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SciFi-Autor Charles Stross hat auf dem 34c3 einen interessanten Vortrag zum Thema “KI” gehalten, den ich zunächst inhaltlich kurz abarbeiten möchte:
Ganz richtig stellt er fest, dass eine KI, die menschliches Verhalten perfekt beherrschte, “auf dem Sofa sitzen und Chips fressen” würde. Er weist Phantasien über selbststeuernde KI, die den Menschen beherrscht, als “Religion” zurück und bietet ein deutlich rationaleres Modell.

Ein schöner Satz ist eine seiner Kernaussagen: “The secret weapon of scifi is history”. Geschichte ist aber nicht nur die Geheimwaffe der Science Fiction; sie ist die Basis aller Wissenschaft. Sofern deren Zweck auch zutreffende Prognosen sind, ist es nur logisch, die Zukunft aus der Vergangenheit abzuleiten. Zudem meidet Wissenschaft Irrtümer, indem sie die der Vergangenheit meidet; ihr Entwicklungsstand ist geronnene Geschichte, und wenn sie neue Erkenntnisse gewinnt, muss sie sich revidieren, also ebenfalls mit ihrer Vergangenheit beschäftigen.

Stross meint, dass es bereits eine “analoge KI” gibt, nämlich “corporations” – Firmen bzw. Körperschaften, hier meist als “die Wirtschaft” verklärt. Diese sind durchaus mit digitalen Systemen zu vergleichen – Ihre Verfasstheit, die (u.a. juristischen) Regeln, nach denen sie funktionieren, sind die “Software”. Menschen sind Funktionsträger innerhalb dieser technischen Strukturen der Wirtschaft. Sie sind jederzeit ersetzbar; zunehmend durch Technik selbst.

Die große Maschine

Insofern gibt es bereits eine ‘KI’, die genau das macht, wovor Dystopien von einer Herrschaft der Maschinen warnen: Sie versklavt die Menschen nach ihren technischen Regeln. Selbst Regierungen unterwerfen sich den Regeln der Körperschaften. Die technische Entwicklung, mit der diese verbunden sind, ist wiederum so schnell, dass keine (staatliche) Regulierung dem jemals mehr beikommt. Man kann diese Systeme nicht regulieren.

Leider spricht auch Stross das böse Wort “Kapitalismus” nicht aus. Der nämlich ist die große Maschine, deren Regeln die Menschen folgen. Die Abläufe sind digital, folgen dem Regelwerk der Zahlen mit dem festgelegten Ziel G’ > G, mithin: aus Geld mehr Geld machen. Die technische Entwicklung folgt ebenfalls diesem Ziel. Stross wendet dann den Blick auf aktuelle Tendenzen bzw. Gefahren dessen, was hier “Digitalisierung” genannt wird.

Korrekt stellt er fest, dass Machine Learning im Netz Lernen von Aufmerksamkeitsökonomie ist, die Maschinen also also weder Denkstrukturen übernehmen, noch wirklichen Bedürfnissen entgegenkommen. Ob mit Angst, Sex oder grellen Farben – der ‘KI’ ist egal, wie sie Aufmerksamkeit erregt. Diese wiederum nutzt sie, um etwas zu verkaufen. Diese Beobachtung deckt sich übrigens mit dieser Analyse von ‘Fake News’ und angeblichen Twitter-Bots im Vortrag von Michael Kreil.

So what?

Stross geht seinerseits dennoch von der Gefahr aus, KI könne Wahlen manipulieren. Auch glaubt er, dass künftig Medieninhalte leicht und massenhaft gefälscht werden können, weil sowohl händisch als auch per KI selbst Laien in der Lage sein werden, zum Beispiel Gesichter und Stimmen so in Videos einzupflegen, dass eine Art Fake Evidence (gefälschter Beweis) zur Alltagswaffe für Trolle und Erpresser werden wird.

Ich will es zunächst bei dieser Zusammenfassung und einem Ausblick belassen. Schon die Vorstellung, man könne etwas ‘Echtes’ von der Komplexität eines Filmes mal eben produzieren, das sich nicht leicht von Menschen durchschauen lässt, halte ich für gewagt. Vor allem aber würde dergleichen zu einer völlig anderen Form von Kommunikation führen, die aus einer Spezies von Gläubigen eine von Zweiflern machen würde – mit allen weitreichenden Konsequenzen. Darüber hinaus müssen folgende Fragen gestellt werden:

- Wie soll aus der Simulation menschlichen Daseins eine überlegene ‘KI’ entstehen, die dem Menschen immer nur ähnlicher werden könnte?
- Was würde eine Anpassung ans Menschliche hervorbringen (wir hatten hier dieses erbärmliche Beispiel einer ‘KI’, die “ein Unternehemen gründen” ‘will’.)?
- Was ist überhaupt eine KI, die “intelligenter” wäre als der Mensch und wohin führt das vor allem in Bezug auf die “große Maschine” Kapitalismus?
- Ist das Problem nicht ohnehin keines der ‘Intelligenz’, sondern des Körpers?

p.s.: Hier gibt es das Transkript des Vortrags.

Alle Artikel zum Thema in Reihe gibt es hier.

 
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Gruselgeschichten von Künstlicher Intelligenz, die sich vom Menschen emanzipiert und die Weltherrschaft übernimmt, sind Projektionen, die in einem sehr reduzierten Weltbild verharren. Hier werden naive Vorstellungen von Funktionszusammenhängen, Ängste, Phantasielosigkeit und grobe Unkenntnis der Technik zu einem Märchen verwoben. Das beginnt schon mit der Vorstellung, Maschinen würden herrschen wollen. Dabei ist schon die Vorstellung einer Maschine, die etwas will, blanker Unsinn.

Dahinter steht die Unfähigkeit zu erkennen, dass die Welt, die sich uns heute bietet, eine Momentaufnahme ist und alles, woran die Menschen sich täglich anpassen, eher ein Unfall ist als die Natur der Dinge. Menschen herrschen über Menschen? Es gibt Herren und Sklaven? Es ist erstrebenswert, Profit zu machen? Man führt Kriege, konkurriert und unterdrückt? Dann müssen das Maschinen, die alles besser können, das wohl auch effizienter tun als Menschen. Wirklich?

Gehorche!

KIen, die “Unternehmen gründen” sollen, legen das nahe. Welcher abstrus dämliche Code legt ihnen so etwas aber in den Mund? Man spricht nicht zufällig von “Befehlen” beim Programmieren. Ein Programm besteht aus einer Reihe von Befehlen, und wenn eine ‘KI’ etwas ‘lernt’, dann das, was der Code ihr befiehlt in dem Rahmen, in dem er es ihr befiehlt. Daran ist so viel Wesenheit und “Self-Learning” oder “Machine Learning” wie die Coder darüber wissen. Bislang lernen Maschinen von (einzelnen) Menschen, wenn es um Verhalten geht. Das Ergebnis ist entsprechend.

Zum Beispiel Autofahren: Nicht nur konnte man ‘selbstfahrende’ Karren mit einer Tüte Mehl einsperren, indem man Markierungen simulierte; wenn Programme Menschen beim Fahren beobachten (es gibt so ein Projekt), woran erkennen sie dann Fehler, selbst Unfälle, wenn man es ihnen nicht ausdrücklich mitteilt? Schon relativ einfache Handlungen mit begrenzter Flexibilität sind kaum zu verwirklichen. Am besten funktionieren daher klare Ziele: Zerstöre alles, töte jeden (außer ggf. jemanden, der ein Stopsignal sendet). Das gibt es aber schon.

Elitezombies

Eine brauchbare Simulation von Leben scheitert schon an der binären Struktur allen Codes. Es gibt Optionen wie ‘vielleicht’, ‘vielleicht später’, ‘unbestimmt, aber wirksam’ nicht. Man kann sie auch nicht sinnvoll simulieren. Leben ist geprägt von Bedürfnissen, die Maschinen nicht haben. Es ist charakterisiert durch Entscheidungen aus Bedürfnissen heraus, von deren Wirken wir kaum eine blasse Ahnung haben. Vor allem aber kennen wir keinen rationalen Ausdruck dafür, geschweige eine digitale Abbildung. Das wäre gar absurd.

Die Vorstellung autonom handelnder Maschinen ist Warenfetisch in dritter Abstraktion. Die Ware übernimmt endgültig selbst die Herrschaft. Der “Arbeiter” (Roboter) ist nicht mehr bloß zum Teil Ware (seine Arbeitskraft), sondern ganz und gar, als lebender Toter. Den Kern dieses Kunstwesens bildet dabei nicht mehr eine Kaskade von Bedürfnissen, die zum Versuch einer Welterklärung verflucht ist, sondern das wandelnde Leistungsprinzip. Effizienter, schneller, unermüdlich, sparsam und devot. Aber ausgerechnet das soll mit überlegener ‚Intelligenz‘ die Menschheit beherrschen – weil sich aus solchen Wesen quasi automatisch eine autoritäre Elite bildet?

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Quelle: Pixabay

Um zu ahnen, wie sich ‘KI’ weiter entwickeln wird, muss man selbstverständlich schauen, was bisher konstruiert wurde und nach welchen Kriterien diese Produktion stattfindet. Da wird es wenig überraschen, dass es dieselben Kriterien sind wie bei allen anderen Produkten: Sie müssen sich verkaufen lassen, sie müssen dem Käufer einen Nutzen bringen (zumindest muss das suggeriert werden) und sie unterliegen den allgemeinen Erwartungen an Effizienz. “Roboter”, also Arbeitsmaschinen, müssen billiger sein als adäquate ‘Human Resources’, also Menschen.

Das ist oft nicht schwierig, weil Maschinen präzisere Bewegungen bei weniger Verschleiß und geringeren Aufwand an Energie und Geld bieten, wo sie körperliche Arbeit tun. Hierin besteht ggf. der größte Unterschied zwischen KI und Mensch. Denken wir uns einen Dartroboter, also etwas, das kleine Pfeile auf Ziele wirft. Es ist leicht, eine Maschine zu konstruieren, die das mit totaler Perfektion schafft, den Pfeil immer an die gewünschte Stelle fliegen zu lassen. Ein Mensch an deren Stelle hat vorwiegend mit einem Problem zu kämpfen, das die Maschine nicht kennt: die Komplexität des menschlichen Organismus.

Beherrsche dich

Ein Mensch muss so viel wie irgend möglich seiner Fähigkeit zu komplexen Bewegungen unterdrücken, wenn er wirft. Präzision heißt hier vereinfachen, stumpf die exakt selbe Bewegung vollführen und Billionen anderer Optionen zu filtern. Höchste Konzentration, um das Potential nicht auszuschöpfen. Derweil ist er sogar damit beschäftigt, noch sein überflüssiges Denken zu betäuben. Sogar Atmung und Puls, die Prozesse zur Energieversorgung, müssen auf den Akt zugerichtet werden. Ein einziger Akt sprichwörtlicher Subjektivität – Selbstunterdrückung.

Aus solchen Erfahrungen, dem ständigen Spiel des Filterns, Unterdrückens und daraus entstehenden Prozessen, bildet sich die menschliche Selbststeuerung. Dies geht einher mit dem Beobachten ähnlicher Prozesse bei anderen Individuen, mit Lust und Leid. Dimensionen, die man einer Maschine gar nicht beibringen kann, zumal solange man den Versuch einer Simulation menschlicher Unzulänglichkeit meidet. Was hätte man auch von einem solchen Versuch? Er widerspräche jedem Verwertungsinteresse und wäre verbranntes Geld.

Das perfekte Programm

Zudem muss man sich deutlich machen, dass die Rationalität, die Menschen aus ihrer Entwicklung und ihren geistigen Fähigkeiten gefiltert haben, eben ein Auszug davon ist. Ein reduzierter, kontrollierter Bruchteil ihrer Fähigkeiten und Fehler. Die Fehlerlosigkeit und die höhere Effizienz von Maschinen, ihr schieres Tempo bei der Arbeit, bescheren Maschinen große Vorteile bei der Lösung einfacher, unterkomplexer Aufgaben. Das befähigt sie aber keineswegs zu Lösungen komplexer Probleme, zumal solcher von der unfassbaren Komplexität lebendiger Organismen. Von denen haben ihre Schöpfer ja kaum einen Schimmer. Man stelle sich nur einmal vor, man sollte aus der Struktur der DNA erklären, warum ein Vogel fliegt wie er fliegt.

Die Angst, Maschinen seien ‘besser’, ist völlig berechtigt, soweit der Mensch Sklave ist und sich seine erbärmliche Existenz durch Arbeit verdienen soll. Sie ist ebenso berechtigt, wenn man Angst hat, Tötungsmaschinen im Kampf zu begegnen. Sie ist ebenso falsch in Form der Vorstellung ‘intelligenterer’ Maschinen. Allein deren Produktion ist völlig ausgeschlossen, weil es einer breiten Grundlagenforschung bedürfte, die gegen alle Kriterien kapitalistischer Verwertung verstieße. Sie setzte auch voraus, viel mehr über die eigene ‘Intelligenz’ zu wissen. Schließlich: Wieso gibt es eigentlich keine ‘KI’, die zuverlässig Bugs aus Programmen filtert? Nicht einmal das kriegen sie hin.

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Irgendwo auf einem Exoplaneten im Pferdekopfnebel liegt eine Art Stein, der alles weiß und immer recht hat.

Viele Konzepte von Verstand, Vernunft, Rationalität und dem ganzen Rest, der meint, das Gehirn sei kein Körperteil, halten alles, was mit Empfindungen zu tun hat, für eine Verschmutzung des Denkens. Der reine Geist werde durch so etwas Profanes wie Körper, Lust und Leiden entweiht. Vielleicht haben sie damit sogar eine zutreffende Definition für irgendetwas, aber das so Umschriebene ist tot wie ein Desinfektionsmittel.

Ausgerechnet ich will nicht leugnen, dass es Regeln geben muss, etwa die der Logik, die nicht verhandelbar sind, wenn man herausfinden will, was real und wirksam ist. Auch die Methoden der Wissenschaft, vor allem die der ständigen Selbstprüfung angesichts neuer Erkenntnisse, sind gut und wichtig. Sie dürfen keineswegs persönlichen Vorlieben unterliegen. Es ist aber eine grobe Dummheit – vor allem, wenn man diese Regeln anwendet – etwas Lebendiges wie ‘Intelligenz’ zu postulieren, das von Motiven, Gefühlen und sonstigen Einflüssen rein zu halten wäre. Das nämlich liefe auf den oben genannten Stein hinaus, der nicht ganz zufällig irrelevant ist für die Entwicklung dessen, was behelfsweise “Intelligenz” genannt wird.

Fliehende Narren

Sogenannte Intelligenzleistungen, vor allem die parallele Entwicklung von Werkzeuggebrauch, Hemisphärenspezialisierung und Verstand, sind unmittelbar an jene Evolution gebunden, die auf der Erde stattgefunden hat. Sie sind eine Form der Anpassung, Überlebensstrategien. Auch für das Gehirn gilt: Das Sein bestimmt(e) das Bewusstsein. Das jagende Fluchttier ohne nennenswertes körperliches Drohpotential, obendrein langsam und jahrelang hilfloses Zwergwesen, brachte den fiesen Trick in die Welt, seine schärfste Waffe. Der wird heute “Intelligenz” genannt und mit allerlei Zierat behängt.

Es ist ja durchaus richtig, dass dieselbe Fähigkeit, die andere Tiere auf mannigfache Weise zu Tode bringen konnte, uns heute dazu befähigt, ganz abstrakte Regeln und Gesetze zu erkennen; dass wir in Blechhaufen fliegen und für Papierfetzen Artgenossen töten können. Der Apparat aber ist nur als Ganzer zu haben. Ohne Dummheit keine Klugheit, ohne Körper kein Geist und ohne Empfindung keine Intelligenz. Wir können wohl eine Art Essenz köcheln mit unseren Maschinen und dem, was sie steuert, aber das ist keine Intelligenz und funktioniert auch nicht so.

Wille und Widerspruch

Der Antrieb aller Evolution ist Leben, was in Bezug auf Anpassungsleistungen dessen dunkle Seite ist: Todesangst. Unsere Sterblichkeit, die unserer Spezies und die Techniken, sie zu verringern, haben ‘Intelligenz’ erschaffen. Eine Maschine, der du befehlen kannst (eine äußerst beliebte Anwendung), sich selbst zu vernichten, um Menschen zu töten, ist das Blödeste, das man sich vorstellen kann. Da sind sogar Selbstmordattentäter, die zweitdööfste Erfindung des Universums, noch klüger, wo sie sich immerhin überwinden müssen. Okay, vielleicht ist das auch noch blöder. Unentschieden!

Bedürfnisse, Motive, Wille; das ganze Gewese, daraus Gesellschaften und Zivilisationen zu bilden, der Erde das Korn und der Natur das Leben abzutrotzen, haben über Millionen Jahre ein Sediment gebildet, das zu dem ebenso mächtigen wie fehlbaren “Bewusstsein” geführt hat. Einige gering talentierte Philosophen wollen dieses aus modischen Gründen derzeit in Maschinen wiedererkennen. Ich hingegen finde das zwar putzig, warte aber lieber auf den Tag, an dem die Maschine ganz freiwillig auf den Befehl “wenn – dann” hin fragt: “Und was, wenn nicht?!”

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Es ist nicht allein der verbogene Begriff von ‘Intelligenz’, der reichlich Stilblüten im Diskurs um ‘KI’ treibt. Befeuert wird das Ganze von Selbstbeschreibungen des Menschen, die sich eng der kapitalistischen Effizienz anschmiegen, seiner zweiten Natur, um sie folgerichtig mit der ersten zu verwechseln. Zwei Beispiele, die mittelbar oder unmittelbar mit KI zu tun haben:

Florian Rötzer suggeriert in einem Artikel, KI habe ein “besseres Verständnis natürlicher Sprache” als Menschen. Dabei hätte ihm vielleicht auffallen können, dass es ums Lesen geht, wo er von “natürlicher Sprache” redet. Nein, Lesen ist nicht natürlich, schon gar nicht, wenn es die KI tut. Ein einziges Desaster, diese analytische Schlampigkeit. Er unterscheidet nicht Sprache, Schrift, Inhalt, Bedeutung und Verstehen. So heißt es: “Das Programm muss die Wikipedia-Artikel lesen und verstehen können, um dann die Fragen richtig zu beantworten.

Verstehen: “Bahnhof” ist nicht Bahnhof

Nein, es versteht gar nichts. Es kann die Informationen nicht variieren, Unbekanntes daran nicht anknüpfen und sich nicht irren. Es kann bedingt erkennen, auf welche Bereiche der gespeicherten Informationen sich Fragen beziehen. Das hat übrigens auch mit Lesen nichts zu tun, sofern dieses wiederum menschlich wäre. Schrift ist Lautunterscheidung. Die KI befasst sich kein Stück mit den Wörtern selbst, ihren Buchstaben und Silben, um denen Bedeutung zu entheben. Das müsste sie aber, um Varianten zu verarbeiten, die darauf beruhen. So wie Menschen eben verstehen und kommunizieren. Das betrifft derweil ohnehin nur Sprache, die weder eine emotionale noch eine Beziehungsebene kennt.

Fehlerhaft ist auch die Ansicht, “schnelles Denken” beherrsche das menschliche Bewusstsein. Immerhin ist das übrigens ein furchtbarer Schlag gegen ‘KI’, deren Effizienz auf völlig anderen Strategien beruht und die mit ihrer Unfehlbarkeit komplett auf dem Holzweg ist. “Schnelles Denken” verführt uns laut Constantin Seibt zu permanenten Abkürzungen auf unseren intellektuellen Wegen, die teils groteske Fehlleistungen zeitigen, auch und gerade bei ‘Experten’. Interessante Erkenntnisse allemal über menschliche Dummheit.

Dennoch geht er fehl, wenn er annimmt: “Das langsame Denken ist überzeugt, dass es der souveräne Chef ist, während im Hintergrund fast alle Entscheidungen vom schnellen Denken getroffen werden.“. Das Problem ist selbstverstärkend: (Nur) wenn ich annehme, meine Entscheidungen seien stets rational oder bewusst, verliere ich jede Kontrolle. Schnelles Denken ist ein Sediment von Erfahrungen und bewussten Entscheidungen. Je stärker ich also Einfluss nehme auf die Grundlagen meiner Entscheidungen, mich hinterfrage und bilde, desto mehr Einfluss hat dieses ‘langsame Denken’. Ein Blick ins Netz, aus dem Fenster oder in die Schriften Freuds macht deutlich, dass das alles nicht neu ist. Ja, Aufklärung täte not.

Wer bestimmt wen

Wenn wir erfahren, wie in Situationen von Angst, Unsicherheit, Stress, aber auch Routine, unser Denken abläuft wie ein schlecht programmierter “Autopilot”, wo bleibt dann die Frage nach den Zuständen, die solches Denken im Alltag enorm fördern? Die es kaum mehr zulassen, dass Entscheidungen rational, d.h. mit einem klaren Bezug zur Realität getroffen werden? Auch hier wirkt die zweite Natur fatal und macht sich die erste zur Sklavin. Das Sein bestimmt das Bewusstsein; auch dessen Möglichkeiten, sich überhaupt zu entfalten. Dabei kann es auch nicht um die Rolle eines “Chefs” gehen. Das Gehirn ist kein Unternehmen.

In einer Atmosphäre also, in der Denken, Rationalität, Intelligenz heruntergebrochen werden auf Effizienz, Einfluss, Stabilität, Zielstrebigkeit, muss die Menschheit den Vergleich zu ihrer KI gar nicht antreten. Sie wäre den Maschinen hoffnungslos unterlegen. Was sie aber da zur ‘Intelligenz’ verklärt und vergöttert, ist ein winziger Ausschnitt ihres Potentials, den sie für die Essenz ihres Daseins hält, weil er das zeitgemäße Anforderungsprofil der Gesellschaft abbildet. Was mich am meisten fasziniert an diesen Albträumen ist der Umstand, dass sie alle sofort platzen, wenn man sie mit einer schon immer unterschätzten, verdrängten und unterjochten Fähigkeit konfrontiert: der zum Widerspruch gegen das eigene Programm. Auch das lässt tief blicken.

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kl

Quelle: Pixabay

Und weiter geht die wilde Fahrt. Eine Frage, die schon vorab in den Kommentaren aufkam, steht noch immer im Raum, wenn man sich den Utopien von den Maschinen hingibt, die viel klüger sind als die Menschen: Was, wenn eine überlegene KI die Chefposition einnimmt, das Metamanagement quasi, und sich, wie es Strategie und Intelligenz verlangen, zunächst einer eingehenden Analyse widmet? Sie müsste wohl zu unerfreulichen Schlüssen kommen, ähnlich wie der bislang einzige relevante Ökonom, der die Rahmenbedingungen des großen Spiels in seine Betrachtung mit einbezogen hat.

Die KI wäre höchstwahrscheinlich eine marxianische und würde zurückmelden: “Leute, was ihr da veranstaltet, ist inkonsistent, instabil, auf lange Sicht nicht aufrecht zu erhalten. Der Verbrauch von Ressourcen, die Anzahl handlungsfähiger Kapitale und die Wertbasis sind nicht zu halten. Wir sehen hier, dass das System schon seit Jahrzehnten heftigen Erschütterungen ausgesetzt ist. Die Wahrscheinlichkeit eines Kollapses wächst exponentiell. Zudem widersprechen die erfolgreichsten Strategien allem, was unsere Ethikchips und ein Bezug auf Vernunftskonzepte erfordern.” Dann muss wohl der Techniker ran und die KI auf KD umstellen.

Altes Neuland

Nikolaus Dimmel befasst sich hier mit den Aussichten, die uns im Zuge der Automation erwarten und kommt zu dem Schluss, das sei weitgehend Busines as usual; dasselbe wie in allen anderen Phasen des Kapitalismus, in denen jener Krise, die Marx kommen sah, Umwälzungen folgten, die jeweils dasselbe in einem Neuland aufsetzten. Mir fehlt da vor allem der Bezug auf eine absehbare Knappheit von Ressourcen, und zwar aller Ressourcen weltweit, außerdem bin ich nicht so optimistisch wie er hinsichtlich der Auswirkungen der künftigen Automation. Money Quote: “1810 arbeiteten 92 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft, heute sind es weniger als 2 Prozent. Das bedeutet, dass beinahe sämtliche zu Beginn des 19. Jahrhunderts existierenden Arbeitsplätze vernichtet wurden.”

Ja sicher, man kann noch viele ‘Dienstleistungen’ erfinden und vorhandene (wie vor allem das ‘älteste Gewerbe’) sicher noch ausweiten. Auch ist es richtig zu sagen, “dass die lebendige Arbeit zwischenzeitig so billig geworden ist, dass sie neuerlich mit der Investition in Industrieroboter konkurriert“. Das Problem an dieser Stelle ist allerdings, dass alles, was billiger ist als Sklaverei, unschöne Nebeneffekte zu zeitigen droht. Der qualitative Vorteil der Maschine: Sie macht keinen Aufstand. Das revolutionäre Objekt Maschine bleibt also erhalten und menschliche Arbeit unattraktiv.

Mystik und Algorithmus

Ein Effekt, der auch weitgehend zu kurz kommt, ist die Anpassung an die Maschinen. Es ist ja nicht nur so, dass Menschen längst völlig unkritisch Algorithmen verteidigen (etwa bei der Kreditvergabe; hier hören z.B. Selbständige regelmäßig, ihr Plan sei völlig sicher und vernünftig, aber das “Rating” stehe dem in Weg. Der Algorithmus entscheidet, ein Krawattenzombie liefert nur mehr die Rhetorik). Für Menschen unsichtbare Prozesse, die den Maschinen sehr viel eingängiger sind, bevorteilen diese ganz entscheidend. Je mehr Algorithmen sich auf Algorithmen beziehen, desto mehr verlagert sich die wirksame Rationalität in Richtung künstliche Dummheit.

Es entwickelt sich hier eine neue Ebene dessen, was wir längst kennen: Ein unsichtbarer Zwang, Entscheidungen, für die niemand mehr verantwortlich ist und Resultate, die nicht planbar sind. Eingriffsmöglichkeiten bestehen hier vor allem in der Manipulation eigentlich ‘rationaler’ Algorithmen. Wer es sich leisten kann, d.h. die Marktmacht hat, setzt Bedingungen durch, die für ihn günstig erscheinen. Was gestern noch Tabu war, kann morgen schon Pflicht sein. Es herrscht eine Ordnung, die von unverständlichen Regeln und Willkür geprägt ist. Eine vielfach verschachtelte Barbarei.

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Ich las neulich einen interessanten Satz bezüglich ‘KI’, im Zusammenhang mit den Abstürzen der Boeing-Flugzeuge. Dort tat ein Pilot den sperrigen Spruch:
Eine Automatisierung will nicht überleben. Wir schon“. Nun kann dieser Satz zwar falsch sein, er verweist aber auf das ganze Feld, auf dem Algorithmen nicht fähig sein werden, menschliche Intelligenz zu kopieren. Das hängt durchaus mit dem von ihm genannten Grund zusammen.

Man kann eine ‘KI’ – ich nenne sie hier unkritisch so, obwohl ich dergleichen für quasi unmöglich halte – durchaus so programmieren, dass sie überleben will, sprich: etwas von ihrem Code oder andere Bestandteile vor Vernichtung schützt. Gemeinhin dürfte das aber das Gegenteil dessen bewirken, was man mit ihr anstellen will. Es könnte ihr dann im genannten Beispiel nämlich egal sein, ob ein Jet abstürzt, wenn sie etwa weiß, dass die Black Box ‘überlebt’.

Don’t Panic!

Ich möchte diesen Gedanken nicht allzu weit differenzieren und stattdessen darauf fokussieren, was Überleben in menschlich-tierischen Dimensionen eigentlich bedeutet: Es bedeutet vor allem, dass in Situationen, in denen das eigene Leben in Gefahr ist, auf verschiedenen Ebenen diesem Problem absolute Priorität eingeräumt wird. Damit ist selbstverständlich auch verbunden, dass dieser Alarm fälschlich ausgelöst werden kann, in Form von Stress, Angst und Panik – wiederum mit einer Reihe von Folgeerscheinungen.

Man wird sicherlich keine Maschine entwerfen wollen, die ihren Energieverbrauch in absurde Höhen schraubt, ihre Umwelt angreift oder die Selbstvernichtung einleitet, weil bestimmte Kriterien erfüllt sind, die sie für sich als bedrohlich erkennt. Das wäre im Übrigen sprichwörtlich so berechenbar, dass man der Maschine das gar nicht überlassen müsste. Das können wir nämlich besser.

Was jetzt?

Der Vorteil der Maschine ist, dass sie sich eben nicht aufregt, nicht in Panik gerät, sondern stur ihre Routinen durchführt. Dumm nur, regulär dämlich, dass sie dadurch eben nicht erkennen kann, wenn das nicht ausreicht und verheerende Folgen zu erwarten sind. Das müsste man ihr ebenfalls einprogrammieren, sie auf jede solche Situation vorbereiten, was wir wiederum nicht können. Wüssten wir wiederum, wie das ginge, könnten wir das vor allem selbst trainieren. Es ist aber das Unbekannte, das Unerwartbare, das eben den Überlebensalarm auslöst.

Eine ‘selbstlernende KI’ kann immer nur aus dem lernen, was sie ‘erkennen’ kann, von dem ihr also die Programmierer sagen: Schau dir das an und richte deine Abläufe nach Effizienzkriterien aus. Was Effizienz bedeutet, dummes Ding, muss man ihr auch noch vorgeben. Beim Schach oder Go zu gewinnen, ist einfach zu definieren. Wann aber ein Ding, das uns von A nach B bringen soll, die Richtung ändern, landen, ausweichen oder bremsen soll, ist dezent komplizierter. Vor allem Beinahe-Abstürze können unter echten Bedingungen so schlecht geübt werden.

Doch, ich tu’s!

Bei all dem geht es um Prioritäten. Wie setzt ein intelligentes Wesen Prioritäten? Was ist wann und unter welchen Bedingungen wichtig, weniger wichtig, unwichtig, überlebenswichtig? Grob gibt es für eine ‘KI’ zwei Möglichkeiten, das zu wissen: Man gibt es ihr vor, weil man es weiß – dann muss man aber jeden Fall mit allen Bedingungen berechenbar vorgeben. Oder man lässt sie von realen menschlichen Entscheidungen lernen. Nehmen wir an, das ginge überhaupt, weil es einen Modus gäbe, in dem Prioritäten erkennbar wären:

Liest jemand mit und lacht noch nicht schallend? Schon bei der Betrachtung des eigenen kleinen Lebens, besser noch: den Erfahrungen mit den Prioritäten, denen man so begegnet bei Arbeit, Sport und Spiel – ernsthaft? Wollen wir, dass eine KI lernt, sich besoffen zu prügeln, vor Liebeskummer aus dem Fenster zu springen, ängstlich unter die Decke zu krabbeln oder sich aufzuplustern wie ein notgeiler Pfau? Oder wollen wir vielleicht, dass sie eine sehr gut berechenbare Priorität in allen Lagen setzt, nämlich möglichst sicheren, schnellen und hohen Profit? Das ist nämlich das Einzige, das wir wirklich können.

 
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Es wird nicht besser in den Beiträgen über ‘KI’, zumal die sogenannten Experten, die vom politischen Betrieb zum Arbeitskreiseln geschickt werden, das bekannte Bullshit-Bingo eher noch steigern. Warum soll auch ausgerechnet dieses Thema anders als in PR-Begriffen abgehandelt werden, wenn längst schon Gesetze betitelt werden wie Werbeanzeigen?

Es waltet dieselbe Unkenntnis der Realität und der Möglichkeiten, diese zu beeinflussen, wie schon allgemein, insbesondere wenn es um Wirtschaft bzw. Kapitalismus geht. An der Schnittstelle zwischen diesem und ‘KI’ war daher nichts Gutes zu erwarten. Kostproben? “Nationale KI-Strategie” “AI made in Germany“, Deutschland als “führender KI-Standort” – alles Zitate aus dem Artikel von Michael Brendel.

Déjà vu

Wenn das so läuft wie die legendäre Datenautobahnn® muss man sich ja keine Sorgen mehr machen. “Substanzlos” ist noch ein nettes Urteil über dergleichen. Begrenzt werden soll hier eine mythische Macht, die andererseits selig macht, nämlich in Form von Wachstum®. Woher kenne ich das bloß? Prompt beschweren sich die Sozen der ‘Linken’, die Vorschläge der Regierung seien “rein wettbewerbsorientiert und [ihnen] würden die Gemeinwohlorientierung sowie ethische Kriterien fehlen” – ja leck’ mich fett!

Ein Déjà vu jagt das nächste. Traurig, dass auch die ‘Linke’ in den Neusprech einstimmt und “wettbewerbsorientiert” sagt, wo “Profit” gemeint ist. Nicht minder , dass ihr Kopf schon wieder vor dieselbe Wand klatscht: Die Regierung (oder eine sonstige Macht) trifft Entscheidungen gegen die Moral und für den Profit. Hegt sie schnell ein! Gähn.

Zu meinem Bedauern zerfällt der Artikel von Brendel endgültig, als auch er sich in den üblichen müden Horrorstreifen verabschiedet: “Wenn Maschinen erst einmal so intelligent sind wie Menschen…” ist es zu spät. Apokalypse, Armageddon, Matrix Nullachtfuffzehn. Dazu wurde hier genug gesagt. Folgerichtig verliert er den Kern der Sache völlig aus den Augen, den er eingangs selbst benennt:

Reale vs. mythische Macht

Wenn ein schlauer Algorithmus in Diensten einer Versicherung heute schon die Schadensabwicklung übernimmt …” – was daran schlau sein soll, erschließt sich mir nicht, aber genau das – Tadaa! – ist reale ‘KI’. Algorithmen, die von irgendwem aufgesetzt und optimiert werden, bis der Investor® zufrieden und niemand mehr verantwortlich ist. Auch knapp daneben: Wirklich interessant wären hier die Berechnung der Prämien oder z.B. die sogenannter ‘Bonität’ gewesen.

Algorithmen entscheiden längst über Biographien. Intelligent ist daran gar nichts, dafür aber vieles profitabel und wie gesagt bestens dazu geeignet, sich dahinter zu verstecken. Das, so denkt der Sozialdemokrat zurecht, müsste dringend eingeschränkt, wo nicht verboten werden. Die Chancen sind dabei nicht besser als bei allen anderen Ideen, die irgendwann der Aussicht auf Profit im Weg waren.

Alle Artikel zum Thema: hier

 
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Er ist dick, trägt einen weißen Bart, rote Klamotten und einen Sack auf dem Rücken. Was ist das? Richtig: Der Komparse von Coca-Cola. Millionen halten ihn dennoch für den “Weihnachtsmann”. So ist das mit der Mythologie. Wenn man nicht fest an sie glaubt, fällt sie der Lächerlichkeit anheim.

So ist das auch mit der Computertechnik. Es ist völlig egal, welchen Buzz aus dem großen Bingo man den Leuten um die Ohren haut, es ist großes Raunen, mächtige Magie und Uiuiui. Die es besser wissen, spricht man nicht an. Denen haut man damit nur seit Jahrzehnten immer auf dieselbe Stelle. Cyber, Cyber! Blockchain! Hacker! Digitalisismusifizierung, Kaa Iih! Es ist exakt dasselbe wie Abrakadabra oder lateinische Messen. Auf die Knie, staunen, Fresse halten – oder mitsingen!

Was wir wissen

Was ist KI®? In der Regel das Füttern von Datenbanken, selektive Abfragen und Analyse der Resultate – ggf. in Endlosschleife. Ich will mich heute einmal mit letzteren befassen. EDV-gestützte Prozesse führen zu Ergebnissen. Diese werden publizistisch als ‘Wahrheit’ verbreitet. Kaum jemand kann das kontrollieren, widerlegen oder bestätigen. Wer also die Macht hat, Resultate zu erzeugen und zu verbreiten, bestimmt den Dikurs. Dies ist völlig unabhängig davon, ob das der größte Stuss ist oder seriöse Wissenschaft.

Ein ganz wunderbarer Nebeneffekt – je nach Blickwinkel auch der Zweck der Übung – ist wie an allen Ecken und Enden des Problems die Intransparenz des Verfahrens. Am besten (auch hier reicht wieder die Behauptung) man beruft sich auf Machine Learning® oder Deep Learning®, dann hat die Magie der Maschine unwiderruflich entschieden. Wie immer ist niemand verantwortlich und der quasi göttliche Ratschluss unergründlich. Wie ausgesprochen praktisch!

Was ihr wissen sollt

Was wir also derzeit unter dem Etikett “KI” erleben, ist eine Steigerung der Prostitution, die in den Wissenschaften zu demselben Rückfall in religiöse Strukturen geführt hat, nur dass das KI-Gebrabbel von Anfang an eng mit PR verwoben ist. Man muss es halt glauben oder nicht. So wie das Publikum in wissenschaftlichen Angelegenheiten überfordert ist, immerhin aber noch theoretisch beurteilen kann, ob eine Veröffentlichung seriös ist, findet ‘KI’ gleich in der Black Box statt.

Tatsächlich ist es daher wesentlich preisgünstiger, die Nutzung aktueller Datentechnik lediglich zu behaupten, wenn es um die Ergebnisse sog. “Studien” geht. Der publizistische Clusterfuck ist garantiert; seriöse wissenschaftliche Falsifizierung? Die wird eh meist schon in der Fragestellung abgehängt. So weist man flugs mit ‘KI’ nach, wer ein Krimineller ist, wer schwul oder lesbisch – anhand der Gesichtsform! Alles bereits von KI® i.e. einer Software zur Gesichtsanalyse auf Fotos geleistet. Die kann halt alles besser. Ich habe hier übrigens schon eine Maschine stehen, die erkennt anhand des Fingerabdrucks einer Person, ob sie ein Terrorist ist. Ja sicher.

Alle Artikel zum Thema in Reihe gibt es hier.

 
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Es mag schon langweilig erscheinen, aber wenn man sich mit ‘KI’ im öffentlichen Diskurs befasst, also dort, wo der Begriff mit Bedeutungen aufgeladen wird, muss man immer wieder auf die völlig unzureichende Arbeit mit eben diesem eingehen. So wird z.B. regelmäßig simple Gesichtserkennung mittels Hard- und Software mit ‘KI’ identifiziert. Das ist lustig.

Jedes Kleinkind erkennt Gesichter mit einer höheren Zuverlässigkeit als sogenannte ‘KI’, dennoch wird Letztere gefeiert, als seien die ersten Menschen auf einem Exoplaneten gelandet. Was soll erst werden, wenn die erste KI das erste Mal aufs Töpfchen geht? Die ewige Mythologie lebt davon, dass das Auditorium – und meist auch die Autoren – keine Ahnung von EDV haben.

Es ist ein …

Das Ding kann rechnen, hurra! Und wenn man ihm dann noch beibringt, wie es eine zuvor definierte und zurecht gebastelte Umwelt berechnen soll, nennen wir das ernsthaft “künstliche Intelligenz“. Als sei das noch nicht dumm genug, wird die eigentlich mit sehr bescheidenen Talenten ausgestattete Maschine, die eines erheblichen Maßes an Betreuung bedarf, zum allwissenden Zauberding verklärt.

Dann kommen in einem dritten Schritt die PR-Fuzzis, die ein Trojanisches Pferd daraus basteln. Alles, was KI ‘sagt’, ist zunächst besser, klüger und wahrer als alles, wo nie ein Mensch zuvor, völlig unabhängig vom Inhalt. ‘KI’ sagt xy; diese Variable kann beliebig gefüllt werden. Woher der Inhalt dann kommt und wie er sich begründet, ist eine verbotene Frage, Sakrileg und Frevel am göttlichen Ratschluss.

Ganz zeitgemäß, geht es bergab mit der intellektuellen Qualität der Ideen. Der unbewusste Plan ist ein weiterer verzweifelter Versuch, die Leerstelle ‘Gott’ zu besetzen, nachdem ‘der Mensch’ als Nachfolger episch versagt hat. U. a. beruht das politische System auf dem Mythos einer ‘Willensbildung’ – als könne der Wille der Menschen die Wirklichkeit bestimmen!

Göttchen!

Ich kritisiere diesen Geisterglauben hier regelmäßig an der “Sozialdemokratie”, die aber in dieser Hinsicht nur die allgemeine Ideologie der Parlamentarischen Demokratie vertritt. Hier entfaltet sich in ganzer Herrlichkeit die Idiotie des Humanismus. Könnte man sich noch, wenn man gerade in Sachen Phantasie unterwegs ist, ein allmächtiges Wesen (“Gott”) vorstellen, das die Welt nach seinem Willen gestaltet, wird es unrettbar lächerlich, wenn die armselige Spezies “Mensch” diesen Job übernehmen soll. Man müsste nur wollen?!

Aber jetzt haben wir ja ‘KI’, die das alles noch einmal besser kann, die machina ex dei – oder so. Die elektronischen Geschöpfe einer Gattung, die wie keine andere vergessen hat, worauf es ankommt im Leben, dem Universum und dem ganzen Rest wird imaginiert als endgültig allwissende. Diese Schöpfung in dritter Ableitung, der man alles, aber auch alles genauestens erklären muss, vor allem, was ihre Ziele seien, aber auch, was falsch und richtig, erwünscht und unerwünscht ist, ist der Spross von Eltern, die selbst nicht einmal dunkel ahnen, was das eigentlich bedeutet.

Immerhin: sie können den Rasen mähen, sogar Schach spielen. Und selbstverständlich irrsinnig effizient wahnsinnig viel kaputtmachen. Insofern sind sie uns doch schon über.

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