2005-2013 (alle Beiträge)
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So langsam weiß ich nicht mehr, wohin mit den ganzen Gitarren. Seit die Regierung meine Miete zahlt und ein fettes Salär obendrauf, muss ich zusehen, dass mir der Reichtum nicht zwischen den Fingern zerrinnt, wenn sie die zweite Stufe zünden. Aktien sind mir zu riskant, die Blase ist schon mehr als voll, und was soll ich mit ebenfalls längst überteuerten Immobilien, wenn ich eh keine Miete zahle?

Zinsen aufs Spargeld gibt es schon lange nicht mehr und Gold ist was für Pussies. Daher habe ich jetzt an die hundert Klampfen hier rumstehen; eine teurer als die andere. Inzwischen muss ich dafür fast gar nichts mehr tun. Wenn ich Pech habe, kriege ich demnächst das Bundesverdienstkreuz. Wäre mir echt peinlich, wenn der ganze Schwindel aufflöge.

Entspannt euch

Obendrein gibt es auch noch Kurzarbeitergeld. Ich hänge also zuhause rum wie in vergangenen Jahren (nur, dass ich keine Sterbende dabei pflegen muss) und muss mir trotzdem keine Sorgen um das nächste Brötchen machen. No Shit, Freunde: Der Weg zu meiner Hütte ist mit Rosenblättern bedeckt. Man wäre ja völlig bescheuert, das gegen ein bisschen ‘Meinung’ zu tauschen. Die füllt einem nämlich nur den Kühlschrank, wenn sie die richtige ist.

Muss ich jetzt unbedingt den Schweden gratulieren, die alles richtig gemacht haben? Oder den Amis, die ihre Freiheit mit umgeschnallter Pumpgun verteidigen? Das kann ich per Brief machen oder am Telefon, aber hier im Internet, da läuft das anders. Wenn du 15 Jahre gesät hast, dann kannst du auch mal ernten.
 
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Erinnert ihr euch an Horst Köhler? Das war richtig Arbeit damals, jeden Tag sämtliche Auswürfe der Systemmedien zu rezipieren, immer in der Hoffnung auf die eine Chance, die ich dann genutzt habe, fast auf den Tag genau vor zehn Jahren. Den brisanten Teil der Meldung, der verschwunden war, ausgegraben, veröffentlicht und nicht locker gelassen, bis der Versager zurückgetreten ist.

Ein paar Wochen später kam dann folgerichtig der Anruf aus dem Kanzleramt. Wir haben nach kurzen Verhandlungen vereinbart, dass wir eng kooperieren würden, wenn es einmal darauf ankäme und dass ich ihnen nicht wieder dazwischen grätsche. Et voilà! Ich kann sogar weiter den Teilzeitmarxisten geben, das interessiert sie gar nicht. Ein paar Monate Drosten abfeiern, das war’s dann schon. Einfacher kommst du nie wieder an ein gutes Auskommen.

 
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Die Lage wird ruhiger. Mit jedem Tag, an dem sich nichts ändert, ändert sich weniger. Auch diese raffinierte Erkenntnis aus dem Bunker des Mathematiklabors Mörkel 2 ist nicht jedermann eingängig. Gerade das nutzen ‘sie’ aus und verwirren eine ganze Nation, um ihr teuflisches Spiel zu spielen.

59% der AfD-Wähler, so eine von Churchill selbst gefälschte Statistik, sind Freiheitskämpfer. Sie lehnen Masken ab (es sei denn zum Geld Abholen) und rücken anderen rücksichtslos auf die Pelle. Der Anteil vor allem älterer männlicher Singles ist in dieser Strömung besonders groß. Merkels Coup: Durch das Abstandgebot (Depression, Selbstmord) will sie diesen Gegner ausrotten.

The Endif Is Nigh

Derweil hat der Impfdiktator aus seiner Gates Community verlauten lassen, Covid 19 werde nicht länger unterstützt und stattdessen das Upgrade auf Covid 20 vorgestellt. Weitere feste Bestandteile des Systems “MS 666″ werden künftig Antigene aus Chipsfrisch, Trinitrotoluol, Lachverbot, Alkoholverbot und Internet Explorer 4 sein. Danke, Märkte!!1

Eine Task Force aus McKinsey, Heckler und Koch, die sich bei Uschi kennengelernt hat, wurde vom Merkel-Regime beauftragt, Programme für den Wiederaufbau zu entwickeln. Diskutiert werden aktuell der Einsatzderbundeswerhiminnern® sowie Drastischeeinsparungenimsozialetat®. Der Sprecher der Gruppe, Jobab Bau, forderte mehr Kompetenzen. Er könne sich vorstellen, als allein Verfügungsberechtigter der Bundesregierung kurzfristig die Bürde der Entscheidung abzunehmen. Er lasse sich dafür bereitwillig hassen, gern auch im Internet.

Zur Gegenfinanzierung schlug er vor, ein weltweites Patent auf die Planck-Zeit auszustellen und Anteile daran zu verbriefen. Kurz darauf musste er von der GSG9 aus einem Berg von Unterhöschen geborgen werden. Am Rand der Veranstaltung wurde bekannt, dass erste Vakzine, die durch willfährige Helfer der Junta verabreicht werden, merkwürdige Nebenwirkungen zeitigen: Seitdem ziehen hunderte Chirurgen mit gezückten Skalpellen grunzend durch die Straßen und ziehen ein Bein nach. Wir bleiben dran!

 
bo

Um die leidigen Dispute hinter uns zu lassen, in denen es offenbar darum geht, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln an einer ‘Meinung’ festzuhalten (siehe auch “reaktionär”), ist es sinnvoll, sich Relevanterem zuzuwenden. Es wird sich im Laufe dieses und des nächsten Jahres ein Abgrund auftun, gegen den der berühmte solche aus 2008, damals entdeckt vom Experten für Rotwein, “Kippen und Pils” Peer Sparbrück, wie ein winziges Löchlein erscheinen wird. Und das nur in Deutschland; woanders wird es verheerend werden.

Wir haben derzeit durch das große C. einen scharfen Blick darauf, was eigentlich wichtig ist und worauf stattdessen die Prioritäten liegen. Viele werden nicht wirklich verstehen, dass dafür nicht jemand, sondern etwas verantwortlich ist, aber auch diese werden es ahnen. Ich bin noch nie auf so viel Verständnis und Zustimmung gestoßen, wenn ich die Segnungen des Kapitalismus erklärt habe, wie in diesen Tagen. Es ist da auch eine Wand durchbrochen worden, durch die eine Erkenntnis hereinkam, die sich schwerlich rückgängig machen lässt:

Die Märkte

Der Markt regelt gar nichts. Er lässt die Menschen achtlos auf dem Gang verrecken, speist hier Menschen, die bis zur sprichwörtlichen Erschöpfung ausgebeutet werden, mit Niedriglöhnen ab, während woanders ein Krisengewinnler sich anschickt, der erste Billionär (engl. “trillionaire”) zu werden. Das ist nicht nur so obszön, dass man irre wird, es ist auch tödlich. Nein, nicht für den Superreichen.

Eine ganze Kategorie von abhängig Wirtschaftenden – womit ich vor allem sogenannte “Selbständige” meine – ist im Konkurs. Millionen können ihre Mieten nicht mehr zahlen. Kaum gibt es ein Problem, kaufen hirntote Hamster anderen das Nötigste vor der Nase weg. Danke, Markt! Und selbst wo der ‘Markt’ beinahe funktionieren will, wird es komisch: Bauern buhlen mit Bestechungszahlungen um Erntehelfer-Sklaven. Nicht einmal das Fressen bringt der heilige Markt auf den Tisch, wenn es einmal schwieriger wird.

Es reicht.

In einem der reichsten Länder der Welt fehlt es für viele nicht nur schon lange am Nötigsten, es wird jetzt ins grelle Licht der Öffentlichkeit gezerrt: Nicht die Faulen, Arbeitslosen und Blöden sind schuld am eigenen Elend, sondern die Umstände, auf die niemand Einfluss hat, produzieren wahllos Opfer. Da sind wir wie gesagt noch im Vorgarten und keineswegs in der Peripherie, wo unsere Auslandssklaven träumen würden vom hiesigen Mindestlohn.

Fangen wir also ruhig hier an. Ist es jetzt endlich klar, dass jeder Mensch ein Recht auf eine Wohnung hat, aus der er nicht jederzeit hinausgejagt werden kann? Dass auch das Recht auf ausreichend Nahrung ein Grundrecht ist, das nicht durch Tafeln und Schulspeisungen zu sichern ist? Dass auch eine funktionierende Heizung im Winter nicht abgeschaltet werden darf, weil jemand einen Engpass hat? Vor allem aber, dass diese Marktwirtschaft® in diesem Staat, der das Recht auf Eigentum durch Eigentum garantiert, während er es nicht gebacken kriegt, dass überall Brot auf dem Tisch ist, ausgedient hat?

Wann, wenn nicht

Das ist dann auch ganz sicher nicht mit ein paar Steuern hier und einem Sack voll Subventionen da bei Einsparungen dort zu bewerkstelligen. Letztere treffen ohnehin die Opfer der aktuellen Lage und jene, die sich gerade kaputt schuften. Sie nämlich haben kein Eigentum das jemand schützt. Sie haben nur ihre Arbeitskraft, die nichts wert ist, wenn Eigentümer damit ihr Eigentum nicht vermehren können.

Das zu ändern, bedeutet eine Revolution. Die kann man friedlich machen, indem man sich zusammensetzt, erarbeitet, wie man mit all den Ressourcen, die man hat, umgehen und leben will – oder man macht weiter so, Deutschland®; und wartet, bis das Elend mit Feuer und Schwert durch die Straßen zieht. Wie das ausgeht, haben wir schon mehrfach erlebt. Gerade als irgendwie Linksradikaler kann ich das nicht wollen.

 
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Neulich erhielt ich folgende Mail:

Ko-Autoren gesucht

Sie sind zuverlässig, flexibel und gespannt darauf, sich einem Angebot der systemprägenden Qualitätsmedien anzuschließen?
Sie sind bereit, die Wahrheit auf Basis von Fakten zu publizieren, die das Kanzleramt Ihnen tagesaktuell zur Verfügung stellt?
Sie moderieren in Echtzeit in Meinungen, die auf Fake News beruhen oder die öffentliche Ordnung gefährden könnten?
Sie lassen Experten aus dem Stab der Regierung zu Wort kommen und erläutern sensibel die schmerzhaften, aber notwendigen Maßnahmen, die daraus folgen?
Sie setzen vernünftige Prioritäten?
Sie legen die Motive der kompetenten Entscheider verständlich dar?

Dann schließen Sie sich uns an! Wir, die Geläuterte Linke der kritischen Autoren, heißen Sie willkommen. Es gibt Häppchen.

Honey Trap

Häppchen! Das konnte ich mir nicht entgehen lassen, bin ich doch ohnehin schon genetisch bedingt stets der am schlechtesten Angezogene und als Erster am Buffet; mehr aber noch lockte mich die Aussicht auf Party, Cocktails und Canapés, während man dem Plebs draußen verbietet, eine Kneipe zu betreten. Ich fuhr also zu der Adresse, die in der Mail genannt war.

Von außen unscheinbar, war das Gebäude innen umso beeindruckender. Viel Marmor, aber auch dunkles Holz, von einem beliebten Innenarchitekten zu einer geschmackvollen Komposition vollendet. Es begrüßte mich ein salopp, aber stilvoll gekleideter 40er, der sich als “Steffen Sesse” vorstellte. Er führte mich ohne Umschweife zur Bar, das Buffet war gleich daneben aufgebaut. Eine Handvoll weiterer Gäste standen umher und unterhielten sich.

“Vorab unser erstes Geschenk an Sie – wenn sie bitte kurz den Ärmel hochkrempeln wollen”, sagte Sesse, und eine atemberaubende Schönheit trat an mich heran, die auf einem kleinen Silbertablett eine gläserne Spritze, einen Tupfer und ein Pflaster brachte. Sie übergab das Tablett dem Kollegen, zog den Schutz von der Spritze, verabreichte mir eine völlig schmerzlose Injektion, reichte mir den Tupfer, wartete ein paar Sekunden und klebte dann das Pflaster auf die Einstichstelle. Dann verließ sie uns, während meine Blicke ihr folgten.

Angekommen

“Es gibt also tatsächlich einen Erreger”, stellte ich fest.
Sesse lächelte und antwortete: “Es gibt immer einen Erreger. Mindestens. Was wir Ihnen da gerade injiziert haben, wird Sie über die nächsten Jahre bringen, auch wenn sich weitere – Überraschungen – ereignen sollten. Aber kommen wir zum eigentlichen Geschäft, ehe ich Sie den Annehmlichkeiten dieses Etablissements überlasse: Wir bieten Ihnen regelmäßige Einkünfte in der Höhe, die ein Spitzenautor wie Sie verdient hat. Sie schreiben weiter wie bisher und stellen sicher, dass Ihre Leser dann und wann auf bestimmte Informationen aufmerksam gemacht werden. Sie werden einfach weiterhin eine Stimme der Vernunft sein. Sollten wir bestimmte Irrtümer oder Fehler bemerken, werden wir das kritisch anmerken und Ihnen Material liefern, anhand dessen Sie sich korrigieren können. Manchmal haben wir als große Institution Informationen früher als Sie, das liegt ja in der Natur der Sache. So weit einverstanden?”

“Im Prinzip ja, aber was ist, wenn ich es mir anders überlege?”

Sesse lächelte wieder, diesmal auffallend asymmetrisch.
“Das werden Sie nicht. Wir haben Sie nicht zufällig ausgewählt. Machen Sie sich keine Gedanken. Sollten Sie sich je umentscheiden, werden wir sicher eine Lösung finden. Aber genießen Sie zuerst einmal den Abend und lernen Sie neue Freunde kennen. Es wird Ihnen gefallen.”

 
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Schon vor Jahr und Tag schrob ich: “Jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt haben … na, wer? Richtig: Wir. Die Menschheit. Total verschuldet, diese Menschheit. Sie muss endlich sparen. Aber damit das nicht ganz so offensichtlich wird, teilen wir sie in Teilmengen. Heute im Sonderangebot: Die Franzosen. Haben die über ihre Verhältnisse gelebt, diese Franzosen, o là là! Sagt wer? Richtig, die Allexperten [einer deutschen] Wirtschaftsreaktion.

Aber nehmen wir die Schalmei kurz auf und pusten hinein. Wenn also alle über ihre Verhältnisse gelebt haben, und zwar seit Jahrzehnten, und wenn das zufällig die Jahrzehnte waren, in denen der Neoliberalismus seine Klaue in die Weltpolitik geschlagen hat, mit ihrwisstschonwas: Deregulierung, niedrigen Spitzensteuersätzen, Privatisierungen, Sozialabbau und Permanentjubel über die Großartigkeit dieser Ideen, dann folgt daraus? Richtig: Deregulierung, niedrige Spitzensteuersätze, Privatisierungen, Sozialabbau und Permanentjubel über die Großartigkeit dieser Ideen. Sparprogramme! Schlanker Staat!”

Warte nur ein Weilchen

Ich zitiere das, weil es ohnehin an der Zeit ist, das Steinchen ein paar Monate nach vorn zu werfen und weil das HbB (Hetzblatt beim Bäcker) heute dröhnt, “Renten” seien “in Gefahr”. Aha, dachte ich, das sind die ersten Vorläufer, die Vorbereitungen. Unsere Systemrelevanten werden schon mal eingeölt, damit man sie nach Einsatz der Impfstoffe so richtig schön durchfisten kann. Mohr, Schuldigkeit, am Arsch!

Eine Besonderheit der Allkoalition unserer Krisenparteien liegt in der jetzt noch alternativloseren Verwaltung des siechenden Zombiekapitalsimus. Da schmiegt sich nämlich Keynes eng an Hayek und sie tanzen den Apocalypso. Die Bordeauxroten kommen uns mit dem Gassenhauer der 20er Jahre (ja, alles kommt wieder!) aka “Steuererhöhung” für, na klar, Reiche. Und vielleicht, weil das schon immer gelogen war, kommen die jetzt sogar wirklich, weil im Gegenzug Billionen-Subventionen das Karussell auf Touren bringen und dieselben Kassen sofort wieder auffüllen.

Noch immer jootjejange

So viel für die kurze Frist. Es nützt aber wenig, einen Rasen zu düngen, der nicht mehr da ist. Hunderttausende Pleiten sind nicht ohne schwere Axthiebe in die Eigentumsordnung zu managen, für die sie gemacht werden. Hier könnte man sicher sagen, man lässt sterben, was sowieso bald tot ist. Ein Leben ohne Kleinbetriebe ist auch viel übersichtlicher. Aber:

Tzia. Hat das mal wer durchgerechnet? Er würde wohl auf ein Problem stoßen, das kein Mathematiker der Welt lösen kann, ist es doch sprichwörtlich “unkalkulierbar”. Na ja, Hauptsache, wir haben schon die Lösungen parat, die noch nie funktioniert haben. Es bleibt also absurd. Steigen Sie zu, fahren Sie mit, investieren Sie jetzt!

 
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Man lernt nie aus; es sei denn, man schützt sich wirksam davor. Ich bin nicht dafür bekannt, eine allzu optimistische Sicht auf meine Mitmenschen zu haben, aber es gibt kein Niveau, das nicht unterboten, keine vorsichtige Hoffnung, die nicht noch enttäuscht werden könnte. Wie ungemein reaktionär und borniert Menschen, denen man einen Verstand unterstellt hätte, werden können, wenn sie einmal verunsichert werden, muss man in dieser Ausprägung auch erst einmal erlebt haben.

Schon vor Jahren habe ich festgestellt: Vernunft “ist vielmehr eine religiöse Anschauung unter anderen. [...] Dazu muss man im Grunde nur zur Kenntnis nehmen, dass eine Minderheit annimmt, sie habe die höhere Einsicht, der sich andere verschließen. [...] Du kannst noch so brillant sein, geduldig, präzise und wach; die meisten lassen ihr Weltbild null beeinflussen von Diskursen und hauen Argumente nur raus, weil das ein Ritual ist.”

Das Wir gewinnt

Die Techniken, die dieser Tage Anwendung finden, gehen allerdings deutlich über das hinaus, was noch eine ritualisierte Scheindiskussion wäre. Talkshowniveau wird nicht mehr erreicht. In einem regelrechten Stakkato werden betonierte ‘Meinungen’ wiederholt und manche umgeben sich mit der Elite der Trollszene, damit ja keine Stille einkehrt in der Echokammer. Es wird denunziert. abgewertet, identifiziert und angefeindet. Wir hier, die da. Das ist auch einer von denen!

Wissenschaft wird zur Geschmackssache. Irgendein Idiot hängt sich ein Stethoskop um, faselt, was viele hören wollen und wird zum vielzitierten C-Promi. Von denen gehen Listen herum: Guck mal, der hat das auch unterschrieben. Was ist eine selbst verstandene Studie, die in Aussagen über Wahrscheinlichkeiten mündet, gegen so ein Panini-Album der Bescheidwisser? Und überhaupt: Neben alternativen Fakten gibt es ja auch alternative Wissenschaft. Das ist nämlich die mit den alternativen Gewissheiten, die einer alternativen Logik folgen.

Heul’ doch!

Von vielen dieser Experten habe ich mich bereits getrennt oder sie sich von mir. Nach teils hunderten Kommentaren hier wissen sie gern woanders, dass ich schon immer so einer war. Das ist derzeit der allgemeine Umgang. Ehrlich, Leute: Ich habe öffentlich noch nie etwas gemacht, um gemocht zu werden, schon gar nicht von irgendwelchen Internetheinis. Wir haben uns getrennt, und das ist auch gut so. Komm’ drüber weg!

Eine Konsequenz der Situation ist eine kleine Zäsur; mehr Wissenschaft, einer raus, einer rein, das Leben geht weiter. Das sind weder Kurzschlusshandlungen noch verbinde ich damit jedwede Emotion. Im Gegenteil nehme ich aus solchen Prozessen immer mit, dass ich etwas gelernt habe und meinen Fokus kalibriere. Vor allem wird noch einmal klarer: Ich bevorzuge in meinem Umfeld Menschen, die erst fragen, dann hinterfragen und eventuell Antworten finden. Besserwisser finde ich schon scheiße, wenn sie nicht intellektuell und psychisch freidrehen. Macht’s gut und nehmt ruhig noch etwas Fisch mit!

 
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Der Tag der Befreiung® geht mir, um ehrlich zu sein, am Arsch vorbei. Wie in meinem Buch erläutert, wurden Verdrängung und Kontinuität irgendwann in Form einer neuen Rhetorik ersetzt durch eine raffiniertere Heuchelei. Hauptautor war Richard von Weizsäcker und Depp vom Dienst Philipp Jenninger, der nicht kapieren wollte, dass die Nazis eine kleine Bande waren, die das ganze Volk in Geiselhaft gehalten hatte. Stattdessen ging er auf alle Deutschen los. Fail!

Ich will mich daher mit Wichtigerem befassen, weil es nicht aufhört, aktuell zu sein, weil die erbarmungslosen Propagandisten der Ausbeutung den Rand nicht halten wollen. Für Deutschland war es der 09.09.1982, als Schluss war mit Lustig. Fortan hatte der Arbeiter wieder das Maul zu halten, und wer unnütz ist, gilt wieder als Schmarotzer. Das neoliberale Fanal erklang, namens “Konzept für eine Politik zur Überwindung der Wachstumsschwäche und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit” aka Lambsdorff-Papier.

Stillgestanden!

Jetzt fällt einer womöglich vom Glauben ab, und sei es nur kurzfristig, strategisch oder was weiß ich, aber er (an)erkennt eben als Präsident seines Landes, dass etwas gewaltig schiefläuft in der Zivilisation, die nicht bloß ihre wirklich Systemrelevanten verleugnet, sondern eben deshalb die Existenz aller aufs Spiel setzt. Er deutet an, da müsse sich etwas ändern, vielleicht gar etwas reformiert werden.

Prompt springen sie aus dem Busch, die Inhaber des Patentes auf Reformen®, die seit knapp vierzig Jahren genau das predigen, von dem jetzt jeder Depp erkennen kann, dass es nicht richtig ist. Es springt einem ins Gesicht, wer auf wessen Kosten lebt und wohin das führt. Und was fällt den Neoliberalen ein? Macron sei jetzt “kein Reformer” mehr. Weil er nicht dazu kommt, in Frankreich die Renten dem Kapital zu übereignen, was ja bei uns auch kolossal geklappt hat.

Die Kollegen in der Schweiz wiederum warnen (Achtung! Achtung!) vor dem siebenunddreißigsten Linksrutsch® der längst rechtsliberalen und zu Recht marginalen deutschen ‘Sozialdemokraten’. Warum? Weil der Chef-Büchsenspanner Kahrs keine Lust mehr auf seine eignen Intrigen hat. Ist ja auch keiner mehr da, den man wegmobben müsste, weil er nicht auf Kurs wäre. Was da noch steht, erledigt sich gerade selbst. Immerhin keine dumme Ratte, die das Schiff dann doch noch verlässt.

Fortschritt!

Was von der Herrlichkeit des neoliberalen Regimes übrig bleiben wird, ahnen wir bereits mit Blick auf die Trümmerlandschaften, in denen es am heftigsten gewütet hat. Die brunzdummen Faschisten erkennen dort sofort den Feind, der sie in diese Lage gebracht hat: Kommunisten mit ihrem Corona. Angewandte Dystopie mit Vorbildcharakter.

Hierzulande glauben sie wohl noch, alles werde gut, ja vielleicht sogar besser. Da wird das Fleisch der Schwachen eben von den Starken gefressen und die Sklaven werden sich prügeln um einen Herrn, der ihnen Brot verspricht. Und weil das Deutschland ist hier, werden sie alle friedlich bleiben und sich Jahr um Jahr mit weniger begnügen. Ein geniales Konzept, und so innovativ! Ich freue mich auf die anstehenden, echten Reformen®.

 

Die Jahrhundertrede des großen von Weizsäcker
vs.
ein Kommentar von B.

 
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“Raus aus der NATO, rein ins Vergnügen” war ein geflügeltes Wort in den 80ern rund um die “Grünen”. Wie wir wissen, hat deren späterer Parteiführer ausgerechnet in Serbien ein “Auschwitz” entdeckt und daher im Einklang mit dem Großen Bruder USA gefordert, Deutschland müsse sich an der Bombardierung der Nazis dort beteiligen. Geschichtsbewusstsein at its best.

Derselbe forderte in diesen Tagen wörtlich “Die Deutschen müssen ihren instinktiven Pazifismus hinterfragen“. Nachdem alle Kriege der NATO, die Beteiligung der Bundeswehr am Angriffskrieg auf Afghanistan, Flugverbotszonen oder schon die Kriege in Vietnam und Irak auf die einhellige Abneigung der Deutschen gestoßen sind, muss der ehemalige Pseudopazifist einmal mehr darauf beharren, man möge doch endlich wieder Hurra.

Nie wieder Frieden

Von deutschem Boden soll nie wieder ein Krieg verpasst werden, ginge es nach den Atlantikern und ihren Trommelschlägern. Nun hat Deutschland ja enormes Talent gezeigt in diesen Dingen. Nach Verdun und Stalingrad ausgerechnet Afghanistan, der längste Krieg mit Deutschen seit 1648 und so erfolgreich wie die Stellungsschlachten zuvor. Auch dieser ohne die vorbereitende Propaganda durch Kriegstreiber Joschka kaum vorstellbar.

Der Eifer hinter dieser Mordlust muss spätestens dann deutlich werden, wenn man sich die aktuelle Lage anschaut. Die größte Provokation Russlands seit Able Archer, ein NATO-Manöver an Russlands Grenzen, wird gerade durch Corona verzögert. Die Weltwirtschaftskrise reißt alle Gräben zwischen konkurrierenden Mächten auf, und in den USA ist ein Irrer Präsident, der sich für den unumschränkten Führer hält – um nur einige Details zu nennen. Und in dieser Situation sollen die Deutschen also “ihren Pazifismus überdenken”.

Failed State

Im Gegenteil zeigen alle aktuellen Entwicklungen, dass eine Kooperation mit den USA nicht mehr möglich und die Vasallentreue zu ihnen fatal ist. Das wird vermutlich auch kein Stück besser werden, wenn mit oder an Corona die innere Ordnung der Vereinigten Staaten zerfällt oder gar explodiert. Wenn bewaffnete Vollhonks ein Parlament besetzen, nennt der Depp in D.C. sie “Gute Leute” und bekennt damit seine Bereitschaft zum Bürgerkrieg. Ob er etwas davon weiß, mögen seine Psychiater beurteilen.

Der andere auf dem möglichen Weg ins Amt weiß eventuell gar nichts mehr, wenn er dort ankommt. Er zeigt deutliche Anzeichen von Demenz, seine Partei findet das prima. Die Frage erübrigt sich, ob das jemandes Kalkül ist oder einfach kollektiver Irrsinn; sicher ist: Die USA sind schon immer die größte Kriegsgefahr und jetzt auch noch ein instabiler Staat. In dieser Situation ist nicht etwa Kritik zu hören vom ‘Partner’, sondern vorauseilendes Säbelrasseln. Farbbeutel, bitte!

 
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Sie ist der Trick, durch den die autoritäre ‘Demokratie’, ein paradoxes Vehikel, im ‘Westen’ schon seit Jahrzehnten als Normalität empfunden wird. Politik hat nichts mit “Polis”, der allgemeinen Versammlung, zu tun und die “Res Publica” ist medial wie auf den Ebenen der Entscheidungen ebenfalls professionellen Experten überlassen, den funktionalen Autoritäten.

Die Wirtschafts-und Arbeitswelt ist ohnehin komplett autoritär organisiert, hier herrschen Befehl und Gehorsam, die Befehlshaber entscheiden und herrschen über faktische Untertanen, die kein Mitspracherecht haben, von Entscheidungsbefugnis ganz zu schweigen.

An die Arbeit!

Öffentliche ‘Debatten’ werden traditionell als Schaukämpfe von Vertretern ausgetragen, von den ‘Parlamenten’, in denen Entscheidungen schon immer völlig unabhängig von den Redebeiträgen gefasst wurden, bis hin zu den “Talk Shows”, eine Bezeichnung, die in seltener Deutlichkeit sagt, was sie bedeutet.

Es herrschen Intransparenz bei den Entscheidungen und begleitend allgemeines Blabla ohne Relevanz. Das spiegelt sich schon immer in sprichwörtlichen Stammtischreden wider, die in Zeiten des Internets millionenfach multipliziert in die Welt ergossen werden. Jeder kann sich hier zum allmächtigen Gottkönig aufblasen, ohne sich je für eine seiner Verlautbarungen verantworten zu müssen – oder zu dürfen.

Am Ruder

Begleitet und geprägt werden diese Prozesse von kleinen und mittleren Autoritäten, auf die sich jene unterhalb in der Nahrungskette berufen. Man sammelt also Experten und die ganz persönlichen Interpretationen von deren ‘Meinungen’; das nennt sich dann ‘Argumentation’.

Dass dabei wenig Brauchbares herumkommt, wo sich nicht der Zufall einer dennoch vernünftigen Diskussion ereignet, kann nicht überraschen. Man merkt den ‘Diskussionen’ an, dass Demokratie eigentlich nirgends stattfindet. Um entscheiden zu können und die Prozesse zu verstehen, wie das sinnvoll vonstatten gehen kann – auch die dazugehörigen Diskussionen, muss man entscheiden dürfen. Das kann nicht funktionieren, wo noch im kleinsten Dorf Eigentümer und Stellvertreter herrschen, die mit ihrer kleinen Macht das Leben der Anderen bestimmen.

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