“Polizeistaat” ist keine Metapher. Er ist nicht erst real, wenn der Führer Uniform trägt.
“Polizeistaat” ist keine Metapher. Er ist nicht erst real, wenn der Führer Uniform trägt.

Ich beginne mit einem Zitat des Cyberphilosophen R@iner: “Die einen zünden die Welt an, die anderen Autos – Lasst uns also über Autos reden!” Das ist nur ein Detail dieses ganzen Kindertheaters, das wie immer in die Frage mündet: Sind die so blöd oder ist es Kalkül? Es waren nicht die ersten Sommerspiele dieser Art, im Gegenteil: Fast jedes Gx-Treffen wird von Krawallen begleitet, und Hamburg ist neben Berlin bekannt dafür, dass solcherart Feuerwerk gern etwas größer ausfällt.
Erste Konklusion ist daher: Hamburg als Austragungsort zu wählen ist siehe oben. Kalkül oder Blödheit. Womit wir zunächst bei Scholzofon Olaf wären, dem Regierenden Bürgermeister, den der Schwachsinn endgültig heimgeholt hat, es sei denn. Man werde gar nicht merken, dass ein Gipfel stattgefunden habe, hatte er prophezeit. Nun sollte er wenigstens demütig schweigen; stattdessen tönt er, die Polizei habe “alles richtig gemacht“. Aha. Angesichts des Resultats drängt sich spätestens hier auf, dass Schwachsinn als Ursache ausfällt.
Hätte uns wer gewarnt …
Was die andere Seite betrifft, so müsste man doch irgendwann lernen, dass die Hooligans umso wirksamer und befreiter ihr Werk tun können, je mehr sie sich im Recht fühlen und je mehr Unterstützung sie erhalten. Der Startschuss zu den Spielen war daher die völlig widersinnige Attacke der Polizei am Donnerstag, als sie viele tausend Demonstranten angriffen, weil eine Handvoll Heinis die Schals nicht vom Gesicht nahmen. Ich wusste an dieser Stelle, wie das kommende Wochenende sich gestalten würde. Jeder, der sich ein bisschen auskennt, wusste das.
In der Folge haben beide Seiten eskaliert, was das Zeug hielt. Was zur Hölle haben Polizisten mit Sturmgewehren auf der Straße verloren? Ist die Einsatzleitung komplett irre? Einer der wenigen ‘Fehler’, die die Polizei ausgelassen hat, war, in die Menge zu schießen. Vielleicht beim nächsten Mal. Was glauben die eigentlich, wie die Testosteronfront auf solche Maßnahmen reagiert? Ich schätze so: “Krieg? Lecker!”
Kalkuliertes Risiko
Diejenigen, die das Gewaltmonopol innehaben wollen, die es bei solchen Gelegenheiten verteidigen, tun alles, um sich zu delegitimieren. Minister, die gleichzeitig Gesetzgeber sind, schreien nicht nur nach “hartem Durchgreifen” der Polizei (was man dem Innenminister noch zubilligen kann), sondern sie wollen gleich auch ebensolche Strafen verhängt sehen, womit die Gewaltenteilung endgültig ausgesetzt ist.
Die Polizei hat verstanden, sich ihrerseits über Verfassung, Gerichte und sowieso die Ausübung des Mandats von Rechtsanwältinnen hinweggesetzt. Wenn die Politik unisono nach dem Polizeistaat schreit, muss man sich nicht wundern. Das Problem hiermit ist aus Sicht der Friedliebenden, dass der Mob sich dadurch nicht nur angestachelt fühlt. Er kann sich sogar darauf berufen, dass das Gewaltmonopol geradezu frivol missbraucht wurde. So zündet man direkt die Lunte zum ‘Widerstand’.
Die Hooligans interessieren mich an dieser Stelle gar nicht. Ich sehe nicht, was man in diesem Spiel gewinnen kann außer Spaß an der Randale, daher muss ich mich hier auch nicht mit angeblichen politischen Zielen befassen. Diejenigen aber, die behaupten, einen Rechtsstaat zu vertreten, haben nichts falsch gemacht. Weil sie es nur behaupten und die ganze Show genau so haben wollten. Ich beglückwünsche diese Helden; ausdrücklich auch die verantwortliche Heeresleitung.
p.s.: Siehe auch diesen Kommentar.

Erwähnte ich, dass meine Stimmung gelegentlich zu Reizungen in der Bartrandzone führen? Desweiteren, dass die Bartrandzone sich über mehrere Stadtteile ausbreiten kann, in denen die Menschen in Angst spontan Schutz suchen? Gewitter waren zwar erst für heute Abend angesagt, aber bereits am Vormittag donnerte es und blitzte aus einer Wohnung im Süden der Stadt, wo ein Einzelfall explodiert war. Ganz recht, der Einzelfall war ich, und das kam so:
Soll ich das Wort wieder sagen? Das mit K? Aus dem paranoiden Kindergarten? Okay, das wäre öde, also kaufe ich ein C: Fuck that fucking arse of pissing bloodspraying CAPITALISM! Argh! Die verfickte POST! Ich meine jetzt ausnahmsweise einmal nicht das magentafarbene Stück Scheiße, das sie aus dem Gedärm der Genannten geholt und rosa lackiert haben, auch nicht den Dödel auf dem Fahrrad in der bescheuerten Jacke, dessen Fahne man erst dienstags riechen muss, weil er montags nicht nur blau ist, sondern auch macht; ich meine De Ha El. What the FUCK!
Wie lange dauert es im Jahr 2017 in einer deutschen Großstadt, ein Paket aufzugeben? Kommt wohl drauf an. Ich weiß ja nicht, was andere machen, aber ich habe schon fast eine Stunde gebraucht, um das behämmerte Label auszudrucken, das man auf das Paket kleben muss. Ich weiß schon, warum ich einen verdammten Skriptblocker benutzte. Wenn ich bei dhl.de die Skripte freigebe, damit ich das mistige Pickerl bekomme, friert mir der Browser ein. Drei verschiedene Browser in zwei verschiedenen Betriebssystemen. Was haben die da für einen verkackten Ranz gecoded?
Privat kann besser
Da sind wir übrigens schon an der Baustelle vorbei, wo du alles fünfmal eingegeben hast, weil der Scheißladen Cookies nur setzen kann, wenn du vorher drei Formulare unterschrieben hast, dass er das darf. Mal abgesehen davon, dass er eine Adresse, bei der ich auf Google Street View die Vase auf dem Wohnzimmertisch sehen kann, für nicht existent erklärt. Woher soll auch die Post wissen, wie man eine Adresse findet?!
Okay, irgendwie fummelst du dich da durch, natürlich frisst der ätzende Drucker das Papier erst mal quer, weil er ein eins A Teil ist, das sich dieser Qualitätsoffensive selbstverständlich ungespitzt anschließt. Der liegt jetzt übrigens auf dem Dach gegenüber, die dumme Sau. Also, trotzdem alles irgendwie geregelt, der Lappen mit dem Strichercode klebt auf dem Karton, also auf zur Post.
Die Post – das Postamt – die Hauptstelle dieses Stadtteils, in der noch Beamte in die Pension hinüber gepflegt werden, also das Ding, in dem früher beim Wort “korrekt” die Serifen auf den tausendstel Millimeter ex-akt ausgerichtet waren, die hat hier Öffnungszeiten wie in einem Hunsrückweiler anno 1970 bei Tollwutbefall. Immerhin aber heute bis 12:30 Uhr. Ich stehe um 11:50 da vor der Tür, und was ist? ZU IST! ZU!!
Ich hab keinen Bock mehr, diesen Drecksartikel zu Ende zu schreiben, macht euren Scheiß doch alleine!

Er war der Kanzler der Einheit. Der deutschen Einheit. Der europäischen Einheit. Der Währungseinheit. Der Einigkeit. Der Dreieinheit. “Noch im Tod brachte er Menschen zusammen“, stellt der kritische Journalismus fest. Ja, ich habe es am eigenen Leibe erfahren. Als mir Helmut erschien, überkam mich sofort, unverzüglich, der Drang mich zu vereinen. Hunderte Kollegen standen beieinander, nachdem sie die Fotos von Kohls Erben geschossen hatten. Vereint in Trauer und Helmut Demut.
Allein die deutsche Einheit, sie ist sein Werk und alle danken es ihm unter Tränen. Wer erinnert sich nicht daran, wie die DDR-Bürger, die nichts hatten, ihm ihre letzten Lebensmittel zuwarfen als Zeichen ihres Respekts. Wie er sich durch die Massen wälzte, um den Spender persönlich zu umarmen? Seine Dankbarkeit gegenüber Spendern war legendär wie seine Treue und Zuverlässigkeit. Wer sich ihm anvertraute und die richtige Einheit mitbrachte, war sicher wie das Gold in Fort Knox.
Gleich nach dem ersten Schultag bringt “Helle” – das war sein Spitzname – ein paar seiner neuen Freunde mit nach Hause. Als Schüler ist er eher mittelmäßig.
Die europäische Einheit, der Euro, eine einzige Erfolgsgeschichte. Alle sind unter einem Dach vereint: Geber, Nehmer, Schuldner, Gläubiger, Importeure und Exporteure, Große und Kleine, Arme und Reiche, Schwache und Starke – und alle lieben Helmut. Sie werden auch Wolfgang lieben lernen, Helmuts treuen Truchsess, der den deutschen Koffer längst gegen die europäische Kreditkarte getauscht hat. Es ist Ordnung, wo Helmut seinen Samen gesät hat. Deutsche Ordnung ist europäische Ordnung, und alle folgen sie. Alle sind sie vereinigt und können gar nicht mehr loslassen von Helmuts Europa.
Wir werden sein großes Herz vermissen. Sein Herz für Spender – Flicks, Schreibers, Ehlerdings, seine jüdischen Freunde; unvergessen! Sein Herz für Gestrauchelte und Vergessliche wie seine Minister Zimmermann, Kanther und Lambsdorff oder seinen Vize Leisler-Kiep. Bei Kohl hatten viele eine zweite Chance auf ein drittes Gehalt. Rührend auch sein väterliches Verhältnis zu Journalisten und Medien; bald streng, wenn die Kleinen dem gefährlichen Rotfunk zu nahe kamen, bald großherzig, wenn die Großen auf dem rechten Weg waren.
Bahnbrechend seine Genderpolitik. Kein anderer Kanzler lebte so offen seine Männerfreundschaften: Strauß, Flick, Kirch, Mitterrand, Thatcher, Reagan, Clinton, Jelzin. Zwischen Sauna und Saumagen steht Kohl für die zweite sexuelle Revolution. Auch seine Expertise in Fragen einer visionären Wirtschaftspolitik ist sprichwörtlich: Treuhand, Soli, sechzehn Jahre Aufschwung. Schon in fünf Jahren wird niemand mehr von Problemen der Einheit sprechen und die blühenden Landschaften bewundern, die seine Politik wird geschaffen haben. Ein Gigant. Ein Koloss. Ein Titan. Ein Gott!

Sie haben alle recht: Fefe, Burks und Max. Wer kein Klopapier hat, findet sicher noch irgendwo ein Grundgesetz, vor allem wenn er beim Bundesminister für Justiz arbeitet. Dessen totalitäre Gesinnung wurde hier bereits regelmäßig gewürdigt, und auch am Ende dieses Tages murmelt es wieder: “Eine Änderung des Grundgesetzes halten wir für nicht erforderlich“. Wozu auch? Es ist doch so nützlich. Man kann es wie gesagt als Kackpappe benutzen, als Fußabtreter, als Grillanzünder oder Flieger daraus basteln.
Während sich ein kognitiv limitierter Homo zur Freude der Medienhändler mit Konfetti einreibt, landet hinter dieser Kulisse zuallererst der Hubschrauber mit der Taskforce Zensur aka “Gesetz gegen Hass im Netz“. Das Geile an dieser Attacke auf die Geltung einer Verfassung in diesem Rechtsstaat® ist dessen Wirkung ganz unabhängig von rechtlichen Mitteln. Die Drohung allein wirkt. Es wird Zensur geben, allerorten, denn man kann es sich nicht leisten, darauf zu verzichten. Das Risiko ist einfach zu groß.
Diese Infamie ist der Brennpunkt dessen, was das BVerfG in dutzenden Urteilen gestoppt hat: dass der Gesetzgeber eine Atmosphäre schafft, in der der Bürger sich schlicht nicht mehr traut, seine Meinung zu sagen. In diesem Fall geht der Stoß über Bande: Die Betreiber trauen sich nicht mehr, Meinungsfreiheit zuzulassen. Wer nicht löscht, kann bald Konkurs anmelden.
Nachwuchsproduktion
Kommen wir also zur sogenannten “Ehe”. Inhaltlich bin ich dagegen. Sie fußt kulturell auf Religionen, von denen unsere Geschmacksrichtung mir die Assoziation aufzwingt, die Amtsträger (mit “Würde” hat das nichts mehr zu tun) dürften künftig ihre Opfer auch noch ehelichen. Wie dem auch sei: Das hat nichts im Gesetz zu suchen. Darin wiederum, das belegt u.a. die von Burks zitierte Quelle, ist die Ehe eine Funktion der Familie, will heißen: der Nachwuchsproduktion.
De facto ist das Ganze auch noch eine Steueroase für Besserbezahlte. Die braucht kein Mensch, das kann weg. Stattdessen, um für eine Sekunde so zu tun, als fragte mich wer, hätte ich lieber mehr Ressourcen für Kinder. Viel mehr. Aber gefragt ist das Gesetz, und das ist eindeutig. Mann und Frau, perspektivisch mit Kindern; das ist Ehe. Alles andere ist Party und lässt sich hervorragend ohne Trauschein organisieren. Vieles davon – wie etwa Patientenverfügungen – gibt es längst.
Was aber überhaupt nicht geht, ist wie jeden Freitag das, was Heiko, die amtliche Haltevorrichtung für Manschettenknöpfe, einmal mehr hervordilettiert. Ich frage mich, ob dieses Spiel nicht überhaupt bloß Karneval für Clowns wie Volker Beck ist, denen man ein buntes Spielzeug zuwirft, um es ihnen alsbald wieder abzunehmen. Das böse, böse Verfassungsgericht will das alles nicht. Och schaadö! Auf der Empore macht Chucky derweil die Raute und lacht sich nen Ast. Welch eine erbärmliche Operette!

Sommerloch, bodenlos. Wenn etwas passiert, wird es unterschätzt und in “Netzwelt” verschoben. Die neue Variante des NSA-Virus ist wirklich und echt krasse Scheiße. Wir werden noch mehr davon hören. Ist aber auch zu geil: Die da für unsere Sicherheit® sorgen, basteln Malware und sorgen dafür, dass alle großen Hard- und Softwarehersteller angreifbar bleiben. Doppelt lustig. Aber wichtig ist ja jetzt “Ehe für alle”. Mein Toaster heiratet meine Sonnenbrille.
Unter allem komplett Irrelevanten dieser Tage ist eine Jubelarie über das JK Rowling und sein Potterding besonders widerlich. “Verdient” habe sie “Millionen“, schleimt der “Stern”. Nein, es sind hunderte, und die eher mit Gewalt abkassiert. Für den Erfolg verklagt sie auch gern persönlich alles, was sie auf ihrem Weg zur ersten Milliarde bedroht. Es ist doch “ihr Harry“. Gern redet sie “unter Tränen“. Glaube ich sofort, Die Alte lacht sich in Scheiben. Grausames Schicksal!
Ich wiederhole mich also, wusste ich doch schon vor ziemlich genau zehn Jahren:
Potter senkt die Steuern
Eine einzigartige Karriere geht zu Ende: Zehn Jahre nach dem Erscheinen des ersten Bandes kommt in Kürze der letzte Band über den talentfreien größten Zauberer aller Zeiten heraus. Gleichzeitig kommt die Verfilmung des faschistoiden Gothicschinkens “Der Orden des Phönix” in die Kinos. Es ist also bald überstanden.
Im Film wie in den Büchern entwickelte sich Harry ähnlich wie seine Autorin: Er wurde immer spießiger, unsympathischer, verkniffener. Es fehlt ihm zusehends an Kreativität, Mut und Verstand, aber er ist eben wer, darum bleibt er auch wer. Was als kitschige Geschichte mit Liebe zum Detail entstanden war, geriet immer tiefer in den Strudel von Schacher, Depression und Darmkrankheit, so dass die Bezeichnung “Kinderbuch” schon längst nur noch Marketing ist, genau wie die ganzen überflüssigen Tässchen, Schulranzen, Bleistifte, T-Shirts, Kappen und was sich sonst noch so verhökern lässt.
Schon bei der Kinopremiere des ersten Bandes fiel den Lesern auf: Der Typ hat nichts mit dem Harry aus dem Buch zu tun. Der war nämlich eine Art Punk unter der Treppe, und geboten wurde ein Streber mit Attitüde. Daniel Radcliffe wird inzwischen zurechtgebürstet wie ein Schleimer von der Schülerunion, und man wartet nur darauf, dass er du-weißt-schon-wem mit dem Anwalt droht. Mal sehen, wie’s ausgeht. Wahrscheinlich werden auch die letzten Sympathieträger noch entlassen, und Harry besiegt nach einer Orgie blutrünstiger Qualen, die er lieber erträgt, als aufzubegehren, seinen Peiniger mit einem neuen Zauberspruch: “Steuern runter!”
Apropos: Sloterdijk ist siebzig; aber man kann ja nicht in jeder Gülle schwimmen.
Sich alt zu fühlen, hat mit vielem zu tun. Dass ich noch ungeheuer gut aussehe und fit bin wie mit Ende 20, versteht sich, das ist nicht das Problem. Was mir oft auffällt, ist dass ich mich übersetzen muss, wenn ich mit Jüngeren rede. Meine Jugend ist die Zeit, die die 50er waren, als ich jung war. Man muss sich klar machen, dass das vermeintlich Selbstverständliche für andere bereits Geschichte ist. Etwas, das sie nicht erlebt haben und für das sie sich interessieren oder eben nicht.
Den ersten Underdog habe ich vor zehn Jahren verliehen. Die Älteren wissen, was die Jüngeren nicht wissen können, dass es nämlich einen Anlass gab. Mario Sixtus, einer der ersten Alphablogger, hatte sich in die Jury des neuen Grimme Online Awards berufen lassen, sich dabb nachnominiert und und daher konsequenterweise auch selbst ausgezeichnet. Dazu ist er fix aus der Jury zurückgetreten, sonst wäre das ja Mauschelei gewesen. *
Yo, dachte ich mir, als angehender Betablogger kann ich das auch und bilde gleich die gesamte Jury. Diese meine Macht nahm ich wahr, um mich vom damaligen Weltherrscher mit einem weiteren Preis behängen zu lassen, während ich ihm den Publikumspreis zuschanzte. Das Publikum war ich. Alle sind bis heute sehr zufrieden mit diesem transparenten Verfahren. Die bisherigen Preisträger sind:
2007: Kiesow (dauerhaft down)
2008: Hokey’s Blog
2009: Der Morgen (nicht mehr betrieben)
2010: Notizen aus der Unterwelt
2011: Die roten Schuhe (nicht mehr betrieben)
2012: daMax
2013: Alarmknopf (nicht mehr betrieben)
2014: Kiezneurotiker (gelöscht)
2015: Die Wahrheit über die Wahrheit
2016: Radikale Heiterkeit
Tzia, die Hälfte existiert schon nicht mehr. Im Neuland werden wenige alt. Gesucht wird auch dieses Jahr wieder ein Blog, das sein verdientes Millionenpublikum noch nicht erreicht hat. Kriterien sind: Ich muss es irgendwie geil finden und wenn möglich, soll es noch nicht gar so viel Zulauf haben, damit ich ihm den ersten Schwarm Trolle zuführen kann. Ein bisschen Spaß muss sein. Na kommt, gebt euch Mühe; meine Blogroll kenne ich selbst.
*Text geändert. Ursprünglich hatte ich einen anderen Blogger genannt, der aber nur für eine andere Panne verantwortlich war. Mein Gehirn hatte sich eh schon gewundert, begehrt aber selten auf, weil es um seine Unzulänglichkeit weiß.

“Der Gedanke kommt vor dem Wort, das Wort kommt vor der Tat“, sagten Bundesinnenminister Thomas de Maizière, BKA-Chef Holger Münch und Bundesjustizminister Heiko Maas unisono. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, und deshalb muss hart und konsequent gegen Hasskriminalität vorgegangen werden. Diese beginne nicht erst mit dem Mord an Andersdenkenden, sondern beim Hass selbst. Wer Hassgedanken pflegt, lässt ihnen oft freien Lauf. Dies gefährdet und bedroht nicht nur Einzelpersonen oder Gruppen, die verhetzt werden, sondern die Sicherheit aller.
Hass ist der größte Feind der Meinungsfreiheit und nicht durch das Grundgesetz geschützt. “Wir haben Null Toleranz für Hassverbrecher“, betonte de Maizière. “Die Gesetzeslage ist dank meiner Initiative eindeutig“, ergänzte Maas, “wir werden jeden verfolgen, der andere verfolgt, sei es durch Werke oder Worte.” Münch machte deutlich, dass BKA und Polizei den Auftrag von Regierung und Parlament vernommen haben und mit vollem Einsatz ausführen werden. “Wir zögern nicht und wir schrecken nicht zurück“, erklärte er, beklagte aber, dass die Strafen für Hasskriminalität möglicherweise nicht hart genug seien.
Mehr Freiheit für alle
Maas machte deutlich, dass dies Sache des Gesetzgebers sei, man aber “jederzeit nachjustieren” könne. In Vorbereitung sind weitere Verbesserungen der Sicherheitslage durch Früherkennung von Meinungsverbrechen. “Man muss nicht immer darauf warten, bis jemand mit dem Tode bedroht wird“, betonte de Maizière, “oder schlimmer noch, bis jemand solche Aufforderungen in die grausame Tat umsetzt.” Als sehr erfolgversprechend haben sich Versuche mit Algorithmen erwiesen, die Hass auch in solchen Fällen erkennen, in denen noch keine strafbaren Äußerungen wie Beleidigung, Nötigung oder Volksverhetzung vorliegen.
Das Ziel dieser Früherkennung ist ein früheres und schnelleres Eingreifen. Sobald ein möglicher Hasstäter identifiziert ist, soll er zur Kasse gebeten werden. Dies sei für alle Beteiligten ein Fortschritt, so die Sicherheitsbehörden. Nur wo Taten verhindert würden, würden Opfer effektiv geschützt, und auch die Täter kommen häufiger mit einer Verwarnung davon, wo sie bei späterem Eingreifen eine Haftstrafe erwarten würde. So können Strafen erzieherisch wirken. Die Sozialen Netzwerke müssten die Gedanken ihrer Nutzer wahrnehmen und konstruktiv begleiten. “Freiheit für alle, nicht nur für Hasstäter“, so das Motto der Aktion.
17. Jun 2017 15:08

Beginnen will ich mit einem etwas seltsamen Artikel von Michael Wendl. Er hebt an mit einem Blick auf die ökonomischen Hintergründe des AfD-Programms und liefert in diesem Rahmen eine schöne Zusammenfassung neoliberaler Theorien. Insbesondere die quasireligiöse Macht des Marktes (Hayek) wird dort schön dargelegt. Ärgerlich allerdings, dass Wendl, der bis zum Schlussabsatz mit Recht von “Vulgärmarxismus (bzw. -Leninismus)“ spricht, dann dieses Fazit zieht:
“Letzteres liegt darin begründet, dass Marx geldtheoretisch auf der Höhe seiner Zeit war; aber diese Zeit war vom Goldstandard und vom Gold als Weltgeld geprägt. Erkenntnisfortschritte über Marx hinaus können sich Marxisten offensichtlich nicht vorstellen.”
Plötzlich sind es alle Marxisten, und Marx ist wieder 19. Jahrhundert und Goldstandard. Während Marktökonomen von Hayek bis Keynes inhaltlich dargestellt werden, gibt es auf der anderen Seite nur vorgestrige Deppen. Marx hat trotz Goldstandards bereits alle(!) Wirkungen des Kapitalismus beschrieben, die heute dank endloser Kreditschöpfung eine entsprechende Beschleunigung erfahren. Für Marxianer gibt es kein “raffendes Kapital”.
Raffendes Kapital
Die Kritik geht völlig ins Leere. Um wie immer am Kreidestrich stramm zu stehen, wird wieder und wieder das Argument gebracht, Newton habe Unsinn erzählt, weil er keine Ahnung von Raumkrümmung hatte. Pff, Theorien des 17. Jahrhunderts, der Mann war Alchemist! Wer sich auf Newton beruft, muss ein Idiot sein. Wer heute noch Marx zitiert, erst recht. Marxisten können nur Marx und keinen Markt.
Machen wir einen Sprung nach vorn (obwohl das nicht geht, ich bin ja Marxist, ich kann das gar nicht): Ich habe hier in den Diskussionen schon häufig die Vorstellung angesprochen, der Todeskampf des Kapitalismus könne auf eine Reihe von Resets hinauslaufen. Im Grunde ist das nichts Neues; das macht er immer schon. Währungsreformen, Kriege, ‘Staatspleiten’ sind solche, und im Grunde kann man auch den ‘Brexit’ als einen betrachten. Ein ‘Grexit’ wäre ganz sicher einer. Alles auf Null stellen und von vorn anfangen.
Das hat oft gut funktioniert. Ich gehe hier nicht näher darauf ein, dass m.E. diese Resets heute nicht allzu lange wirken können, weil die Konzentration von Kapital und der Mangel an lebendiger Arbeit (‘Arbeitsplätze’) immer schneller in neue ‘Krisen’ führt. Ich möchte hier nur darauf aufmerksam machen, dass die Wirkung von Resets in den ökonomischen Theorien und politischen Konzepten zu kurz kommen.
Hat doch toll funktioniert
Wie immer sind meine Freunde, die Sozialdemokraten und Keynsisten da ganz weit vorn. Wenn diese von den tollen Konzepten der Nachkriegszeit schwärmen, ignorieren sie mit furioser Sturheit die Tatsache, dass der ganze Glanz durch Wiederaufbau und andere günstige Faktoren bestimmt war. Sie raffen es nicht. Von der anderen Fraktion, den neoliberalen Voodoo-Experten mal ganz zu schweigen, die von Anfang an nichts anderes gemacht haben als virtuose Konkursverschleppung. Immer, wenn sie genug Erde verbrannt haben, räumen andere auf, bis der nächste mit denselben großartigen Ideen die nächste Diktatur errichtet.
Nehmen wir das einmal ernsthaft positiv: Die Märkte sind halt so und brauchen ab und zu einen Reset. Wenn der ganze Pfusch an den Rahmenbedingungen mit Finanzprodukten, ESM, Kriegen um Rohstoffe und Einflusszonen et cetera, dann doch nicht mehr hilft, kommt es ohnehin dazu. Weltkrieg oder New New Deal oder Währungsreformen oder oder. Denkt man das zu Ende, kommt man sogar wieder beim fairen Wettbewerb® aus: Wenn beim 100-Meter-Lauf der Vorsprung des Siegers jeweils beim nächsten Mal angerechnet wird, ist das nach neoliberalen Grundsätzen heute “fairer Wettbewerb”. Annähernd fair wäre aber nur einer, der immer wieder bei Null beginnt.
Konsequenz aus dieser Idee wäre ein System, das von vornherein den Reset einplant. Sagen wir: Ihr habt jetzt zehn Jahre Zeit, rauszuholen, was drin ist, dann fangen wir von vorn an. Das wäre eine Form von Kapitalismus, die alle Erkenntnisse über ihn berücksichtigt. Einzig die endlose Akkumulation wäre durchbrochen. Ich frage mich: Könnte so etwas funktionieren? Entspräche es nicht sogar eher der Beschreibung der ‘Marktwirtschaft’ in den einschlägigen Theorien? Wäre das die einzig konsequente Form, mit unvermeidlichen Krisen bewusst umzugehen?
p.s.: Das ist kein Vorschlag, es ist ein Denkmodell.