2016
Yearly Archive
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kunstlyriklamauk[11] Comments 19. Apr 2016 17:08

Aus gutem Grund zitiere ich nicht einmal den Namen des gehetzten Druckwerks, dessen Webauftritt ich noch viel weniger verlinkte. Ich kann es leider aber nicht vermeiden, dass mir dessen Großbuchstaben aus der Auslage entgegenspringen, um auf dem kurzen Weg durch den Sehnerv Anschläge auf meinen Schädelschwamm zu verüben. Heute las der Ärmste daher etwas von „unseren Stränden“, die von „Terror“ bedroht seien.
Eine durchsichtige Übung mit dem Ziel, gewisses Volk in Alarmstimmung zu halten. Ich weiß bis heute nicht, was man mitbringen muss, um dergleichen freiwillig zu konsumieren und noch weniger, was es braucht, dafür Kleingeld rauszurücken. Zu meiner Zeit habe ich die aufs Nötigste reduzierte Erfahrung mit echten Arbeitern in deren Habitat gemacht, die mich mit all ihrer Existenz befremdeten. Fette alte Kerle mit schlechten Zähnen, die mir anvertrauten, was sie mit der jungen Frau auf Seite drei so alles täten. Ich kann mich in diesen Geisteszustand nicht versetzen.
Sie sind überall!
Aus der Vogelperspektive, nur einen sprichwörtlichen Augenblick wagend, stelle ich mir hingegen Fragen. „Unsere Strände“; das wird wohl Mallorca sein, aber auch der Lido, Rimini, Kreta, West-Sinai, Long Beach und Key West. Längst ist es eine Binsenweisheit, dass die Krauts als Crowds zurückkamen, das MG gegen die Goldkarte getauscht haben und die Panzer gegen Billigflieger und Bumsbomber. Wir verteidigen unsere Freiheit überall, wo Sand auf Salzwasser trifft, mit Handtüchern, weißen Socken und schlechten Manieren. Das mit dem Hindukusch war nur ein kleiner Exkurs mit anderen Mitteln.
Jetzt sind also unsere vom Mund abgesparten und bereits von unserem Geld bezahlten® Teilzeitkolonien bedroht, und zwar – so nehme ich stark an – von ischlamischtische Terrorischte. Nirgends ist man mehr sicher vor denen, nicht einmal in ihrer Heimat! Sie haben doch schon in New York, Paris und Brüssel nach getaner Untat ihre Personalausweise auf die Asche gelegt und ihre Laptops akkurat am dem Tatort jeweils nächstgelegenen amtlichen Mülleimer abgelegt. Das hat doch längst gereicht, um die angestrebte Schreckenswirkung zu erzielen (Hysterie, Überwachung, Talkshows).
Immerhin sind wir jetzt gewarnt. Dank knallharter Recherche weiß der Leser seit heute: Er ist nicht paranoid, er wird verfolgt. Wohin er auch flüchtet, der Flüchtling ist schon da und gleich hinter ihm sein Bruder, der Bombenleger. Seien Sie also auf der Hut vor dem Personal, halten Sie Ausschau nach vagabundierenden Ausweispapieren und Laptops auf Papierkörben. An weiteren Anweisungen arbeiten bereits fieberhaft ihre Koksexperten von der Red.®.

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kunstlyriklamauk ,
politik[16] Comments 17. Apr 2016 19:48

Hiermit erkläre ich die drölften Touretteweltmeisterschaften für eröffnet. Ist es nicht herrlich, wie es jetzt aus allen hervorbricht wie Galle auf dem Weg ans Licht? Frau Pandora hat ihre Dose für die Ferien dem Böhmermann geliehen, wie es scheint. Kaum scheißt der auf den Respekt vor dem Sultan, suhlen sich die Schweine aller Höfe wonnig darin. Hoho, “Drecksau” traut sich der Lucke was und zeigt’s dem Kerl, der die Wellen schlug, aus denen dieses Würstchen einen Zipfel herausragen lassen möchte. Nicht mal dazu aber reicht es. Kindergarten.
Nein, das kann er auch nicht, der Querflötist des Stabsmusikkorps der Bundeswehr. Das klingt irrsinnig schwul, aber schwul kann er auch nicht, dazu bräuchte es nämlich einen Schwanz. “Lucke!” Das ist die Beleidigung, die ich mir wirklich nicht gefallen ließe. Bei mir geht eine Menge, nix gegen “Tucke” oder “Mothafucke”, aber sage nicht “Lucke” zu mir, sonst gibt’s was auf den Hassmagneten, den deine Fresse zu nennen eine brutale Beschönigung wäre. Lucke, das ist die Maßeinheit für kniefällige Frömmigkeit in der Kirche der Kapitalisten der letzten Tage, ein Indikator für neoliberale Verrohung, die Vehemenz, mit der die letzten tröstlichen Bemühungen um Menschlichkeit zu Pulver vermarktet werden.
Impressive! Excelent! Headshot!
Dieses Lucke bittet also um Aufmerksamkeit, indem es sich aufplustert und Worte in den Wind piepst, die es für stark und männlich hält. Sind sie aber nicht, per se nicht, und wären sie es, bei ihm erschienen sie dennoch verbraucht, schwächlich und sowieso gelogen. Wie kommen wir jetzt nur hierher? Nun, irgendwer muss doch den Deckel auf die blöde Büchse kriegen, und da bietet es sich an, wenn es jemand versucht, dem auch die verfickteste Hurenscheiße so vertraut ist, dass er sich nicht beeindrucken lässt von Hutzelmännchen und Geifergnomen, die einen neuen Modus gefunden haben: Jetzt noch lauter und noch schriller nichts sagen. Sie wollen damit nur von allem ablenken, das auch nur den Hauch der Relevanz schnuppert.
Welche Blase wird gerade mit fauliger Luft betankt, um bald zu platzen und die nächste ‘Krise’ auszulösen? Wo fahren gerade die Flugzeugträger auf? Was hecken die Faschisten aus, um die Opfer des Krieges noch mehr zu peinigen? Welche Parolen werden wir als nächste hören, um auf die nächste Minderheit loszugehen? Das wüsste ich gern mal, ihr Lucken! Eines erfahre ich immerhin, womit wir wieder die wirklich wahre Welt betreten: Unser neuer Hurensohn aus der Region heißt al Sisi. Herr Gabriel, den ich nicht virtuell beleidigen kann, weil ich es ernst meinen müsste, nennt ihn einen “beeindruckenden Präsidenten“. Zahlende Staatsgäste dürfen bei Sisi sogar Jehova“Menschenrechte” sagen, ohne dass es ihnen ergeht wie den Einheimischen. Er hat nicht einmal geklagt. Beeindruckend!

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geostrategie ,
sozialzeugs[27] Comments 14. Apr 2016 12:35

Der Kollege Jochen Hoff hat mich heute auf den oben verlinkten Vortrag aufmerksam gemacht. Dabei fällt mir einiges auf, was unsere großartige Westliche Wertegemeinschaft® so veranstaltet. Die kann man ohnehin inzwischen auch gleich “NATO” nennen, aber dazu unten mehr.
Was mir zuerst auffällt: Es ist ja nicht nur so, dass wir uns nicht integrieren, will heißen: Hier fühlt sich kaum wer bemüßigt, sich mit Menschen und Eigenheiten zu befassen, die er auch nur ansatzweise als fremd auffasst. Das ist nichts Neues. Schon das evangelische Dorf hätte am liebsten einen tiefen Graben um das katholische Nachbarweiler gezogen, und diese Muslime, die sind eh alle so. “Wie?” fragt ihr? Na eben so, wie sie sagen. Wer das wo sagt? Was weiß ich, die sind pervers, kriminell und gefährlich – vor allem aber anders, eben die®, kapiert? Die® sind so.
Kill the Poor
Wie unterschiedlich nicht nur Menschen aus mehrheitlich muslimischen Ländern sind, sondern der Islam als solcher, das illustriert lehrreich der Vortrag. Ich kann zwar diesem Hipsterstyle (Bart, Brille, Dutt, Schlabberlook) genau so wenig abgewinnen wie jeder anderen modischen Uniform, aber es geht ja auch um die Worte. Die sind allemal höchst interessant und einmal eine gelehrte Meinung eines Muslims in deutscher Sprache. Wieso wird das eigentlich nicht mit mindestens Millionen gefördert, dass der Christenmensch etwas über den Moslemmenschen erfährt, sowie beide über den Religionsfreien und umgekehrt?
Was Salim Spohr dort ausführt (und was ich hier bereits eingeordnet hatte), zeigt warum: Das christliche NATOland ist am Gegenteil interessiert. Das religiöse wie strategische Wirken Saudi-Arabiens ist auf endlosen Krieg unter besonderer Berücksichtigung einträglicher Geschäfte ausgerichtet. Es sind die Sauds und die al-Wahhabs, ohne die es nicht einmal Spuren von “islamistischem Terror” gäbe. Ausgerechnet dieses düstere Konglomerat hält die NATO aber seit Jahrzehnten im Sattel. Zufall? (An dieser Stelle bitte Lacher vom Band einspielen.)
Ich halte noch immer nichts von Religion, aber ich bin sehr für kultivierte Auseinandersetzung. Anstatt aber dafür zu sorgen – wofür angesichts der Millionen Zuzüge aktuell einige Milliarden Euronen sehr gut investiert wären – zahlen wir die lieber für das Öl, das wir aufs Feuer gießen. Ist ja auch ganz einfach: Würde der im NATOland Ausgebeutete über den anderswo Ausgebeuteten erfahren, das der ein ganz normaler Mensch ist und von denselben Verbrechern gepeinigt wird, es wäre gar nicht auszudenken! Am Ende wollen die alle noch mitbestimmen und unsere schöne parlamentarische VolkskontrolleDemokratie zerstören!

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best of ,
kunstlyriklamauk[38] Comments 12. Apr 2016 15:41

Beginnen wir mit Letzterer: Die Preußen haben die Zensur eingeführt – weil sie’s konnten. Zensur ist angewandte Macht, egal ob in ihrer definierten Form oder einer anderen. Es ist Unsinn, sich dann über ein vermeintlich falsch gedeutetes Recht zu beschweren. Die Macht ist das Problem, nicht die Zensur.
Hetze ist und war schon immer erlaubt – wenn sie der Macht gefiel. Beispiel:
“Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.”
Das ist bereits die Hetze. Daran kann man jetzt anknüpfen, was das Gen so aus diesen Juden macht. Im vorliegenden Fall meinte der Experte, es mache sie klüger und:
“So spielen bei Migranten aus dem Nahen Osten auch genetische Belastungen, bedingt durch die dort übliche Heirat zwischen Verwandten, eine erhebliche Rolle und sorgen für den überdurchschnittlich hohen Anteil an angeborenem Schwachsinn und anderen Erbkrankheiten.”
Steht da “inzüchtige Ziegenficker”? Nein, denn das wäre Schmähkritik, die meidet ein moderner Sozialdemokrat. Alles im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.
Horntierliebhaber
Beleidigung ist einfach und wird, wenn, dann meist einfach geahndet, mit einer Geldstrafe. Beispiel: “Herr flatter ist ein Arschloch” kostet etwa 1000 Euro. Meist wird sie aber gar nicht geahndet, weil niemand, der bei Trost ist, dafür zum Gericht rennt. Die härteste Konsequenz für den Beleidiger ist die öffentliche Dokumentation. Wenn ich also sage: “Frau Merkel ist eine Pfotze”, wessen Würde ist dann wohl getroffen (neben der der Orthographie)? Im Grunde handelt es sich immer um ein Machtspiel. Ich habe Anwalt, du zahlst! Der Grundgedanke der gesetzlichen Regelung geht dabei aber vom Gegenteil aus: Niemand hat das Recht, andere (fortgesetzt) zu schmähen, nur weil er die Macht dazu hat.
Ein Chef oder ‘Arbeitgeber’, der seine Untergebenen mit Tiernamen begrüßt oder der Bully, der täglich entscheidet, wer jeweils der dumme Pimmel ist, sind Erscheinungen, deren Wirkungsgrad eingedämmt werden soll. Vielleicht hilft da ein Gesetz, was aber eher hilft: Nehmt den Beleidigern die Macht, nicht das Wort. Sie werden nämlich immer Möglichkeiten finden, andere auch im Rahmen der Regel zu piesacken. Erfolgreich bestrafen kann man daher nur die Dummen unter ihnen, und denen sollte man auch anders beikommen.
Am Ende der Nahrungskette stehen immer die Majestäten, die zu ‘beleidigen’ eine schwere Straftat ist. Jeder kann wissen, dass etwa Herr Gauck ein charakterloses Arschloch ist – wer ihn aber so nennt, hat die beiden Probleme, die im Recht und der Formulierung liegen. Er kann dafür jahrelang einfahren und hat sich obendrein zum Spaten gemacht, denn diese wie jede andere Beleidigung ist sachlich falsch, zeugt von einem Mangel an Phantasie und Kultur und verschafft der Ehre des Schmähers erheblichen Lackschaden.
Primaten der Politik
Es sind Relikte aus einer Zeit, als sich die Besserverdienenden noch gegenseitig füsilieren mussten, wenn die Gefahr einer fehlerhaft tolerierten Bemerkung bestand. Wer einen anderen ohne Konsequenz beleidigte, galt damit als der höhere Affe, was der vermeintlich niedere eben durch primitive Gewalt korrigieren musste. Das hieß dann “Ehre”. Anstatt diesen dummen Zirkus seiner Lächerlichkeit preiszugeben, wurde das äffische Getrommel “zivilisiert” und wird heute von Sekundanten in Roben ausgetragen. Das gefällt wie gesagt der Herrschaft, denn da die Äffchen das offenbar angemessen finden, stimmen sie grundsätzlich dem Verbieten von Worten zu.
Die einzige demokratische Verfahrensweise mit Schmähungen, Lügen, Hetze und Beleidigung ist die generelle Erlaubnis für Jedermann zu sagen, was ihm einfällt. Die soziale Kontrolle und die Erfahrung des Auditoriums mit sprachlichen Ausfällen ist das einzig tragfähige Korrektiv für ausgesprochenes Unrecht. Das Nähere regelt die Gegenrede. Majestäten vor dem Volk zu schützen, war hingegen schon immer ein durchsichtiges Spiel, egal auf welche Weise. Gebt ihnen also nicht noch mehr Macht, erkennt ihre Autorität einfach nicht an und lasst euch den Mund nicht verbieten. Wer allerdings offensiv über andere spricht, ohne zuvor die Wirkung und den Sinn seiner Worte abgewogen zu haben, ist eine dumme Sau. Was sagt das wiederum über unsere Präsidenten?

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netz ,
politik[31] Comments 11. Apr 2016 11:48

Ich habe heute diesen Bericht über den Twittertroll Anne Helm gelesen [via tuxprojekt] und mich ein wenig über Danischs Schlüsse bezüglich der “Linken” geärgert. Das Problem ist hier bereits ausreichend beschrieben, aber es geht über den völlig ausgehöhlten Begriff einer “Linken” hinaus. Dass sich inzwischen jede bizarre Neurose, aus der sich eine Ideologie schmieden lässt, wahlweise als “links” oder “alternativ” bezeichnet, macht kommunizieren schwierig. Nicht ganz zufällig brüllen sie sich daher auch lieber Schmähungen und Befehle zu auf ihrer Plattform der 140-Zeichen-Beschränkten.
Der Begriff “Politik” geht gleich mit unter, in trauter Eintracht zu Grabe getragen von Parlamentariern und Twittersprallos, die sich vor allem und teils nur noch dadurch auszeichnen, dass sie jeden Zusammenhang in Stücke hacken, um aus den Resten Parolen zu schmieden. Aufmerksamkeit und Effekt sind alles, was zählt. Es geht nicht um Inhalte, nie, denn das hieße, sich auf die Suche nach den richtigen Fragen und ersten Antworten zu machen, zu zweifeln, auch und gerade an sich selbst, und sich beharrlich an Problemen abzuarbeiten. Wie viel leichter, schneller, lauter und bunter ist es da doch, sich mit ein paar Rüpeln zusammen zu tun und über andere herzufallen, die einem nicht passen.
ACHTUNGALARMAUFPASSEN Wachstum!
Die ‘parlamentarische’ Arbeit beschränkt sich derweil längst auf die ewige Wiederholung der immer gleichen Phrasen aus der PR-Abteilung. Entscheidungen werden nicht diskutiert, sondern im Nachhinein verschlagwortet. Dieses dogmatische Verfahren ist bei den Vögeln des Zwitschermobs schon Selbstverständnis, weil eine Debatte ohne Nebensätze gar nicht führbar ist und daher auch nicht gewollt von denen, die dort krakeelen. Wie sich in den Zentren realer Macht (hier allerdings relevante) professionelle Zirkel gebildet haben, die den Außenkontakt nur mehr in Form von Verkündungen abwickeln, findet auf Twitter ein Nichts statt zwischen aggressiven Narzissten, das wirkt, als sei ganz großer Alarm.
Dieses ständig blinkende, heulende und donnernde Nichts ergänzt als Aufmerksamkeitsmagnet den routinierten Nihilismus der Parteipolitik. Passt schon, wenn deren Nachwuchs sich dort rekrutiert. Wer das ernst nimmt, glaubt auch, ein “Ich bring’ dich um, du Drecksau” irgendwo ins Netz gerotzt, sei eine “Morddrohung”. Ich weiß, es sind eher weniger, die solch infantiles Getöse nicht ernst nehmen. Das ändert nichts daran, dass die Plärrer weitgehend unter sich bleiben. Ein Beleg dafür: Hier geht ja reichlich Traffic ein, aber von Twitter kommt quasi null. Ich habe dort selbstverständlich auch keinen Account.
Wir haben also ein doppeltes Problem, wenn wir so etwas wie “Politik”, zumal “linke Politik” auf die Beine stellen wollen. Die parlamentarischen Institutionen sind verseucht, weite Teile der Netzkommunikation ebenso. Eine Gesellschaft, in der Wirkungsmacht auf der persönlichen Ebene so attraktiv ist, weil alle Lebensbereiche von Machtstrukturen durchzogen sind, sägt an der Fähigkeit zu sprechen ebenso wie an der sich überhaupt zum Gespräch zu treffen. Vielleicht hängt vieles davon ab, Plattformen zu finden, auf der man wieder Zusammenhänge diskutieren kann, so dass sie Anschluss ans allgemeine Denken finden. Früher waren es Arbeitervereine, aus denen eine Bewegung entstand. Was könnte heute den Ausgebeuteten die Sprache zurückgeben?

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netz[62] Comments 08. Apr 2016 17:10

Am liebsten packe ich ja Geschichten aus den 80ern aus, weil sich die so exotisch anhören für die Einen und so heimelig für die Anderen. Oder gehen wir in die 70er zurück, das ist für viele Zeitgenossen schon prähistorisch, für mich erscheint es wie ein Wimpernschlag. Ich habe das eben noch gesagt: Ich denke an mein Viertel, Straßen, in denen Autos standen. Einzelne Autos. Man wusste von jedem, wem es gehörte und es gab keine Familie, die zwei hatte.
Es gab überall kleine Läden, die heute bestenfalls als Kiosk durchgehen würden. Sie hießen wie ihre Inhaber, nicht wie eine Kette. Auf dem Weg zu meiner Schule gab es so ein Lädchen, in einem kleinen würfelförmigen Gebäude, das nur diesen Laden beherbergte. Die Besitzerin war eine gerüchteumwitterte blonde Frau mit meterlangen Beinen, die einen Opel GT fuhr. Sie war sehr nett zu uns Kindern und ich wahrscheinlich ein bisschen verliebt.
Oppa und der Kriech
Inzwischen kommt es mir vor, als würde ich solche Geschichten aus der Gruft murmeln, wenn ich nur ein paar Jahre zurück denke. So wie es Jahrzehnte gedauert hat, die Straßen vollzustopfen mit Blech, das alle paar Jahre das Einheitsdesign wechselt, komplett ausgetauscht und aufgestockt wird, hat es nur einzwei Jahre gebraucht, um die Köpfe der Konsumenten endgültig zu beugen. Es dauerte Jahrzehnte, bis das Autoland die Gehirne so getrimmt hatte, dass nicht mehr die Familie, sondern jedes einzelne Mitglied einen Zweitwagen braucht. Es hat wenige Jahre gebraucht, um die Menschen mit sinnlosem “Äpp”-Spielzeug zuzumüllen, auf dass sie nicht mehr sehen noch sprechen.
Am Anfang war das Internet. Wir waren auf hoher See. Es gab so viel zu entdecken, zu erforschen, zu suchen und zu finden. Von dieser Zeit zeugen Programmnamen wie „Explorer“ und „Navigator“ sowie das Wort „surfen“ für die virtuose Bewegung im unbekannten Raum oder „Anker“ für einen Link. Die Welt des Netzes war noch fast übersichtlich, dennoch war es oft schwierig etwas zu finden, wenn es konkret sein sollte, man aber nicht wusste, wo und wer. Man entdeckte daher viel, was man gar nicht gesucht hatte, machte Zufallsbekanntschaften und traf sich in den Spelunken der Foren, Newsgroups und Chats. Unendliche Weiten; und dann kam Google.
„Don’t Be Evil“ sagten sie, sei nicht bösartig, und bis heute lassen sie daran glauben. Ernsthaft meint eine der relevanten Weltmächte: „Geld verdienen, ohne jemandem damit zu schaden“ sei ihr Unternehmensmotto. Das sollte jemand ihnen ins Gedächtnis rufen, wenn sie um Budgets verhandeln, ihre Rechtsabteilung losschicken oder einfach den nächsten Laden übernehmen, um ihm ihre Bedingungen zu diktieren. Google half einmal dabei, den schnellsten Weg zum wahrscheinlich gesuchten Hafen zu finden. Heute sind sie auf dem Weg zu einer Art Gehirnwäschemonopol. Niemand, der Werbung macht, kommt mehr an Google vorbei, und Google weiß das. Don’t Be Stupid.
Sei keine Ameise
Aber es ist nicht Google, das diesen Weg bestimmt. Nicht einmal das geniale Google hatte der ganz großen Krake etwas entgegen zu setzen. Es hat sich entwickelt wie die Ideale junger Menschen und hat aus großen Ideen mit dem großen Erfolg das große Geld gemacht. Aus dem Guten wurde schon kurz nach dem Start das nicht ganz so Böse, und auch an das kann man nur noch glauben, weil man es sich jeden Tag selbst suggeriert. Geld verdienen, ohne jemanden zu sehen, dem man damit schadet, vor allem aber und eigentlich nur: Geld verdienen! Google ist erwachsen.
Ich habe die Anfänge erlebt, auch die von Amazon, Ebay, Facebook und Co.. Die waren fast alle mal sympathisch. Heute sind sie ausbeuterische Weltunternehmen, gesteuert von der Sorte Mensch, die so etwas halt steuert. Ihre Welt ist herrlich bunt, selbsterklärend und schön, und alle lieben sie.
Ich hingegen fahre weiterhin mit meinem Kutter zu den Spelunken. Kompliziert, alt und hässlich, aber ungebeugt.

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geostrategie[42] Comments 05. Apr 2016 19:48
… lässt sich in zwei Grafiken zusammenfassen:

Russland steht an vierter Stelle bei den Rüstungsausgaben (in Milliarden Dolllar), obwohl es das größte Land der Erde ist, mit einer Grenzlänge von mehr als 20.000 km und eine entsprechend große Armee unterhält. Unsere islamistischen Freunde im Kampf gegen den Terror, das Steinzeitregime Saudi-Arabiens, gibt mehr aus und macht reichlich Gebrauch davon. Da dies in Absprache mit der NATO bzw. den USA geschieht, sind sie aber die Guten®. Schwulenfeindlich sind sie auch nicht, denn dort gibt es keine Homosexualität. Jedenfalls nicht lange, da Hinrichtungstermine sehr kurzfristig anberaumt werden.
China als aufstrebende Großmacht gibt mehr als dreimal so viel aus und unsere Friedensfreunde aus den USA können sich 9 Armeen von der Größe der russischen leisten.

Der jüngst gestorbene Verhandlungsmeister Genscher hatte Gorbatschow bei den 2+4-Verhandlungen versprochen, die NATO werde sich keinen Meter in Richtung Osten ausdehnen. Die Karte zeigt (rot) die Staaten, die seitdem dazugekommen sind, die bald dazu kommen werden (hellblau) und denen es angeboten wurde (blassblau). Nachdem Poroschenko mithilfe der EU, der USA und der Faschisten an die Macht gekommen war, hat Russland bekanntlich seine Präsenz auf der Krim verstärkt und eine offenbar manipulierte Volksabstimmung durchführen lassen, die in den Anschluss der Krim an Russland mündete. Die Zustimmung wäre freilich auch ohne die Manipulationen sicher gewesen. Das Ganze wird als “Imperialismus” bezeichnet und führt dazu, dass Russland wirtschaftlich sanktioniert wird. Außerdem verlagert die NATO massiv Truppen nach Osteuropa; ein Akt des Anti-Imperialismus, versteht sich.
Ich schreibe das hier einmal auf, damit ich einfach einen Link setzen kann, wenn mir wieder jemand mit dem Thema auf die Eier geht. Bei der Gelegenheit noch ein paar Spitzen: Was ist das russische Wort für “Investor”, “Großaktionär” oder “Milliardär”? Richtig: “Oligarch”, allerdings nur in westlichen Medien.
Wie heißt das größte Land, das aus der Sowjetunion hervorging? Richtig: “Putin”. Was immer in Russland geschieht, was immer ein Russe tut oder lässt, es ist “Putin” (es sei denn, es gilt als gut®, dann ist es die Opposition® gegen Putin. Wenn eine drogensüchtige Asikapelle einen Striptease auf dem Altar hinlegt zum Beispiel, dann muss sie nur “Putin” sagen und ist damit gut®, weil eben Opposition®).
Diese Beispiele sind beliebig. Es gibt hunderte. Wer sie nicht findet, will sie nicht sehen, und wer mir jetzt damit kommt, ich fände irgend etwas gut an Putin oder verteidigte ihn für etwas, ist ein Idiot. Ja, du bist ein Schwachkopf und verstehst die einfachsten Regeln der Logik nicht (siehe “Umkehrschluss”). Halt’ einfach die Klappe!

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journalismus ,
kapital[40] Comments 04. Apr 2016 11:47

Was wir wussten, zum Teil recht konkret, wurde wieder einmal von einem Whistleblower aufgedeckt: Unsere Herren stehlen, betrügen, unterschlagen und lügen. Sie geben nicht auf, bis es ihnen nicht nur vor die Füße, sondern auf den Kopf fällt. Es tropft und rinnt durch alle Ritzen, dass die Superreichen, die Regierenden und ihre Helfershelfer nicht nur gierig Kohlen horten, sondern auch dafür sorgen, dass ihr geraubtes Vermögen obendrein illegal von der Steuer befreit bleibt – und das obwohl sie schon alle legalen Tricks beherrschen.
Ihre verlogene Systempresse heftet das jetzt ernsthaft auch noch Putin an, weil der wen kennt, der auf der Liste steht. Die Technik erklärt Jens Berger. Blöder, durchsichtiger, dreister geht es nicht. Spätrömische Dekadenz? Das wäre eine unerhörte Verharmlosung. Ein Gottkaiser darf so etwas. Diktatorische Regimes tun so etwas. Uns halten sie noch immer an der Leine und das Stöckchen vor die Augen. “Demokratie” steht da sowie “Rechtsstaat”, und beides ist zur Lüge verkommen. Es gibt daher zwei Sorten von Lügenpresse: Die eine deckt sie auf, die andere erzählt sie weiter.
Lügenpresse
Hätten meine Kinder mich so unverfroren belogen, ich wäre entsetzt gewesen. Es gab zwar die eine oder andere Zeit, wo es die eine oder andere nicht so hatte mit der Wahrheit, aber wenn man ihr den zerbrochenen Teller gezeigt hätte, sie hätte nicht den Hund beschuldigt, den wir gar nicht hatten. Wenn ein Knirps heute zu spät aus der Schule kommt, kann er einfach sagen “Putin hat mich aufgehalten”. Das glauben sie ihm dann bei Klebers, Springers und SpOns. Sonst aber nirgends, und das wiederum zeigt die Entfremdung des Hofes und seiner Schranzen vom Rest der Bevölkerung.
Da ist nichts mehr zu machen, nichts zu kitten und kein Weg, ihnen je wieder zu trauen. Wie sie uns trauen, regelt die Aufrüstung der Geheimdienste und das allumfassende Wuchern ihres Schnüffelstaats. Wieder einmal verstecken sie einen Elefanten vor uns hinter einem Besenstiel und raunen; “Wer treu und redlich ist, sieht hier nichts”. Das werden sie so lange tun, bis sie mit Knüppeln aus ihren Palästen geprügelt werden, mitsamt ihres Hofstaats. Das war schon immer so, nur eines Tages müssen die so Befreiten erkennen, dass kein neuer Hofstaat je ein besserer sein wird.

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kunstlyriklamauk[46] Comments 01. Apr 2016 14:53

Links muss wieder sexy werden. Das steht und fällt mit einem attraktiven Zugang, ohne den Ballast und Muff aus den alteingesessenen Zirkeln. Flexibilität ist angesagt, Leichtigkeit und Spaß. Die Zeiten der tausendjährigen Reiche und tausendseitigen Bücher sind vorbei. Niemand liest mehr Marx, wir brauchen linke Vordenker, die es auf Twitter können. Hundertvierzig Zeichen geballte Message, das ist das neue Links.
Links muss mit mit jedem Gadget können und auf jeder Plattform. Das neue Links ist Lol auf Youtube, kewl aus Instagram und wow auf Facebook. I like Links. I follow and share Links. Die Linke muss die Leute abholen, muss Angebote machen, die niemand ablehnen kann. Gerade wo die Nachfrage schwach ist, muss sie neu erzeugt werden. Sagt den Leuten, dass es hip ist, Links zu sein. Links sein ist geil. Links sein ist wie Koks, nur ohne Reue. Alles ist in Links: Freundschaft, Freude, Team Spirit! Schluss mit dem Gejammer und der Regelungsgwut. Du willst es? Links hat es. Links erlaubt. Links macht mit. Links bringt voran.
Mega! Sexy!
Gebt den Leuten, was sie wirklich wollen! Mädchen wollen Rosa? Mädchen kriegen Rosa. Mädchen wollen shoppen? Gehen wir shoppen mit Links! Jungs wollen Blau? Wir haben Blau für euch. Jungs wollen Baumarkt, Bier und Ball? Niemand hat mehr davon als Links. Links ist geil, weil ihr es wollt. Links hat das Ohr am Puls der Zeit. Links ist in aller Munde. Links steht früh auf, feiert lange und schafft was. Links ist jung und Links ist sexy, sexy, sexy. Weitersagen!
Die Müesligänger schiebt beiseite – kein Marxist ist je etwas geworden außer Marxist, solange er Marxist war. Seht euch die wirklich coolen linken Leute an: Sie wissen, was sie wollen, sie kommen voran, mit oder ohne Ticket, zu Fuß und mit dem Flieger. Flexible Linke kommen überall rein, auch ins Kanzleramt. Feynsinn setzt den neuen Trend und erfindet sich selbst neu. Raus aus dem verstaubten Salon, rein in die Mega-Medien. Demnächst überall, wo die krassen Leute sind. Für den Anfang gibt’s ein heißes Tänzchen mit dem Leuchtturm der neuen Linken. Freut euch auf ein Interview mit Mega-Trendsetter Sigmar Gabriel!

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journalismus[33] Comments 30. Mrz 2016 15:53
Journalist, ein Traumberuf! Recherchieren, aufdecken, kritisch berichten. Die Wahrheit schreiben, um die Welt besser zu machen. Du wirst vielleicht sogar berühmt. Jetzt und online noch einfacher, noch unabhängiger.
Die Jobbörse des Arbeitsamts spuckt das da unten aus, allesamt Stellen in geringfügiger Beschäftigung. So sieht nicht die Zukunft aus, sondern die Gegenwart. Bemerkenswert übrigens, das die “Agentur” hier Jobs anbietet, die gesetzwidrige bzw. sogar sittenwidrige Arbeitsbedingungen bieten.
Ein Gedicht:
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Mit diesem Profil begeisterst du uns:
• Sehr gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift
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- Erstellen von Layouts
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Mein Unternehmen betreibt mehrere Webseiten mit dem Schwerpunkten Kaffee und Reisen.
Ihre Aufgabe wäre es Texte für diese Webseiten zu erstellen, am besten direkt in WordPress oder auch als Textdatei das sie mir dann per Email zusenden.
Sie sollten in der Lage sein Texte nach Vorgabe der Überschriften und Schwerpunkte selbstständig zu recherchieren und erstellen.
Eine gute Rechtschreibung und Grammatik sind eine Grundvorraussetzung für den Job.
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Dein Profil
Du bist Student/in oder hast ein abgeschlossenes Studium im Bereich Journalismus, Marketing, Kommunikationswissenschaften oder einem vergleichbaren Studiengang
Begeisterung oder erste Erfahrungen im Bereich Tourismus, Urlaub und Reisen
Du verfügst über sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse in Wort und Schrift
Die Verbindung aus kreativem und technischem Arbeiten macht Dir Spaß
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Deine Aufgabe besteht darin unsere vorhandenen Webseiten zu überarbeiten. Dafür sind Kreativität und gute Deutschkenntnisse nötig.
Außerdem findet deine Arbeit im Homeoffice statt, womit du dir deine Arbeitszeit flexibel einteilen kannst. Dieser Job ist somit auch perfekt für Studenten oder ähnliche, als Nebenjob.
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Ihr Profil:
- Sie beherrschen Orthographie, Grammatik und Interpunktion perfekt
- Sie haben gute Computerkenntnisse
- Sie sind konzentrationsfähig, auch unter Zeitdruck
- Sie bringen eine schnelle Auffassungsgabe mit und behalten auch in schwierigen Situationen den Überblick
- Sie sind teamfähig
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Ihr Profil:
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haben Spaß im Umgang mit Texten, Social Networks und Foren
sind in deutscher Rechtschreibung und Grammatik qualifiziert
können eigenständig Arbeiten [Orthographie aus dem Original]
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Na kommt, das ist doch wohl allemal zumutbar!

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