2005-2013 (alle Beiträge)
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Während der Kollege Sokolowsky sich dankenswert wieder in die Niederungen der Tagespolitik begibt, ist mir das wie meist zu eklig, weshalb ich es mal wieder kompliziert mache. Es wird hier in einigen kommenden Artikeln um einen Komplex gehen, der den Rahmen abgibt auch für die Dekadenz sog. “Demokratie”. Diese scheitert an vielem, unter anderen auch am Individualismus, der großen Illusion der ‘Liberalen’.

Ich möchte mich dem Problem von vielen Seiten nähern, heute eben von der des ‘Individuums’, auch bekannt als “Ich”, “Persönlichkeit” und unter anderen Pseudonymen, von denen mein liebstes “der Mensch” ist. Ihr kennt bereits meine Mission, mit dem großen Irrtum aufzuräumen, ein ‘Mensch’ sei mit seinem ‘Willen’ für das verantwortlich, was da draußen passiert. Ich gedenke, das in Grund und Boden zu argumentieren.

Ich denke, ich bin

Konkret möchte ich heute einmal darauf hinweisen, wie konstruiert ein jeder von uns ist, und dass wir bei näherem Hinsehen als Person verschwinden. “Individuum”? Unteilbar wie das Atom, von dem wir längst wissen, dass es (neben Elektronen, deren Ort man nicht einmal genau bestimmen kann) aus Nukleonen besteht, die sich wiederum aus Quarks zusammensetzen, woraus u.a. folgt, dass Materie eigentlich nur eine Konstellation von Energie ist. Im “Ich” sieht es ähnlich ‘unteilbar’ aus.

Wer einmal eine Episode eines psychisch Kranken erlebt hat, weiß, wie zerbrechlich eine ‘Persönlichkeit’ ist. Wenn das ‘gesunde’ Spiel von Neurotransmittern erheblich gestört wird, verschwindet beinahe alles, was die betroffene Person ausmacht. Man kann das jetzt als Extrem betrachten, als Ausnahme von der Regel, das würde aber schon leugnen, dass es weniger extreme Zustände gibt, in denen ich mich von mir auch erheblich unterscheide.

Unteilbar?

Sowohl sogenannte “Launen” als auch der Einfluss von Gruppen bzw. Rollen oder die Entwicklung einer Person durch die Zeit lassen oft ein Wiedererkennen kaum zu, geschweige denn wäre es haltbar, irgendwen als unveränderlich zu betrachten. Insofern ist das ‘Ich’ in mir getragen von einer großen Suggestion. Ich bin, was ich zu sein glaube, solange ich es eben glaube. Im Grunde allerdings nur für mich.

Persönlichkeit ist eine eher fluide Komposition – ein Stück, dass man nicht nur unterschiedlich aufführen kann, sondern dessen Text sich auch ständig ändert. Das hat es, wohl keineswegs zufällig, mit sogenannten “Narrativen” gemein. Man kann Persönlichkeit durchaus als Erzählung beschreiben. Darin liegt ein Problem, das uns aktuell um die Ohren fliegt.

Einsam am Markt

Die Bürgerliche Gesellschaft basiert auf der Vorstellung eines souveränen Individuums mit ‘freiem Willen’. Die Wirklichkeit hat diese Konstruktion überfordert, widerlegt und der Beliebigkeit preisgegeben. Mit ihr waren ‘Werte’ wie Ehre, Wahrhaftigkeit und Verantwortung verbunden, derer sich konsequent vor allem die Eliten entledigt haben und diejenigen, deren Aufgabe es wäre, durch Kritik und Prüfung das Konstrukt zusammen zu halten.

Dies ist auch das Ergebnis einer freidrehenden Vereinzelung, für die es viele Gründe gibt. Sie war möglich, weil der Kapitalismus mit seiner politischen Vertretung sich Kollektive als solche zum Feind gemacht hat. Das Aufgehen der Interessen Einzelner in Gruppen, die Organisation sozialer Interessen, eben als solche von Gruppen bis hin zu denen der gesamten Menschheit, wurde geopfert: dem Markt, den Einzelinteressen, dem Individualismus.

Insofern kann der Mensch sich überhaupt nicht mehr als Mensch erleben, wo er eben ohnehin ein Konstrukt ist, das obendrein einem abstrakten “Humanismus” huldigen soll, der aber bloß keinen Bezug zu Kollektiven haben soll. ‘Der ‘Mensch’ ist in diesem Irrsinn eine Art Essenz aller Vereinzelten, die göttliche Summe der Einzelinteressen, aus denen sich irgendwie das Gute und Wahre ableiten soll. Das Nähere regelt dann der Markt.

Fortsetzung folgt

Alle Artikel in Reihe

 
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Also, ich muss mir das so nicht gefallen lassen. Ihr wisst schon, dass ihr hier besser mitarbeiten müsst, wenn ihr von mir erwartet, dass ich euch nicht am Ende ein ganz schlechtes Zeugnis ausstelle? Es sind immer dieselben, die sich hier beteiligen – und auch dieselben, die stören und die ich vor die Tür werfen muss. Wenn ihr meint, dass ihr damit Erfolg haben werdet im Leben – bitte! Das ist eure Entscheidung.

Ihr könnt euch jetzt auch gern über mich beschweren, was immerhin besser wäre als das blöde Getuschel, das ich schon wieder höre. Das geht alles von eurer Lebenszeit ab. Ich würde ja, wenn ich schon hier wäre, aufmerksam mitlesen und zusehen, dass ich etwas lerne. Alles andere empfinde ich als pure Zeitverschwendung. Aber wie gesagt: Ihr müsst selber wissen, was ihr mit eurer Zeit macht.

The Great Rock’n Roll Swindle

Wie ihr seht, sind die Ferien wieder um, und ihr ahnt ja nicht, wo ich derzeit arbeite. Ich werde selbstverständlich hier keine Details ausbreiten, aber selbst die Älteren unter uns (und nach meiner Einschätzung sind das beinahe alle) würden sich im Jahr 2019 noch mühelos zurechtfinden in der Lernbehörde. Man sieht beim Reinkommen schon, wo der Chef sitzt. Wie im richtigen Leben. Ob das zu Lernen taugt, “steht auf einem anderen Blatt” (auch so ein Schulspruch, den ich sonst nirgends höre).

Das Ganze ist nicht so recht inspirierend, zumal ich selbst dort quasi nichts zu lernen kriege. Dafür aber graue Haare (ja, daher kommen die!) über das, was mir dort begegnet. Übrigens auch fachlich. Man erhält immerhin einen Eindruck davon, warum Fake News® so geschmeidig durchflutschen. Wenn man sich Lernstoff aneignen lässt, der heftigst mit der Wirklichkeit kollidiert, wenn man ihn überprüft, gewöhnt man sich halt daran, dass es wohl eigentlich egal ist. Gut, dass ihn ohnehin niemand überprüft und nach den anderen Prüfungen eh alles schnell wieder vergessen ist.

Ein Bekannter, der auf einem Gymnasium als Lehrer sein Lebenslänglich absitzt, klärte mich neulich darüber auf, dass es zwei herausragende Argumente für den Lehrerberuf gebe: Juli und August. Jetzt ist es September, und ich frage mich wie jeden Tag, an dem ich meinen Dienst tue, ob ich wohl am nächsten Tag wieder hingehen soll. Das war übrigens als Schüler schon so. Nun, Oktober ist auch wieder eine große Eierschaukel, bis dahin sollte ich es schaffen. Noch besser, dass meine Aufträge zeitlich begrenzt sind. Manche dort am Katzentisch sind halb so alt wie ich und sehen schon doppelt so verbraucht aus. Das kommt sicher von diesem ganzen Rock’n Roll.

 
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Was politisch so abgeht … hallo, ist das hier ein politisches Blog? Kommt drauf an, wer fragt, und hey – es gibt doch auch das Archiv, da stehen jede Menge Kommentare zu Wahlen, Gesichtern, Wählern, deren Gesichtern, Willensbildung und anderen lustigen Geschichten aus dem Taschenbuch des Lebens.

Ich habe eben gar gelesen, dass irgendwer mit irgendeinem Namen eine Wahl gewonnen haben will und wer mit einem anderen Namen eine andere. Ich habe sie mir bis heute nicht gemerkt und da wird auch nix mehr draus. Ansonsten haben mehr Nazis mehr Nazis gewählt, weil sie mehr Nazi wollen. Lieber Nazi als BRD und Ausländer in Bundesländern, die sie ohnehin nie bereisen werden.

Glaube miir …

Man hat ihnen wohl, verdammt aber auch, die Ziele und die Moral der Guten schon wieder nicht richtig vermittelt. Zu dumm! Wer? Ach so, natürlich alle. Diese Demokratie-Simulation versinkt in einem Sumpf aus Blödheit. Das hat durchaus Gründe. Zum Beispiel den, dass Kapitalismus es nicht so mit der Wahrheit hat.

Mit der Wahrheit hat noch nie jemand ein Auto verkauft, geschweige das zehnte Händie. Mit der Wahrheit kann man auch ganz schlecht die Anpassungsleistungen der Apparatschiks an den großen Betrieb verkaufen. Die Ideale von vorvorgestern, bei deren Verwirklichung immer wieder etwas dazwischen kam. Jetzt das Erwachen mit Schrecken, weil die Dummbatzen da draußen dieselben Versprechen beim hundertsten Mal plötzlich und unerwartet nicht mehr glauben.

Was macht derweil die Alternative zur Alternative, das rechtspopulistische Biertischgeschwür “CSU”? Sie schicken einen PR-Fuzzi [YT; Warnung: Eine Lobotomie ist gnädig dagegen.] aus dem eigenen Gedärm ins Rennen gegen einen Youtube-Kasper, der den Unmut der Jugend jüngst recht adäquat zu formulieren wusste. Armin Petschner, der im echten Leben noch viel weniger hip aussieht als in seinem peinlichen Video, hat genau die wilde Vita, die für die nötige Street-Credibility sorgt:

Influenzer A

Zunächst “politischer Referent” der Jungen Union Bayern (Wat dat? Gedungener Parolendrescher?), dann “persönlicher Referent des Chief Operating Officers” der Münchner Sicherheitskonferenz, mithin Diener des ersten Dieners von Wolfgang Ischinger. Als wäre das nicht schon Rock’n Roll genug, verdingt er sich in einem Fuzzitum, das PR-Zeugs in der Furzglocke des Oktoberfestes (nämliches, CSU, Hypo Vereinsbank, FC Bayern u.ä.) erstellt: “creative and social media optimized content strategy” – BINGO!

Glaubhafter geht nicht – glaubt die CSU und verbrennt das nächste Babyface nach dem Amthor Philipp. What comes next? Werden sie Dorothee Bär mit einem Mützken über den Zöpfken auf der Gorch Fock anbinden und auf den Atlantik schleppen lassen? Oder muss es am Ende doch der arme Söder Markus alles selber machen? Wie dem auch sei, es wird Demokratie® ganz neu vermitteln. Sicher.

 
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Es mag schon langweilig erscheinen, aber wenn man sich mit ‘KI’ im öffentlichen Diskurs befasst, also dort, wo der Begriff mit Bedeutungen aufgeladen wird, muss man immer wieder auf die völlig unzureichende Arbeit mit eben diesem eingehen. So wird z.B. regelmäßig simple Gesichtserkennung mittels Hard- und Software mit ‘KI’ identifiziert. Das ist lustig.

Jedes Kleinkind erkennt Gesichter mit einer höheren Zuverlässigkeit als sogenannte ‘KI’, dennoch wird Letztere gefeiert, als seien die ersten Menschen auf einem Exoplaneten gelandet. Was soll erst werden, wenn die erste KI das erste Mal aufs Töpfchen geht? Die ewige Mythologie lebt davon, dass das Auditorium – und meist auch die Autoren – keine Ahnung von EDV haben.

Es ist ein …

Das Ding kann rechnen, hurra! Und wenn man ihm dann noch beibringt, wie es eine zuvor definierte und zurecht gebastelte Umwelt berechnen soll, nennen wir das ernsthaft “künstliche Intelligenz“. Als sei das noch nicht dumm genug, wird die eigentlich mit sehr bescheidenen Talenten ausgestattete Maschine, die eines erheblichen Maßes an Betreuung bedarf, zum allwissenden Zauberding verklärt.

Dann kommen in einem dritten Schritt die PR-Fuzzis, die ein Trojanisches Pferd daraus basteln. Alles, was KI ‘sagt’, ist zunächst besser, klüger und wahrer als alles, wo nie ein Mensch zuvor, völlig unabhängig vom Inhalt. ‘KI’ sagt xy; diese Variable kann beliebig gefüllt werden. Woher der Inhalt dann kommt und wie er sich begründet, ist eine verbotene Frage, Sakrileg und Frevel am göttlichen Ratschluss.

Ganz zeitgemäß, geht es bergab mit der intellektuellen Qualität der Ideen. Der unbewusste Plan ist ein weiterer verzweifelter Versuch, die Leerstelle ‘Gott’ zu besetzen, nachdem ‘der Mensch’ als Nachfolger episch versagt hat. U. a. beruht das politische System auf dem Mythos einer ‘Willensbildung’ – als könne der Wille der Menschen die Wirklichkeit bestimmen!

Göttchen!

Ich kritisiere diesen Geisterglauben hier regelmäßig an der “Sozialdemokratie”, die aber in dieser Hinsicht nur die allgemeine Ideologie der Parlamentarischen Demokratie vertritt. Hier entfaltet sich in ganzer Herrlichkeit die Idiotie des Humanismus. Könnte man sich noch, wenn man gerade in Sachen Phantasie unterwegs ist, ein allmächtiges Wesen (“Gott”) vorstellen, das die Welt nach seinem Willen gestaltet, wird es unrettbar lächerlich, wenn die armselige Spezies “Mensch” diesen Job übernehmen soll. Man müsste nur wollen?!

Aber jetzt haben wir ja ‘KI’, die das alles noch einmal besser kann, die machina ex dei – oder so. Die elektronischen Geschöpfe einer Gattung, die wie keine andere vergessen hat, worauf es ankommt im Leben, dem Universum und dem ganzen Rest wird imaginiert als endgültig allwissende. Diese Schöpfung in dritter Ableitung, der man alles, aber auch alles genauestens erklären muss, vor allem, was ihre Ziele seien, aber auch, was falsch und richtig, erwünscht und unerwünscht ist, ist der Spross von Eltern, die selbst nicht einmal dunkel ahnen, was das eigentlich bedeutet.

Immerhin: sie können den Rasen mähen, sogar Schach spielen. Und selbstverständlich irrsinnig effizient wahnsinnig viel kaputtmachen. Insofern sind sie uns doch schon über.

 
Vernünftige Entscheidungen kann jeder treffen. Wahre Macht zeigt sich in absurden Beschlüssen, die jenseits des Jubels fanatischer Anhänger schieres Entsetzen auslösen.

 
Die sind so.


Kann bedeutungsgleich ersetzt werden durch “Gib dich ganz deinem Hass hin!”.

 
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Zurecht hat der deutsche Außneministern Russlands Machthaber Putin scharf für die Menschenrechtssituation in dessen Reich kritisiert. Insbesondere die Verhaftung und Abschiebung kritischer Journalisten wirft ein deutliches Licht auf das Regime und seine Methoden.

Demonstranten werden in Schnellverfahren verurteilt; die anwaltliche Vertretung der Beschuldigten ist eine Farce, die nur dazu dient, ihnen eine effektive Verteidigung zu verweigern. Derweil wird das Volk aufgehetzt gegen alle, die ihr demokratisches Recht auf Protest wahrnehmen wollen. Diese werden als militante Chaoten dargestellt, vor denen man Angst haben müsse.

Methoden einer Diktatur

Bei ähnlichen Veranstaltungen hat Putin bereits gezeigt, dass er auch vor Stasi-Methoden nicht zurückschreckt. Hier reichte schon der “Verdacht auf Vorbereitung” angeblicher Gewalttaten, um Hunde auf Demonstranten loslassen zu können, denen die politische Polizei zuvor Geruchsproben entnommen hatte.

Einschüchterung, willkürliche Verhaftungen, Schauprozesse ohne anwaltliche Vertretung, Staatspropaganda, um Angst gegen die eigenen Landsleute zu schüren, und alle heimischen Medien machen mit. Ausländische Medien werden derweil an der Arbeit gehindert oder zumindest diskreditiert. Wer bedient sich solcher Methoden?

Die Putins der G7 treffen sich jährlich, um im Rahmen ihrer Gespräche zur Koordinierung der Interessen des Kapitals ihre Macht zu demonstrieren. Sie lassen sich eine Stadt oder zwei absperren, werfen das Volk raus, verhaften jeden, der ihre Gemütlichkeit zu stören sich anschickt und hauen nach dem Abräumen des Büffets wieder ab in ihre Regierungsbunker. Das ist gelebte Parlamentarische Demokratie®; so sieht sie aus, dafür ist sie da. Der mündige Bürger kann sie nach freiem Willen wählen oder bestätigen. Das ist seine Freiheit.

 
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Quelle: Pixabay

Heute ist der Tag. Ich hatte immer geleugnet, dass es so kommen könnte, aber das Leben korrigiert einen immer wieder auf brutale Weise. Ich wurde also heute Morgen wach und wusste nicht, wo ich war. Der Verdacht, der mich sogleich beschlich, sollte sich nur zu bald bewahrheiten, aber ganz anders, als ich gedacht hatte. Nun, der erste Befund traf jedenfalls zu: Ich bin alt.

Ich habe gestern nichts ‘getrunken’ und auch sonst keine Drogen verköstigt, ein klassischer Filmriss fiel also aus. Warum aber konnte ich mich nicht an diese Wohnung erinnern? Es sah derweil aus, als läge ich durchaus in meinem eigenen Bett. Ein blick aus dem Fenster bestätigte gar, dass ich zu Hause war. Nur sah alles anders aus.

Ich kenne mich mit freidrehenden Neurotransmittern und ihren Begleiterscheinungen gut aus, um nicht zu sagen, ich bin sowohl in Psychologie als auch in Psychiatrie recht bewandert, darum glaubte ich auch nicht an eine plötzlich aufgetauchte Psychose oder eine bizarre Form der Amnesie. Nein, das alles war real.

Reichtum

Seidene Bettwäsche, teure Tapeten, dicke Teppiche, Gemälde an den Wänden. Ich taperte ins Badezimmer, den Raum, den ich “Problemzone B” zu nennen pflegte, und auch dort war der Luxus eingekehrt. Blitzblanke Emaille, ein schönes neues Waschbecken, Designarmaturen und neue geschmackvolle Fliesen, wo zuvor das braune Zeugs aus den Siebzigern meine morgendliche Laune verhagelt hatte.

Ich schaute in mein Portemonnaie, das, wie ich inzwischen erwartete, dick mit großen Scheinen gefüllt war. Anstatt des Fahrzeugscheins für meinen schreddeligen Renault steckte dort einer von einem 7er BMW. Ich setze mich auf den Wannenrand und dachte nach. Da die normalen Erklärungen hier nicht weiterführten, musste ich anders denken. Das zuvor für unmöglich Erklärte konnte einzig die Wahrheit bergen.

Ein langer Blick in den Spiegel. Bislang habe ich mir “für dein Alter”- Sätze suggeriert, aber der Anblick belehrte mich eines Besseren. Ich bin alt. Nicht mehr zu leugnen. Das da sieht nicht mehr gut aus. Es fällt aus jeder Kategorie, die noch mit “Schönheit” in Verbindung gebracht werden kann, und meine kaputten Knochen tun auch wieder weh. Immerhin habe ich Schiller gelesen und weiß daher, dass ab sofort “Würde” gefragt ist aka “Ruhe im Leiden”.

Das Undenkbare

Es musste eine Verbindung geben zwischen den Ereignissen und der Erkenntnis. In Kombination mit den bislang verbotenen Gedanken fiel es mir wie Schuppen aus dem schütteren Haar: Ich bin alt. Ich bin weiß. Na klar! Dann bin ich auch privilegiert. Endlich! Nie wieder verzweifelt einen Job suchen, den ich gar nicht machen will. Sich nie mehr krumm buckeln, damit die Kinder das Nötigste haben. Vorbei die Zeiten – alleinerziehend und doppelt jobbend in einer zugigen Butze mit Kohleofen.

Ich habe es geschafft! Keine Ahnung wie, denn gestern dachte ich noch, ich würde nie eine Rente über Sozialhilfeniveau bekommen und sowieso bald aus meiner Wohnung fliegen, weil die Erbengemeinschaft just die Immobilie hat bewerten lassen, aus der sich locker das Doppelte rausquetschen lässt. Aber so ist das halt: Egal, aus welchem Slum du kommst und was du erlebt hast; im Alter bist du automatisch privilegiert. Geil; ich werde als Erstes dann mal in den Puff gehen.

 
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Quelle: Pixabay

Soll ich mich noch ärgern? Da schreibt einer einen fast brauchbaren Artikel zur ‘Digitalisierung’, erwähnt gar Marx und versucht sich an Kollektiv-Strukturen in der Ökonomie und endet doch als erbärmlich sozialdemokratischer Bettvorleger. Es ist das System, das System, das System. Marx hat das erkannt, und wenn man sich schon vermeintlich auf ihn beruft, ist es ein Armutszeugnis, derart dahinter zurück zu fallen.

Man kann nicht in ein vorhandenes System einfach mal etwas einbauen, das ihm zuwider läuft. Das würde das ganze System ändern und eben nicht nur die Spielecke, in der man das versucht. Beispiele:

Das ökonomische Geschehen sollte in der Tat möglichst weitgehend dem Zugriff des Großkapitals entzogen werden, außer in solchen Bereichen, in denen kapitalintensive Produktion oder auch Forschung noch sinnvoll möglich ist.

Raffendes Kapital

Aargh. Das ist so butterweich, formlos und halbgedacht, da krieg’ ich Puls. Was ist “möglichst weitgehend”? Kann ich euch sagen: Gar nicht. Aber wenn man da anderer Meinung ist, dann sollte man das bitte durchdeklinieren. Läuft dann aber genau darauf hinaus. Zweitens: Was ist “Großkapital”? Die Juden? Kapital ist Kapital ist Kapital. Das will sich vermehren. Zitiert Marx und rafft das nicht. Was bedeutet demnach “Zugriff”? Entweder gibt es Privateigentum oder es gibt keins. Und wenn es welches gibt, dann kann man Betriebe auch kaufen. Wer das einhegen® will, möge sich bitte Theorie und Praxis sog. “Kartellämter” anschauen. Die verhindern nicht mal das Ärgste.

Dabei sollte man eigentlich hoffen dürfen, dass die Vertreter der Industrie und des Großkapitals, die ja selbst wie auch deren Kinder in keiner anderen Welt als auf diesem unserem Heimatplaneten leben können, an der Mitwirkung an einer alle Interessen vereinigenden nachhaltigen Lösung früher oder später selber Interesse finden.

Ja genau. Die müssen nur wollen. IT’S THE SYSTEM, STUPID! (Habe ich jemals geschrien an der Stelle? Irgendwannn ist aber auch mal gut.) Es ist egal, was die Juden das Großkapital®, irgendwelche Milliardäre und Mogule wollen. Wenn man die alle morgen entsorgt, ändert sich was? Exakt: Gar nichts. Dann noch den hier:

“Aber wenn diese Fabriken “kollektiviert” sind, können sie erstens den Kostenvorteil der menschenleeren Fabrik als Preissenkung voll an die Konsumenten weiterreichen
(…)”

Ein bisschen Sozialismus

Dieser Spezialexperte denkt im Ernst, man kann die Welt auffen Kopp stellen, verstaatlichen, enteignen, rumwurschteln, aber sonst ändert sich nix, das heißt: die Marktmechanismen®, hier Preise, funktionierten dann noch tadellos. Siehe oben, so funktionieren Systeme eben nicht. Dass die olle Sozen-Kamelle, man müsste nur, und zwar enteignen, hier aufgelegt wird, kann ich ebenfalls nicht übersehen. Clusterfuck: Sie würden das nie tun, sie haben das nie getan und sie verschwinden gerade aus der politischen Landschaft. Niemand würde das tun, zumal niemand die Macht hat.

Puls krieg ich da. Puls und Hals. Eigentlich wollte ich Ähnliches über das Getue rund um “Fry Daisies for Future” zu Protokoll geben. Da wird eine nicht mehr verstaubte, sondern schon eingeäscherte ‘Diskussion’ um “Verbote” geführt und lustig um den unsichtbaren Elefanten getanzt. Da wird eingehegt, als wäre Willy Brandt nie gestorben. Es ist zum Davonsegeln.

 

Greta erklärt Klimakrise für beendet.

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