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2017


 
sz

Die Würfel sind gefallen. Das Ergebnis der Bundestagswahl 2017 wurde in den Prognosen nur sehr vage getroffen. Deutlicher als vermutet wurden die beiden extremen Parteien FDP und AfD ins Parlament gewählt. Die 40% für die CDU hatten die meisten Institute ebenso wenig kommen sehen wie das Abschneiden der SPD. Die sechs Prozent der Grünen lagen derweil ebenso im Schmitt der Vorhersagen wie die acht Prozent für “die Linke”. Fast zwei Prozent für die sehr gute Partei “Die Partei” haben die Demoskopen überrascht.

Vor allem aber das wieder einmal historische schlechte Ergebnis der SPD hatte so niemand kommen sehen oder sehen wollen. Martin Schulz, bei seiner Nominierung noch als Lichtgestalt und Hoffnungsträger in Szene gesetzt, entpuppt sich als völliger Versager. Knapp 19 Prozent, das ist selbst für die Sozialdemokratie deprimierend. Wieder einmal ist es Sigmar Gabriel hingegen gelungen, der Verantwortung für die Schlappe zu entgehen. Es scheint, als sei der ehemalige Vorsitzende einer der wenigen, der seine Partei kennt und ungeschminkt betrachtet. Mehr ist nicht drin, dafür muss er ja nicht seinen Ruf ruinieren.

Verlierer gesucht

Anstatt sich irgendwann einmal mit ihrer eigentlichen Existenz als Ganzes zu befassen – ihrer Rolle im Parteienspektrum, ihren Konzepten, denen, die sie nicht hat, ihrer Vergangenheit, den architektonischen Fehlern in ihrem Fundament, geht sie ernsthaft in die nächste Personaldebatte und sucht jemanden, der oder die “Kurs hält in schweren Zeiten” (M. Schulz in seiner Abschiedsrede). Dabei ist gerade das ganz einfach. Auf dem Riff ändert der Kutter ohnehin nicht die Richtung.

Ganz hoch gehandelt werden Thomas Oppermann und Andrea Nahles. Letztere ist die klare Favoritin, denn sie ist weiblich, was ihr doppelt nützt: Eine Frau ist einfach an der Reihe, und in der Niederlage lassen die Herren ihr eher den Vortritt. Ihre politischen Einstellungen und ihre ‘Popularität’, die Tatsache, dass Nahles so attraktiv für die Wähler ist wie ihre Partei, tun dem keinen Abbruch. Es geht darum, Posten zu besetzen ohne Sinn und Ziel. Arbeitsessen-Münte sagte einmal über sie: “Die kann Partei.” Wir gratulieren dann schon einmal.

 
tq

Die Begriffe “Klickstricher” und “Awarenesshure” sind völlig aus der Mode gekommen; dafür spricht man heute über “Stars”, wie in “Instagram-” oder “Youtube-”. Als Anfang der 2000er eine relevante Kultur von Textblogs in deutscher Sprache entstanden war, galt es als unfein, sich an Leser heran zu wanzen, indem man statt Inhalten bloß Zeugs lieferte, das Aufmerksamkeit erregen sollte. Auch das Besprechen von ‘Produkten’, die man für solche Schleichwerbung geschenkt bekam, war anrüchig.

Der Wind weht längst aus der ganz anderen Richtung, was sich jenem Sog verdankt, in dem sich Kapital und Massen von Idioten zu einer großen Kloake vereinen. Wussten die zumeist irgendwie professionellen oder zumindest sachkundigen Benutzer früherer Zeiten noch, warum man von “virtuell” sprach, wenn Identität im Internet gemeint war, toben inzwischen Schwärme von Lemmingen durch den Äther, die in gebückter Haltung ihre Maschinen streicheln und ein “Pokemon” nicht mehr von einer Laterne unterscheiden können.

Helden in Strumpfmasken

Der “Standard” hat so ein Beispiel, warum man nichts. glauben. darf., Grundgesetz und Kernkompetenz der Netznutzung. Wir Alten wissen das noch. Schauen wir uns diesen widerlichen Aufschneider aka “Instagramstar” und seine halbgescheite Klientel einmal näher an:

Ein Krebsopfer also – zumindest eine der gröbsten Schablonen, mit der Arschlöcher zu Werke gehen, denen jedes Mittel recht ist, sich in den Mittelpunkt zu rempeln. Look! At! Me! Wo immer ich hier lese “Ich habe Krebs”, ist selbstverständlich mein erster Gedanke: “Nein, hast du nicht, du Wichser.” Man tut sich keinen Gefallen, wenn man sich im Internet auf Drama und große Gefühle einlässt. Das gehört nicht hierher.

Du willst es doch auch

Wer Krebs hat, braucht zwei Dinge ganz sicher nicht: Schmalziges ‘Mitleid’ oder Heldenverehrung – gemeinhin genau das, was diese Simulanten einheimsen. Allein schon “hat den Krebs besiegt“, dieser Bullshit aus dem Boulevard, sieht aus Sicht der Kranken und ihrer Angehörigen ganz anders aus und bedeutet meist: Hat die Chemo überlebt und bangt weiter. Krebs ist null rührend. Krebs ist scheiße, egal ob du damit lebst oder stirbst. Das Geschäft mit dieser Aufmerksamkeit ist etwas für Halsabschneider und Zuhälter.

Im vorliegenden Fall haben wir dann noch einen Poser, dem das nicht reicht und der den Helden spielt, indem er Bilder von Kriegsopfern klaut. So etwas wird also “Star” im Internet, obwohl seine ‘Werke’ so offensichtlich und leicht nachweisbar zusammengeklaut sind, dass jeder, ja wirklich jeder, der mit einem Minimum an Zweifel solchen Trash konsumiert, das erkennen müsste. Tun sie aber nicht. Der Schwarm schwärmt und träumt, und wenn dann der Wecker klingelt, werden sie patzig. Dabei ist das nicht einmal Betrug. Das ist Kundendienst, oder deutlicher gesagt: Dienst am Freier.

 

Wer’s braucht … Feynsinn ist ab sofort über https erreichbar.

Jetzt neu: Gar nich wahr. Funzt net. Siehe Kommentare.

 

Im Folgenden ein paar Fragen kritischer Journalisten und mögliche Antworten darauf. Testen Sie Ihr Kanzlerkönnen!

Sie haben die Führerin Deutschlands beleidigt. Wie wollen Sie Kanzler sein, wenn Sie selbst keinen Respekt vor der Majestät haben?

[ ] Ich habe größten Respekt vor der Führerin und distanziere mich von mir selbst, sollte ich Ihre oder sonst eine Autorität in Zweifel gezogen haben.

[ ] Wer ist die Alte? Die sieht voll scheiße aus.

[ ] Respekt muss man sich bei mir verdienen.

[ ] Vor der Majestät ist nach der Majestät.

Wenn Sie eines Tages vor Ihrem Schöpfergott, dem Erschaffer von Himmel und Erde, unserem Herrn, stehen, werden Sie dann genug gebetet und ihn geehrt und lobpreist haben?

[ ] Ich bete jeden Tag. Oft gehe ich in eine Kapelle oder zünde eine an. Eine Kerze. Für meinen verstorbenen äh … Freund … äh … Helmut äh Schmidt.

[ ] Amen. Halleluja! Lobet den Herrn!

[ ] Wen? Sind Sie von “Verstehen Sie Spaß”?

[ ] I am the Alpha and the Omega.

Werden Sie die durch brutale Schlepperbanden entführten und zur Islamisierung unseres schönen Vaterlandes hierher deportierten ausländischen Massen von ungebildeten Illegalen unbarmherzig ausweisen oder weiteren Zuzug aus diesem durch innerfamiliäre Heiraten beeinträchtigten Genpool zulassen?

[ ] Die europäischen Außengrenzen müssen besser geschützt, Schlepperbanden effektiver bekämpft und die Probleme der Menschen in deren Heimat gelöst werden. Lesen Sie auch mein Buch “Bla”. Lesen Sie es ganz. Lernen Sie es auswendig!

[ ] Wir müssen auch diese Menschen. Sie können wertvolle Mitglieder. Integration ist keine Sackgasse. Einbahnstraße. Holzweg. Lesen Sie mein Buch “Blub”. Zwei Mal!

[ ] Wegen mir kann hierher kommen, wer will. Ich bin eh bald weg.

[ ] Manche von denen sind doch ganz knackig. Vielleicht kann man Ihnen etwas beibringen. Kunststücke zum Beispiel. Oder Zahlen. Also richtige Zahlen, nicht diese arabischen.

Wie würden Sie reagieren, wenn Wladimir Putin gemeinsam mit Kim Jong Un in Japan einmarschierte? Sind Sie für den Schutz Deutschlands auch durch Atomwaffen oder sollen wir weiterhin Spielball ausländischer Mächte bleiben?

[ ] Die Sanktionen gegen die UdSSR müssen verschärft werden. Ich stehe voll und ganz zum transatlantischen Bündnis. Ich liebe Amerika.

[ ] Härte zeigen. Anders lernen die es nicht. Wer nicht hören will, muss fühlen. Hat mir auch nicht geschadet.

[ ] Der Russe ist nicht unser Feind. Das ist das raffende Finanzkapital. Der Wucherer. Aber so etwas darf man ja heute nicht mehr sagen.

[ ] Wir können nicht alle Probleme der Welt lösen. Wenn der Japaner wirklich überfallen wird, wird er auch wissen, warum.

Stellen Sie sich vor, Sie wären auf einem Kreuzzug, Kurz vor Jerusalem fällt Ihnen auf, dass Sie ihre Bibel vergessen haben. Was tun Sie?

[ ] Ich kehre um und hole die Heilige Schrift.

[ ] Ich vergesse niemals meine Bibel.

[ ] Ich marschiere direkt bis nach Moskau durch.

[ ] Ich lese stattdessen aus dem “Focus” vor.

Unter den wichtigsten politischen Zielen sind Bündnistreue, Wirtschaftswachstum, innere Sicherheit und Arbeitsplätzearbeitsplätzearbeitsplätze. Wo liegen Ihre Prioritäten?

[ ] Jawoll!

[ ] Aufstandsbekämpfung. Der Linksterrorismus breitet sich mit rasender Geschwindigkeit aus.

[ ] Außenpolitisch, ganz klar. Kann gar nicht außen genug sein.

[ ] Noch im Bett, Sahneschnittchen. Hat mir mein Chauffeur empfohlen, der kennt sich hier aus.

Sie haben klare Kante gezeigt. Sie sind bereit und regierungsfähig. Wer bei Ihnen arbeitet, darf auch essen, Ein Statement zum Schluss, bitte!

[ ] Ich muss mal.

[ ] Ich hab hunger.

[ ] Sind wir bald da?

[ ] Deine Mudda is ne Hure.

Auswertung:

Sie haben bis hier unten gelesen; Respekt! Womöglich sogar Fragen beantwortet? Meine Fresse! Gar ausgedruckt und angekreuzt? Fuckin’ Hell! Sie sind bereit zu wählen. Völlig egal wen, aber das können Sie nicht wissen. Ist aber genau so egal. Tun Sie’s! Dann dürfen Sie überall mitreden. Fast überall.

 
Parusie vs. Parodie

oguttwappEr war Maximaß Popcorntüte, erstklassiger Fassadenglamour, ein gleißendes Strassjuwel am Wühltisch des politischen Modeschmucks“, rief ich ihm einst nach und: “Hätte der Mann ein bisschen mehr drauf als wirre Reden und sein Talent für virtuoses Fettnäpchen-Twister, würde er vielleicht eine Abwrackprämie für Staatssekretäre und sonstige Ministerialbürokraten einrichten“. Jetzt droht er ernsthaft mit Rückkehr und startet mit einem mächtigen Salto ins – Fettnäpfchen.

Gutti ist wieder da, hält eine Rede, vor einem Pult, damit man ihn nicht verdächtige, er halte eine “abgeschriebene Rede” und macht als nächstes einen geklauten Sprachwitz. So kennen wir ihn. Voller Demut vor seiner Größe. Während die Einen dazu trommeln: “Diesen prominenten Politikern gelang ein Comeback” (warum nicht “diese Versager sind mehrfach gescheitert”?), findet Sebastian Beck in der SZ deutliche Worte; man kann gar nicht genug davon zitieren. Hier nur so viel:

Das Problem bei Guttenberg ist nur, dass man bei ihm nicht weiß, ob seine leuchtende Aura nun ein Heiligenschein ist oder radioaktive Fluoreszenz. [...] Es wäre ihm aber zu wünschen, dass er einfach mal ein paar Jahre lang als Normalo in einem Kabinett seinen Job macht und nicht wieder auf die eigene Inszenierung reinfällt. Das wäre eine brutal harte Prüfung für KT.” In Bayern stehen sie aber eher auf Drecksäcke. Ihr erinnert euch?

Der gute Boss

In demselben Medium wird – ein Glück – Edzard Reuter (SPD, Ex-Daimler-Chef) hinter der finalen Bezahlschranke versteckt, wo er “mehr Steuergerechtigkeit” fordert “und erklärt, warum moralisches Handeln der oberste Maßstab sein muss.“. Ein Soze halt. Die kannst du auch ganz vorn fürs Kapital einspannen und sie erzählen dir immer noch was von Moral und ‘Gerechtigkeit’. Es gibt kein System. Nur gute und böse Bosse. Wir müssten nur die guten ans Ruder® bringen [und gelegentlich ein paar Hundert Aufständische erschießen. Säzzer].

Die Russen sind da

Während die Einen noch den zäh an ihnen saugenden Sumpf durchwaten, um nach so etwas wie Wahrheit zu suchen, haben die Anderen sie gepachtet und machen fröhlich Franchise damit. Der Russenhass beim SpOn bleibt auf einem Niveau, das im Kalten Krieg als übertrieben wahrgenommen worden wäre.

Unter “Was plant Moskau?” delirieren sie sich zusammen, wie der Russe unsere Bundestagswahl manipuliert. Ein Lehrstück an Schmierenjournalismus, in dem jede noch so paranoide Wahnidee in Stellung gebracht wird. Der Stil könnte verräterischer nicht sein, findet sich doch kaum ein Satz im Indikativ. Alles hätte, wäre, könnte, womöglich. Oder auch nicht, ihr Bettpfosten. Money Quote:

Kommt der perfekt terminierter Angriff mit Bundestagsdaten?
Nein, aber der Praktikant mit dem Grammatik-Duden.
Wer jetzt meint, die SZ sei besser, hahaha! Die lassen sich vom Spiegel verseuchen und Mascolo auftreten, im Bunde mit Recherchelegende [Sauerstoffzelt! Defi! Einen Priester! Säzzer] Leyendecker. “Wo bleiben die Russen?” fragen sie, und Fefe antwortet:

Es gibt da eine legendäre Episode von Ernie und Bert in der Sesamstraße. Ernie hat eine Banane im Ohr. Bert will wissen, wieso. Ernie meint, das schreckt Krokodile ab. Bert so: Hier gibt es gar keine Krokodile. Ernie so: Siehste? Funktioniert!1!!
Keine weiteren Fragen, Euer Ehren!

 
pr

Es ist schwierig, noch irgend einen Begriff zu finden, auf den sich das Rechtsverständnis der Regierenden und ihrer Fraktionen bringen lässt. Es ist völlig inkonsistent; einfacher gesagt: Es herrscht Willkür. Genau deren Gegenteil aber sollten eine Gesetzgebung und ihre Rechtspraxis eigentlich sein. Allein unter den aktuellen Beispielen muss man schon eine Auswahl treffen, damit einem von der ganzen Kopfschüttelei nicht die Halswirbelsäule ruiniert wird.

Ausgerechnet de Maizière, der sich anmaßt, mithilfe unwürdiger Konstrukte politische Justiz zu üben, glaubt, das sei auch noch ein Vorbild. “Terroristen” – womit er die Opfer der NATO-Politik meint – will er “bekämpfen”, und zwar Arm in Arm mit der Türkei und ihrem faschistischen Dreivierteldiktator. Damit nicht genug, nein, ernsthaft dies hier:

Allerdings achten wir im Verhältnis zur Türkei sehr genau auf die Einhaltung unserer Vorstellung von Rechtsstaatlichkeit”. Das sei allerdings zu fürchten, möchte man meinen, aber wo ist der Unterschied? Diese Rechtsstaatlichkeit kann Erdogan schon lange. Dazu braucht er keinen Experten aus dem Sachsensumpf, der nichts dabei findet, politische Meinungen mit Taschenspielertricks zu verbieten.

Aber mit Ihnen werden wir fertig!

So eine vielschichtige Rechtsbeugung will breit angelegt sein. Was nicht passt, wird passend gemacht. Fast drei Jahre Haft gibt es derweil, weil jemand – angeblich – zwei Flaschen auf Polizisten geworfen haben soll. Oder war es doch nur die terroristische Embryonalhaltung, in der der Linksverbrecher sich hat abtransportieren lassen? Wie dem auch sei, Barnabas Schill und der andere Kollege lassen grüßen: Mit solchen Lumpen werden wir hier fertig.

Ins andere Auge lässt die Majestät sich aber zweifelsfrei auch nicht pieksen. Eine 88-Jährige Schwachmatin wird für ihre wiederholt geäußerte Blödheit, ein Holocaust habe nicht stattgefunden, ebenfalls eingeknastet. Wenn brutale Drecksnazis Ausländer klatschen oder sie gleich über den Haufen schießen, werden sie dafür noch bezahlt, aber wer einfach nicht spuren will, kriegt hier die volle Härte®.

So sehen sie aus, die korrupten Systeme, wenn sie nur noch reaktionär werden. Sie zersetzen die Substanz, auf der ihre Macht beruht. Was bleibt, ist ein Machtapparat und der Wille, damit zu tun, was die Selbstgerechtigkeit für opportun hält. Es ist eine Frage der Zeit, bis dann ein paar kommen, die sie Lügen strafen. “Die ganze Härte” ist das nämlich noch lange nicht, und die Gleichheit vor dem Gesetz interessiert euch doch heute schon einen Scheiß.

 
fe

Es ist ein Fehler, sich nicht für Banalitäten zu interessieren. Man muss ja nicht vor dem TV verblöden, aber so in etwa zu wissen, womit die Zeitgenossen ihre Freizeit verbringen, schadet nicht. Es kann im Einzelfall sogar unterhaltsam sein. Obwohl ich bei einigen Gelegenheiten schon die Erfahrung machen durfte, dass allein die Erwähnung des Wortes “Fußball” den tolerantesten meiner Leser ein Schaumkrönchen auf die Lippen zaubert, ist es wieder einmal an der Zeit, darüber zu sprechen.

Im Profifußball werden zwischen den ‘Vereinen’ (oft Aktiengesellschaften) und den ‘Spielern’ Zeitverträge geschlossen. Will der Spieler vor Ablauf der vereinbarten Laufzeit den Verein wechseln, so ist das meist möglich, es wird allerdings eine Ablösezahlung fällig, die in der Regel der neue Verein zahlt. Was sich jüngst in diesem Geschäft zugetragen hat, illustriert aufs Gröbste, in welchem Stadium sich der weltweite Kapitalismus befindet und was sozialdemokratische Konzepte dazu beitragen.

Kauf mir das

Immer mehr Clubs gehören Milliardären oder werden von solchen finanziert. Die Herren der Welt haben ein bekanntes Problem: sinkende Profitraten oder einfacher: Sie wissen nicht, wohin mit ihrem Geld (Ich weise dabei noch einmal auf den lehrreichen Vortrag von Heinz-Josef Bontrup hin). Überall, wo sie es noch irgendwie glauben vermehren zu können, eimern sie es daher hinein. Umso besser, wenn sie dabei noch als Clubchefs auftreten können. Das lässt sie noch wichtiger® erscheinen.

Jüngst wurde ein Spieler namens Neymar vom FC Barcelona zu einem Club transferiert, der durch Scheich Nasser al-Khelaifi mit katarischen Ölmillionen gefüttert wird. Diesem gefiel es, eine Ablöse von 222 Millionen Euro für den Fußballer zu zahlen. Dieses Geld flutet also das Geschäft, und in der Folge landeten davon bis zu 147 Millionen bei Borussia Dortmund, die zufällig letztes Jahr einen jungen Spieler namens Dembélé unter Vertrag genommen hatten, den wiederum Barcelona gekauft hat. So weit, so hässlich, that’s Capitalism.

Man müsste nur regulieren

Man könnte jetzt fragen, wo da der Sport bleibe, aber das ist albern – es sei denn, man wäre Sozialdemokrat. Die hegen, wie wir wissen, den Kapitalismus ein und retten damit auch den Sport. Sie tun das, indem sie Regeln aufstellen und auf deren Einhaltung achten [Lacher vom Band]. Im Sport sind es die Verbände (IOC, FIFA, UEFA), die hier für Fairness sorgen [der Säzzer ist gerade vor lachen in Ohnmacht gefallen]. So sind Ablösezahlungen nur bis zu einer bestimmten Höhe erlaubt, abhängig vom Gesamtumsatz des Clubs. Nun, in unserem Fall hat Herr Neymar daher seine eigene Ablöse selbst gezahlt und bekommt von Katar ganz zufällig einen Vertrag als Fußball-Botschafter in ähnlicher Höhe.

Wir sehen also, dass nicht nur ein System wie der Sport oder sein Subsystem Fußball durch Geld völlig umgedreht und zu einer Konkurrenz von Ausbeutern und deren Erben wird, die letztlich darüber entscheiden, wer oben schwimmt und wer untergeht. Wir sehen ebenso, dass alle Versuche, einen Geldtsunami einzudämmen, wirkungslos bleiben und das Einzige, das die Selbsternannten Wächter von Sitte und Anstand zuwege bringen, Korruption ist. Korruption, die anfangs ehrliche Menschen am Ende entweder ausspuckt oder auf ‘links’ dreht. Deshalb nennt man diese, wo sie in Amt und Mandat sind, auch noch immer “Linke”.

 

Linksextreme kennen Leute, die Leute kennen, die Dinge besitzen, die man als Waffen verwenden kann. Das macht sie so gefährlich.

 
wa

Meine Haltung hier gerät gern mal zwischen die Stühle; ein Platz, an dem ich mich sehr wohl fühle. Im puncto Staat, Recht und Gesellschaft wird es zunehmend schwer, durch gewisse Filterblasen zu dringen. Ich versuche daher noch einmal eine Art Standortbestimmung: Ich lehne diesen Staat ab – weil ich alle Staaten ablehne. Ich werde unter seine Gesetze gezwungen und bin nicht der Ansicht, man hätte hier als Bürger auch nur annähernd einen Einfluss auf diese Gesetze. Obendrein stellen diese das (Privat)Eigentum über essenzielle Interessen der Menschen.

Ich kann mir eine bessere Gesellschaft sehr konkret vorstellen und versuche einiges zu tun, um sie irgendwann erreichbar zu machen. Es gibt andererseits schlimmere Verhältnisse, was ich nicht zuletzt daher weiß, dass sie sich zunehmend verschlechtern und in vielen Staaten, die unserem gar nicht unähnlich sind, auf offenen Faschismus zutreiben. Siehe Türkei, siehe Ungarn, Polen und tendenziell auch Frankreich und die USA.

Zurück zum Katechismus

Was daraus folgt, ist zunächst einmal, dass ich keineswegs, wie hier direkt rechts von mir gern behauptet wird, kompromisslos “revolutionär” wäre und gegen jede Art von Reform oder Diskussion. Im Gegenteil. Ein paar Jahre zurückblickend (yo, das sind im Blog schon mehr als zehn), komme ich aus der sozialistisch-demokratischen Ecke, aus der ich auf die (neoliberalen) Gewalttäter geschimpft habe, die fröhlich Löcher in die Bürgerrechte geschossen und die Menschen zunehmend versklavt haben – weil ihnen selbst die im Grundgesetz verbrieften Rechte de facto genommen werden.

Es ist nur konsequent, zumal wenn man diskutiert und zuhört, daraus noch ganz andere Schlüsse zu ziehen: U.a. den, dass die Bürgerliche Gesellschaft eine Fehlkonstruktion ist, die nicht zufällig immer wieder in Faschismus mündet. Das beginnt damit, dass sie “Freiheitsrechte postuliert, die sie aufgrund ihrer Eigentumsverhältnisse gar nicht einlösen kann” (Raul Zelik) und endet eben damit, dass sie in den unvermeidlichen Krisen des Kapitalismus die Menschenrechte opfert, weil sie im Kampf um Profite zu teuer werden.

Was dabei passiert, ist eine Art religiöser Rollback: Eine der herausragenden Leistungen des Bürgerlichen Rechtsstaats ist die universelle und unterschiedslose Gültigkeit des Rechts für jedermann – selbst wenn das nur ein Versprechen ist. Darin treffen sich zwei Momente, die mir ollem Anarchisten sehr am Herzen liegen: Vor dem Gesetz gibt es keine Herren und keine Sklaven, und religiöse Moralregeln sind damit definitiv abgeschafft. Diese Errungenschaften werden wieder kassiert, wenn die Prinzipien, auf denen dieses Recht beruht, aufgeweicht werden.

Gott hasst dich

Religiöse Gerichtsbarkeit macht Recht und Unrecht von einem Bezug auf etwas Göttliches abhängig. Was gottgefällig ist oder nicht, kann nach Belieben von den Hütern der Moral bestimmt werden, und obendrein gibt es Unterschiede in der Behandlung der Menschen, über die geurteilt wird – weil der Mensch in seinem Wert, seiner Stellung vor dem Göttlichen, als ganzer beurteilt wird. Das Bürgerliche Recht beendet dieses Spiel endgültig, indem einzig die Tat beurteilt wird und nicht mehr der Mensch. Einschränkend muss man hier nur sagen, dass der Begriff “Schuld” noch religiöse Anteile hat. Da müsste man noch korrigieren.

Bürgerliches Recht ist radikal säkular, weltlich, aufgeklärt. Egal wer du bist, es wird hier nur beurteilt, was du getan hast. Von diesem Prinzip gibt es keinerlei Abweichung. Es gibt keine Ketzer, keine Heiligen und keinen Gott. Vor allem aber: Es gibt das Böse nicht. Jede Religion hat eine Projektion des Bösen, das mit allen Mitteln bekämpft werden muss, das keine Rechte hat und vernichtet werden soll. Nicht so der Rechtsstaat. Religionen unterscheiden in ‘wir’ und ‘sie’. ‘Sie’ sind minderwertig, rechtlos und dürfen ggf. sogar ausgelöscht werden. Solche Unterscheidungen und Ausnahmen sind im Bürgerlichen Recht getilgt.

Es sind diese Unterscheidungen und Ausnahmen vom Recht, die Herren und Sklaven ausmachen, die den Rechtsstaat und seine Prinzipien zerstören und Terrorherrschaft begründen. Willkür und Mystizismus brechen überall da durch, wo die Universalität des Rechts endet. Wo dieses Tor einmal offen steht, werden sie einziehen. Auch das ist ein Grund, warum in einem Rechtsstaat auch Nazis und sonstiges Gesocks vor Zensur und Gewalt bewahrt werden müssen. Ich halte daher u.a. das Gesetz gegen ‘Holocaustleugnung’ auch für schädlich und dumm. Von Zensurmaßnahmen auf Youtube und Facebook und ‘Ausnahmezuständen’ ganz zu schweigen.

 
iu

Beim vernünftigsten Exnachrichtenmagazin der Welt haben Sie die besten Ideen. Wie wir wissen, wird alles immer schlimmer, und dagegen helfen nur härtere Strafen®. Nun ist das so eine Sache mit dem Strafrecht: Da hat es diese lästige Unschuldsvermutung, da gibt es nicht nur Strafen, sondern auch ‘Rechte’ (muss man sich mal vorstellen!) und überhaupt ist das alles so zäh, mit Gerichtsverfahren und dergleichen. Für kurzen Prozess völlig ungeeignet.

Da unsere Hartstrafer vom SpOn aber nicht schlappmachen, bloß weil ihnen der Rechtsstaat mit einer Blutgrätsche die kurzen Beine wegdrischt, haben sie Ideen: Sanktionen statt Strafen! Nach deren Verständnis von Recht und Ordnung (eigentlich ein Wort: “Rechtundordnunk”) kann der Staat nämlich auch ohne diesen ganzen Firlefanz mit aller Härte des Gesetzes® zuschlagen.

Durchgreifen!

Eltern haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kitaplatz für ihr Kind. Diesen könnte man an den Nachweis von Impfungen koppeln.
Sinnvoll! “Gesetzliche Ansprüche”, die Älteren unter meinen Lesern kennen dies noch unter dem missverständlichen Begriff “Rechte”, werden nicht nur überbewertet; sie sind gemeinhin schädlich, überflüssig und wehrkraftzersetzend. Was das auf einen Kitaplatz anbetrifft, so ist es nur recht, wenn die Aluhutspacken ihre genetisch versaute Brut nicht zum Realitätsabgleich vor die Tür schicken. Das soll mal schön zu Hause die Paranoia pflegen.

Das hilft noch nicht? Warte, dann eben so: “Wer aber diesen Beitrag nicht leisten will, sollte nicht noch vom Steuerzahler in Form von Kindergeldzahlungen belohnt werden.” Wir erinnern uns: Strafe muss sein, muss aber nicht gleich Strafrecht sein, weil siehe oben. Kriegen die halt kein Kindergeld mehr, die Impfgegner-Kinder! Wir investieren doch nicht in tickende Zeitomben!

Als Ausgleich geben wir ihnen kostenlose Lebensmittel (so kann man wenigstens die Schluckimpfung besorgen) und Kleidung (z.B. T-Shirts mit dem Aufdruck “Achtung, Krankheiteserreger!”). Mutiger Journalismus kapituliert halt nicht vor den Tücken einer wuchernden Anspruchshaltung, die einem als “Rechtsstaat” daherkommt. Schließlich haben wir das Hartzer-Pack auch im Griff. Marktkonforme Demokratie bedeutet, dass man sich seine ‘Rechte’ verdienen muss. Wer sich das nicht leisten kann, muss spuren. Das können die Lütten gar nicht früh genug lernen.

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