schaum drum herum. Wir dienen Mammon und wissen nicht einmal mehr, dass es ihn gibt. Wir stellen dar ohne zu wissen, wen oder was. Alles so schön bunt hier.

Gaga? Muss ich sofort haben!

Freud hat einmal beschrieben, wie Realität aus Wunschabwehr entsteht. Statt sich der Halluzination einer Befriedigung hinzugeben, macht der Mensch sich auf den Weg. Er steckt seine Wünsche zurück, macht Umwege, sucht Lösungen und kommt zum Ziel. Heute taumeln wir umher zwischen der Befriedigung von Wünschen, die wir gar nicht haben und der ständigen Produktion neuer Wünsche, die gleich die Angst zu kurz zu kommen gratis dazu liefert. Wir haben längst keine Möglichkeit mehr, Einfluss zu nehmen, wissen eigentlich schon kaum mehr, worauf eigentlich. Was will ich? Wie kann ich es erreichen? Wie kann ich so handeln, dass ich mich nicht sozial isoliere?

Diese Fragen sind dem schieren Zwang gewichen, einer Hatz zwischen nur suggerierten Zielen und scheinbarer Vorsehung. Das ist schlimmer als jede Halluzination und weniger Freiheit als die eines Tieres, das sich wenigstens im Rahmen seiner Instinkte bewegen kann. Wo wäre hier Raum für Vernunft? Kommunikation ist eine Frage der Strategie, wodurch Wahrheit nicht einmal mehr zur Option wird. Nicht nur ist das Bemühen um Wahrheit ein großer strategischer Nachteil; sie lässt sich auch kaum mehr konstruieren, weil einem ohnehin niemand glaubt.

Verrückt unter Verrückten

Der Bezug auf Wahrheit, Haltung, Bildung, der ganze Krempel bürgerlicher Ideale, war aber kein Konstrukt einer finsteren kapitalistischen Absicht, sondern durchaus die Errungenschaft einer philosophischen Entwicklung, ein Höhepunkt der Menschheitsgeschichte. Diese Ideale mögen von Anfang an den Keim der Ungleichheit getragen und die Voraussetzung für eine Gesellschaft geschaffen haben, in der das ganze Geschacher einen fruchtbaren Boden fand. Darin liegt aber eben auch der benennbare Widerspruch, in dem sich die reale Hoffnung auf Besseres erhält. Die bürgerlichen Werte wurden allesamt zersetzt. Es hat sich gezeigt, dass eine Gesellschaft der Gleichen zerfällt, wenn es Gleichere gibt. Gerade Vernunft zwingt hier zur Korrektur und verlangt, dass die Voraussetzungen geschaffen werden müssen für echte Gleichheit.

Raul Zelik hat geschrieben: “Das Drama der bürgerlichen Gesellschaft ist ja, dass sie Gleichheits- und Freiheitsrechte postuliert, die sie aufgrund ihrer Eigentumsverhältnisse gar nicht einlösen kann.” Schlicht, folgerichtig und wahr. Es gilt also, die Voraussetzungen der Eigentumsverhältnisse grundlegend zu ändern. Die Vernunft, die zu dieser Erkenntnis führt, kann sich in dieser Gesellschaft unmöglich durchsetzen. Sie kann aber in jedem Einzelnen von uns überwintern. Das fängt damit an, völlig zweckfrei wahrhaftig zu sein und zu seinen Fehlern zu stehen. Man muss sich eigentlich nur anschauen, wie Öffentlichkeitsarbeit® funktioniert – und das Gegenteil tun.

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