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pksk

Die anderen sagen doch auch dauernd dasselbe!

“Planwirtschaft hat erst im Internetzeitalter Aussicht auf Erfolg, und erst die technische Produktivität, die durch die IT (und anderes) möglich wurde, setzt auch solche Gesellschaften in den Stand ausreichend zu produzieren, die nicht auf Ausbeutung und Imperialismus beruhen.

Im Ost-Sozialismus war die Planwirtschaft eine Krücke, man hat nicht einmal das Geld oder eine hierarchische Struktur abgeschafft. Während im Osten der Stalinismus nicht überzeugte, überzeugten im Westen Holocaust, Vietnam und die Ausbeutung der südlichen Kontinente.

Heute überzeugen nicht mehr: Griechenland, Portugal, Spanien … Alle zu faul oder zu doof die Anreize zu kapieren. Oder warte, das sind “Auswüchse”. Je mehr ich dieses Geschwätz höre, desto mehr überzeugt mich das Modell einer kommunal basierten Planwirtschaft mit streng subsidiären Strukturen. Was soll daran eigentlich nicht funktionieren?”

Und das Geschwätz der anderen

Ich halte bekanntermaßen gar nichts von der argumentativen Baseballkeule, man solle doch erst mal Alternativen aufbieten, ehe man etwas kritisiere. Dieses Argument ist schon deshalb dämlich, weil es immer eine gibt, nämlich das zu lassen, was gerade getan wird. Wenn ich auf eine Mauer zurase, ist Bremsen eine Alternative. Die Raser werden freilich sagen, das sei ja nu wohl komplett bescheuert, denn die Bremse würde soundso heiß werden und überhaupt komme man derart nicht voran und so eine Bremse bringt ja gar nichts, wenn der Motor auf Höchstleistung röhrt. Einfach erst mal kein Gas mehr geben ist da natürlich keine Alternative, das ist einfach nur anti.

Was mich wirklich nervt, ist dass im politischen Dauerkarneval überhaupt keine Ideen mehr diskutiert werden, weder alte noch neue, weil sich die Narrenschiffe entweder windschlüpfrig ins Kapital einschmiegen oder ohnehin nur die Bühne für bizarre seelische Störungen des Elferrats bieten. Während die „Linke“ in Richtung Atlantik segelt, sind die „Piraten“ gleich beim Stapellauf auf die Klippe geschrotet; nicht zuletzt, weil sie keine Ahnung haben, welches Potential in der Idee einer netzaffinen Bewegung steckt.

Nicht nur wären die Piraten prädestiniert, das Verhältnis der marktkonformen Staaten zur kommenden Diktatur zu thematisieren, es obläge auch ihnen, Alternative Ökonomien zu skizzieren, die auf völlig neuen Ansätzen von Planung beruhen. Für die schwächeren Mitschüler sei hier angemerkt, dass im Kapitalismus noch mehr geplant wird als in der sogenannten „Planwirtschaft“, also nicht gleich krakeelen, bitte!

 
tast

Im August vergangenen Jahres hat Fefe einige Bemerkungen zum Tor-Projekt gemacht und kam zu dem Schluss:
Das Problem an sich, dass wir unseren Regierungen nicht mehr trauen können, und einer totalen Schnüffelei ausgesetzt sind, das ist kein Problem, das man technisch lösen kann.
Ich finde das deshalb erwähnenswert, weil sich der Schluss aus einer vordergründig unpolitischen Sicht ergibt und damit das genaue Gegenteil dessen darstellt, was ich bei einem Blick in die Nachbarschaft durchleide – das sozialdemokratische Credo: “Wir brauchen nur eine gesetzliche Regelung“.

Man muss kein Technikexperte oder Hacker sein, um das Problem im Groben zu verstehen: Das Tor-Projekt soll Anonymität im Netz ermöglichen, indem die Spuren der Nutzer verwischt werden. Der Aufwand, diese Spuren dennoch sichtbar zu machen, wäre nicht nur immens, er setzte die totale Überwachung sämtlicher Netzverbindungen voraus, ein Zustand, wie man ihn sich nur in der übelsten Diktatur vorstellen könnte, und selbst die hätte vermutlich nicht die Mittel, das weltweit zu besorgen.

Wenn wir an die Macht kommen

Tja, und genau da liegt der Irrtum. Ob man die vernetzten NATO-Geheimdienste “diktatorisch” nennen muss, ist eine akademische Frage, an deren Beantwortung mir nichts liegt. Die politische Dimension der technischen Macht, die sich dort ballt, ist hingegen schlicht furchtbar. Dabei gehört jeder der namhaften Geheimdienste zu einer parlamentarischen Demokratie (ich erlaube mir hier, die “konstitutionellen Monarchien” dazu zu zählen, weil sich deren Struktur nicht davon unterscheidet). Diese ‘Demokratien’ haben allesamt nach Verfassung und Gesetzeslage die Pflicht und das Recht, ihre Dienste zu kontrollieren und sie auf die Einhaltung der Bürgerrechte zu verpflichten. Sie tun es aber nicht.

Sie tun es nicht, obwohl milliardenfacher Datenmissbrauch, Unterstützung und Durchführung von Folter, Mord und Verschleppung bekannt sind. Sie tun es nicht und machen uns glauben, sie könnten es nicht, weil ihnen Informationen vorenthalten würden oder weil sie halt geheim seien. Sie kommen ihrer gesetzlichen und verfassungsmäßigen Pflicht nicht nach, und das hat keine Konsequenzen für die Verantwortlichen. Die politischen Funktionäre, die dazu tätig werden müssten, bleiben untätig oder schützen diese Dienste.

Darf nicht, kann nicht

Welchen anderen Schluss lässt das zu als dass “wir unseren Regierungen nicht mehr trauen können”? Übrigens kommen die nicht zufällig zustande, das geht hier seinen Weg über die Filter von Parteien, Medien und – ja – auch der Dienste, die Karrieren zulassen oder nicht. Wenn das nun also so ist, wie naiv muss man eigentlich sein, um massive Änderungen am System auf gesetzlichem Wege für möglich zu halten? Wie dumm ist das von den Sozialdemokraten aller Geisteszustände stets gemurmelte “Man müsste nur”, wenn man weiß, dass nicht einmal die grundlegenden verfassungsmäßigen Rechte durchgesetzt werden in dieser besten aller Demokratien?

Die einfachen Gesetze der Logik spielen beim politischen Expertentum offenbar keine Rolle. Die simple Unterscheidung zwischen Möglichkeit, Wahrscheinlichkeit und Unmöglichkeit, die Lehre aus sich historisch dauernd wiederholenden Vorgängen, das Erkennen systemischer Widersprüche – da ist nichts, das sie aufhält in ihrem treuen Glauben an die Volksvertretung und die Macht der Wähler. Etwas, das noch nie funktioniert hat, das immer wieder dasselbe Resultat hervorbringt, wird zu einem mysteriösen Unfall verklärt, weil es nicht ins Weltbild passt. Das kann kein Bug sein, das ist doch der Kern unseres Programms!

Vielleicht sollten wir uns doch besser von Hackern regieren lassen.

 
Einer, der die Oliven mit zur Grünen Party gebracht hat und dafür sorgt, dass von der Partei nie wieder ein Pazifismus ausgeht, ist Cem Özdemir. Der Herr ist inzwischen so tief in die Zotten des Establishments eingewachsen, dass man ihn jederzeit anrufen kann, um reaktionäre Positionen abzufragen – wenn man zu den guten gehört. Folgerichtig musste die Welt auch nicht lange darauf warten, dass er seinem Präsidenten treu zur Seite sprang, um dessen Verkehrung der präsidialen Neutralität zu rechtfertigen, wörtlich:

Mit Parteipolitik hat das nichts zu tun. Genau aus diesem Grund haben die Thüringer Grünen darauf bestanden, dass die Linkspartei in einer gemeinsamen Erklärung die DDR als Unrechtsstaat bezeichnet.”

Lassen wir die Sache mit dem Unsinnsstaat einmal außen vor, so hat also die Aussage, es sei schwierig, einen Ministerpräsidenten aus der Linkspartei zu akzeptieren (der ganz nebenbei nie DDR-Bürger war), nichts mit Parteipolitik zu tun. Solche Logik ist beim Cem ein Feature, wie auch in diesem Interview deutlich wird:

Wenn man einen, der zur Bilderberg-Konferenz eingeladen wurde, danach fragt, ist man ein psychopathischer “Verschwörungstheoretiker”. Nicht minder interessant die Meinung, man müsse Mitglieder der Atlantik-Brücke danach fragen, was Herr Özdemir von ihr hält. Besser noch: Özdemir wurde 2001 Mitglied der Young Leaders, indem er, wie er sagt “einen Vortrag gehalten” habe und trat dann 2009 (Merz wurde Vorsitzender) dort aus. Dass jemand durch einen Vortrag gleich Mitglied wird, mutet seltsam an, wenn der aber acht Jahre dauert, ist das wiederum nachvollziehbar. Dass Özdemir 2011 dort wieder einen Vortrag hielt, bedeutet also was?

Ich wage es kaum, darüber zu spekulieren, vielleicht holen sie mich gleich ab, aber sein Timing ist ohnehin grandios: 2001 wurde er also Atlantiker, wofür man 10 Jahre vorher sicher bei den Grünen noch rausgeflogen wäre. Ein Jahr später flog auf, dass er sich ein wenig in der Buchhaltung verflogen hatte und privat “Bonusmeilen” der Lufthansa nutzte, die er dienstlich gesammelt hatte. Außerdem ließ er sich mit einem zwielichtigen Privatkredit ausstatten. Er trat deshalb von seinen Ämtern zurück, um im Europaparlament hoch dotiert zu überwintern.

In einer Zeit, da die Bündnistreue besonderes Gewicht erhielt und Genosse Joschka den Laden auf Kurs trimmte, schlug die “Bild” also kurz zu und zeigte ihm die Folterinstrumente, während er sich außenpolitisch zu einem der Guten schulen ließ. Später wurde er sogar auf die berüchtigte Geheimkonferenz eingeladen, die er aber nach eigenen Angaben nicht besuchte. Feinde hat er sich bei der Rechten sicher nicht gemacht, aber einige Weggefährten und deren Einfluss kennengelernt.

Argumente aus Stahl

Die Argumente des windschnittigen Jungen Führers sind zutiefst verwoben mit einer Wahrnehmung, die ebenfalls nicht jedem in die Wiege gelegt wird, so zum Beispiel erkennbar in der Sorge um eine Kollegin:

Über einen Kollegen erfuhr ich sogar, dass eine Abgeordnete zwei, drei Jahre lang ihre Bahntickets immer bezahlte und sich wunderte, als sie am Monatsende kaum mehr Geld hatte, bis sie erfuhr, dass Bundestagsabgeordnete umsonst Bahn fahren dürfen.

Eine Bundestagsabgeordnete verballert also 7000 Euro im Monat für Bahntickets, die sie gar nicht bezahlen müsste. Welch eine erschütternd rührende Geschichte! Da sind wir aber froh, dass der Cem da schlauer war.

Zur Wahl Gaucks hatte Özdemir folgenden bemerkenswerten Kommentar beizusteuern:
Das Spannendste an ihm ist, dass er Leuten Angebote machen kann, die mit der Demokratie schon abgeschlossen haben.
Wen kann er damit jetzt meinen? Nazis? Korrupte Politiker? Unrechtsstaatsrechtler? Und worin genau bestehen Gaucks Angebote? In Ausgrenzung, Demütigung, gemeinsamem Gebet? Oder vielleicht doch in Euro und Cent?

Man weiß es nicht, wie so oft bei Özdemir, dessen charakterliche Flexibilität und argumentative Phantasie kaum je etwas ausschließen lassen. Das spannendste an ihm ist wohl, dass er Leuten Angebote machen kann, die mit dem Verstand schon endgültig abgeschlossen haben.

 
wieher

Vor genau vier Jahren habe ich noch spaßeshalber die Haushaltsdebatte des Deutschen Bundestages live kommentiert. Damals war das schon eine Art Nachruf, Reminiszenz an den alten Untertitel dieses Blogs: “Satire womöglich” – wobei sich zeigte, dass Satire da nicht mehr mithalten konnte. Solche Rückblicke sind nicht unwichtig, weil sie zeigen, dass die ‘politische’ Hard-und Software inzwischen Verfallszeiten hat wie die in der IT. Damals musste ich noch nachschauen, wer denn dieser Schwätzer sei, der mir schon vorher durch unerträgliches Blabla aufgefallen war und von dem ich nur wusste, dass er der CSU angehörte. Inzwischen sind wir zwei Ministerposten und einen finalen Tritt weiter. Die Rede ist von Hans-Peter Friedrich.

Dazwischen liegt nebenbei die totale Desillusionierung über die realen Machtverhältnisse Urbi et Orbi und was die Macht damit macht. “Stasi 2.0 – wen interessiert’s?” ist der Film, den sich keiner mehr anschauen mag. Dem entsprechend geht noch jede(r) Zweite zur Wahl, davon wiederum die Hälfte Rentner und die andere Hälfte Psychopathen. Die Art, die genau weiß, wem wir all das Elend zu verdanken haben: Die Arbeitslosen leben in Saus und Braus und führen einen gnadenlosen Klassenkampf, indem sie die Fleißigen ausbeuten. Die Juden haben uns die D-Mark genommen. Die Ausländer wollen auch noch unser Geld. Arbeit und Fleiß werden uns wieder nach vorn bringen, sobald wir das angepackt haben.

Es ist dein Geld!

Wir hätten uns eine ganze Handvoll neuer Körperöffnungen gefreut, wäre zu Zeiten, da Politik noch relevant erschien, die FDP in dem Sumpfloch verschwunden, das sich inzwischen über ihr geschlossen hat. Aber so? Nicht bloß zu spät, sondern auch noch um den Preis, dass die Neoliberalen abgestraft werden, indem ihre Follower Lucke und Olaf Henkel anhimmeln?! Das Hirn in ihrer Cervelatwurst rät Ihnen dringend zu einem Upgrade.

Man müsste sich glatt Gedanken machen, ob die gedungenen Analysten dieses Kopfschmerzkinos, die in den Sendern und Redaktionen noch so tun müssen, als sei das alles wirklich Wirklichkeit, nicht Anspruch auf Schadenersatz hätten, aber sie werden ja gemeinhin mit einem ordentlichen Schmerzensgeld geschmiert und haben dem Affenzirkus so oft zugestimmt, dass wohl die andere Befürchtung zutrifft: Sie nehmen das immer noch ernst. Allerdings sollte der Bundesrechnungshof schnellstens dafür Sorge tragen, dass an Maniacs wie Claus Kleber nicht noch Millionen verpulvert werden für einen Wirrwahn, den der Mann auch ganz von allein auswirft, weil er eben so tickt.

Irre geworden

Aua. Habe ich da eben gefordert, kein Geld zu verschwenden? Was bin ich doch für eine Bürgerliche Fotze©. Nein, besser wäre es wohl, ihm Milliarden in den geschulten Mundgeruch zu werfen. Vielleicht – eine klitzekleine Hoffnung hätte ich da – merkte dann jemand etwas. Aber ich bin schon wieder viel zu weit abgeschwiffen. Oder nicht? Bleiben wir noch ein gemütliches Momentchen beim Geld, seinem Fetisch und der flüssigen Macht. “I’ve Had Enough” heißt ein Stück Populärmusike, in dem ein irrer junger Mann seine fortgeschrittene Schizophrenie feiert und zu dem wahrlich verrückten Schluss kommt – nur um die Winzigkeit eines Buchstabens hier abgewandelt: “There’s a Billionaire above you – and you’re under his Suspicion“*. Das kann uns in der besten aller freiheitlich gewählten Demokratien ja nicht passieren.

p.s.:
*Die Übersetzung des Originals “There’s a Millionaire above you – and you’re under his Suspicion“: Es gibt einen Millionär über dir, und du stehst unter seinem Verdacht. Die Variante spielt mit dem Umstand, dass “you” auch Plural sein kann: Es gibt einen Milliardär über uns, und wir stehen unter seinem Verdacht. Finden Sie die Verschwörungstheorie und lesen Sie das Parteiprogramm von 1989 Ihrem Wahlkampfleiter vorsichtig vor!

Ich kann diesen Mist nicht mehr hören. Korrupte zynische Pfeifen, denen die Überwachung nie weit genug geht, Versager, die nicht in der Lage sind, Verbrechen zu bekämpfen, wo sie stattfinden, Eiferer im wohlfeil verpackten Tugendwahn, Strippenzieher, die es noch leichter haben wollen, Erpressungsmaterial zu finden, Großstrategen, die von aktuellen Problemen mit Gewalt ablenken müssen und Bilderstürmer, die ein Verbrechen nicht von dessen Abbildung unterscheiden können – sie alle bilden eine Rotte von vorgeblichen Kinderschützern, die stets etwas anderes im Schilde führen und sich einen Dung um die Opfer scheren.

Beleg? Nehmt einmal das hier, das zieht einem die Schuhe aus. Jugendliche Opfer von sexueller Gewalt dürfen sich zwecks Kostendeckung einer psychologischen Behandlung an die Täter wenden. Wenn sie Glück haben, bleibt ihnen das erspart, und es wird ihnen das Almosen in Form eines Therapieplatzes zuteil – aus Spenden finanziert, weil die Kassen dafür nicht zahlen. Ganz Gallien? Nein. Die Barmer hat sich jetzt erbarmt und übernimmt die Kosten. An einer Klinik in NRW. Wenn man gegenrechnet, was so ein Missbrauchsopfer einbringt als Thema und Manöver, und zwar bei null Kosten, wird einem klar, wieso diese Hanswurste so scharf sind auf Bilder von nackten Kindern und so völlig desinteressiert an den Opfern von sexueller Gewalt.

 
daisy

Das Internet ist ein Tummelplatz für Losgelassene. Es gibt in wohl in jedem Viertel, in jeder besser besuchten Kneipe mindestens einen, der Tag für Tag Leuten auf den Keks geht und durch die ungeheure Energie zu beeindrucken weiß, mit der er sich immer wieder zum Horst macht. Tatsächlich erfordert das Mut, was gut ist, denn derart bleibt die Zahl der Probanden begrenzt. Nicht so im Netz. Hier verdichtet sich die Häufigkeit des Auftretens jenes Phänomens zu einem Horstschwarm, der mit dem krudesten Stuss durch die Foren mäandert. Außer regelmäßigem lautem Seufzen und gelegentlichen Ausfällen ordnungsliebender Sadomasochisten, die solche Leute gern gevierteilt sähen, nimmt man das aber inzwischen seit Jahrzehnten schulterzuckend hin.

Ich erwähne dieses Phänomen, weil es deutlich macht, wie die Entwicklung der schieren Meinungsmasse im Netz die Wirkung einzelner Strömungen und Argumentationen neutralisiert. Man kann schlicht alles sagen, man wird Gleichgesinnte finden und damit nichts erreichen. Für die Chemtrail- und Aluhut-Fraktion ist das vielleicht tröstlich, schützt es doch vor der gesteigerten Gefahr einer Zwangseinlieferung. Für Nazis ist das einfach nur geil, weil die zweihundert Breimurmeln mit ihren fünf Sprüchen für jede Lebenslage das Gefühl genießen dürfen, sie seien überall, und zwar in der Mehrheit. Für Linke hingegen sieht das alles ein bisschen anders aus.

In einer See von Lügen

Natürlich gibt es auch hier die Fehleinschätzung der eigenen Relevanz, weil ein paar Blogs und Foren eine gewisse Reichweite haben. Natürlich gibt es auch hier Trolle, die mit immer demselben Sermon aufschlagen. Wo aber linke Ideen und Diskussionen entwickelt werden, fühlt man sich meist schlecht repräsentiert. Wem daran gelegen ist, die Herrschaft von Menschen über Menschen zu kritisieren und zu beenden, wer darum (oder auch aus anderen Gründen) die fatale Entwicklung des Kapitalismus erkennt, wer sieht, wie tief die Korruption bereits sitzt im bestehenden System (aktuelles Beispiel hier), fragt sich zwangsläufig, warum man mit solchen Gedanken einer Randgruppe anzugehören scheint.

Das Establishment ist korrupt und verlogen, noch ein aktuelles Beispiel: Die Totalüberwachung der elektronischen Kommunikation erfolgt unter Mithilfe der Dienste aller verbündeten Staaten, deren Repräsentanten die Stirn haben, das noch “Demokratie” zu nennen. Seit durch Snowden bekannt wurde, dass wir alle überwacht werden, dementieren und leugnen die politischen Funktionäre und das Gros der Medien jedes Detail der Wirklichkeit, bis es durch Snowden und seine Mitstreiter doch bekannt wird. Dann macht halt irgend ein Verlag damit Kasse und die anderen sitzen es aus.

Klares Feindbild

Unter solchen Bedingungen kann man als Linker mit relevanten linken Ideen nicht vorankommen, weil solche Ideen an die Realität anknüpfen. Kommuniziert wird aber keine Realität, sondern die Wahnvorstellungen von einer Welt, wie sie von Geheimdiensten, Eliten und ihren publizistischen Adabeis gepflegt werden. Daher werden andererseits ganz folgerichtig schon alle diejenigen als linksextrem eingestuft [Klickbefehl!], die sich gegen Korruption und idiotische Projekte engagieren. Jetzt muss ernsthaft eine “wissenschaftliche Studie” her, um zu erklären, was diese Linksextremen so furchtbar linksextrem macht.

Das Leben ohne Großhirnrinde kann anstrengend sein, zumindest wenn man Zusammenhänge erklären soll. Dabei reicht ein Blick nach Südeuropa, wo diejenigen, die sich gegen Korruption und Verarmung auf die Straße wagen, einfach zusammengeknüppelt werden. Das hat in Stuttgart doch auch geklappt ohne dass jemand erklären musste, warum die auf der anderen Seite “linksextrem” seien. Bei uns waren das bislang solche und vor allem solche, die gegen Nazis sind. Damit haben die Dienste schön ihre Datenbanken gefüllt und wissen somit, wo sie ihre Feinde finden. Muss das jetzt wirklich von ‘Wissenschaftlern’ kaputtgemacht werden, um am Ende festzustellen, dass der Linksextreme an sich nur unter mangelndem Realitätsverlust leidet?

 
So, der Herr De Lapuente bezichtigt mich der Religionsgründung, ausgerechnet. Dann will ich ihm hier noch einmal ausführlicher antworten, drüben habe ich das als Kommentar bereits getan, den ich hier erweitere:

Nun, der Vorwurf der “Theologie” wäre schon besser, käme er begründet, aber Schwamm drüber. Wirf mir getrost Religionssoziologie vor, damit könnte ich schon besser leben, zumal mir ein erweitertes Verständnis von Weber und seinem Fokus auf das Problem der Thedodizee sehr zusagt. Hier in den Kommentaren wehre ich mich etwa gegen die Ontologisierung der Produktionsbedingungen und pflege die Überzeugung, dass ein Bewusstsein, welches das Sein bestimmt, Ziel der Veranstaltung sein sollte – wobei die Produktionsweise, da bin ich durchaus Marxianer, eine zentrale Rolle spielen wird.

Das Grundmissverständnis ist, dass es mir nicht um Revolution geht. Es geht mir um Analyse. Alle historische Erfahrung zeigt und die aktuelle brennt es uns ein: Kapitalismus führt zwangsläufig zu diesem Resultat. Aus Geld mehr Geld zu machen, führt in Unterdrückung und Ausbeutung. Ich predige keine Zukunftsmodelle, ich versuche sie zu entwickeln. Aber eines ist mir völlig klar: Wir müssen über Marx reden. Den kannst du nicht links liegen lassen und nicht mit einem Federstrich übergehen. Das ist der Kreidestrich, vor dem die meisten noch Männekes bauen: “Hier ist verboten”. Wer behauptet, Kapitalismus, auch im Euphemismus “Marktwirtschaft” könne funktionieren, muss Marx widerlegen, implizit oder explizit. Ist bis heute aber niemandem gelungen.

Derselbe Zufall vs. Klassenkampf

Der Herr Berger, mit dem ich bereits zu Ähnlichem die Klingen kreuzen durfte, hat sich kommentarlos von der Diskussion zurückgezogen. Das war anders verabredet, auch das. Ich kann aber aus dem Fundus hier meinen letztem Opener gern weiter geben, denn mit ihm bin ich an dieser Stelle stehen geblieben. Er hatte gesagt:

Wichtig ist dabei nur, dass man die Realwirtschaft abschirmt und das ist möglich; vorausgesetzt man will das.

Nun, das war sein Ansatz, nicht deiner, aber ich unterstelle, dass auch dir vorschwebt, man könne Kapitalismus (nein, ich weigere mich, das “Marktwirtschaft” zu nennen) derart zähmen, dass das Gute erhalten bleibt? Dann sage mir bitte, wie. Sage mir im übrigen, wie du außer Kraft setzt, dass ein funktionierender Kapitalismus auf der Vermehrung von Kapital beruht, das sich auch dann vermehren muss, wenn es schon so viel davon gibt, dass es um ein vielfaches das Weltsozialprodukt übersteigt. Oder willst du hingehen und alle paar Wochen sagen: “So, genug Geld verdient, gebt mir das wieder, dann könnt ihr von vorn anfangen.”? Könnte man machen, dann würde aber keiner mehr “Geld verdienen” wollen und man hätte die Nachteile beider bekannter Systeme endlich vereint.

Widerlegt mir wenigstens den Bontrup, der hat meiner Ansicht nach das Wichtigste gesagt. Gebt mir irgend etwas, das mich davon überzeugt, dass die x-te Wiederholung derselben Misere – zumal in einem Paradoxon bitterer Armut inmitten unendlich anmutender Produktivität – schon wieder nur ein Zufall sein soll. Knüpft, das wäre meine Bitte zum Schluss, an die hiesige Diskussion an und zeigt mir, dass es doch der Wille Einzelner ist, der das Ganze bestimmt und nicht der rohe Systemzwang. Und zieht euch etwas Warmes an!

 
junbus

Mit einem Mix aus Amüsement und Resignation stelle ich fest, dass einige, die mir noch kürzlich ganz anders kamen, inzwischen ebenfalls das ‘Wählen’ eingestellt haben. Diese Europawahl ist derweil so selbstredend, das kann man kaum mehr überbieten. Ich fasse das einmal zusammen:

Da wird ein Parlament gewählt, dessen Macht ohnehin darin besteht, Vorschläge abzunicken, die von einem Konglomerat aus nationalen Regierungen besteht sowie aus deren internationalen Freunden und Förderern. Das ist schon so lapidar, dass es eh traditionell die Hälfte der Wahlberechtigten nicht interessiert. Es stehen Parteien zur Wahl, die alle dasselbe wollen. Es wird eine Politik gemacht, die keinerlei Kenntnis von der Lebenswirklichkeit der Menschen befürchten lässt.

Fresst das

Das Ganze hat den Charme eines Kaufladens in der Schikane vom Arbeitslosenamt – wissen’s schon, wo Menschen wie im Kindergarten das Rollenspiel “Einkaufen” absolvieren, weil sie sonst dem Hunger ausgesetzt werden. Eine bizarre demütigende Simulation also, hier der Wahl politischer Vertreter, ein surreales Szenario mit der sehr realen Message; Wir machen mit euch, was wir wollen, und ihr spurt. Eine Testpiste quasi für Zumutungen, die noch widerstandslos hingenommen werden, schlimmer noch: an der die Erniedrigten aktiv teilnehmen.

Wir sind in Deutschland, dem Paradies der Massen, denen eben nur Austerität light zugemutet wird – niedrige Löhne, die längst die Lohnabhängigen nur noch mit Bruchteilen an der Produktivität beteiligen. Immerhin aber noch keine totale Hoffnungslosigkeit, noch keine verlorenen Generationen wie in Südeuropa, wo mehr als die Hälfte der unter 30-Jährigen keinen Job haben und kein Einkommen, wo es keine Gegenwart und keine Zukunft der Erwerbsarbeit mehr gibt. Hier, wo das Lenorgehirn weiß: Wir sind fleißig, deshalb dürfen wir essen, trotz Globalisierung® und Wettbewerb®. Anders als bei den Zigmillionen Südeuropäern, deren Faulheit sie plötzlich alle arm macht.

Hier also traut man sich und simuliert das große Kandidatenrennen, Juncker gegen Schulz. Dass die Wählerinnen und Wähler® nicht den Kommissionspräsidenten wählen, das muss der Leser ja nicht wissen. Der weiß eh nicht, was die Kommission ist, was der europäische Rat, der Rat der EU oder der Europarat. Wozu auch? Deren Vereinbarungen und Treffen sind ohnehin weitgehend irrelevant, so lange nicht die zuständigen Lobbyisten, die NATO und die Banken zustimmen. Aber immerhin: Juncker oder Schulz, SPD oder CDU, rinks oder lechts, ein bisschen was dürfen wir wählen.

Foul is Fair

Gesagt, getan, und Junckers Konservative haben die Mehrheit errungen. Na gut, die entscheidenden Mehrheiten in den einzelnen Ländern liegen häufig im Einstelligen Bereich, in der Slowakei etwa haben drei Prozent der Wahlberechtigten die stärkste Partei gewählt. 97% interessieren sich nicht oder wollen etwas anderes. Die sind dann eben selbst schulz schuld. Hiermit erklären wir die Herrschaft für legitim.

Kommen wir nunmehr zu etwa völlig anderem: Dann gehen die Herrschaften also hin und zeigen auf breiter Front sämtlichen Wählerinnen und Wählern® den Stinkefinger, dem man noch ansieht, aus welchem braunen Loch der gerade kommt. Die Konservativen, deren Wähler sich für Juncker entschieden haben wollen, sind jetzt gegen Juncker. Die Spezialdemokrateninnen und ihre Grünen Pfosten hingegen, deren Wählerinnen und Wähler® gegen Juncker waren, sind jetzt für Juncker und effektiv gegen Schulz, der inzwischen selbst für Juncker ist.
Das muss man nicht weiter kommentieren.

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