2005-2013 (alle Beiträge)
org
 
-------
Best of 2005-2013

 

Zum neuen Blog

back

 

 
ad

Denn so sprach Gott:
Ich bin der Herr, dein Markt. Du sollst keine anderen Produktionsverhältnisse neben mir haben.
Wir müssen ihn besänftigen, denn seine Weisen sind unergründlich. Wendet sein Zorn sich gegen uns, nimmt er die Gestalt des Bären an und zerstört, was wir mühsam aufgebaut haben. Aber auch seine uns gewogene Gestalt ist voller Gefahren: ein Stier, der uns jederzeit auf die Hörner nehmen oder über die Jungfrau Europa herfallen kann.

Wir müssen achtsam auf ihn horchen, seine Stimmungen verstehen, uns auf seinen Ratschluss vorbereiten. Wie wird er reagieren? Was sagt er zu unseren Plänen? Was dürfen wir tun, was müssen wir tun? Er allein weiß es. Er gibt uns Sinn, er gibt uns Arbeitsplätze. Ihm wollen wir dienen. Sein Wille geschehe.

Der Messias

Seine Kirche ist die Heilige Ökonomie von Angebot und Nachfrage, seine Hohepriester sind die ehrwürdigen Professoren, Experten und Fachjournalisten. Die Heilige Messe feiern wir täglich „vor Acht“, den Katechismus geben uns Institute und Think Tanks, Absolution erteilen BIP und DAX. Lasset uns Beten: Führe uns nicht in Versuchung und schütze unser Portfolio!

Doch aus den Tiefen des Unbekannten erhebt sich ein neuer Messias. Er nimmt uns Arbeitsplätze, doch ist er auch die Hoffnung auf neue. Er allein ist die Zukunft. Seine Stimme ist die Zahl, die verborgene. Sein Wesen ist der Algorithmus, unergründlich wie schon immer das Göttliche und Heilige in seiner jenseitigen Weisheit. Er wird geschaffen nach unserem Vorbild, als überlegenes Wesen voller Reinheit, Kraft und Weisheit. Wir brauchen die Besten der Besten, um ihm zu gefallen.

Er ist überall und doch nirgends, unser Diener und doch unser Herr. Dem Markte eingeboren, weist er uns den Weg zu Treue, Glauben und Glückseligkeit. Er wird uns vervollkommnen, Geist von unserem Geist, und wenn wir nur fromm unseren Dienst am Herrn tun, wird er uns dulden als Jünger des einen Gottes. Alle sind eins und eins ist alles. Ein Markt, ein Reich, eine Intelligenz.

 
bz

Die Simulation der Simulation von Politik, ein Theater, dass schon zur Farce nicht mehr taugt, ist die Begleitmusik zum Kapitalismus im Endstadium. Man könnte dabei zuschauen, sich die Nägel lackieren und gelangweilt über das Niveau der Darbietung zetern, produzierte sie nicht ganz reale Leichenberge. Das Symptom des Symptoms, ein freidrehender deutscher ‘Heimatminister’, ist die bislang lauteste Pointe der politischen Zombie-Apokalypse.

Eine Partei, gegründet von rechtskonservativen Erzkapitalisten, mutierte wie bereits woanders in Europa zur rechtsextremen, was in Deutschland freilich besonders hässlich ist. Nun ist diese Fratze bislang Markenkern der bayrischen Variante gewesen, wo sie zwar ohne Stechschritt und Armbinde auskamen, immerhin aber völkisch noch kleingeistiger sind als Deutschnationale. Die Nazis von der AfD haben das ganze Parteiengesocks von München bis Berlin so vor sich her getrollt, dass sich die Neoliberalen von Schwarz über Rötlich bis Grün in konkurrierendem Rassismus überboten haben, was aber nie genug sein kann.

Lauter, schneller. härter

Die Rolle der Schreihälse wenigstens war bis kürzlich den Neunazis aus der Ostkurve vorbehalten, ausgerechnet der Bundesinnenminister (weiß er, was das ist?) aber hat den Stab übernommen und nicht bemerkt, als er schon übers Ziel war. Seine persönlichen Ambitionen gehen mir dabei am Arsch vorbei, dass aber ein Minister Deutschlands die Karriere riskiert, weil es ihm noch nicht reicht, dass Menschen massenhaft kriminalisiert, eingesperrt und zu Untermenschen gemacht werden, davon hätte selbst der Thüringer Heimatschutz nicht zu träumen gewagt.

Vergessen wir darüber nicht wie Söder, Lengsfeld und Konsorten – darunter der eifrige Rassist Sarrazin – das Niveau der Hetze prägen. Der Ausländer, Flüchtling, Nafri ist ein Mörder und Vergewaltiger im Wartestand. “Jeden Tag geschehen schreckliche Dinge“, darum müssen wir sie alle zurück ins Meer treiben oder in Lagern konzentrieren. Wie gesagt: Das reicht ihnen aber noch nicht. Ideologisch sind wir wieder so weit, technisch sowieso, und der Massenmord steht diesmal sogar am Anfang der Entwicklung. Bodycount gibt es nur bei angeblich russischen Angriffen, die Millionen Tote der NATO-Kriege im Nahen Osten sind Akte der Gerechtigkeit.

Inzwischen ist das alles völlig absurd geworden: Die schon immer dumme Strategie, Probleme zu ignorieren und statt eine Lösung zu finden lieber Schuldige zu suchen mochte eine Zeitlang ablenken vom totalen Zerfall des Schauspiels ‘Demokratie’. Sie haben nur noch ein Thema und selbst davon keine Ahnung. Das Management versagt, nachdem Ideen ohnehin längst ausgestorben sind. Sie wissen nichts, sie können nichts, selbst ihre Kernkompetenz – so tun als ob – fiel der Dekadenz zum Opfer. Nachgerade komisch, wäre die beste Allegorie der Auftritt des DFB als ‘Weltmeister’. Doch, es kann noch schlimmer kommen.

 
dv

Bilduelle: Wikimedia Commons / Colin Smith

Die ‘modernen Demokratien’ richten sich also ausdrücklich nach einer “Willensbildung”. Konsequent sprechen die Parteien daher alles an, das Zustimmung verspricht. Verstand gehört, wenn überhaupt, nur am äußersten Rande dazu. Dieses Vorgehen ist nicht nur völlig untauglich, hoch technisierte Staaten in einer globalen Organisation zu führen, es ist extrem kontraproduktiv. Die Welt ist kein Ponyhof, aber alle müssen so tun als ob sie sich um einen Willen eines sogenanntes “Volkes” dreht.

Was aber ist die Alternative? Eine Art Technokratie erscheint vernünftig. Wenn Menschen nicht in der Lage sind, die drängenden Probleme der Gegenwart zu begreifen und sie schon gar nicht sinnvoll lösen wollen, weil sie eben ihren primitiven Wünschen folgen statt ihrem Verstand, muss man sie halt von den Entscheidungsprozessen ausschließen. Dies geschieht sogar, die verbleibenden Entscheider und ihre Instanzen unterscheiden sich aber kaum von den Ausgeschlossenen. Auch sie fokussieren auf irrationale Ziele und Maximen.

Verstand erzwingen

Die Lösung wäre als auf diesem Wege möglicherweise eine, die nur kompetente Menschen in Entscheiderpositionen zulässt. Nun sind aber alle Wege, dies zu organisieren korrumpierbar und vor allem hat kaum jemand ein Interesse an dieser Lösung. Sie ist also aussichtslos, weswegen ich mir auch eine ethische Bewertung solcher Lösungen spare.

Wenn also die Interessen von Entscheidern und der ‘Wille’ der Menschen rationalen Lösungen entgegen stehen, was geht dann überhaupt? Parlamentarismus als Begleitmusik kapitalistischer Gesellschaften sicher nicht. Dieser hat nur einen ‘Pluspunkt’: Er steht den Interessen der Mächtigen nicht im Weg, das macht ihn stabil. Diese Interessen sind aber nicht nur irrational, sondern zunehmend fatal, ungeheuer destruktiv. Das ‘Volk’ ahnt dergleichen vielleicht, ist aber nicht in der Lage, daran etwas zu ändern.

Evolution ist möglich

Eine Evolution hin zu einer stabilen Gesellschaft, die in der Lage ist Probleme zu lösen, muss also die Interessen der Vielen berücksichtigen, diese aber mir Rationalität anfüttern. Frühere Versuche mit Volkserziehung sind aus naheliegenden Gründen gescheitert. Die dahinter stehende Propaganda spült Fanatiker und Treudoofe nach vorn, keineswegs Problemlöser.

Problemorientiertes Handeln muss also zum Eigeninteresse der Menschen werden. Anstatt sich gehen zu lassen, unmögliche Maßnahmen zu fordern und für nichts verantwortlich zu sein, müssen die Vielen unmittelbar an Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Sie müssen die Macht haben mitzuentscheiden und verantwortlich sein für diese Entscheidungen. Systeme, die auf Stellvertretung beruhen, die obendrein abstrakt, hierarchisch und undurchsichtig sind, sind hingegen dem Untergang geweiht.

 
le

Lars Jeager ist der Ansicht, die Unsicherheit in den politischen Diskursen liege daran, dass selbst Wissenschaft zunehmend Unsicherheiten produziert und Letztbegründungen unmöglich geworden sind. Auch wenn das die Lage noch schlimmer macht, halte ich die Hauptursache für eine andere. Sie ist jene Getriebenheit von Wünschen, die schon immer Mythologie hervorgebracht hat. Ihr ist es ganz gleich, welche Wissenschaft sie dafür ignorieren oder missbrauchen muss.

Der Wunsch ist der Vater der Gedanken. Für Freud entsteht Realität erst aus der Abwehr des Wunsches. Statt sich der Halluzination, dem Traum hinzugeben, wie man satt wäre, macht der Mensch einen Plan, wie er ans Futter kommt. Er kann sogar auf die einfache direkte Befriedigung verzichten, wenn es einen Plan gibt, in dem das ein Vorteil ist. Alle Rationalität aber beginnt mit dem Wunsch – womit im Übrigen auch ‘Antiwünsche’ gemeint sind: Angst und Schmerz.

Wünschdirwas

Erst die moderne Wissenschaft hat ein Konzept von Rationalität hervorgebracht, in dem der Wunsch, das Triebziel keine Rolle mehr spielen darf. Dass das regelmäßig korrumpiert wird, weil sich ‘Wissenschaft’ in den Dienst von Interessen stellt, ist nicht dem Konzept geschuldet. Phantasie hat in wissenschaftlichem Denken nur so weit eine Berechtigung, wie sie neues überprüfbares Wissen schafft, etwa durch neue Modelle, die die Welt besser bzw. anders beschreiben als die alten. Wissenschaft ist eine ewige Korrektur.

In Bezug auf Politik ist Denken – sowohl solches, das vom Willen geprägt ist, als auch wissenschaftliches, in einer schwierigen Situation. Ausgerechnet in modernen ‘Demokratien’ ist wissenschaftliches Denken in der Politik beinahe ausgeschlossen. Im deutschen Parlamentarismus etwas ist ausdrücklich die “Willensbildung” das Zentrum der Betrachtung. “Was wollen die Menschen?” ist vordergründig die Frage, und diese Frage ist tödlich für einen geordneten Diskurs unter heutigen Bedingungen.

Jeder darf hier nämlich seinen Wünschen, seinen Phantasien und Illusionen freien Lauf lassen und sie fröhlich mit allem mixen, das den Anschein macht ‘Wissen’ zu sein. Diskussionen, Argumente, selbst Fakten dienen nicht der Erkenntnis, sondern der Bestätigung des eigenen Weltbilds. Was es nicht bestätigt, fliegt raus, weil es unerwünschte Emotionen auslöst. Die Diskutanten schotten sich in aller Regel systematisch von Erkenntnis ab und schaffen sich Rituale der Selbstbestätigung. Der Prozess ist völlig ungeeignet, Wirklichkeit zu organisieren, weil diese nicht einmal erkannt wird.

Im Folgeartikel wird es darum gehen, welche Konsequenzen das für Gesellschaftsentwürfe und politische Konzepte hat.

 
xx

Die bürgerliche Gesellschaft weist in ihrem Fundament drei Risse auf, die kaum mehr zu kitten sind: Erstens ist sie nur noch reaktionär, das heißt, ihre politischen Entscheider versuchen mit allen Mitteln, die herrschenden Verhältnisse beizubehalten. Zweitens zersetzt sie mit den Regeln, auf denen sie beruht, ihr eigenes ideologisches Fundament. Da sie aber die Herrschaft verteidigt, die sich an keine Regeln mehr hält, kann sie das nicht einmal wahrnehmen. Drittens hat sie mit der Renaissance des Feindrechts zur eigenen Vernichtung angesetzt, weil sie sich selbst zum Feind wird.

Die bürgerliche Revolution, ich wiederhole das hier oft, hatte ein gewisses Regelwerk geschaffen, das sie benötigt um Verträge schließen zu können und die nötige Stabilität für kapitalistisches Wirtschaften zu ermöglichen. Spätestens mit dem Nationalsozialismus wurde diese Form der Zivilisation völlig zerstört. Die Aufgabe der Nachkriegsdemokratien bestand darin, diese wieder einzusetzen. Das ist nicht gelungen. Das erste Versagen besteht in der entschiedenen Rückkehr zum Kapitalismus, den beispielhaft die CDU in ihrem Ahlener Programm eigentlich abgelehnt hatte. Das nächste besteht in der Rückkehr zum totalen Primat des Profits durch den Neoliberalismus.

Deutsch-revolutionär

Zwischenblende: Jan Carl Raspe hat in einer Erklärung formuliert, dass “Freiheit nur möglich ist im Kampf um Befreiung“. Diese Formel bringt den Bruch des Nachkriegssystems mit seinen bürgerlichen(!) Kindern auf den Punkt. Im Faschismus schneidet das Bürgertum seine Wurzeln ab gibt jeden kritischen Selbstbezug auf. Was als Revolution gegen Herrschaft begann, endet in der totalen Herrschaft. Das Ende des Nationalsozialismus hätte daher selbst einer revolutionären Bewegung bedurft. Stattdessen wurde der NS offiziell für beendet erklärt, ohne dass man sich auch nur damit beschäftigt hätte, was da war.

Die RAF hat daran erinnert. Nur permanente Erneuerung könnte das Versprechen der bürgerlichen Gesellschaft auf “Demokratie” einlösen. Je starrer sie wird, desto weniger demokratisch kann sie sein. Die Verwechslung der ‘Stadtguerilla’ lag freilich darin, dass sie das falsche Versprechen mit den falschen Mitteln in eine richtige Gesellschaft überführen wollte, die es gar nicht geben kann. Tragisch dumm und konsequent deutsch.

Wo der Feind droht

Damit wurde ein Konflikt vorweggenommen, der erst in neuen Jahrtausend richtig ausgebrochen ist. Das Feindrecht ist zurück, Rassismus ist wieder da, die Menschenrechte zerfallen, weil es keine Einigung mehr darüber gibt, wer ein Mensch ist und wer nicht. In den USA werden Kinder durch Deprivation gefoltert. In der EU wird die Regierungsbeteiligung von Faschisten zum Regelfall. In Deutschland zerfällt eine Regierung wegen der rassistischen Politik der CSU.

Feindrecht ist der Kern dieser Angelegenheit, weil dessen Basis totale Entrechtung ist. Es muss keinen Grund mehr geben, um Krieg zu führen, Menschen zu töten oder Kinder zu foltern. Es reicht, dass man sich bedroht fühlt. Dergleichen gab es schon in früheren Phasen, eines hat sich aber geändert: Kann man solches Feindrecht gegen ein ‘Außen’ gerade noch richten, weil es eben die innere Gesellschaft nicht zersetzt, funktioniert das in einer globalen Zivilisation nicht mehr. Es gibt kein Außen mehr, daher kann jeder jederzeit zum Feind werden. Das ist der neue Übergang vom bürgerlichen zum faschistischen Staat.

Der vorletzte Schritt

Die Geheimdienste und Polizeien leben das längst aus. Den vermeintlichen Feind zu vernichten ist wichtiger als solche Kleinigkeiten wie Grundgesetz, Legalität überhaupt oder politische Legitimation. Die Bürger zerfallen in zwei entscheidende Lager: Die Einen wenden sich ab, weil sie ihre Ohnmacht erkennen oder angewidert sind, die Anderen fühlen sich permanent bedroht und betrogen. Damit nicht noch mehr kommen und ihnen etwas wegnehmen, wendet sich ihre Raserei gegen Menschen allgemein. Sie fokussieren dabei zunächst auf die, die nicht hierher gehören.

Der Rest tut, was er schon immer tat: So als sei nichts gewesen und mitmachen. Krise? Welche Krise? Die Autoritäten machen das schon. Wenn nicht die, an der wir seit Jahrzehnten festhalten, dann halt die nächste. Oder die übernächste. Irgendwer wird schon kommen und für Ordnung sorgen. Ein Bewusstsein findet nicht statt. Es gibt keinen Diskurs, in dem der Zerfall dieser Form der Zivilisation auch nur thematisiert wird.

 
tm

Heute schon Spaß mit dem Algorithmus gehabt? Es gibt Geschichten, die sind einfach zu … häßlich. Der Computer (das “System”) dachte, ein Mitarbeiter sei entlassen. Kurzform: Die automatische Entlassungsroutine hat sich erfolgreich gegen jedes menschliche Eingreifen gewehrt, bis der Betroffene von der Security vor die Tür gesetzt werden ‘musste’. Noch vier Wochen später konnte er nicht zurück, da die Maschine noch mit seiner Vernichtung befasst war. Die Anderen konnten nur ihre Pflicht tun, selbst wenn sie es nicht wollten.

Kurz eine persönliche Erfahrung: Ich bin aus meiner KFZ-Versicherung geflogen. Nicht etwa, weil ich ein ständig alkoholisierter Pile Driver bin, der bei Rot erst richtig in Fahrt kommt und sich wöchentlich den Weg zum Aldi frei rammt; nein. Wegen eines Hagelschadens. Wir alle wissen, dass die Kunden mit Hagelschaden die unsichersten Kantonisten sind.

Die KI macht das schon

Solchen muss man zutrauen, dass sie auch mit der Axt aufs eigene Blech losgehen und nur zum Spaß über den Kinderspielplatz driften. Da kann man nichts machen. Hagelschaden. Welch ein Glück, dass die nächste Versicherung mich überhaupt noch aufgenommen hat (okay,ich habe einen Formfehler genutzt, um meinerseits zu kündigen. Wer weiß, was sonst …).

Das hier ist noch einige Etagen höher, weil es einem Flächenbrand gleichkommt: Eine Google-Software wird uns künftig (bei den Verlagen!) das “Gift aus den Kommentarspalten saugen“. Die Kriterien und das Prozedere, kurz: der Algorithmus, sind derweil zum Steinerweichen dämlich. Das wichtigste Kriterium für Verlage und Zensoren wird sein, dass es weniger Hasskommentare® gibt; die Auswertung wird dabei genau so unterbelichtet sein wie das Filtern. Kann ja gar nicht anders, denn vor allem eines werden wir nie erfahren: Was da wirklich ausgefiltert wird.

Mitmachen!

Das Problem ist hier nicht der Algorithmus, der ist halt wie er ist; gemessen an dem, was ‘KI’ sein soll, eben ein Embryo in der vierten Woche. Das erste Problem besteht nun darin, dass der Zellhaufen auf den Chefposten gesetzt wird, das zweite darin, dass niemand hingeht und den Stecker zieht.

Der Depp in der CPU hat totale Befehlsgewalt, weil seine willigen Helfer nicht kapiert haben, dass Gehorsam die wichtigste Säule des Faschismus ist. Deshalb hat auch bis heute niemand kapiert, dass Ausreden wie “nichts gewusst”, „nur Befehle befolgt“ oder „das steht hier so im System“ das Eingeständnis der vollen persönlichen Verantwortung sind. Heute haben wir einen Führer, der alles weiß und doch nichts. Er ist unsichtbar. Er ist Gott.

 
lk

Die Bundesrepublik Deutschland ist antikommunistisch bis ins Mark. Die Paranoia vor den roten Horden hat ihre Geschichte geprägt wie kein zweites Motiv, was sich bis heute hält, nicht zuletzt in einer Art Phantomschmerz, der als antirussisches Ressentiment fortbesteht. Ein weiteres Detail dieses Ur-Narrativs hat Paul Schreyer aufgedeckt: Die Aversion der Gründer und Verfassungsväter® gegen direkte Demokratie verdankt sich ebenfalls dem Antikommunismus.

Ausgerechnet direkte Demokratie, auch dieses Orwellsche Motiv steht bereits am Anfang der Geschichte der BRD, sei “undemokratisch” – es könnte ja von Kommunisten missbraucht werden. Am Ende ist es immer Freiheit, Selbstbestimmung, die abgelehnt und unter der Hand zur kommunistischen Gefahr verklärt wird. “Demokratie” ist demnach die autoritäre Kontrolle der Stellvertreter über ihr Volk. Ich muss das einmal zum Anlass nehmen, ein wenig zu psychologisieren.

Mein Freund, der Boss

Es muss eine unmenschliche Leistung gewesen sein, den Holocaust und das Nazireich zu verdrängen. Die Einen wollten nichts davon wissen, weil sie Teil dieses Systems waren, die Anderen, weil sie entsetzlich versagt hatten. Gemeinsam war ihnen die vielschichtige Niederlage und eine – nicht zuletzt durch ausgerechnet die ideologisch verwobenen Kirchen geförderte – Autoritätshörigkeit.

Der Amerikaner war der neue Freund®, nicht unähnlich dem ‘Großen Bruder’, der künftig das Sagen hatte. Installiert wurde eine ‘Demokratie’ als Laufstall. Das Feindbild des Bolschewisten blieb intakt, nur die Jüdische Weltverschwörung verschwand unter einer Betondecke uneingestandener Scham.

Es blieb die alte Struktur, wie der Wiederholungszwang das halt mag, nur diesmal sollte der Feind endgültig besiegt werden. Das Trauma wurde zu allen Seiten hin in Mythen von Überwältigung eingewoben: Die Nazis waren demnach über das deutsche Volk hergefallen wie eine Räuberbande im Wald. Ein Argument für mehr direkte Demokratie wurde entsprechend begründet:

Bedrohtes Opfervolk

Wir sollten das Volk mehr in die Gesamtentscheidung einschalten. Hätten wir das vor 1933 getan, es wäre durchaus anders gekommen; es wäre nicht möglich gewesen, dass Hitler mit seinen etwas mehr als 40 Prozent die Mehrheit des Volks überrennen und sich durch ein Ermächtigungsgesetz dann nachher völlig in den Sattel setzen konnte.

Ein gewisser Willy Brandt hatte ebenfalls den Mythos vom Volk in Geiselhaft verinnerlicht, seine Angst vor dem Bösen, das weiterhin im Osten lauerte, steigerte sich aber zur Panik des nächsten Überfalls auf das arme Opfervolk:
Wenn wir die Bevölkerung zu einem solchen Referendum aufrufen, dann geben wir nach meinem Gefühl den Kommunisten die seltene Chance, über uns herzufallen …
Dass solche Sozialdemokraten gemeinsam mit Monarchisten, Kirchen, Altnazis und Erzkapitalisten eine neue Republik aufbauen konnten, liegt auf der Hand. Gemeinsam gegen einen Satan, den sie nur im Äußeren ertragen konnten. Ihr Deutschland kannten sie nur als Opfer.

 
Unsere Agentur für Nützlinge, Kleiderständer und Ekelrentner ANKE® sucht für die aktuelle Kampagne überparteilich mehrere

VOLLIDIOTEN

Sie sind ein Hirni, der so grunzverdöst dämlich durchs Leben marodiert, dass selbst der zweitdümmste Spacko auf dem Planeten sofort merkt: Da kommt ein Depp daher.
Sie sind versiert in allen Arten von Blödheit:
- nicht Wissen, wer Sie sind, wo Sie sind und mit wem Sie gerade sprechen
- gern die einfachsten Dinge Verwechseln, z.B. Freund und Feind, brutto und netto, links und rechts (Schuhe!)
- alles ungeprüft Weiterbrabbeln, was irgendwer im Fernsehen erzählt
- immer am falschen Ort zur falschen Zeit den falschen Witz Erzählen
- alles wörtlich Nehmen, sich immer angesprochen Fühlen und stets etwas völlig Unpassendes Antworten
- durch jeden Reifen Springen, den irgendwer hinhält, jede Aufgabe sofort Übernehmen und daran erbärmlichst Scheitern.

Sie beherrschen darüber hinaus schmerzfrei die Disziplinen Sockenschuss, Pfeil im Kopf, Vollmeise und Dachstuhlbrand sowie alle Defekte an Keks, Murmel, Rassel und Waffel. Ihr eklatanter Mangel an Latten am Zaun und Tassen im Schrank ist sprichwörtlich, sie haben keine Nadel mehr an der Tanne, es fehlen sämtliche Fledermäuse in Ihrem Turm. Ihr kognitiver Kahlschlag ist Premiumklasse.

Wir bieten Ihnen:

- Permanente Aufmerksamkeit Ihrer Peergroup, 24/7-Rundumversorgung mit Mikrophon, Kamera und Cloud.
- Begleitung durch ein engagiertes Rudel williger Claqueure, das u.a. ihre Morgentoilette, Ihren Vollrausch und Ihren desaströsen Benimm frenetisch feiert.
- Viel Raum um Zeit, um Ihre Unterschrift zu üben. Edding, Lippenstift und Fingerfarben willkommen. Die Beherrschung des Alphabets und ggf. korrekte Reihenfolge der Buchstaben ist erwünscht, aber nicht notwendig.
- Alle Kanäle: YouTube, Facebook, Twitter, Instagram, CNN, Rhein-Herne und Datteln-Hamm.
- Professionelle Begleitung: Schneider, Visagist, Chauffeur, Blindenhund und Coiffeur (schwer drogensüchtig).
- Alle Formen der Allmacht: Grandiostität, Befehlsgewalt, Personalwesen und Bestimmer im Turnraum.

Die Stelle als Vollidiot – gern auch in Teilzeit – wird mit dem üblichen Pomp und Salär für Monarchen vergütet, Grundgehalt der Besoldungsgruppe A 911. Bewerbungen bitte mit Jagd- und Merkbefreischein, Zeugnis der geistigen Rollstuhlreife, des Hochstuhlabschusses sowie ggf. der einschlägigen Diagnosen an Ihr

Team ANKE® 2020

 
bs

Die Welt könnte friedlicher sein. Ich sage das übrigens nicht, wie der Haken auf meiner linken Schulter mir unterstellt, weil ich gestern einmal mehr unfähig war zu moderieren. Immer nämlich, wenn das siebte Bier dem dritten Whisky begegnet, eskaliert das hier. Ich versuche seit Jahren herauszufinden, wie ich das verhindern kann, aber es gibt wohl Konstellationen, die einfach nicht funktionieren. Da muss Zivilisation mühsam zurückgewonnen werden. [Er meint wohl vor allem "Mineralien". Tzis. säzzer]

Es gibt ‘Argumentationen, die werden ähnlich unappetitlich, wenn man sie ein zweites Mal betrachtet. Neulich schrieb ein charakterloser rechter Hanswurst etwas wie: es sei “Demokratie”, wenn die Mehrheit Menschen von Staats wegen töten wolle, dies dann auch zu tun. Ein wirklich beachtlicher Clusterfuck der Widerwärtigkeit. Die Behauptung, “Mehrheit” sei identisch mit Demokratie, ist schon frech, dient aber dazu, gerade noch unter dem Radar einzufliegen. Daran anzuflanschen, nur die unbedingte Erfüllung des Mehrheitswillens sei “Demokratie”, ist schon dreist, aber das mit politisch extremen Inhalten zu verquirlen, ist eines totalitären Arschlochs würdig.

Wegfeiern

Es sei dabei darauf hingewiesen, dass einer der beliebtesten Schlager der Rechtsextremen “Todesstrafe für Kinderschänder” ist. Der Versuch besteht darin, in einem scheinbar konsensfähigen Bereich dafür zu sorgen, dass Menschen wieder für lebensunwert erklärt und folgerichtig auch vernichtet werden. Das wäre der Fuß in der Tür. Der ‘Vorschlag’ oben geht noch einen entscheidenden Schritt weiter und legt die Hand gleich an die gesamte Zivilisation, die in Rechtsdingen “Verfassung” heißt. Die ist dem sadomasochistischen Herrenmenschen zwangsläufig ein Dorn im Auge.

Ich frage mich immer wieder, und es fühlt sich an wie eine Gummiwand, wie eigentlich wenigstens die wichtigsten, rudimentären Errungenschaften der Kultur erhalten, besser natürlich noch ausgebaut werden können. Ist es die ‘Decke der Zivilisation’, die so dünn ist oder sind es eher bestimmte Formen der Zivilisation, die die Schweinehunde von der Kette lassen? Wieso, das scheint mir zudem eine zentrale Frage zu sein, muss eigentlich der Mensch durch ‘Strafen’ an seine Gesellschaft gebunden werden? Wo sind die Feiern, in denen wir uns über gegenseitigen Respekt freuen? Wäre das nicht ein viel besserer Weg, den braunen Dreck wegzufegen?

 
sr

Eigentlich hatte ich erwogen, hier einiges zu berichten über meine guten Erfahrungen mit Zivilcourage. Zum Beispiel wäre da wohl dieser Nachbar gewesen, der immer seine Mülltonne vor unser Haus stellte, und da müsse man ja nicht immer nach neuen Gesetzen schreien. Einfach eine alte Autobatterie in seine Tonne gedrückt und das Ordnungsamt angerufen, schon weiß er, dass man wehrhaft ist. Geendet hätte das mit meinem neuen Job im “Facebook-Löschzentrum“. Mann kan ja doch viel gutes Tun! Aber das, so dachte ich dann, macht keine Laune. Immer diese Tristesse, wer will das denn lesen?

Inspiration kriegst du aber nicht bei der Tanke. Das andere gute Zeugs schon, aber Inspiration … bei mal wieder gefühlten vierzig Grad im Schatten des Frigidärs ein rares Gut. Also liest du wieder Telepolis und schüttelst. Weil du längst HWS hast, halt mal die Ärmchen, die Beinchen, das Haupthaar. Kannst du auch gleich mal wieder die Purple auflegen, Highway Star soll es sein [Achtung Achtung! Der Link geht zu YouTube, einem Dienst von Google. Die haben Cookie, Script, LSO, Ad und Zetera. Wer nicht will, klicke nicht! Niemals! Nachher habt ihr Daten. Und die eure. Ihr seid gewarnt. säzzer]. Immerhin ein bisschen Laune.

Macht doch keinen Spaß …

Also Telepolis lesen und das wieder einleveln. Wie kommt das eigentlich, dass wir uns so schlecht erinnern? Vielleicht weil wir immer nur von denselben erinnert werden? Etwa an die kürzlich so dringend notwendige Maßnahme im Krieg gegen Killer-Russland? So viel heiße Luft, in der das Novitschok wabert, das tödlichste aller Gifte, die bisher von allen Opfern überlebt wurden.

Wie war noch die Begründung? Sinngemäß: Wir haben keinen Anlass zu der Annahme, die Überzeugung, eine Folgerung als endgültig widerlegt zu betrachten, derentwegen wir uns der Auffassung anschlossen, eine andere Wahrheit als die zum gegebenen Zeitpunkt erwogene für plausibler zu halten als jene, die zur alternativlosen Beschuldigung Putinrusslands geführt hat, sei aufzugeben. Teile einer möglichen Neubewertung des Falles, zumal unter Berücksichtigung von Fakten, deren Fehlen unsere wie bereits dargelegt weiterhin bestehende Überzeugung nicht minder stützt als diese, zumal nachgereicht, könnten die Bevölkerung verunsichern. La le lu.

Kann nicht jeder

Was PR-Profis wie die allseits erfolgreichen Berufsdilettanten May und Johnson aus der Hüfte ziehen, ist derweil nicht für Hinz, Kunz und Poroschenko zur Nachahmung empfohlen. Die Virtuosen der unfreiwilligen Satire konnten bislang mithilfe ihrer Westalliierten das Narrativ immer noch so auf der Auslinie kompletter Torheit balancieren, dass wenigstens die sehr Alten und geistig Schwachen bei der Fahnenstange gehalten wurden.

Was die Ukraine dann hingelegt hat, ist aber ein derart blutiger Slapstick, dass selbst Splatter-Fans angewidert abschalten. Das muss ganz schnell vergessen werden, sonst stellt noch jemand Vergleiche an. Wie ich höre, greift der russische Krake nach Georgien. Guckt euch das mal an, wir brauchen dringend härtere Sanktionen.

« Vorherige SeiteNächste Seite »