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kunstlyriklamauk


 
Januar: Der “verbindliche Mindestlohn” für alle wird eingeführt. DGB-Chef Hoffmann kämpft bis zum Schluss für die Erhaltung von Arbeitsplätzen und einen Betrag von 2,50 Euro, kann sich aber gegen die Angst der Unternehmer vor Hungerrevolten nicht durchsetzen. Er tritt zurück und wird von Hans-Olaf Henkel ersetzt. Die Bundespressestelle INSM jubelt: „Wohlbeschäftigung! Wachsstand! Volltum!

Februar: Am 14. des Monats überraschen alle großen Medienhäuser mit Grüßen an die Kanzlerin. Homestories, Fotostrecken und Fernsehshows zu ihren Ehren heben die Moral im Volk. Sigmar Gabriel springt bei RTL nackt aus einer Torte. Daraufhin fordert Hans-Peter Uhl die Vorratsdatenspeicherung. Die zuständigen Sicherheitsbehörden können nicht ausschließen, dass Gabriel ihnen bekannt war, wollen aber die entsetzte Bevölkerung nicht noch weiter verunsichern.

März: Bei den russischen Präsidentschaftswahlen belegt Vladimir Putin zum vierten Mal die ersten drei Plätze. Das kann auch der “Spiegel” nicht verhindern, der kurz zuvor Putins Schuld am Tod Helmut Schmidts beweist. Der Ausweis des Kremlchefs wurde in der Klinik gefunden.
Fukushima ist sechs Jahre nach der Havarie unter Kontrolle. Da keine Gefahr für die Bevölkerung besteht, wird künftig auf Messungen verzichtet. Zur Beseitigung des strahlenden nährstoffreichen Erdreichs werden Raketenwürmer aus eigener Zucht eingesetzt.

April: Am ersten Tag des neuen Monats wird das Grundgesetz geändert. In § 0 steht künftig: “Hier könnte ihr Gesetz stehen“, abweichender Inhalt wird monatlich auf Facebook ausgeschrieben. Wolfgang “Schwarze Null” Schäuble findet das gut (like!). SPD-Bundesdingskeineahnung Kenntkeinschwein erklärt vor mehr als drei Parteimitgliedern: “Die Fraktion hat dem trotz Bauchscherzen und es geht schließlich um die nationale. Wer denkt denn an die Kinder?!

Mai: Bei den traditionellen Maikrawallen in Berlin setzt die Polizei erstmals Bachblüten, vegane Schnittchen und Biosocken ein. Die Autonomen kontern mit blauen Uniformen, Schlagstöcken und Wassserwerfern. Kommentar des Einsatzleiters der Polizei: “Leck mich am Arsch, Respekt!
Beim Eurochanson de la Vision Grand de Prix gewinnt nach tumultartigen Auszählungen Lemmy Kilmister mit seinem Hit: “Rest Loud As Hell“. Die Moderatoren Markus Lanz und Mario Barth zünden sich öffentlich gegenseitig an. Das “heute journal” wird abgesetzt und durch den “Atlantikurlaub” ersetzt.

Juni: Die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro werden vom FIFOC unter der Leitung Sepp Blatters ausgetragen. Eine Ethikkommission kann Papst Franziskus davon überzeugen, einige honorige Funktionäre der aufgelösten FIFA heilig zu sprechen. Der Neue Petersdom® wird in Rekordzeit fertiggestellt, er ist 666 Meter hoch, bietet Wellness- und Discretion Areas und ein kolossales Sportstadion im Basement.
Ein verheerender Terroranschlag in mehreren Großstädten kann verhindert werden, indem die Täter rechtzeitig beurlaubt werden. “Nur dank der Vorratsdatenspeicherung konnten die Dienstpläne rechtzeitig gefunden werden“, erklärt SPD-Innenexperte Mussmansichnichtmerken.

Juli: 44° im Schatten der Kühltasche. Ich lasse mir von meinem Escortservice etwas am Stiel liefern. Klappt nicht, es ist schon bei Zwei auf dem Baum.
Der Euro wird der Schweiz eingeführt. Millionen Flüchtlinge drängen nach Ägypten.
Angela I/II/III/IV wird 63. Aus Anlass ihrer Ernennung zur Kanzlerin auf Lebenszeit tanzen Minderleister eigenverantwortlich ihre Kundennummer.

August:: Anlässlich des 55. Jubiläums des Mauerbaus wird die Südgrenze der EU mit Selbstschusswaffen und automatischen Drohnen bestückt. Ulrich Junghanns hält eine viel beachtete Rede über die Segnungen der Freiheit in der Sozialen Marktwirtschaft. Walter Ulbricht wird rehabilitiert, da der “Focus” nachweist, wie Ulbricht von der Stasi gezwungen wurde, so ein wirres Zeugs zu nuscheln.
Die Deutschen machen Urlaub daheim, nachdem die Mittelmeerländer von der Lufthansa aufgekauft wurden.

September:
Am 230. Jahrestag der der Verfassung der Vereinigten Staaten werden die Grundrechte dereguliert. Der “New Patriot Deal” erweitert die Kompetenzen der Banken und Aktiengesellschaften. Sie erhalten eigene Militärbasen und dürfen Geld aus Scheiße schöpfen. Das Kursfeuerwerk an den Börsen muss aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. McDonalds marschiert im Senegal ein, Burger King gründet ein Terrornetzwerk in Gambia. Amazon unterstützt beide Parteien.

Oktober:
Die rechte Hand Bin Ladens wird in der Ostukraine gesichtet, die linke im Kreml. Saudi-Arabien prangert die Menschenrechte an. In den USA erklärt sich Bill Gates zum Kandidaten der Demokratisch-Republikanischen Partei. Die “Zeit” erklärt der klugen Leserschaft, warum der Milliardär als solcher der treueste Bündnispartner ist. KaTe zu Guttenberg verklagt die Bundesrepublik auf die ihm fehlenden 400 Millionen Euro. Schäuble lässt durchblicken: “Das wäre durchaus finanzierbar.“.
Günther Wallraff verkleidet sich zu seinem 75. Geburtstag als Speicherchip und stiehlt die Datenvorräte der Telekom.

November:

Die USA marschieren in Togo ein. „Die haben doof geguckt“, erklärt Außenminister Donald Trump Junior.
Bei der US-Wahl wirbt der Senior erfolgreich mit dem von Hartmut Mehdorn entworfenen Slogan “Yes We Nuke”. Am Tag seiner Wahl radiert der Commander in Chief Kanada von der Weltkarte und erklärt den Sowjetkommunismus für besiegt.

Dezember: Wegen einer Verkettung widriger Umstände muss dieser Monat für die Spezies ausfallen. Gott macht einen Fallrückzieher und hämmert die Erde ans Lattenkreuz. “Das nächste Mal weniger Arschlöcher“, murmelt er in die Blaue. Ich weise ihn zurecht, dass das immer noch die völlig falsche Analyse sei. Als er mir daraufhin droht, setze ich ihn auf die Bannliste.

[Guten Rutsch und frohes Neues! säzzer]

 
mf

Terrorisiert unser schönes Land: Balladenrumäne Krauss-Maffey

Igitt, jetzt klettern sie alle aus den Gruben ihrer biederen Ödnis und schleimen sich gegenseitig an. Im Radio sorgen sie wie jedes Jahr mit einem Overkill dreiakkordiger Balladen für ordentliche Suizidraten, und schon heute morgen grinsen dieselben gewienerten Gebisse aus dem krawattierten Hals, die sonst stets gefletscht werden. Was soll das?

Die lieben ‘Kollegen’ schließen sich dem auf breiter Front an und danken ihren Lesern, damit sie vielleicht doch noch ein bisschen was vom Weihnachtsgeld abstauben. Wie durchsichtig!
Bei mir ist das etwas anderes. Ich habe vor Kurzem kundgetan, dass ich in die anstehende Nur-Selbständigkeit eine Starthilfe gut gebrauchen könnte, und das scheinen da draußen einige zum Anlass zu nehmen, mir ihre Unterstützung zu gewähren.

Thanks a lot

Ich bin ziemlich geflasht über große und kleine Gesten, nicht zuletzt von Menschen, die ich nicht kenne und solchen, die ich kenne. Mancher trägt es mir gar nicht nach, wenn ich mich mit ihm zanke, und das rührt mich tatsächlich. Andere lassen mich anonym wissen, dass ihnen viel an meinem Blog liegt oder zeigen sich schlicht solidarisch. Herzlichen Dank dafür!

Na und weil ich gerade dabei bin und man das von mir am wenigsten erwartet, auch gleich Dank für den ganzen Kommentarfisch, eure Geduld mit dem gnarzigen Säzzer und überhaupt das Durchhaltevermögen, mit dem ihr euer Hirn noch immer zwischen den Ohren tragt. Ich wäre ziemlich arm ohne euch.

Hurra!

And now for something completely different: Wenn ich es irgendwie schaffe, meide ich Reden aus dem Bundesgrüßaugustinum, das zum Jahresende den deutschen Gruß ans Volk gerichtet hat. Beim Überfliegen der Pressestellungen zu Gauck las ich etwas von “Flüchtlingen” und wie großartig die Nation mit denen blabla. Ja, wir können stolz sein, exportieren wir doch Verantwortung® in die ganze Welt. Da freuen wir uns ganz besonders über das Fest der Liebe und des Friedens.

Dieses Jahr kommen die Kinderlein aus der Heimat des Erlösers gleich massenweise zu uns. Etwas Böses muss sie aus ihrer Heimat vertrieben haben. Der Terror! Gleich nach den Feiertagen wollen wir uns daher wieder verantworten und ihn bestrafen, nach allen Regeln deutscher Ingenieurskunst. Denn Verantwortung ist eine Maschine aus Deutschland.

 
wi

Es ist so gut wie Weihnachten. Die Läden werden einige Tage geschlossen sein, obwohl in dieser Zeit so viel konsumiert wird wie sonst im ganzen Monat. Das weiß der Honk und macht sich auf den Weg zum Hamsterkauf. Was er nicht weiß: Er ist nicht der einzige. Wäre er der einzige, würde sein Einkauf auch schon länger dauern, weil er mehr Waren einsammeln, bezahlen und verpacken muss. Er könnte das bereits kennen. Aus dem letzten Jahr oder dem davor, dem davor oder dem davor.

Den Honk aber ficht nicht Erfahrung noch Logik an. Er hat es eilig. Das zeigt er schon auf der Straße. Süßer die Hupen nie klingen. Eigentlich könnte der Honk auf Dauerton stellen. Vielleicht einfach nicht anschnallen, den Warnton mit dem Bassbooster koppeln und das Fenster auf, es sind eh weihnachtliche 17 Grad. Der Cabriohonk ist hier ganz weit vorn. Um seinen Geifer zu illustrieren, stellt der Profihonk die Düsen seiner Scheibenwaschanlage nach oben und rotzt auf alles, was sich bewegt.

Vorwärts immer

Er hat es eilig, was bedeutet, dass das ohnehin seltene Reißverschlussprinzip Sonderurlaub hat. Keiner lässt niemanden rein, worüber sich alle aufregen, um sich bei nächster Gelegenheit zu rächen. Der Honk von nebenan stand eine halbe Stunde in seiner Ausfahrt, bis ihn endlich wer vorließ. Dem rief er dafür dankbar zu: “Das wurde auch Zeit, du blöder Wichser!“. Fest der Freude!

Nach der Schlacht um den Parkplatz geht es in den Kampf um den dümmsten Stellplatz für den Einkaufswagen. Es gibt reichlich Engpässe, in die man seine Karre stellen kann. Sind die alle besetzt, nimmt man einfach eine zweite. Es gibt zwei Arten, selbst durch die Schikane zu kommen: rammen oder brüllen. Am besten beides. Das Wort “bitte” setzt man dabei nur ein, um es Zischen zu lassen und den Feind mit Spray einzudecken. Eigentlich zeugt aber auch das schon von Schwäche.

An der Kasse ziehen nach wie vor die Klassiker. Die Ware muss aufs Band, und zwar zügig. Wer wartet, bis der Vordermann alles ausgepackt hat, ist ein Penner, der anderen die Zeit stiehlt. Was kann der Honk dafür, dass der Loser vor ihm so ein Versager im Tetris ist? Darf er endlich bezahlen, ist der einzige Punkt erreicht, an dem gut Ding Weile braucht. Wozu hat man das ganze Kleingeld in der Tasche, wenn das nicht benutzt wird? Kann nicht sein, dass das nicht reicht! Mehrfaches Zählen muss einfach dazu führen, dass es mehr wird. Wenn nicht, wird halt die Zahlungsmethode gewechselt. Wie war noch die Geheimzahl?

Step Aside!

Was den Honk ausmacht, ist seine sportliche Einstellung. Die Grunddisziplinen Hektik, Ignoranz und Tunnelblick wollen ganzjährig trainiert sein, nicht jeder ist ein Naturtalent. Wer sich Einkaufslisten macht, lange Wege meidet oder sein Verhalten den Gegebenheiten anpasst, kann zu Hause bleiben. Ööde! Der Spitzenhonk ist immun gegen jeden Lerneffekt und frei von Behinderungen wie Höflichkeit oder Wahrnehmung. Seine Devise ist “Unterm Strich zähl’ ich” und sein Strich hängt verdammt hoch.

Niemals käme ihm in den Sinn, sich Zeit zu nehmen und damit zu rechnen, dass es trotzdem später wird. Wer so etwas tut, isst auch mit Messer und Gabel und bremst vor Kurven. Dafür hat der liebe Gott nicht das Adrenalin erschaffen.

 
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Gestern war ich mit meiner Enkeltochter Luzi, sie ist gerade sieben, auf einer Adventsfeier. Zur Begrüßung gab es erst einmal Tee und Dinkelkekse, und die Kinder durften etwas malen. Einigen erschien das schwarze Lieblingskostüm der Kleinen etwas seltsam. Nicht so sehr der altmodische Schnitt als vielmehr der schwarze Samt. Sie trug dazu ein wenig Modeschmuck, ebenfalls schwarz. Sie mag es halt so. Eines der anderen Kinder, dessen Namen ich vergessen habe (er hieß Thorben, aber das glaubt mir niemand. Ich glaube meinerseits ja auch an nichts, warum sollte ich dann an Thorbens glauben?) fragte sie, warum sie so schwarze Sachen anhätte. Sie erklärte wahrheitsgemäß: “Ja ich weiß, das sieht ein bisschen doof aus, aber etwas Dunkleres hatten sie nicht”.

Wir wohnen in einem der guten Viertel von Essen. Man kann zu Fuß zu den Albrechts laufen oder zum See. Gentrifizierung brauchen wir nicht, es war schon immer eine Lage für die besser Betuchten. Man hält sich vielleicht hier und da einen Künstler oder Literaten in etwas Bezahlbaren, aber nicht zu viele und schon gar kein echtes Proletariat. Man protzt hier nicht, es herrscht eher das Understatement – bei denen, die sich in der Öffentlichkeit blicken lassen. Die vom Hügel oder die wirklich Reichen (wir reden hier nicht vom Lumpenmillionariat, sondern von den Zehnstelligen) bleiben selbstverständlich unsichtbar. Das ist hier zwar auch nicht Berlin, wo sie das ganze Schwabengetucke und ihren Kreativanhang hingekarrt haben, aber es gibt die Unvermeidlichen mit ihren Thorbens wie überall sonst auch, wo man seine Ruhe vor denen mit dem Arbeitsschweiß hat.

Thorben also. Kam als nächstes mit der Frage um die Ecke, was Luzi da gemalt habe. “Bachblüten” sagte sie. “Wieso haben die denn Zähne?” fragte Ihrwisstschonwer. “Womit sollen sie sonst beißen?” war die intelligenten Menschen auf die Zunge fließende Gegenfrage. “Blumen, die beißen? Gibt es ja gar nicht”, wusste Hagen Björn oder so.
Sie erklärte es ihm: “Bachblüten sind auch keine Blumen, das sind Killerdinger, die fressen die Gehirne von Mamas. Auch von deiner.”
Der Junge machte diese Grimasse, wie die Kleinen das halt tun, wenn sie eine Minute Anlauf nehmen, um endlich mit dem herzerweichenden Geschluchze anzufangen. Wir gingen derweil bei der Tombola in Deckung und nahmen die Route hinter dem Klavier entlang zum Buffet.

“Vegetarisch oder vegan?” sprach es hinter dem Tapeziertisch hervor. Ich möchte das jetzt keineswegs falsch verstanden wissen: Ich koche selbst meist vegetarisch und häufig vegan, aber bei mir liegt die Betonung auf “Kochen” wie “Zubereiten, lecker Machen”. Lecker ist Paragraph eins bei uns. Bei ‘denen’ – doch es gibt sie und sie sind so und erzählt mir nichts anderes – fängt die Litanei aber entweder erst bei Paragraph zwei an oder bei denen steht irgend etwas Perverses in Paragraph eins. Luzi schaltet bei so etwas sehr schnell in diesen Modus und bestellte artig “Zweimal Cörriwuast!”

Ich fasse das anschließende Gespräch zusammen: Die eine Seite meinte, Currywurst sei nicht gut und nicht gesund im Gegensatz zu den Objekten in der Auslage des Formlosen; die andere fragte, wenn das so gesund sei, warum denn dann die Damen am Buffet fett beziehungsweise leichenblass seien. Ich ignorierte ihren Eskalationsversuch mit dem Umweg über mich, als die Kleine fragte “Oppa, die dissen hier Cörriewuast. Sind die da die Feinde der Arbeiterklasse?”.
Dafür rannte die Gegenseite prompt ins eigene Messer, als sie ihrerseits eskalierte. „Möchtest du denn, dass Tiere für dich sterben?” fragte die gestandene Kirchenaktivistin also das arme kleine Mädchen.

“Guck doch mal da”, flötete mein kleiner Engel und deutete auf die Wand. Die Bleiche drehte sich um und wieder uns zu. Das Kind wurde konkret: “Was ist denn mit dem? Ist das irgendwie besser oder was?”
“Das ist etwas völlig anderes. ‘Der’ (mit schnippischem Unterton, schließlich musste das gebildete Mädchen so etwas wissen) hat sich selbst geopfert. Für uns alle. Natürlich ist das etwas völlig anderes. Lernst du das nicht bei deinem Opa?”

“Lass dem mal aus dem Spiel, der hat mir gerade auch nicht geholfen. Also dein Opfer da: der ist also in den Baumarkt gerannt, hat sich ein paar Balken gekauft und sich dann selbst da an die Latte genagelt, ja? Euer Essen ist gesund und Cörriwuast schlecht. Alles klar. Wir haben verstanden”.
Sie zupfte mich am Ärmel und machte mir deutlich, dass es Zeit zum Aufbruch war. Auf dem Weg um den Tisch der Kreativen Kinder Kettwig erzählte sie noch lauthals die Geschichte vom bösen Homöopathen, der die kleinen Kinder verdünnt und ihre Seelen verkauft. Ich finde, manchmal übertreibt sie es. Aber sie ist ja noch klein.

 
oi

Ich hatte jüngst das Missvergnügen, einer Leseempfehlung zu folgen, die ich als guter Misanthrop eigentlich weitergeben müsste. Nennt es Altersweichheit, aber ich will euch das Wochenende nicht verderben, und wer Montag mit authentischer Migräne oder sichtbar durch die Depression versehrt beim Doc aufschlagen will, kann das ja am Sonntag Abend lesen. Ihr werdet es schon finden anhand des Zitates:

Wer nicht darauf zählen kann, dass sein Eigentum geachtet wird, der verliert das Vertrauen in die Zukunft: Keine Anstrengung lohnt sich [...]“.

Das ist zwar der Kern der Sache, aber bei Weitem nicht die brutalste Verwüstung, welche die Einschläge der Ideologie in der Landschaft dieser erbärmlichen Lektüre hinterlassen haben. Wer seinen Schädelschwamm nicht ohnehin schon in kochenden Stahl getunkt hat, sollte sich das tunlichst ersparen. Die anderen werden ihren Spaß haben.

Treu im Glauben

Man erkennt sogleich den Frommen, unerschütterlich im Glauben ans göttliche Eigentum®, ohne das nichts ist. Kein Wasser im Meer, kein Blau am Himmel, keine Sonne, keine Tiere, kein Mensch. Was hält Atome zusammen, bewirkt den Lauf der Gezeiten und versorgt die Zellen des Lebens mit Energie? Eigentum! Gott schütze es, auf dass Zukunft® sei und erlöse uns von dem Bösen, Amen!

Das Schinden dieser Zeilen soll nicht alles sein, sondern vielmehr Anlauf zur Kunde von der Weisheit einer für mich maßgeblichen Person. Diese nämlich stellte eben in ihrer Güte und Weitsicht fest, dass Zukunft auch nicht mehr das ist, was sie einmal war. Wie wahr! Star Trek, so stellte sie fest, halte zwar eine seltsame Food Culture vor, sei aber doch wenigstens ein Zukunftsmodell gewesen. Heute, so die fmmP, sei nur noch Zombieapokalypse. Bestenfalls wandere die Menschheit vor sich selbst aus.

Ich kann das nur bestätigen und fürchte, wir werden dereinst vor einen interstellaren Zaun dengeln, der unsere Rakete in eine sichere Drittsingularität zurück schubst. Die Zombieapokalypse ist derweil längst real. Man muss sich ja nur die Entwicklung der Prinzessinnen anschauen. Waren sie dereinst unschuldige süße Dinger, die mit glockenklaren Stimmchen Reime vortrugen, magerten sie alsbald zusehends ab, nicht zuletzt an Kleidung und Moral. In der Postmoderne angekommen, erfreuen sie sich nunmehr an Mord und Vergewaltigung, gern an Säuglingen und schreiben dergleichen ab. Als meine Generation “No Future” anstimmte, haben wir das so nicht gemeint.

Armageddon am Replikator

Die Zukunft war früher also nicht bloß besser, sie entbehrte auch jeder Verantwortung®. Wie konnte die Idee des “Replikators” je Gegenstand einer erfolgreichen Fernsehserie und angeschlossener Hollywood-Produktionen werden? Einfach sagen, was man braucht und es wird automatisch zubereitet? Wer soll da noch Arbeitsplätze® schaffen? Wozu braucht man dann noch Produktionsmittel? Was bedeutet dann noch Eigentum®? Obendrein sausen die Leute mit den komischen Trainingsanzügen munter durchs ganze Universum; man stelle sich vor, wie sich das auf die Grundstückspreise auswirkt!

Gut, es gibt da noch die Ferengi, jene verfreakte Spezies, die “Erwerbsregeln” zur Religion erhebt und für die Ausbeutung das höchste Ideal ist. Wie verrückt! Das wäre ja, als ließe man sich eine ganze Kuh replizieren, um sie dann zu schlachten, anstatt sich gleich ein fertiges Steak zu bestellen. Was sagt ihr? Das schafft wenigstens Arbeitsplätze? Also wo ihr recht habt …

 
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Die lieben Kollegen schreiben wieder einmal nur für mich. Alle. Nicht bloß, dass die Regierung Berichte über Millionen Flüchtlinge schreiben lässt, um meine politische Standhaftigkeit zu testen! Die “Kollegen” sind auch von denen gekauft und schreiben Artikel, um mich neidisch zu machen. Ich greife mir einmal zwei heraus:

Da ist jener, der sich “Pantoufle” nennt und postet so etwas. Durchschaue ich sofort. Das kann er gar nicht selbst gemacht haben. Aber so tun als ob, weil er weiß, dass ich auch gern so etwas könnte. Überhaupt: Schöne Dinge, mit Phantasie gewerkelt, Kunsthandwerk oder gar Kunst, was soll das? Das tun sie, um uns zu zeigen: “Seht her, so etwas gibt es. Das könnt ihr euch aber nicht leisten!”. Falle ich nicht drauf rein.

Wie gern hätte ich gelernt, Gitarren zu bauen. Ich schraube seit ein paar Jahren an welchen herum, auf der Suche nach einem Ton, der nicht drin ist. Oder schlimmer noch: Er ist drin, und dann merke ich, dass ich ihn gar nicht haben will. Neulich habe ich einen Hit komponiert. Echt geiles Stück. Da ich aber nicht notieren kann und es zu spät war, das aufzunehmen, ist er jetzt weg. Das weiß Herr Pantoufle natürlich, weil sein Verfassungsschutz mich beobachten lässt, und darum schreibt er Artikel, die mich daran erinnern. Macht mir gar nichts.

Mein kämpferischer Weg

Na klar, es ist am besten, wenn man sich abspricht und eine konzertierte Aktion daraus macht. Zweifrontenkrieg. Also kommt der andere daher und täuscht einen Jahrestag vor. Ich müsste ihm also gratulieren, ihn loben, weil er so fette Schnitzel schreibt. Als wüsste ich nicht, dass er mich nur anhängig machen will, und eines Tages kommt er mir dann mit: “X Jahre sind genug, ich mache jetzt was anderes.” Durchschaut, mein Lieber, ich weiß, was deine Redaktion vorhat!!

Überhaupt solltest du mal endlich eine eigene Domain beziehen und darüber nachdenken, was du eigentlich treibst. “Ich will immer noch keine Verlagsangebote. Ättätättätää bätsch bätsch!” Ich bin ja nicht der Einzige, den du mit dieser Beleidigung triffst. Weißt genau, wie gern ich ein Buch veröffentlichen würde, dabei kriege ich es nicht mal geschrieben. Aber da draußen sind noch andere, die sich nach einem solchen Angebot die Finger lecken würden. Denen mal satt in die Visage gegrätscht, nur um mich zu provozieren. Toll gemacht!

So sind sie, diese Trolle. Nehmen keinen Rat an, verfolgen erbarmungslos Kollegen, auf die sie neidisch sind und bilden Fronten. Wenn ich dann bei ihnen kommentiere, fliege ich meistens raus, weil ihnen eines gar nicht passt: Kritik. Daher habe ich die Taktik geändert und schreibe inzwischen meine Kritiken unter dutzenden Pseudonymen. Anfangs ganz höflich und positiv, Lob lesen sie ja alle gern. Dann gut vorbereitet die Wahrheit. Als Kommentar, per Mail und auch schon mal in den Briefkasten, das wirkt am besten. Wir müssen dafür sorgen, dass der Hass aus dem Internet nicht ausufert. In mir habt ihr dabei immer einen Kämpfer für die gute Sache. Nichts zu danken!

 
cx

Eine höchst geheime Konferenz, an der Vertreter der europäischen Staaten, Wissenschaftler, Experten und Sozialverbände teilnehmen, berät seit einigen Jahren Möglichkeiten, die Toleranz zwischen verschiedenen Konfliktgruppen zu fördern und friedliches Miteinander zu organisieren. Am Vorbild solcher Staaten und Gruppen, die in der Vergangenheit sowohl auf Kriegseinsätze als auch auf Waffenverkäufe verzichtet haben, soll die Welt friedlicher und sicherer gemacht werden.

Im Vordergrund stehen dabei Ideen, die unabhängig von wirtschaftlichen Erwägungen wie Profiten und Rohstoffquellen das weltpolitische Interesse an friedlicher Koexistenz voranbringen. Ideologische Probleme wie Vorurteile und Ressentiments sollen gelöst werden, indem man vor allem miteinander spricht ohne sich gegenseitig zu bedrohen. Es zeichnet sich ab, dass eine große Mehrheit der teilnehmenden Staaten künftig jede Macht ächten wird, die Gewalt ausübt oder Kriege vorbereitet. Dazu gehören insbesondere die Produktion von Waffen und deren Verkauf außerhalb des eigenen Territoriums. Langfristig soll auch der Waffenverkauf im Inland auf die Tagesordnung kommen.

Es herrscht reges Interesse an der Teilnahme. Organisationen, die aus unterschiedlichen Gründen zunächst nicht eingeladen wurden, drängen massenhaft zur Aufnahme in den Kreis der Verhandlungspartner. Die Konferenzen wurden daher bislang geheim gehalten, um den Ansturm bewältigen zu können. Wie es heißt, seien auch Mitglieder sogenannter “Verteidigungsbündnisse” willkommen, wenn sie sich an die Statuten halten. Dies hat bereits zu weitreichenden Reformplänen geführt, die bald weltweit bekannt gegeben werden sollen.

Noch leugnen sie

Versuche einzelner Lobbyorganisationen, vor allem der Waffenindustrie, den Prozess zu beeinflussen, haben bereits zu Festnahmen und Verurteilungen wegen Nötigung, Erpressung und Landesverrat geführt. Aggressiver Lobbyismus soll bald global geächtet werden. Verurteilte Täter dürfen danach kein Staatsamt mehr innehaben und auch keinem Wirtschaftsunternehmen vorstehen. Ein umfassendes Paket gegen Korruption wird noch in diesem Jahr verabschiedet.

Die deutsche Seite wird vertreten durch den Verein Atlantikbogen, die Gesamtdeutsche Bank, die Initiative Ältere Soziale Marktwirtschaft, Roland Bilfinger, McBerger, die Ökonomische Kirche, den Gewerkschaftsbund Deutschland, den Rat der Wissenschaft und einige Nobelpreisträger.

Die Verschwörung wurde aufgedeckt, als interne Papiere der CDU/CSU zum NATO-Austritt öffentlich wurden und Verteidigungsministerin Albrecht erklärte, sie könne sich sonst “auf der Konferenz nicht blicken lassen”. Selbstverständlich wird offiziell noch geleugnet, dass solche Konferenzen stattfinden. Der Autor selbst wurde als “offenbar psychisch krank” bezeichnet, als er das Ministerium mit den Vorwürfen konfrontierte. “Wir sind dem Wachstum verpflichtet, sonst nichts. Wer etwas anderes glaubt, sollte zum Arzt gehen”, so ein Sprecher des Ministeriums wörtlich.

 
cs

Original: Seedfeeder, CC-Lizenz

Ich war irre. Sie hatte mir fast alles gezeigt und am Ende die kalte Schulter. Alles in mir pochte, der Schlaganfall hätte mich längst ausschalten müssen, das Blut würde jeden Augenblick in Fontänen aus meinen Schläfen spritzen. Dieser Druck! Ich war hart wie Bongossiholz. Ich wollte nur noch in sie hinein, mit der Ramme durch die Tür, sie aufspießen, pfählen auf der Mordwaffe, die sie selbst geschmiedet hatte, aber sie hatte mich hinaus komplimentiert. Tür zu. Adieu, kleiner Mann, du heute nicht!

Es gibt da so einen Trend gegen den Gender-Mainstream, der nicht merkt, dass er ein Nischendasein führt, dass die Mitglieder der Sekte in ihren Twitter-Kirchen und Facebook-Gebetsmühlen so relevant sind wie Jehovas Zeugen im Sperrbezirk. Heute begegneten mir zwei Artikel, die unbedingt hinweg gegendert gehören, dachte ich so bei mir. Der andere alte Sack und seine primitive Weltsicht hier und die unfassbar erniedrigende Darstellung bei der Wikipedia. Pfui, pfui und dreimal pfui!

So gefährdet der alte weiße Mann Tugend und Jugend. Wir werden verderbt und verlassen Gottes Weg. Für die Protestanten bedeutet das Ungnade, die in Armut mündet, für die Katholiken Hölle oder wenigstens rundenweise Fegefeuer, für die Kirche des Heiligen Genderama ist das Armageddon gekommen.

Das letzte Gefecht

Der neue Biedermeier mag es wieder tugendhaft; pünktlich, fleißig, diszipliniert, und weil das nicht genügt, muss die Sittenpolizei noch einen draufsetzen das noch steigern, indem sie alles Sexuelle in einen moralischen Setzkasten sperrt. Dabei werden angebliche oder tatsächliche ‘Orientierungen’ zu Wertmarken. Was das Bürgertum einst als pervers stigmatisierte, hat automatisch einen hohen Rang. Dieser bemisst sich nach dem potentiellen Opferstatus unter der Täterschaft des weißen Mannes.

Wie das genau geht, wissen die Genderisten auch nicht, weswegen sie sich jeder kommunizierenden Sprache entledigt haben. Derart sind sie imstande, ihre Mantren zu beten ohne jemals Sinn, Bedeutung oder ähnlich Gottloses in die Welt zu setzen. Sexuelle ‘Orientierungen’ sind schon die Abstraktion von dem, was die Askese eben verbietet: Sex; ficken, schnackseln, vögeln, halt das lustvolle Treiben bei vollem Körpereinsatz. Der heterosexuelle Mann definiert sich durch seine Absicht, eine Frau zu penetrieren. Schuldig! Woher kennen wir das bloß?

Die zehn Gebote des Christentums beinhalten drei, die sich auf die Religion selbst beziehen und eines, das dieses Weltverhältnis quasi verlängert, nämlich das, Vater und Mutter zu ehren. Von den übrigen sechs sind zwei auf Eigentum bezogen und zwei auf das Verhältnis Mann-Frau. Es ist verboten zu stehlen oder des Nächsten Haus auch nur zu begehren. Es ist verboten zu ehebrechen oder des Nächsten Weib zu begehren. Letzteres ist die Sünde, auf die kein Bewusstsein einen Einfluss hat, das originäre Gedankenverbrechen.

Du sollst nicht

Es ist das Manifest der Herrschaft des ‘Weißen Mannes’, das die Frau zunächst zum Objekt macht und dann den Mann auf die Knie zwingt, weil er mit dem spontanen Blick auf den heißen Arsch des ‘nächsten’ Objektes nicht schnell genug die Phantasie abgeschaltet bekommt. In der Nachbarschaft von Diebstahl und Mord ist dies eine Sünde unter gleichen. Schuldig!

Davon hatte sich eine Generation für einen Wimpernschlag befreit, die einzige Leistung der “68er”, die ihre Protagonisten nicht selbst in den Staub ihrer ideologischen Umschulung getreten haben. Es begab sich gar so, dass der alles zersetzende Kapitalismus zwar auch den Sex der Verwertung zuführt, dabei aber das Gedankenverbrechen endgültig befreit hat. Niemand entkommt der Macht des Porno, gepriesen sei der Herr!

Jetzt machen sich also verschrobene kleine Tugendsekten auf den Weg und versuchen erneut, den Menschen ihre Körper und ihre Lust zu nehmen, die Welt einzuteilen in Männlich, Weiblich, Weiß, Schwarz, anders, Homo und Hetero, Sodom und Gomorrha. Es sei keine Lust unschuldig und die der Mehrheit schuldiger als die der Minderheit. Es sei das Opfer gut und der Lüstling böse. Das also ist die Strategie, um die Herrschaft des weißen Mannes zu durchbrechen. Es werde Prüderie mit Prüderie und Rassismus mit Rassismus vergolten!

Ich gestehe. Ich bin ein reaktionärer alter weißer Mann.

 
pn

Ich hörte neulich von einem Hartzvierer, er möge keine grobe Bratwurst. Grobebratwuchst ist wohl nicht gut genug für den Herrn, dachte ich also. Aber Schokolade, die mag er. Außerdem gern ein “Bierchen”, und rauchen mag er auch. Das sagt doch alles.

Lebensmittelgutscheine sind derweil ganz hoch im Kurs. Lebensmittelgutscheine für alle, die nichts leisten, also den Hartzvierer und den Flüchtling. Solche Gutscheine darf es freilich nicht in Mark und Pfennig geben, sie müssen eben Gutscheine für Lebensmittel sein. Der Flüchtling mag da aufbegehren so viel er will in seinem 700-Flüchtlinge-Camp, weil es ihm nicht gefällt an der Essensausgabe. Kaum dauert das etwas länger oder es gibt Grobebratwurst, randalieren sie da, die 2000 Flüchtlinge. Wenn es denen hier nicht passt, was wollen sie dann hier? Schokolade?

Bei uns im Westen

Ich habe immer hartgearbeitet für alles und habe auch nicht mehr. Hätte ich je Grobebratwurst verschmäht, was hätte da aus mir werden sollen? Ein Bier muss außerdem hartverdient sein, sonst ist es nur Bierundkippen-Bier, das schadet den Kindern vom Hartzvierer. Schlimm genug, wenn er nicht mal welche hat. Der Flüchtling hat natürlich welche, die kommen jetzt alle nach. Und die Weiber. Kommen gemütlich nachgeflüchtet. Aus Syrien, wo der Assad und der Putin sie vertreiben.

Geben wir ihnen also Gutscheine für Grobebratwurst und Eier mit Speck. Lecker. Mjam. Erzählt mir nicht, wenn man Hunger hat, wäre das nicht gut genug. Die haben doch Hunger, oder? Okay, viele von denen haben Handys. Iphone fünf oder sogar sechs. Aber einen auf hungrig machen und keine gutbürgerliche Küche mögen, was. Ich kann mir das nicht leisten, so ein Handy. Die schon. Da stimmt doch was nicht. Was hat eigentlich die Merkel damit zu tun? Warum will die die hier haben? Verstehe ich nicht.

Und wieso kommen die überhaupt hier an? Früher sind die doch alle nur bis Italien gekommen, wo es doch auch schön ist. Viel wärmer als hier, und statt Grobebratwuchst kriegen sie Pizza und Ravioli. Das war doch was für den Flüchtling. Oder ist das auch nicht gut genug? Italien ist doch Westen und Freiheit genug, oder nicht? Mehr als genug, wie der Lesebefehl sagt, und hier wird gelesen, was auf den Tisch kommt.

 
lf

Sie saßen noch spät beisammen und beschwiegen ihr Elend. Der Schusterjunge, der immer übrig blieb. Wenn alle schon fertig waren, zog er nach. Immer. Er kam nie mit den anderen gemeinsam an. Ihm wäre es nicht wichtig gewesen, vielmehr: für ihn fühlte es sich sogar richtig an, aber es sollte nicht so sein. Sie meinten, das sei keine Leistung, und es passe sowieso nicht ins Verlagsprogramm. Er war eine Fehlprogrammierung, ein Rest, der nicht sein durfte, das Zuviel am unteren Ende. Er wollte nirgends sonst sein, aber sie wollten ihn dort nicht. Nach oben habe er zu streben, wie die anderen. Die anderen, die er nie würde einholen können, denn er war nicht wie sie. Er war anders und durfte es nicht sein.

Dem Zweiten ging es nicht besser. Seine Herkunft haftete ihm an wie ein Schild. Er war von der Art, die es immer besser machen wollten, die immer als erste da waren, immer eifrig voran, wie sie es von denen verlangen, die etwas aus sich machen sollen. Aber es half nicht, im Gegenteil: Es machte ihn verdächtig. Er war der, der immer die Gelegenheit hätte. Als erster am Tatort, sozusagen. Etwas Schuldiges haftete ihm an, als habe er etwas gutzumachen. Man sah es ihm an, dass etwas nicht stimmte. Wo immer er auch auftauchte, wie immer als Erster, musste er warten und es wurde ihm jemand vorgezogen. Wann immer man ihn fragte, woher er käme, schwieg er. Sie mussten nicht wissen, dass er ein Hurenkind war. Sie behandelten ihn ohnehin schon so und hätten sich nur bestätigt gefühlt.

Sie wollten nicht weg. Nicht, weil sie eine Art Heimat gehabt hätten, ein Wort, das nur von denen gern im Mund geführt wird, die im nächsten Satz „Privatgrund“ giften und deutlich machen, wer dort nichts zu suchen hätte. Sie gehörten ja nicht dazu, was sollte da „Heimat“ sein? Hätten sie glauben dürfen, es sei woanders besser, sie wären vielleicht fortgegangen. Aber für sie? Sie waren diejenigen, die überall zu wenig waren oder zu viel, zu früh oder zu spät, jedenfalls nicht genügend. Sich damit abzufinden, fiel ihnen nicht schwer. So groß war das Elend eben doch noch nicht, dass es zur Flucht gereicht hätte.

Der Dritte aber war soweit, und das änderte alles. Die beiden wurden mitgerissen, als die Entscheidung unausgesprochen fiel. Es fehlte an fast allem. Nichts zu sagen, das noch jemand hätte hören wollen. Nichts schien mehr relevant, nichts zu ändern, also nichts zu tun. Niemand war mehr von etwas überzeugt in der Gegend, und was es an Vergnügungen gab, war billig, falsch und deprimierend. Keine Muße nirgends, nicht in diesem Teil der Wirklichkeit. Er wollte dennoch nicht schweigen. Die Blätter durften nicht weiß bleiben, das war seine Existenz. Er trank das Bier aus, nahm die beiden bei der Hand und stand auf. Der Säzzer verließ das Land und floh in die Literatur.

Dank an pantoufle und Matthias Eberling für die Inspiration

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