2005-2013 (alle Beiträge)
org
 
-------
Best of 2005-2013

 

Zum neuen Blog

back

 

 
sarrazEinmal noch, kommt, weil er es so gern möchte! Dieser Nuhr hat wieder eine Gelegenheit wahrgenommen, sein fürchterliches Mimimi abzulassen, weil sein unqualifiziertes Blabla die Resonanz erregt hat, auf die es abzielt. Ein Typ, dessen Witze so schlecht sind, dass er allein für das, was er “Pointe” nennt, schon ein paar Wochen Waterboarding verdient hätte, heult rum, weil er kritisiert wird. Niveau: Greta macht keine Heizung an, wenn es kalt ist. Wenn es dann aus dem Wald zurückschallt, sieht Nuhr “keinen Respekt für Andersdenkende“. Was andersdenkt er denn so?
 

Seine Welt besteht aus doofen Moslems, faulen Griechen, Internet-Schmarotzern und Dieben, die gegen ACTA sind, hässlichen runzeligen Weibern, die keiner will (im Gegensatz zur “Bombe” “aus gutem Hause”) und die man trotzdem besteigen muss. Er präsentiert Gegensätze wie hie die Studierten und dort die Doofen, die “mit 23 in die vierte Klasse gehen“, hie die “Hochbegabten” und dort die “Idioten“, die “alle dieselbe Note” kriegen. Wir werden alle gezwungen, Fußballspiele “der Transsexuellen” zu gucken, weil die Linken in ihrem Wahn “absolute Gerechtigkeit” wollen, ergo die “absolute Diktatur“.

Paranoia

Diese paranoide Wahnvorstellung ist deckungsgleich mit denen eines Thilo Sarrazin, der seine Seilschaften genutzt hat, um in höchst dotierten Jobs zu dilettieren, Haushalte vor die Wand zu fahren und Bücher zu publizieren, in denen er einem Millionenpublikum seine faschistischen Phantasien unterbreiten konnte. Der Tenor dieser Hetze: Man dürfe das alles nicht mehr sagen. Jeden Tag stand der Mann vor Mikrophonen und Kameras, vertickte seinen Dreck an alles, was für rechtsextremen Dung zugänglich ist und behauptete gleichzeitig, man dürfe das nicht sagen.

“Andersdenkende” sind die, die vom Mainstream abweichen. Paranoiker wie Nuhr und Sarrazin wähnen sich in einer Welt, in der sie eine verfolgte Minderheit darstellen. Verfolgt von der herrschenden Linken, die alle Wörter verbietet. Diese Opfer sind obendrein meist Millionäre, wirklich privilegiert und mit unbegrenztem Zugang zur Öffentlichkeit. Werden sie bestraft für den Mist, den sie verzapften? Kommen sie ins Gefängnis, werden sie verprügelt? Nein, sie ernten Widerspruch – wie unfassbar respektlos!

Echoverleihung

Wenn dann obendrein ein Pausenclown, dessen Geplapper einen halbwegs respektablen Intellekt quält und nach Kräften beleidigt, in seiner beeindruckenden Ahnungslosigkeit von den Themen, zu denen er schwadroniert, sich zu der Aussage versteigt: “Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten“, ist das eine eindringliche Bitte um Prügel.

Was am Ende bleibt an Repsektlosigkeit, sind vielleicht irgendwelche Zuschriften von Honks, die einen mit “Arschloch, Penner, Wichser” begrüßen und Dinge androhen, deren Beschreibung sie womöglich aus billigen Gruselromanen abgetippt haben. Kenne ich. Hatte ich in diesem meinem Webauftritt zu Hunderten. Schön ist anders, aber was zur Hölle hat das damit zu tun, was ich darf und was ich nicht darf? “Halt’ die Fresse, Nuhr!“, sagt der böse Mann hier, und selbstverständlich wirst du weiter plappern, ohne dass dir wer was tut. Schade eigentlich.

Bildquelle oben: Wikimedia Commons / Richard Hebstreit

 

… zweimal Kassieren, indem man die selbst verbreitete Propaganda in Form von ‘Meinungen’ wieder einholt und noch einmal veröffentlicht.

 
xx

Heute vor 71 Jahren wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet. Ein knappes Jahr darauf entstand die NATO, sicherte sich dieses Label und das Recht, sich die Stiefel damit abzuwischen.

Als die USA den Krieg in Vietnam begannen (Menschenrechts-Tags: einige Millionen Tote, Agent Orange, Napalm, Phosphor), haben sie sich noch keine Unterstützung ihres ‘Verteidigungsbündnisses’ gesichert. Die Organisation der westlichen Massenmedien war auch noch nicht so bestellt, dass man dieses Massaker als “Verteidigung” hätte deklarieren können. In dieser Hinsicht hat sich einiges zum Schlechteren gewendet.

Das Böse

Im Kampf gegen das Böse ging ihr in den späten 80er bis frühen 90er Jahren der Kommunist als Feind aus. Es musste also ein neuer her, um weiterhin weltweit und vor allem in öl- und gasreichen Regionen Krieg führen zu können. Zudem wurde nicht lange gezögert: Schon 1988 der erste Krieg gegen Irak, der diesmal propagandistisch vorbereitet wurde, vor allem durch die Brutkastenlüge [zur Propaganda als Kriegsbegleitung siehe hier]. Kurz darauf wurde mit Jugoslawien eine weitere Front eröffnet. Der Grüne Außenminister sprach davon, ein “Auschwitz” müsse “verhindert werden“. Auslöser dieses Krieges war überdies die Anerkennung der Unabhängigkeit eines Teils Jugoslawiens durch den Vorgänger im Amt. Die Erben der Nazis halfen dabei, wieder Serbien zu bombardieren – gegen Auschwitz.

Ein Geschenk des Himmels war dann 2001 der Anschlag auf das WTC. Seitdem sind Muslime der neue Feind, und wie der Zufall es will, besteht die öl- und gasreichste Region der Erde ausschließlich aus muslimischen Staaten. Zwischen den Nahen Osten im Süden, China im Osten und der ehemaligen Sowjetunion im Norden liegt Afghanistan. Pech für dessen Einwohner. Strategisch und für den Transfer von Gas nicht unwichtig, war es bereits für einen Stellvertreterkrieg zwischen den USA und der SU missbraucht worden. Nach “9/11″ und bis heute ist es in einem absurden, bald 20-jährigen Krieg das Testgebiet für die Angriffskriege der NATO.

Verteidigung

Das Wichtigste am Ereignis “9/11″ war der konstruierte Bündnisfall. Weil Kriminelle in New York einen Terroranschlag begingen, hat die NATO Afghanistan besetzt. Dies wurde als “Verteidigung” verkauft; in Deutschland vom besagten Grünen Minister, der von “Aufbau” sprach und seinem SPD-Kollegen im Kriegsministerium, der “unsere Freiheit am Hindukusch verteidigen” wollte.

Im Anschluss wurde der Irak überfallen (bis heute eine unbekannte Zahl an Opfern, ebenfalls siebenstellig), nach einer Lüge über angebliche Massenvernichtungswaffen, die nachher dem Urheber selbst (General Powell) peinlich war. Sorry für die Massenvernichtung! Dies war der Auftakt zur Zerstörung eines Großteils der Region.

Die Guten®

Es folgten die “Flugverbotszone” in Libyen, das seitdem ein Failed State ist, Unruhen in Ägypten nach dem Sturz des vom Westen gehätschelten Diktators und weiteren dilettantischen Eingriffen, die Bewaffnung von so erschaffenen Warlords und ihren Horden gegen Syrien, aus denen der IS hervorging und die Bewaffnung weiterer Horden, um diesen zu bekämpfen sowie aktive Kriegsführung der NATO auf unterschiedlichen Seiten (USA vs. Türkei). Eine Orgie von Tod und Gewalt, ein grandioses Geschäft für die Rüstungsindustrie und zumindest der Erfolg, dass Öl und Gas nicht von anderen kontrolliert werden.

Dies ist eine hektische Zusammenfassung nur der Highlights, der aktuellsten und wichtigsten Leistungen unseres Verteidigungsbündnisses. Bei uns sind das die Guten®, die mit den Menschenrechten®, die Weltpolizei®, die uns beschützt. Angesichts solcher Schizophrenie soll sich noch irgendwer wundern, wenn Experten wie Trump und Johnson die politische Kultur repräsentieren? Ich kann mir keine passenderen vorstellen.

p.s.: Die Methoden, Folter, Mord, Vergewaltigung und Entführung, habe ich nicht explizit erwähnt. Das sind die Mittel des Krieges. Wer anderes erwartet, müsste schon glauben, die würden für die Menschenechte geführt (Hashtag #fuckinforvirginity).

Update: Jetzt 735 Milliarden Dollar im US-Haushalt, um Frieden und Menschenrechte herbei zu bomben.

Update 2: Gute Ergänzung: Telepolis vom August 1999.

 
xx

Ich genieße weiterhin in dieser Mischung aus Schauer und Faszination, wie sich der Kollege Kay Sokolowsky mit den Niederungen des Parteipersonals kontaminiert, halte aber weiterhin einen gewissen Ekelabstand von derlei Versuchen. Ganz prinzipiell will ich aber noch einmal die vom Verein Empörten quasi erniedrigen.

Als ein fader Typ mit Doppelnamen und einer drögen Tante an seiner Seite eine ‘Wahl’ gegen eine Irrelevante und den großen Minister ‘gewann’, versammelten sich auf der Empore zunächst, wie es der Kult verlangt, die Braven und Korrupten. Ein weiterer Tiefpunkt, ach was, ein Untergang, stellten die neuen Parteimaskottchen doch alles infrage, was in den vergangenen Jahrzehnten zur Beruhigung der Märkte und ihrer Eigentümer beigetragen hatte. Und obendrein die Große Koalition!

Revolution …

Kurz darauf, als die vermeintlichen Revoluzzer bereits alle Lampen geputzt hatten, hallte es von der Gegentribüne: “Verrat!” Aus der SPD. Da keimte Hoffnung auf – hätten sie wirklich endlich das V in “SPD” gefunden? Wüssten sie plötzlich, wo sie waren? Keine Sorge, so viel Erkenntnisschock muss da nicht verdaut werden. Morgen setzen sie wieder auf die Basis®, ihren treuen Dackel, mit dem der Schwanz ‘Fraktion’ so lustig wedelt und warten auf den nächsten guten Mann®.

Dabei hatten sie zuletzt bereits zwei, die auf dem Weißen Pferd eingeritten waren. So viel Scherz muss sein, wie sonst soll man sich über so etwas wie Hannover hinweg trösten? Aber zurück zum Thema: Die wilden Rebellen, Reformer der Reformer (ja, lieber George, wir sind völlig durcheinander mit den Wörtern, bedeutet “Reform” doch längst Reaktion und Unterdrückung, aber als Gegensatz zur Revolution passt er noch so gerade), jene der Linken® also, drohten eine Koalition zu verlassen. Nicht, sich gegen das Kapital zu wenden; auch nicht, irgendetwas an den Machtverhältnissen zu ändern. Nur halt: Mal nicht gleich ganz und gar im politischen Rektum des Kapitals zu verschwinden.

… und Realismus

Kaum waren die Rebellen also an der innerparteilich-innerparteilichen ‘Macht’, stellten sie aber fest: Keiner da. Nix los. Nicht mal Teil eines Teils des Gesetzgebungsverfahrens, seinerseits Nebenschauplatz eines Unterausschusses der realen Macht. Macht man denn da? Guckt ein Stüfchen höher, wo die Fraktion sitzt, in jener Anstalt, deren Insassen zumindest das Gefühl einer Entscheidungskompetenz spazieren führen dürfen. Hat sich denn da geändert? Aha, nix. Oder doch: Von oben schallt es herab: „Schnauze, oder wir verprügeln eure Frauen und Kinder!“

“Blöd”, erkennt der neue Unterchef vom Unterchef. Machen wir denn da? Rebellion? Ach nee, haben wir ja gerade, deshalb stehen wir ja hier. Und sonst? Erst mal die Lage beruhigen, um neue Kraft zu schöpfen. Vielleicht ein paar Lampen putzen. Und ein paar Plakate kleben, auf denen vor den bösen roten Horden gewarnt wird. Gute Idee, das sorgt für Konsens, und Konsens war ja immer schon der Weg.

 
xx

Es gibt einige Begriffe in der deutschen Sprache, die man als Fusionen betrachten muss. Dazu gehört etwa Gutebutterein Wort, wie wir von Jochen Malmsheimer wissen. Ein weit berühmteres aber, das hier bereits mehrfach gewürdigt wurde, ist Härterestrafen, auch Härterestrafen®. Auf einem – man stelle sich das vor! – Treffen deutscher Innenminister; ja, das gibt es, ich weiß, das ist die Steigerung von Nosferatu mal John Carpenter im Billigglanze einer Geisterbahn auf der Dorfkirmes, auf einem solchen Treffen also ist Härterestrafen die Hymne des intellektuellen Analverkehrs, zu dessen Zweck sich die Hilfssheriffs dort einfinden.

Nun haben sie neulich ein Unterthema gefunden, das ihnen relevant deuchte, wohl, weil es zischt und qualmt, nämlich “Pyro”, das Abbrennen bunt qualmender Dinger in Fußballstadien, um den Raum über der Rasenfläche durch eine Melange der Vereinsfarben undurchsichtig zu gestalten, was den Verursachern interessanter erscheint als das Gekicke der dafür entgoltenen Fachkräfte. Das muss bestraft werden, hart bestraft, ach was, noch härter! Zu Beginn solcher Konferenzen wird obligatorisch “Braveheart” gezeigt, ein Film, den ich nie gesehen habe, darüber aber gelesen, dass er durch “schier endlose Folterszenen” zu begeistern weiß.

Auf der Flucht erschossen

Alsbald, vielleicht nach der ersten Runde Fisting (oral), wird durchgeatmet. Die Hilfskräfte (Staatssekretäre, Hostessen, Nachhilfelehrer) unterrichten die hohen Herren über den Umstand, dass die Peinlichen Strafen abgeschafft wurden und selbst die Todesstrafe vom dreckigen Besatzerregime unterbunden wird. Sogar in Hessen wurde sie 2018 abgeschafft. Das ist jedes Mal eine große Enttäuschung, sodass die Probanden des Trosts bedürfen, diesmal in Form einer wirklich originelle Idee:

“Pyro” soll durch den Entzug des Führerscheins bestraft werden. Also nicht den zum Führen von Explosionswaffen, sondern den Lappen fürs Auto. Wer nämlich am Wochenende in einer Fankurve eine Fackel schwenkt, ist eine Gefahr für den Straßenverkehr. Logisch. Auch wenn man gar keinen hat – zack, weg das Ding! Ich bin sehr zufrieden mit den amtlichen Sadomasochisten und ihrem Reformeifer in Sachen Sündenfall und Buße. Das darf aber nicht das letzte Wort sein, daher hier noch enige weitergehende Vorschläge:

Wer in der Kneipe raucht, verliert den Anspruch auf Lohnersatzleistungen. Trifft immer die Richtigen. Schwarzfahrern wird die Krankenversicherung gestrichen. Boom! Schulschwänzer kriegen keine Rente. Bang! Blau machen am Arbeitsplatz? Kinder ins Heim. Bamm! Köter kackt auf die Straße? Exkommunikation. Yeah! Radau auf der Demo? Lebenslänglich Einzelhaft. Zack, Boom, Bang! Ich habe da noch einiges im Köcher, das machen wir dann aber erst nach ein paar klitzekleinen Reformen am Grundgesetz. Immer für Sie da!

 
ef

Bei dieser Gelegenheit muss ich noch einmal mein Buch empfehlen, das mehr Leser verdient hätte als es bislang erreichte. Wo ich mich mit dem Deutschen Narrativ befasse, steckt natürlich mehr dahinter. Eine Realität, die sich offenbar nicht abschütteln lässt etwa, die wiederum eng verknüpft ist mit dem amerikanischen Teil des Narrativs, der im Buch recht kurz kommt.

Es ist inzwischen wie auf den Kopf gestellt: Die Präsenz des Narrativs über die USA als Befreier, Hüter der Menschenrechte und moralisch souveräne Weltpolizei verhindert, dass wir an den Kern unserer eigenen Geschichte rühren, während sie sich wiederholt. Das Bindeglied zwischen Freiheit, Demokratie und Faschismus ist der unsichtbare Elefant – unsichtbar, weil jeder weiß, wer da alles in Schutt und Asche trampelt, man seinen Namen aber nicht nennen darf.

Als die Amerikaner als mächtigste Fraktion der Alliierten Westdeutschland reformierten, taten sie das, weil sie eben so demokratisch sind. Sie lieben doch – alle Menschen; so das Narrativ. Die Deutschen konnten ihr Glück nicht fassen, dabei mitmachen zu dürfen, drohten doch der Pranger für eine untilgbare Schuld und eine angemessene Demütigung nach dem Massenmord und dem zweiten verlorenen Weltkrieg. Es kam aber ganz anders.

Menschenfreunde

Das Kapital hatte andere Interessen. Nun kann man sagen, obwohl es nicht zu leugnen ist, dass dadurch massenhaft Nazis und ihre Verbündeten weiter Karriere und Profit machen durften, dass es ja doch zum besseren beigetragen hat. Sofern nicht trotzdem geleugnet wird, ist das ja auch wiederum die gängige Sichtweise. Es blendet aber völlig jeden ursächlichen Zusammenhang aus zwischen Kapitalismus und Faschismus – der ja nach dem Krieg sogar von der CDU erkannt worden war.

Eine der Lebenslügen der jungen Musterdemokratie BRD liegt darin, dass der Luxus, auf dem sie gebaut wurde, schon immer das Elend der anderen war. Die Ausbeutung der Welt durch den inkarnierten Exportweltmeister wurde schon immer ausgeblendet. Schon gar nicht wollte irgendwer etwas wissen von geostrategischen Kriegen, Bündnissen mit Diktatoren und Juntas, die Opposition und Gewerkschaften niederknüppeln und ermorden ließen.

Und auch seitdem es Allgemeinwissen ist, dass in der Produktion von Luxusgütern furchtbare Zustände herrschen, sei es bei Rohstoffen, in der Textilindustrie oder bei der Herstellung von Elektronik, zuckt der Michel nur mit der Schulter und lässt sich beruhigen durch Märchen wie dem von der Überlegenheit der deutschen Industrie und ihrer fleißigen Angestellten. Woanders hungern sie und springen aus dem Fenster? Damit haben wir doch nichts zu tun.

Die nächste Runde

Das ist bei Weitem nicht der Punkt, an dem die faschistische Ideologie anfängt, aber einer, an dem offensichtlich wird, wie kalt und abwertend das Verhältnis der Menschen im Kapitalismus ist zu denen, die dieser notwendig versklavt. Ihnen wird dann eben Minderwertigkeit bescheinigt, sei es moralisch, bezüglich ihrer angeblichen Leistungsbereitschaft oder gleich genetisch. Das ist am Ende ohnehin eine Sauce.

Wie oft muss Kapitalismus sich derat offenbaren, bis die Zusammenhänge endlich (an)erkannt werden? So wie die USA mit ihrer NATO in hunderten Kriegen seit dem ‘Zweiten’ brutal ihre Interessen durchsetzen oder weltweit Menschen verfolgen und foltern lassen, die ihnen im Wege sind, wurden die Profiteure schon immer als moralisch unantastbar dargestellt und die Opfer für ihr Leiden noch beschuldigt. Der freidrehende Nationalsozialismus war eine besondere, deutsche Form dieser Entwicklung des Kapitalismus, der aktuelle Trumpismus ist eine andere.

Derweil wächst hier wieder zusammen, was zusammen gehört: Die Nazis im tiefen Staat und die in den Parlamenten machen sich Hoffnung und schmieden Pläne, der Rest zerlegt sich unterdessen auf der Flucht vor der Wirklichkeit. Man hört und liest darüber so gut wie nichts. Es sind immer dieselben, die rufen und dieselben, die derweil das Radio lauter drehen.

 
xx

Eigentlich mag ich ja Demos, Radau und Rebellion, aber die Treckerrallye gestern und heute entlockt mir diesen Mix aus Gähnen und Zähnefletschen, der quasi symbolhaft für mein derzeitiges Verhältnis zum Politischen ist. Was wollen sie denn so?

Bauern. Beschweren sich, dass (Umwelt-)Auflagen der Bundesregierung kleine Höfe kaputtmachen, weil die sich die nötigen Investitionen nicht leisten können. Das können nur Großbetriebe bzw. Konzerne. Ach was, echt jetzt? Es gibt Gesetze, die Konzentrationsprozesse auslösen? Im Kapitalismus? Ja leck’ mich fett!

Kinders, das Kapital braucht Spielplätze. Was sollen die mit kleinen bis mittleren Höfen in Familienbesitz, die man nicht kaufen kann, geschweige denn übernehmen, ausschlachten und ausspucken? Ach so, sie wollen sie kaufen, übernehmen, ausschlachten und ausspucken. Kapital will kaufen und profitieren. Na sowas!

Das Echo

Und jetzt wird es hart für euch, Freunde: Wer hat denn Jahrzehnte lang zu 80% CDU/FDP gewählt? Hm? War ich das? Waren das die linken Spinner hier draußen? Die Dödel aus der Stadt? Wohl eher nicht. Jetzt kriegt ihr die Quittung für eure Treue zu Papst, Vaterland und Kapital und entdeckt auf einmal den Aufstand. Krasse Rebellen seid ihr!

Nun, ihr seid ja die Fleißigen, Ehrlichen und Gläubigen, die immer gewusst haben, dass die Faulpelze von Gott und seinem Markt bestraft werden. Dass sie gefälligst Initiative zeigen sollen, Eigenverantwortung®! Jetzt nach (noch mehr) staatlichen Hilfen zu schreien, das ist doch Sozialschmarotzerei, oder?

Setzt euch gefälligst eine Hüpfburg auf die Weide und kauft euch Ponys, um damit verwöhnte Mittelschichtsblagen zu bespaßen; baut aus eurer Scheune einen Gourmettempel für solvente Großkotze oder macht aus eurer kleinen Farm eine Location für rustikale Porn-Events. Lasst euch gefälligst etwas einfallen! Immerhin habt ihr noch Land und Besitz, aber das kann sich verdammt schnell ändern, wenn man einmal überflüssig geworden ist.

 
xx

Es gibt so einige Dinge, die tut man nicht. Ich gehöre zu denen, die anderen immer gern erzählen, was das so wäre, insbesondere im Bereich Computer, Netz und Verhalten, und im Allgemeinen halte ich mich auch selbst daran. Im Allgemeinen. Aber ich bin ja, nichtwahr, eine kleine Schlampe, daher kommt es eben manchmal auch anders.

Ich nutze Skriptblocker, Adblocker und Gehirn, um mir viel Ärger zu ersparen, im Umgang mit Skriptblockern bin ich sogar extrem paranoid, daher weiß ich aber inzwischen, was ich (temporär) freigeben kann und was ich brauche. Auch bin ich im Grunde schnell weg, wenn ich sehe, dass mit Zertifikaten etwas nicht stimmt. Eigentlich.

Aber dann gibt es diese Momente, spät Abends, nicht ganz nüchtern, da will man schnell noch was erledigen. Dabei ist es extrem behämmert, wenn dieses Etwas ein Kauf ist. Obendrein bei Ebay. Yes, he did. Nichts, was mich jetzt ruinieren würde, aber allemal ärgerlich. Bis hierhin mein Fehler, und ich jammere nicht, wenn ich die Konsequenzen tragen muss.

No Return

Aber was ich dann erlebt habe, wie sich Ebay in einen glitschigen Waschlappen verwandelt hat, der in einem Schützengraben verschwand, das war beeindruckend, und das ging so:

Ebay hatte hatte mindestens einen Datenreichtum, nämlich 2014, als offenbar ganze Datenbanken rausgetragen wurden. Ob sich danach weitere Fälle wie dieser ereignet haben, weiß ich nicht, aber es ist schon interessant, wie der Laden selbst es so mit den Konsequenzen hält.

Offenbar ist es kein Einzelfall, dass – wie bei mir – ein Verkäufer gekapert wurde, auf seinem Account also Angebote erschienen, die er gar nicht hatte und schnell auch mal die Bankdaten geändert wurden. Der vermeintliche Anbieter beruft sich dann auf einen Datenverlust von Ebay, während Ebay sich dazu überhaupt nicht verhält. Ist ja nicht deren Problem, wenn sich wer auf ihrer Plattform hacken lässt.

Zudem haben sie das Fake-Angebot einfach nach dem Betrug vom Server genommen und sind bei der Schlichtung des Problems nicht, wie sonst üblich, als Anbieter erreichbar. Der Link „Ebay kontaktieren“ existiert nicht, da das Angebot ja auch nicht mehr existiert. Einigen sich Accountinhaber und betrogener Käufer also nicht, passiert – nichts.

Macht nix

Zudem verhalten sich die Banken (sofern man nicht Paypal nutzt), ebenso nützlich. Sie nehmen zwar horrende Gebühren, wenn man einer Überweisung hinterherläuft, machen aber klar, dass sie nicht einmal die Daten des Empfängers erheben. Das geht nur, eventuell, womöglich, auf Veranlassung einer Staatsanwaltschaft. Bis dahin ist aber noch mehr Geld weg, die Täter auch, es lohnt sich also nicht.

Nachdem sich Ebay millionenfach Daten hat klauen lassen, führt ihr Verhalten in Betrugsfällen zu maximaler Sicherheit – für die Betrüger. Wie gesagt, es sei denn, man wickelt über Paypal ab. Das ist dann auch keine Garantie für gar nichts, läuft dann aber anders. Wenn man wie ich ein Gegner von Paypal ist, nur ein weiteres Ärgernis.

Nun komme ich nach 20 Jahren Ebay-Mitgliedschaft (das war damals echt noch gemütlich da) zu der Frage, was ich eigentlich mit dem Quatsch noch soll. Wo der Ärger ist, weiß ich jetzt mehr als gut. Wo aber ist der Nutzen? Für mich war‘s das. Macht‘s gut und danke für nichts.

xx

Wenn ein Fußballverein eine Entwicklung durchmacht wie Feynsinn und sein Coach flatter, spricht man nicht mehr von einer Krise, sondern bereits von “Abwärtsspirale”. Von Manager säzzer hat man auch lange nichts gehört, er ruht sich offenbar auf den Meriten vergangener Rausschmisse und des Zensurterrors von gestern aus. Die launigen Artikel, nur mehr mit der Lupe als “politisch” erkennbar, werden obendrein seltener.

Es geht ihm offenbar zu gut. Fette Kohle von der VG Wort kassiert, einen Lohnjob obendrein, da ist man schon mal schneller beleidigt, wenn die Leser, die man ohnehin nur als winzige Punkte von oben herab erkennt, in den Kommentar-Bummelstreik treten. Eigentlich gäbe es ein paar Themen, ein Artikel ist sogar handschriftlich fertig, etwas über Ebay könnte er, aber wo er früher wie manisch für Unterhaltung gesorgt hat, breitet sich heute der faule Hauch gesättigten Desinteresses aus.

Karriereende

Geh’ doch nach Berlin! Am besten gleich an den Spreebogen, ganz egal, ob du dich da an die gewählten Vertreter® ranwanzt oder dich gleich selbst irgendwo aufstellen lässt – bei den Spezialdemagogen wäre man sicher noch dankbar für einen, der drei Wörter in die richtige Reihenfolge bringt und sogar ein Komma setzen kann. Etwas Besseres als diese Depression findste überall. Oh, ist das jetzt diskriminierende Hatespeech gegen Depressive? Endlich mal wieder ein Treffer. Wir empfehlen ja bipolar, das wird gern genommen.

Egal, entweder landest du bald bei den Schlipsschlampen und dem Kostümchenplebs oder du hast fertig. In deinem Alter! Die Bloggerei interessiert sowieso keinen Dackel mehr, die Herde ist weitergezogen. Da sitzt er jetzt und schmollt, ooch! Das Buch ist auch nicht so recht der Bestseller, allemal besser als das Marketing hier. Was kannst du eigentlich? Pff.

Ich mache neuerdings Podcasts. Mit mir selbst. Ich rede mit mir über mich, und weil das ohnehin immer da endet, pflege ich eine extrem übertriebene Portion Tourette mit ein. Das mache ich den ganzen Tag. Meist dieselbe Sendung, mit ein paar marginalem Variationen. Ich nehme das auch nicht auf, wozu der Aufwand? Das hört sich eh niemand an. Außer den Nachbarn natürlich, denn es wird täglich lauter. Aber was wisst ihr schon! Was ihr “Wahnsinn” nennt, ist in Wirklichkeit eine Übersensibilität der Sinne.

 
xx

Einer der vielen Romane, die ich nie schreiben, jedenfalls nicht fertigstellen werde, ist die Geschichte eines ‘Preppers’, vielmehr seiner Familie. Der Alte Herr ist selbstverständlich Nationalist (in seinem Verständnis ein “Patriot”, was ja etwas völlig anderes ist), autoritärer Gesinnung (die Einen nennen es “konservativ”, die Anderen verweisen auf Farbe und Geruch) und glaubt nichts von dem ganzen Klimbim, das die Linken verzapfen. So wie diese kommunistische Verschwörungstheorie vom Klimawandel.

Er aber ist vorbereitet (“prepared”, daher “Prepper”), auf den von Juden und Kommunisten angezettelten Bürgerkrieg sowie ein mögliches Armageddon, womöglich auch in der Geschmacksrichtung Zombieapokalypse. Alles eingekellert: Nahrung für Monate, Wasserreinigungsanlage, Gasfilter, Brennstoffzellen, Batterien, Sprit, Benzin, Notstromgenerator, Knarren, Munition und SUV.

An die Möse

Während Linke über solche Spinner nur lachen können, kommt es wie es kommen muss: Das Wetter dreht durch, Klima kaputt, Noch mehr Hitze, Brände, Überschwemmungen, das Ende des Kapitalismus weil der Zivilisation. Die Linken haben also recht, und die Prepper überleben. Es gibt schlimmeres als ein Volk von Telefondesinfizierern, und hier haben wir sie, die neue Menschheit. Unser Protagonist, so viel Rache muss sein, stirbt aber bald nach Eintreten der Katastrophe an Wundbrand, weil er sich in den Fuß schießt und Antibiotika für jüdisches Gift hält.

Warum erzählt er das? Nun, weil unter anderem das Niveau der Weltpolitik auf Kindergartenniveau gesunken ist. Jede Beleidigung, Lüge, Unterstellung – gern alls In Kombination – ist willkommen. Während einige noch immer taub und strunzdumm die politischen Feinde “Machthaber”, “Populisten” oder “Autokraten” nennen, ist der größte Freund ein kleinkindlicher Troll, der stolz darauf ist, Frauen “an die Möse zu packen“, nur in Kategorien wie “supersupergut” oder “ganz ganz böse” kommuniziert und ein Mobbing pflegt, das nicht einmal ein Schulbully in seiner eigenen Gang wagt.

Wäre das wiederum so unerhört, dass erstens wenigstens irgendein Außenpolitiker diesem Affen einmal sagen würde, dass er einer ist und es zweitens im Vergleich zu anderen Halb- und Dreiviertelaffen eine eigene Kategorie wäre, man könnte es ja als vergänglichen Einzelfall abtun. Ist es aber nicht; vielmehr gibt es Blödheiten, Gepöbel und Stammtischgehabe in allen Abstufungen, weltweit und ohne eine Insel, auf die man sich davor retten könnte.

Nichts ist unmöglich

Die Autorität hat ihre Maske abgelegt, ohne die sie nicht mehr wirkt. Auch und gerade die Demokratiesimulation des 20. Jahrhunderts war darauf angewiesen, dass die Massen ihren Stellvertretern ein Maß an Autorität verliehen, ohne das die Befehlsketten reißen. Eine soziale Ordnung, an die niemand glaubt, zerfällt. Immer. Eine Autorität, die sich ganz unverhohlen selbst lächerlich macht, wirkt nur noch bei denen, die sich unbedingt unterwerfen wollen. Mit diesen lässt sich kein Staat mehr machen, sehr wohl allerdings ein faschistischer Pöbel, vor dem der Rest sich fürchtet.

Dieses Muster wiederholt sich immer wieder. Wenn die religiösen, sozialen und politischen Formationen sich nicht mehr mit Sinn aufladen lassen, wenn die Mächtigen und ihre Vertreter keine Legitmation mehr haben, bleibt nur Abwendung von der Ordnung oder blinder Gehorsam gegenüber einer, mit der man sich identifizieren kann. Ein einfaches, eine Zeitlang stabiles ‘Wir’, das stets auf ein feindliches ‘Ihr’ bzw. ‘Die’ angewiesen ist. Das ist kein Verdienst irgendeiner gefährlichen politischen Kraft, sondern schlicht das Symptom der Dekadenz.

« Vorherige SeiteNächste Seite »