2005-2013 (alle Beiträge)
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Ich weiß gar nicht, ob ich durch das Niveau gewisser Äußerungen inspiriert bin, die mir in den vergangenen Tagen zuteil wurden, aber die Überschrift geht eigentlich in eine andere Richtung. Die erste Philosophie nach der letzten, die Adornos strikt Kritische Theorie ablöste und damit die vielschichtige Analyse durch die nächtsbeste Assoziation ersetzte, kann ja gern “dekonstruieren”, was “erbärmlich” in esoterischer Hinsicht zu bedeuten hat. Ich hingegen will nur spielen, zum Beispiel mit diesem verwirrenden Einstieg.

Neulich also saß ich mit eigentlich klugen und gar nicht schlimm unsensiblen Menschen an einem Tisch, als ich Kunde erhielt von einem wahren Faulpelz. Der liege “dem Staat auf der Tasche“. Ich kann so etwas nicht mehr hören. Das ist falsch, und zwar immer. Es nährt sich von der unsäglichen deutsch-evangelischen Arbeitsmoral, die Calvins Hass auf die Armen mit Luthers auf den niederen Pöbel so eifrig verbindet. Es fehlte auch nicht der Hinweis: “Ich muss ja auch morgens aufstehen“. Auch er also anbei, der Frühaufsteher, hacht® arbeitend.

Fleiß schafft Arbeit

Ja, wenn ich nicht ausschlafen kann, ist das nicht etwa ein Grund mich zu fragen, warum und ob ich das ändern kann. Ob die deutsche Idiotie, eine Arbeitswelt gegen den Biorhythmus zu befehligen, nicht irgendwie editierbar wäre. Nein: Mir geht es schlecht, da soll es anderen auch schlecht gehen. Es fehlte dann auch nicht der Hinweis auf den Reichtum der Hartz-Bezieher. Immerhin konnte ich das aufklären und erhielt Gehör. Doch, ich kenne den Terror ja von innen als jemand, der mehrere Opfer zum Amt begleitet hat. Dass man übrigens das ‘Existenzminimum’ noch kürzen kann, überzeugte dann wohl.

Einmal im Schwung, verwies ich dann auf Dynastien der Erbärmlichen. In dritter Generation Habenichtse, die Armut erben wie andere ihren Reichtum. Die in einer Atmosphäre aufwachsen, in der sie systematisch von Bildung fern gehalten werden. Mein Gegenüber hat derweil selbst erlebt, wie doll man hier ausgestattet wird, wenn man z.B. arm ist und studieren will – dann gibt es nämlich nur elternabhängiges BAFöG, in ihrem Fall 300 Euro. Sie hat Schulden gemacht, weil sie Leute kannte, die ihr etwas leihen konnten. Versuchen Sie das einmal als Erbärmlicher!

Ich wies noch darauf hin, dass in der Eurozone eine gewaltige Arbeitslosigkeit herrscht, die sich durch Automation noch drastisch vergrößern wird. Wir brauchen keine Leute, die nicht können oder nicht wollen. Die anderen kriegen schon kaum mehr Jobs. Auch 2018 wird man aber immer noch mit dem Märchen für Idiotenkinder konfrontiert, Arbeitslosigkeit entstehe aus Faulheit. Niemand schämt sich für derart schwachsinnige ‘Argumente’. Das muss an Fake News und den Russen liegen.

Moslems ins Lager

Einen kleinen Schlenker noch zur eigentlichen Wurzel, dem “Erbarmen”, das der Deutsche nur gebeugt kennt (Clusterwortwitz!). Zu den vielen Super-Ideen, wie man die Barbarenhorden® (schon jetzt Wort des Jahres) zivilisiert: Da sollen “Migranten” doch demnächst zu einem Besuch in einem KZ verpflichtet werden, so will es eine Spezialdemokratin. Sehr gut. Da bekommen sie gleich an der Rampe einen Einblick in die unbegrenzten Möglichkeiten deutscher Ingenieurskunst.

Häufig gerade den Lagern entkommen, die ein Papst eh schon mal mit Konzentrationslagern verglichen hat, können sie sich direkt überlegen, wie das gemeint ist, was sie dort zu sehen bekommen. Naheliegend ist wohl folgende Interpretation: “Guckt mal, das kann passieren, wenn man hier die falsche Religion hat.” Na denn: Willkommen in der Leitkultur®!

 
ss

Gruselgeschichten von Künstlicher Intelligenz, die sich vom Menschen emanzipiert und die Weltherrschaft übernimmt, sind Projektionen, die in einem sehr reduzierten Weltbild verharren. Hier werden naive Vorstellungen von Funktionszusammenhängen, Ängste, Phantasielosigkeit und grobe Unkenntnis der Technik zu einem Märchen verwoben. Das beginnt schon mit der Vorstellung, Maschinen würden herrschen wollen. Dabei ist schon die Vorstellung einer Maschine, die etwas will, blanker Unsinn.

Dahinter steht die Unfähigkeit zu erkennen, dass die Welt, die sich uns heute bietet, eine Momentaufnahme ist und alles, woran die Menschen sich täglich anpassen, eher ein Unfall ist als die Natur der Dinge. Menschen herrschen über Menschen? Es gibt Herren und Sklaven? Es ist erstrebenswert, Profit zu machen? Man führt Kriege, konkurriert und unterdrückt? Dann müssen das Maschinen, die alles besser können, das wohl auch effizienter tun als Menschen. Wirklich?

Gehorche!

KIen, die “Unternehmen gründen” sollen, legen das nahe. Welcher abstrus dämliche Code legt ihnen so etwas aber in den Mund? Man spricht nicht zufällig von “Befehlen” beim Programmieren. Ein Programm besteht aus einer Reihe von Befehlen, und wenn eine ‘KI’ etwas ‘lernt’, dann das, was der Code ihr befiehlt in dem Rahmen, in dem er es ihr befiehlt. Daran ist so viel Wesenheit und “Self-Learning” oder “Machine Learning” wie die Coder darüber wissen. Bislang lernen Maschinen von (einzelnen) Menschen, wenn es um Verhalten geht. Das Ergebnis ist entsprechend.

Zum Beispiel Autofahren: Nicht nur konnte man ‘selbstfahrende’ Karren mit einer Tüte Mehl einsperren, indem man Markierungen simulierte; wenn Programme Menschen beim Fahren beobachten (es gibt so ein Projekt), woran erkennen sie dann Fehler, selbst Unfälle, wenn man es ihnen nicht ausdrücklich mitteilt? Schon relativ einfache Handlungen mit begrenzter Flexibilität sind kaum zu verwirklichen. Am besten funktionieren daher klare Ziele: Zerstöre alles, töte jeden (außer ggf. jemanden, der ein Stopsignal sendet). Das gibt es aber schon.

Elitezombies

Eine brauchbare Simulation von Leben scheitert schon an der binären Struktur allen Codes. Es gibt Optionen wie ‘vielleicht’, ‘vielleicht später’, ‘unbestimmt, aber wirksam’ nicht. Man kann sie auch nicht sinnvoll simulieren. Leben ist geprägt von Bedürfnissen, die Maschinen nicht haben. Es ist charakterisiert durch Entscheidungen aus Bedürfnissen heraus, von deren Wirken wir kaum eine blasse Ahnung haben. Vor allem aber kennen wir keinen rationalen Ausdruck dafür, geschweige eine digitale Abbildung. Das wäre gar absurd.

Die Vorstellung autonom handelnder Maschinen ist Warenfetisch in dritter Abstraktion. Die Ware übernimmt endgültig selbst die Herrschaft. Der “Arbeiter” (Roboter) ist nicht mehr bloß zum Teil Ware (seine Arbeitskraft), sondern ganz und gar, als lebender Toter. Den Kern dieses Kunstwesens bildet dabei nicht mehr eine Kaskade von Bedürfnissen, die zum Versuch einer Welterklärung verflucht ist, sondern das wandelnde Leistungsprinzip. Effizienter, schneller, unermüdlich, sparsam und devot. Aber ausgerechnet das soll mit überlegener ‚Intelligenz‘ die Menschheit beherrschen – weil sich aus solchen Wesen quasi automatisch eine autoritäre Elite bildet?

Alle Artikel zum Thema in Reihe gibt es hier.

 
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SciFi-Autor Charles Stross hat auf dem 34c3 einen interessanten Vortrag zum Thema “KI” gehalten, den ich zunächst inhaltlich kurz abarbeiten möchte:
Ganz richtig stellt er fest, dass eine KI, die menschliches Verhalten perfekt beherrschte, “auf dem Sofa sitzen und Chips fressen” würde. Er weist Phantasien über selbststeuernde KI, die den Menschen beherrscht, als “Religion” zurück und bietet ein deutlich rationaleres Modell.

Ein schöner Satz ist eine seiner Kernaussagen: “The secret weapon of scifi is history”. Geschichte ist aber nicht nur die Geheimwaffe der Science Fiction; sie ist die Basis aller Wissenschaft. Sofern deren Zweck auch zutreffende Prognosen sind, ist es nur logisch, die Zukunft aus der Vergangenheit abzuleiten. Zudem meidet Wissenschaft Irrtümer, indem sie die der Vergangenheit meidet; ihr Entwicklungsstand ist geronnene Geschichte, und wenn sie neue Erkenntnisse gewinnt, muss sie sich revidieren, also ebenfalls mit ihrer Vergangenheit beschäftigen.

Stross meint, dass es bereits eine “analoge KI” gibt, nämlich “corporations” – Firmen bzw. Körperschaften, hier meist als “die Wirtschaft” verklärt. Diese sind durchaus mit digitalen Systemen zu vergleichen – Ihre Verfasstheit, die (u.a. juristischen) Regeln, nach denen sie funktionieren, sind die “Software”. Menschen sind Funktionsträger innerhalb dieser technischen Strukturen der Wirtschaft. Sie sind jederzeit ersetzbar; zunehmend durch Technik selbst.

Die große Maschine

Insofern gibt es bereits eine ‘KI’, die genau das macht, wovor Dystopien von einer Herrschaft der Maschinen warnen: Sie versklavt die Menschen nach ihren technischen Regeln. Selbst Regierungen unterwerfen sich den Regeln der Körperschaften. Die technische Entwicklung, mit der diese verbunden sind, ist wiederum so schnell, dass keine (staatliche) Regulierung dem jemals mehr beikommt. Man kann diese Systeme nicht regulieren.

Leider spricht auch Stross das böse Wort “Kapitalismus” nicht aus. Der nämlich ist die große Maschine, deren Regeln die Menschen folgen. Die Abläufe sind digital, folgen dem Regelwerk der Zahlen mit dem festgelegten Ziel G’ > G, mithin: aus Geld mehr Geld machen. Die technische Entwicklung folgt ebenfalls diesem Ziel. Stross wendet dann den Blick auf aktuelle Tendenzen bzw. Gefahren dessen, was hier “Digitalisierung” genannt wird.

Korrekt stellt er fest, dass Machine Learning im Netz Lernen von Aufmerksamkeitsökonomie ist, die Maschinen also also weder Denkstrukturen übernehmen, noch wirklichen Bedürfnissen entgegenkommen. Ob mit Angst, Sex oder grellen Farben – der ‘KI’ ist egal, wie sie Aufmerksamkeit erregt. Diese wiederum nutzt sie, um etwas zu verkaufen. Diese Beobachtung deckt sich übrigens mit dieser Analyse von ‘Fake News’ und angeblichen Twitter-Bots im Vortrag von Michael Kreil.

So what?

Stross geht seinerseits dennoch von der Gefahr aus, KI könne Wahlen manipulieren. Auch glaubt er, dass künftig Medieninhalte leicht und massenhaft gefälscht werden können, weil sowohl händisch als auch per KI selbst Laien in der Lage sein werden, zum Beispiel Gesichter und Stimmen so in Videos einzupflegen, dass eine Art Fake Evidence (gefälschter Beweis) zur Alltagswaffe für Trolle und Erpresser werden wird.

Ich will es zunächst bei dieser Zusammenfassung und einem Ausblick belassen. Schon die Vorstellung, man könne etwas ‘Echtes’ von der Komplexität eines Filmes mal eben produzieren, das sich nicht leicht von Menschen durchschauen lässt, halte ich für gewagt. Vor allem aber würde dergleichen zu einer völlig anderen Form von Kommunikation führen, die aus einer Spezies von Gläubigen eine von Zweiflern machen würde – mit allen weitreichenden Konsequenzen. Darüber hinaus müssen folgende Fragen gestellt werden:

- Wie soll aus der Simulation menschlichen Daseins eine überlegene ‘KI’ entstehen, die dem Menschen immer nur ähnlicher werden könnte?
- Was würde eine Anpassung ans Menschliche hervorbringen (wir hatten hier dieses erbärmliche Beispiel einer ‘KI’, die “ein Unternehemen gründen” ‘will’.)?
- Was ist überhaupt eine KI, die “intelligenter” wäre als der Mensch und wohin führt das vor allem in Bezug auf die “große Maschine” Kapitalismus?
- Ist das Problem nicht ohnehin keines der ‘Intelligenz’, sondern des Körpers?

p.s.: Hier gibt es das Transkript des Vortrags.

Alle Artikel zum Thema in Reihe gibt es hier.

 
 
hp

Quelle: Pixabay

Überall wird gedichtet wie bei Sanitär Paulsen, da habe ich auch mal wieder einen Schlager angestimmt (siehe unten). Vorab verabschiede ich mich in den letzten Akt der Völlerei und Böllerei mit einer frohen Kunde fürs Nächste:
Feynsinn hat einen Kooperationsvertrag mit einem jungen Startup geschlossen, das cloudbasierte Cyberservices mit Big Data Virtual Reality in der Blockchain verbindet, Digital First bei Full Spectrum Security und IPv6. Alle Services: Hardware, Software, Network Infrastructure and Lingerie. Buchen Sie noch heute!

Den weniger seriösen Kunden bieten sich dieselben Effekte bei deutlich geringerem Investitionsrisiko, aber immer dran denken: Nicht in die Schüttung greifen, erst kiffen, dann saufen! Andersrum macht nämlich dumm. Wir hören uns nach dem Frühstück, kommt gut rüber!

Das ist Leitkultur hier

wo der wohlstand wächst und das wachstum wohnt
wo man eisern spart und sich leistung lohnt
wo schon immer selbst der mann ist
und man wartet, bis man dran ist

fleißig wie die biene
pünktlich wie die uhr
ich eile, ich diene,
ich bin leitkultur.

tun, was die chefs sagen
nie nach dem recht fragen
zu allem bereit
nix ist zu doof
das leben ist schließlich kein ponyhof.

wo die landschaft blüht und der aufschwung schwingt
wo man ordnung hält und gern opfer bringt
wo schon immer so gemacht ward,
wer sich was dabei gedacht hat

treu wie der dackel
immer in der spur
ich eile, ich diene,
ich bin leitkultur.

immer bei rot stehen
zügig bei grün gehen
wir tun uns’re pflicht
da komme was will
es lebe der kuchen, der krümel schweig’ still!

wo man gast sein darf, wenn man zahlt und geht
wo die toleranz vor dem “aber” steht
wo schon immer gott es wollte
dass dem herrn respekt man zollte

folgsam wie die schafe
unsere natur
wir eilen, wir dienen
wir sind leitkultur.

gürtel schön eng schnallen
positiv auffallen
verantwortlich tun
der freiheit ein knecht
für zukunft, für frieden und menschenrecht.

 
And here’s what will have happened:

Januar: Die Sondierungskommission sondiert. Auf einem Sonderparteitag werden Sondersondierungen beschlossen, die zu sonderlichen Aussonderungen insbesondere der Teilnehmer an den Sondierunsgesprächen führen. In der Folge werden diese ausgesetzt. Christian Lindner beruft sich auf das Antidiskriminierungsgesetz und nennt sich künftig Christus Lindner. Das beschert ihm einen Sonderapplaus des FDP-Dingsbums, wo sie alle immer klatschen, wenn vorn der Oberfuzzi redet.

Februa
r: Am 12. des Monats treffen sich in Köln Jens Spahn, Peter Altmeier und Ursula von der Leyen zu einem Umtrunk um die Kanzlerkandidatur. Anschließend werden sie auf einem Wagen durch die Stadt gefahren und zur Schau gestellt. Das neue Format für die Legislaturperiode ist damit gefunden. Angela I. eröffnet die Olympischen Winterspiele in Pjöngjang und erklärt Russland den Dopingkrieg. Jochen Behle taucht wieder auf, in Begleitung von Elvis Presley.

März: Bei den Parlamentswahlen in Italien gewinnt eine Koalition aus der „Hartgasnationalen“ und Berlusconis „Democratia Bunga Bunga“. Die EU-Kommission fordert wirtschaftliche Reformen.
In Russland gewinnt Wladimir Wladimirowitsch Tepez gleichzeitig die Wahl zum Machthaber und die Schach-WM. Zweiter wird der Computer DeepThroat. Bei der Schach-WM wird Magnus Carlsen Vizeweltmeister. Zu Ehren Putins verurteilt Kasper Erdogan Deniz Yücel zu vier Millionen Peitschenhieben.

April: Endlich steht die Große Koalition der Demokraten. CDU/CSU, SPD, Grüne und FDP einigen sich auf eine rotierende Kanzlerschaft, beginnend mit Christus. Der Interimskanzler wird hundert Tage die Regierung führen, in denen er „Deutschland politisch erlösen“ will. Ihm soll Görings Kathrin Eckardt folgen, die einen “Weg christlicher Nächstenliebe“ verspricht. Die SPD verzichtet auf eine eigene Kanlzerschaft zugunsten der Regentin, die CSU tauscht die Regierungsmacht gegen eine allgemeine Fahrradmaut ein.

Mai: Bei den Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein holen Linke und AfD je über 20% der Stimmen, regieren aber in keiner Kommune. Die GroKodeDe schließt sich unter dem Jubel von Presse und Medien zu einer einzigen Partei zusammen. Christus fordert den Vorsitz und spricht Angela I. heilig. Sie soll künftig Ehrenpräsidentin und Wappentier sein. Beim Eurovision Song Contest holt Xavier Naidoo „das deutsche Gold zurück“, wird aber vorletzter.

Juni: Machthaber Wladimir Putin eröffnet in Moskau die Fußball-Weltmeisterschaft 2018. Bei der Zeremonie trägt er ein platiniertes Kettenhemd auf der blanken Brust und dazu einen selbst erwürgten zwei Meter langen Hecht. Westliche Medien werfen ihm Schlimmes vor. Sehr Schlimmes, oh-ooh! Außenminister Lawrow bittet darum, ein wenig konkreter beleidigt zu werden, so könnten seine Gagschreiber nicht arbeiten.

Juli: SpOn deckt auf: Russische Hacker haben die Sondierungsgespräche maßgeblich beeinflusst, die damit ungültig werden. Kommissarisch übernimmt Angela I-IV Kanzlerschaft, Führerschein, Zepter und Erdball. Es ist heiß. Oppa schiebt sein Enkelchen durch die Fußgängerzone und fragt junge Frauen, ob sie auch so etwas wollen. Die Massenpanik kann nur durch das beherzte Eingreifen der Besatzung einer Untertasse und eiskaltes Pilsbiergetränk eingedämmt werden. Bei der Fußball-WM gewinnt Russland, nachdem im Finale wiederholt mehr als zwei Gegenspieler des Feldes verwiesen wurden. Putin wird Ehrenpräsident der FIFA.

August: Eine neue Krise entfaltet sich: Die kombinierte Bitcoin- und Kreditkartenkrise. Peer Sparbrück und Josef Ackermann übernehmen gemeinsam das Finanzministerium und erklären „Deutschlands Wohlstand für ungefährdet“. Man habe in einem tiefen Abgrund noch Kippen und Pils gefunden, das sei „kein Grund zur Panik“, schuld seien vor allem die Mondfinsternis und Sternschnuppen der Perseiden. Der ESM wird aufgestockt, europaweit wird die Mehrwertsteuer gegen den erbitterten Widerstand der Sozialdemokraten mit deren Zustimmung auf 25% erhöht. Das beruhigt die Märkte, die Anleger und die Meteoriten. Die Bundesversammlung feiert einen Dankgottesdienst.

September: Ein Jahr Kommissarin Merkel. Inzwischen sind alle Teilzeitkanzler unter ihr zurückgetreten und sie nimmt das Amt wieder auf. Die Verfassungsklage gegen die Akklamation von Kanzlern ohne parlamentarische Abstimmung ist damit hinfällig. „Habt ihr gedacht, die regieren hier wirklich?“ fragt Merkel bei einem Kindergartenbesuch. „Ach, das war doch nur ein Spaß!“ ruft sie zur Freude und unter dem Applaus der Kleinen aus. Yussuf klatscht nicht mit.
Der Bundestag beschließt die „Vereinfachung der Abschiebung bei Verweigerung der Integrationierung“. Schüss Yussuf!

Oktober: In München steht ein Hofbräuhaus. Da der Kandidatenumtrunk aus dem Februar keine Entscheidung brachte, muss Merkels Nachfolge erneut ausgesoffen werden. Die Amtsinhaberin bringt als Sekundanten Otto Wiesheu und Margot Käßmann an den Start. Wieder nix mit Wachablösung. Jens Spahn und Peter Tauber treten in „die Grünen“ ein und werden in einem großen Gottesdienst von Göring und Kretsche in den Parteivorstand gesalbt.

November: Die Verräter feiern 100 Jahre Dolchstoß. Erst die Kriegskredite und dann schon wieder dem Kapital in den Arsch gekrochen, noch ehe Zar und Kaiser ordnungsgemäß entsorgt sind. Scheidemann verhinderte durch seine Anmaßung eine „Republik auszurufen“ für hundertfünfzig Jahre eine einige europäische Linke und startete das Projekt ‘33, wovon der Dödel natürlich nichts ahnte. Das feiern die Chefsozen jetzt wie Stricher in Rio und lassen sich von hundert Praktikanten … es ist widerlich.

Dezember: Meine Fresse. Was weiß ich, was nächsten Dezember ist?! Wer liest denn so nen Scheiß ey? Mal ehrlich! Hallo?! Okay, es gibt hundert Jahre Helmut Schmidt, davon immerhin drei ohne unverzichtbare weltweise staatsmännische Ratschläge vom Scheißmorgen bis zum verdammten Abend. Lebt Kissinger eigentlich noch, der alte Gulaschfabrikant? Na dann aber mal fix wo einmarschiert oder wenigstens ordentlich was bombardiert, der alte Mann braucht Blut!
So, ab nach drüben jetzt. Wo immer das sein mag …

 
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Quelle: Pixabay

Beginnen wir mit Zweiterem: Meiner kleinen Betteley sind auch dieses Jahr wieder einige Unterstützer/innen großzügig nachgekommen, wovon ich noch immer überrascht bin. Danke einmal mehr, ich will es euch von A bis Z heimzahlen. Ich nehme an, so war das auch gedacht.

Zum Jahresende muss ich diesmal ein paar Brocken aufnehmen, die herumliegen wie das Tigerfell bei “Dinner for One”, zum Beispiel das hier: Das Kind kann nicht arm sein, schau wie fett es ist! Las ich doch neulich, irgendetwas sei möglicherweise nicht total Optimal im Staate Dänemark, “trotz wachsenden Wohlstands“. Da haben wir nach nunmehr 35 Jahren Lambsdorff-Papier also immer noch dieselbe Propaganda, verdichtet gar, wo aus dem Merkellispel Wachstum und Wohlstand® gleich eine Art Sozialorgasmus wird. Uns steht der Wohlstand bis zum Hals. “Wir”, das sind die Nahlesneger, die etwas leisten®. Wer nicht gebraucht wird, ist Linkspartei, denn

Wir [orientieren] uns an Arbeit und Leistung und nicht nur an staatlicher Umverteilung wie die Linkspartei“.

Lasagnederby

“Reaktionär” heißt der extreme Konservatismus, weil er an Zuständen auch dann noch festhält, wenn sie schon lange passé sind. Auf dem toten Pferd ist der Soze ein Spitzenjockey. So stur, blind und taub musst du erst mal sein, in diesen Zeiten weiter von “Arbeit und Leistung” zu faseln und damit Menschen zu meinen, die sich ihr Existenzrecht gefälligst zu verdienen® haben. Die Welt erzittert vor der Überflüssigkeit menschlicher Arbeit; hier singen sie “Digitalisierung®” und halten das für Fortschritt®, der zu weiterem Wohlstand® führe. Dass man das nur noch mit staatlicher Umverteilung® ausgleichen kann in diesem System, ist so logisch, dass man sich schon ein rotes Parteibuch in die Hirnrinde rammen muss, um es nicht zu kapieren.

Sie könnten doch wenigstens irgendeine Zeitung lesen? Allüberall reden sie derzeit über “KI” und was daraus werden wird. Könnte das eventuell Folgen für Arbeit und Leistung® zeitigen? Ach nee, ist ja ganz anders gemeint : Die SPD ist nämlich jetzt die Partei der Leistungsträger®. Sie wissen, dass die immer weniger werden, aber die Unnützen sind halt fett, faul und dreckig. Nicht unsere Klientel! Das ist Linkspartei, alte Sozialdemokratie. Hier ist Neue Mitte ©1998!

Search Terrestrian Intelligence

Was konkret über KI wiederum geschrieben wird, ist ein eifriger Niveaulimbo von ahnungslosen Lohnschreibern. Sagt der Chefredakteur: “Müller, machen Sie bis heute Abend was über dieses KI!” Sagt der Müller: “Aber ich verstehe doch gar nichts davon.” Chefredakteur so: “Unsere Leser auch nicht, sehen Sie halt zu, dass ‘Digitalisierung’, ‘Industrie vier null’ und ‘Datenautobahn’ drin vorkommt!” In den hiesigen Kommentaren sind wir da schon wesentlich weiter. So weit allerdings, dass ich mal zwei Tage ohne Komplettfett brauche, um das zu sortieren. Ich nehme derzeit täglich vier Kilo zu. Ich hasse mich.

So, jetzt ruft noch der Jahresrückblick 2018. Ob ich den wenigstens schaffe? Schwierig. Wenn es nichts wird, wisst ihr bescheid: Lasst mich einfach hier liegen. Seht zu, dass ihr durchkommt. Irgendwer muss durchkommen!

 
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Quelle: Pixabay

Meine früheste Erinnerung an Weihnachten ist die geschlossene Wohnzimmertür. Angeblich treibe sich dahinter ein „Christkind“ herum, hieß es. Ich wollte aber da aufs Sofa und hatte noch nie etwas von einem „Christkind“ gehört. Stunden dauerte das, während eine genervte Mutter in der Küchenzeile Lebensmittel stapelte. Später wurde die Geschichte von diesem Kind, das ich übrigens nie zu sehen bekam, fröhlich zur Psychose ausgewalzt. Das muss diese ‘Wiege des Abendlands’ sein.

Dieses „Christkind“ also, das unser Wohnzimmer umgestaltet und bunte Kartons hinterlassen hatte, um unsichtbar zu verschwinden, wurde gelegentlich durch einen Weihnachtsmann abgelöst, der irgendwie dem Nikolaus nicht unähnlich war, welcher aber wiederum eigentlich ein toter Bischof war, der auf demselben Pferd durchs Dorf ritt wie St. Martin – noch so ein Bischof, eigentlich aber ein Ritter mit Schwert und Helm.

“Weihnachtsmann” kam durch den Kamin, womit er in unserem zu dieser Jahreszeit – es gab ja noch Winter damals – mit Anthrazit beheizten glühenden Ofen landen musste. Derweil warteten irgendwo über dem Haus Rentiere als Schlittenschlepper; so eine Art Hirsche, von denen ich auch noch nie etwas gehört hatte. Aber dich in die Klapse schicken, wenn du realen außerirdischen Lebensformen begegnest!

Weihlandsistkindmann

Als die Wohnzimmertür offen war, strömte die Großfamilie hinein und es ereignete sich, was sich künftig jedes Jahr ereignen würde: Die bunten Päckchen wurden irgendwem von irgendwem zugeworfen, der sie aufriss, während alle aneinander vorbei vor sich hin brüllten. Im Hintergrund spielte eine Schallplatte „Stille Nacht, heilige Nacht“. Alle waren einander sehr dankbar für die schönen „Geschenke“, die aber eigentlich das Christkind gebracht hatte. Am nächsten Tag waren sie nicht mehr so dankbar und schimpften über doofe Geschenke von doofen Leuten.

Ich habe diese Veranstaltung später einige Jahre sehr erfolgreich gemieden, dann kamen meine Kinder. Alle sind immer der Meinung, „für die Kinder“ müsse man das machen, dummerweise haben diese wiederum schnell erkannt, dass sie alles Mögliche abstauben können bei der Veranstaltung und daher keine Widerrede zuließen bezüglich der Notwendigkeit einer ordnungsgemäßen Durchführung der Festivität. Auch wenn ich in den Jahren dazwischen weitere Zweifel entwickelt hatte (warum heißt es etwa „Fest“, wenn im Dorf endlich mal was los ist?), wurde mir klar, dass man sich gegen Frau und Kinder als Einzelpartei jeweils erfolgreich wehren konnte, aber niemals gegen beide.

Stille! Nacht!

Immerhin liefen keine Schallplatten mehr, auch nicht die zur Adoleszenz gern aufgelegten Werke „Punk‘s Not Dead“ oder „The Great Rock‘n Roll Swindle“. Es war sogar ruhig. Man sprach einzeln. Den Rest konnte man auch aushalten, denn inzwischen stand ausreichend Alkohol zur Verfügung. In einer Jahreszeit, in der die zwei Stunden ‚Sonnenlicht‘ durch eine Anthrazitfärbung des schwarzen Deckels erfreuen, feiert man still auch das Heldentum der Polarbewohner in deren ureigenster Domäne, dem Verzaubern von Ethanol in Fett. Und wenn man dabei ist, stopft man den Rest der Leber halt mit anderem Ekelszeugs.

Derweil feiern die Psychos da draußen einen Heiland aka Christkind und dessen angebliche Geburt, weil sie doof sind. Überhaupt ist es die Zeit der Honks. Wo bleibt eigentlich das große Epos über Weihnachtszombies, die, nachdem sie genüsslich das Fett aus der Fritteuse geleckt und den Fonduetopf geext haben, röchelnd auf die Schwarten der Genossen losgehen und sich von dort aus zur Leber durchfressen? Die wirklich gebildeten wissen: Weihnachten ist das Lichterfest und damit das Fest des Prometheus, der den Menschen das Feuer brachte. Ihr wisst, wie die Story geendet ist. Zufall?!

 
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Quelle: Pixabay

Ich habe das schon häufiger hier angedeutet, dass mir Zeitgenossen regelmäßig auf die Murmeln gehen, weil sie Informationen mit Glaubensbekenntnissen begegnen. “Das glaube ich nicht” oder “woher weißt du das?” werde ich dann gefragt von Leuten, die sonst nie irgendetwas anzweifeln, das ihnen erzählt wird. Ich höre dergleichen auch von anderen, denen es ähnlich geht: Betest du die Tagesschau nach, giltst du bei den Meisten als seriös; widersprichst du den offiziellen Verlautbarungen, setzen sie dir einen Aluhut auf.

Fefe hat neulich die richtige Frage gestellt: “Was waren die Meldungen vom Oktober diesen Jahres?“. Ich habe in meinem Studium einmal eine Studie aus den 70ern zitiert, die zu dem Schluss kam, dass Zuschauer der Tagesschau “sich informiert fühlen”, aber schon kurz nach der Ausstrahlung nicht mehr wissen, was sie da gehört haben. Allein die Struktur, am Ende noch eine nette Anekdote und dann das Wetter, sei geradezu darauf angelegt zu vergessen. Zudem werden “Nachrichten” eben nicht nachhaltig in einen Zusammenhang gesetzt (siehe dazu auch hier).

Der Feind des Proletariats

Was war letzte Woche los und was hat das mit der vorletzten zu tun? Wer das nicht beantworten kann, ist im echten Leben verloren, egal ob es Job oder Familie anbetrifft. Nur im politischen Kontext werfen sie sich unsortierte Splitter zu und ‘glauben’, darin liege die Wahrheit. Es ist diese seltsame Kunst, einerseits keine Zeit zu haben, sich aktiv zu informieren (und passiv ist keine Information zu haben), aber immer so zu tun, als wüsste man bescheid – weil sich das so gehört.

Allein der ganze Unsinn von Wachstum® und Vollbeschäftigung®über faule Griechen® und die schwäbische Hausfrau® bis hin zu Terroristen®, gemäßigten Rebellen®, Regimen® und Machthabern® ist so sinnfrei, dass jeder, der sich das freiwillig anhört, damit seine Religionszugehörigkeit belegt.

Es gibt ein da Draußen und hier Drinnen; die große Filterblase des Mainstream ist kaum zu durchdringen. Wer andere Filter hat, zumal wer von grob bis fein alles wahrzunehmen versucht, ist ein Freak. Tröstlich ist vielleicht der Umstand, dass die Membran der Blase nur in eine Richtug durchlässig ist. Wer sie einmal verlässt, kehrt nie wieder zurück. Damit einher gehen könnte eine weitere Hoffnung; die nämlich, dass die Menschen immer weniger arbeiten werden und daher mehr Zeit haben. Roboter übernehmen, sie sind inzwischen sogar schon Hilfssheriffs und verjagen Obdachlose.

Antiautomatäre Linke

Die Krise wird sich immer mehr verschärfen, denn es werden nur mehr Leute gebraucht, die billiger sind als Roboter und solche, die den niederen Sklaven Beine machen. Bislang läuft die Konkursverschleppung vor allem in Deutschland noch bemerkenswert gut; es nährt den Verdacht, dass Menschen eigentlich nur noch beschäftigt werden, damit sie nicht auf kluge Gedanken kommen. Die Robotisierung birgt aber noch andere Gefahren.

Da Roboter nämlich nicht konsumieren, muss das einer der nächsten Schritte sein: Man wird sie entlohnen, damit sie sinnlos Sachen kaufen, um das Wachstum® zu sichern. Spätestens dann wird die Menschheit beinahe ihren wahren Feind erkennen: Nicht Jude oder Moslem, sondern Roboter. Der, und das ist die geile Ironie des Ganzen, ist aber nichts anderes als Privateigentum, d.h. Produktionsmittel. Die Revolution wird mithin eine marxistische sein.

 
bn

Im Disput über einen ‘Panorama’-Beitrag vom Oktober zu kurdischen Organisationen erklärt die Redaktion kurzerhand alle, die sich auf Öcalan beziehen, für “PKK” und diese – trotz erheblicher programmatischer Veränderungen – für “marxistisch”, so dass der Zuschauer weiß: Hier sind linke Terroristen am Werk. Im noch immer felsenfest antikommunistischen deutschen Narrativ werden die Kurden, die im Irak, der Türkei und Syrien um ihr Überleben kämpfen, auf ‘böse’ gelabelt. Verheerend sind die Argumente der Redaktion, die keine Untiefen scheuen und so etwas hervorbringen:

Alle wissen: es ist die PKK [...]. Diese Formulierung ist dann gestattet, wenn Belege für einen Sachverhalt so überwältigend und ubiquitär sind, dass man den Sachverhalt als Gegenstand einer breiten öffentlichen Übereinstimmung, eines Konsenses, des sogenannten “Weltwissens”, betrachten kann. “Konsens” und “Weltwissen” bedeuten nicht, dass die Zustimmung 100 Prozent der Subjekte betragen muss. Es geht um die Zustimmung der überwältigenden Mehrheit.“, vom ‘lowerclassmag’ zusammengefasst:
Es muss stimmen, weil ein Großteil der Menschen denkt, dass es stimmt.“

Weiß doch jeder

Von diesem bizarren Glaubensbekenntnis (“Weltwissen”) ist es nur mehr ein winziger Schritt zum bedingungslosen Nachplappern dessen, was die Bezugsgruppe für wahr und richtig hält. Die Kapitulation jeder Kritik, für wahr zu erklären (“öffentliche Übereinstimmung”), was eine Mehrheit angeblich denkt, ist der Untergang der Aufklärung. Da die angebliche Mehrheit aber jeder seriösen Überprüfung entbehrt, wird hier konsequent erklärt: Wahr ist das, von dem wir annehmen, dass es wahr ist, weil das “alle so sagen.” – die Definition einer Filterblase ohne Korrektiv. “Theorie-Diskussionen müssen andere führen“, sagt die Redaktion dazu. Klar, wenn man nur verkündet, muss man nicht selbst denken. Das ist es, was kritischen Journalismus® heute ausmacht.

Der Burschenschaftler und gut vernetzte Atlantiker Claus Kleber hat derweil ein Büchlein verübt, in dem er uns erklärt, warum Gott groß ist und seine Stellvertreter auf Erden (“von Berufs wegen faktenorientierte Wesen“) uns von der Weltweisheit künden. Tausende mies bezahlter Schreibarbeiter, die am Hungertuch nagend Auftragsartikelchen zusammen hecheln und Agenturmeldungen variieren, werden einmal mehr pauschal für kritisch®, hier “faktenorientiert” erklärt, weil sie eben von denen bezahlt werden, die solche ‘Fakten’ verkaufen. Die Abhängigkeit von diesem Geschäft wird hier ausdrücklich mit dem Besitz der Wahrheit identifiziert. Der verlinkte Artikel antwortet der Kleberschen Anmaßung angemessen.

Es ist Propaganda, und zwar auf einem Niveau, das sie inzwischen sehr durchschaubar macht. Der Akt, in dem die unterschiedlichen kurdischen Organisationen allesamt mit der PKK identifiziert und für “marxistisch” erklärt werden, ist ja noch regulär komplex im Vergleich zum haarsträubend simpel gestrickten Feindjournalismus in Bezug auf Russland – das größte Land der Erde mit der zweitgrößten Militärmacht, das regelmäßig “Putin” genannt wird. Wie kritisch® berichten sie da? Wer erwähnt je den Einfluss der CIA auf die Wahl Jelzins, der seinerseits Putin hervorbrachte? Wer erwähnt je die Geschichte der NATO-Osterweiterung? Das gehört offenbar zur dunklen Seite des Weltwissens®. Das muss der Zuschauer nicht wissen.

 
ss

Die offizielle Staatsdoktrin, so etwas wie “uneingeschränkte Solidarität mit Israel”, muss man wohl zur Kenntnis nehmen und insbesondere unter geostrategischen Gesichtspunkten berücksichtigen. Da ist Deutschland schlicht Teil der NATO. Für Juden, zumal für Opfer des Holocaust, und erst recht für nichtjüdische Opfer des Massenmordes der Nazis, hatte dieser Staat noch nie etwas übrig. Warum auch? Es sind schließlich die Täter und deren Erben, die den Staat und seine Organe gegründet haben. Hier tun sich wiederum die Nazirichter und deren Nachfolger besonders hervor.

Ein noch recht aktuelles Beispiel sind die Renten für Zwangsarbeiter, eine Frage, in der sich die Mentalität des deutschen Richtertums wie eh und je präsentiert und ihren Nazi-Ahnen alle Ehre gemacht hat. Jahrzehnte lang hat das deutsche Rechtssystem Naziopfer zunächst verfolgt (insb. den Verein der Verfolgten des Naziregimes, dessen Mitglieder als ‘Kommunisten’ von denselben Richtern eingeknastet wurden, die sie bereits kannten), dann wurde ihnen jede Form von Entschädigung verweigert. Als dann doch endlich ein Richter, letztlich per Petition, dafür gesorgt hat, dass Zwangsarbeiter entschädigt werden, wurde er selbst gemobbt und vor den Kadi gezogen – wegen angeblicher “Rufschädigung” der Kollegen. Alles wie gehabt.

Trauerspiel

Die offizielle ‘Solidarität mit Israel’ ist an Heuchelei nicht zu überbieten. Schauen wir uns also einmal die inoffizielle an, die vor allem aus rituellen Beiträgen zum örtlichen Konflikt mit den palästinensischen Nachbarn besteht sowie einigen anderen kultischen Handlungen sogenannter “Antideutscher”. Zunächst zum Wort “Palästinenser”, das diese Fraktion schon ablehnt, mit durchsichtigen Motiven. Ich bin Rheinländer; Niederrheiner, genauer gesagt. Darf ich? Nein? Weil wir keinen Staat gegründet haben? Weil wir von den Alliierten in eine Chimäre namens “Nordrhein-Westfalen” gesperrt wurden? Hat jemals sich wer als “Nordrheinwestfale” bezeichnet? Und was ist eigentlich mit Kurden? Ach ja, die dürfen ja, wegen Karl May.

Albern, das. Israel-Palästina also. Ein sehr vielschichtiger Konflikt. Wie ich nicht müde werde zu betonen, brauchen weder Israelis noch Palästinenser hier die Solidarität von zertifizierten Nazienkeln. Es gibt 192 Staaten und ein paar Regionen mehr, in denen Menschen leben, die da prima solidarisch sein können oder sonstwie eine laute Meinung haben. Nicht aber Deutsche. Du Deutscher? Du Fresse halten! Es gibt 7 Milliarden Leute, die sich dazu verhalten können, ohne die schon komplizierte Sache mit einer solchen Vergangenheit zu verseuchen. Egal, ob dir Palästinenserkinder mit gebrochenen Armen leidtun oder Menschen, deren Vorfahren vor dem Unfassbaren fliehen mussten und die jetzt von Bombenanschlägen bedroht werden.

Klappe, Spaten!

Das Niveau der Argumentationen ist obendrein erbärmlich; da ist das mit dem nicht existierenden Palästina schon regulär gut. Vollspaten aber, die Phosphorbomben auf deutsche Städte geil finden oder meinen, Amerikaner müssten Deutsche zivilisieren, braucht kein Mensch. Wie geschichtsblöd kann man eigentlich sein? Die Kollaboration von Nazis und Alliierten hat die BRD gegründet, und schon bald durften die Nazis das Innere wieder fein selber regeln. So zum Beispiel, dass noch 2016 jemand, der sich für die Entschädigung von Opfern einsetzt, verfolgt wird – in einem Staat, in dem die Witwe des grausamsten Richters der Geschichte bis zu ihrem Todesjahr eine Witwenrente bezog.

Auf der anderen Seite kommen die Solidarischen (mit den Palästinensern) erstens auch nicht auf die Idee, dass sie in ganz hässlicher Gesellschaft landen. Nicht bloß, dass die ‘Kritik’ an Israel eben von Deutschen eine Anmaßung ist, die sich gewaschen hat. Es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass die ‘Opposition’ durchsetzt ist von Islamisten und Mördern, denen es um alles geht, aber nicht um die betroffenen Menschen und deren Wohlergehen. Das Ende vom Lied sind zwei Fraktionen, die sich wie Schalke und Dortmund gegenüberstehen ohne zu erkennen, dass das hier kein verdammtes Fußballspiel ist.

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