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kunstlyriklamauk


 
 
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Es war im September 2005, genauer am 26., als Sigmund Äzzer ein kleines gallisches Dorf gründete. Zunächst als Weltrettung geplant, scheiterte das Projekt und wurde stattdessen zu einer – wenn auch stilistisch bemerkenswerten – traurigen, weil im Kern sozialdemokratisch geprägten Politplauderplattform. S.Äzzer scheiterte also binnen weniger Jahre ein zweites Mal, um sich fortan eher kulinarischen Themen zu widmen.

Zu erwähnen sind neben launigen Ausflügen an den Rand des Vegetarismus vor allem das rhetorische Wildschweinragout, mit dem er die inzwischen zahlreich zugewanderten Dorfbewohner bei Laune hält und der saure Nachtisch, den er gern im Keller serviert, wo sich besonders mutige und verdiente Dörfler zum Schoppen einfinden. Dies wäre keiner weiteren Erwähnung wert, hätte er nicht Immobilien-, Finanz-, Euro-, Banken- und Vollkrise überstanden, ohne sich in hohles Gezwitscher oder Zuckerbergs Disneyland zu trollen.

Trauerspiel

Gelitten hat darunter unter anderem der Output. Es wurde zuletzt immer weniger, dafür entwickelte es sich qualitativ in Richtung Ostware: Sieht scheiße aus, schmeckt nur den ganz Harten, hält aber ewig und lässt sich notfalls mit etwas Draht und Gaffer Tape leicht reparieren. Äzzer spekuliert darauf, im Zuge des Trends zu Vintage und Verrotzt einen zweiten Frühling zu erleben. ‘Verrotzt’ wurde inzwischen mehrfach – so auch aktuell – erreicht, ‘Vintage’ … sagen wir es so: Esprit war rar, dafür gab es reichlich Grau und Falten, woran er sich großzügig bediente.

Die Saison 2018/2019 darf als mäßig erfolgreich betrachtet werden, ist doch – erstmals seit Jahren – niemand, der ihm nahesteht, vorzeitig verstorben. Ein mehrwöchiger Krankenhausaufenthalt im Rahmen einer immerhin lebensgefährlichen Angelegenheit, mehr ist nicht zu beklagen. Wir sind gespannt auf die nächste!

Herzlichen Glückwunsch also, lieber S.Äzzer, zur Strafmündigkeit. 14 Jahre wurde er jüngst und überdauerte diese Zeitspanne ohne Hafturlaub, mit nur einer Abmahnung, einem zurückgetretenen Bundespräsidenten, einem Buch und ein paar Dutzend beleidigter Kollegen. Wir haben den Hals noch nicht voll und gieren daher auf mehr. Schnellschnell, weitermachen!

 
Die Schwarzfahrer in den deutschen Knästen
sind politische Gefangene.

 
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Also, ich muss mir das so nicht gefallen lassen. Ihr wisst schon, dass ihr hier besser mitarbeiten müsst, wenn ihr von mir erwartet, dass ich euch nicht am Ende ein ganz schlechtes Zeugnis ausstelle? Es sind immer dieselben, die sich hier beteiligen – und auch dieselben, die stören und die ich vor die Tür werfen muss. Wenn ihr meint, dass ihr damit Erfolg haben werdet im Leben – bitte! Das ist eure Entscheidung.

Ihr könnt euch jetzt auch gern über mich beschweren, was immerhin besser wäre als das blöde Getuschel, das ich schon wieder höre. Das geht alles von eurer Lebenszeit ab. Ich würde ja, wenn ich schon hier wäre, aufmerksam mitlesen und zusehen, dass ich etwas lerne. Alles andere empfinde ich als pure Zeitverschwendung. Aber wie gesagt: Ihr müsst selber wissen, was ihr mit eurer Zeit macht.

The Great Rock’n Roll Swindle

Wie ihr seht, sind die Ferien wieder um, und ihr ahnt ja nicht, wo ich derzeit arbeite. Ich werde selbstverständlich hier keine Details ausbreiten, aber selbst die Älteren unter uns (und nach meiner Einschätzung sind das beinahe alle) würden sich im Jahr 2019 noch mühelos zurechtfinden in der Lernbehörde. Man sieht beim Reinkommen schon, wo der Chef sitzt. Wie im richtigen Leben. Ob das zu Lernen taugt, “steht auf einem anderen Blatt” (auch so ein Schulspruch, den ich sonst nirgends höre).

Das Ganze ist nicht so recht inspirierend, zumal ich selbst dort quasi nichts zu lernen kriege. Dafür aber graue Haare (ja, daher kommen die!) über das, was mir dort begegnet. Übrigens auch fachlich. Man erhält immerhin einen Eindruck davon, warum Fake News® so geschmeidig durchflutschen. Wenn man sich Lernstoff aneignen lässt, der heftigst mit der Wirklichkeit kollidiert, wenn man ihn überprüft, gewöhnt man sich halt daran, dass es wohl eigentlich egal ist. Gut, dass ihn ohnehin niemand überprüft und nach den anderen Prüfungen eh alles schnell wieder vergessen ist.

Ein Bekannter, der auf einem Gymnasium als Lehrer sein Lebenslänglich absitzt, klärte mich neulich darüber auf, dass es zwei herausragende Argumente für den Lehrerberuf gebe: Juli und August. Jetzt ist es September, und ich frage mich wie jeden Tag, an dem ich meinen Dienst tue, ob ich wohl am nächsten Tag wieder hingehen soll. Das war übrigens als Schüler schon so. Nun, Oktober ist auch wieder eine große Eierschaukel, bis dahin sollte ich es schaffen. Noch besser, dass meine Aufträge zeitlich begrenzt sind. Manche dort am Katzentisch sind halb so alt wie ich und sehen schon doppelt so verbraucht aus. Das kommt sicher von diesem ganzen Rock’n Roll.

 
hl

Quelle: Pixabay

Heute ist der Tag. Ich hatte immer geleugnet, dass es so kommen könnte, aber das Leben korrigiert einen immer wieder auf brutale Weise. Ich wurde also heute Morgen wach und wusste nicht, wo ich war. Der Verdacht, der mich sogleich beschlich, sollte sich nur zu bald bewahrheiten, aber ganz anders, als ich gedacht hatte. Nun, der erste Befund traf jedenfalls zu: Ich bin alt.

Ich habe gestern nichts ‘getrunken’ und auch sonst keine Drogen verköstigt, ein klassischer Filmriss fiel also aus. Warum aber konnte ich mich nicht an diese Wohnung erinnern? Es sah derweil aus, als läge ich durchaus in meinem eigenen Bett. Ein blick aus dem Fenster bestätigte gar, dass ich zu Hause war. Nur sah alles anders aus.

Ich kenne mich mit freidrehenden Neurotransmittern und ihren Begleiterscheinungen gut aus, um nicht zu sagen, ich bin sowohl in Psychologie als auch in Psychiatrie recht bewandert, darum glaubte ich auch nicht an eine plötzlich aufgetauchte Psychose oder eine bizarre Form der Amnesie. Nein, das alles war real.

Reichtum

Seidene Bettwäsche, teure Tapeten, dicke Teppiche, Gemälde an den Wänden. Ich taperte ins Badezimmer, den Raum, den ich “Problemzone B” zu nennen pflegte, und auch dort war der Luxus eingekehrt. Blitzblanke Emaille, ein schönes neues Waschbecken, Designarmaturen und neue geschmackvolle Fliesen, wo zuvor das braune Zeugs aus den Siebzigern meine morgendliche Laune verhagelt hatte.

Ich schaute in mein Portemonnaie, das, wie ich inzwischen erwartete, dick mit großen Scheinen gefüllt war. Anstatt des Fahrzeugscheins für meinen schreddeligen Renault steckte dort einer von einem 7er BMW. Ich setze mich auf den Wannenrand und dachte nach. Da die normalen Erklärungen hier nicht weiterführten, musste ich anders denken. Das zuvor für unmöglich Erklärte konnte einzig die Wahrheit bergen.

Ein langer Blick in den Spiegel. Bislang habe ich mir “für dein Alter”- Sätze suggeriert, aber der Anblick belehrte mich eines Besseren. Ich bin alt. Nicht mehr zu leugnen. Das da sieht nicht mehr gut aus. Es fällt aus jeder Kategorie, die noch mit “Schönheit” in Verbindung gebracht werden kann, und meine kaputten Knochen tun auch wieder weh. Immerhin habe ich Schiller gelesen und weiß daher, dass ab sofort “Würde” gefragt ist aka “Ruhe im Leiden”.

Das Undenkbare

Es musste eine Verbindung geben zwischen den Ereignissen und der Erkenntnis. In Kombination mit den bislang verbotenen Gedanken fiel es mir wie Schuppen aus dem schütteren Haar: Ich bin alt. Ich bin weiß. Na klar! Dann bin ich auch privilegiert. Endlich! Nie wieder verzweifelt einen Job suchen, den ich gar nicht machen will. Sich nie mehr krumm buckeln, damit die Kinder das Nötigste haben. Vorbei die Zeiten – alleinerziehend und doppelt jobbend in einer zugigen Butze mit Kohleofen.

Ich habe es geschafft! Keine Ahnung wie, denn gestern dachte ich noch, ich würde nie eine Rente über Sozialhilfeniveau bekommen und sowieso bald aus meiner Wohnung fliegen, weil die Erbengemeinschaft just die Immobilie hat bewerten lassen, aus der sich locker das Doppelte rausquetschen lässt. Aber so ist das halt: Egal, aus welchem Slum du kommst und was du erlebt hast; im Alter bist du automatisch privilegiert. Geil; ich werde als Erstes dann mal in den Puff gehen.

 
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Ich mache mir einen Einkaufszettel. Mal sehen; was kaufe ich mir denn heute?

Marmelade. Käse. Brie. Und Bier. Brie, Bier und Brei. Brot. Und Wein. Whisky. Zigarren. Eine Stunde mit einer Hure. Ein Fahrrad, Klopapier, Rasierer – und das Auto, mit dem man statt zum Kindergarten einfach offroad fahren und das Leben genießen kann. Eine Urlaubsreise, ein Bügeleisen, ein Abonnement.

Der Wirt tauchte ein Geldstück in eine Bierlache und wir bedankten uns dafür. Ein Stück Eisen, mit Kupfer ummantelt, wird von allen geehrt. Wenn es als “Restgeld” in eine Plexiglasschachtel eingeführt wird, rettet es Tiere und Kinder. Früher hat es gearbeitet, wenn man es auf eine Bank legte. Heute nicht mehr, aber wenn man es Leuten gibt, müssen die tun, was man will oder einem Sachen dafür geben.

Ein ganz normaler Vorgang

Kaufen! Kaufen! Heute gehen Edelmetalle, aber der Bitcoin ist schwach. Immobilien halten. Technologie im Auge behalten. In Food Fonds investieren. Hunger muss gar nichts Schlimmes sein. Agricultural Euro Fonds. Dammbruch? Beton. Trockenheit? Tiefbau. Konflikt? Kleinkaliber. Privat kann besser.

Hans Hallmackenreuther aus Hamm-Clov ist nicht zufrieden. „Wenn das die beste je getestete Matratze sein soll”, ätzt er, “dann möchte ich nicht die zweitbeste sehen. Jetzt zeigen Sie mir mal die wirklich guten, aber pronto!”
“Wir führen nur gute Ware, der Herr …”, setzt der Verkäufer an, ein eher schüchterner kleiner Mann, aber Hallmackenreuther fährt ihm dazwischen:
“Das ist ja nun nicht an Ihnen, das zu beurteilen. Werden Sie nicht unverschämt! Ich möchte sofort den Geschäftsführer sprechen!”

Alles hat seinen Preis. Man muss nur handeln. Jeder kriegt, was er verdient. Der Kunde ist König. Dafür bezahle ich Sie schließlich. Ich muss für mein Geld auch arbeiten. Und alles von meinem Geld. Von meinem Geld! Mea pecunia, mea maxima pecunia. Si vis pacem, eme bellum. Wer zu spät kauft, den bestrafen die Märkte. Gerne. Vielen Dank und auf Wiedersehen!

 
Die bekannte Influenzerin Bratzo-Biggi hat anlässlich eines aufgeheizten Sommerlochs den Blogger “flatter” besucht und ihm einige kritische Fragen gestellt. Im Folgenden veröffentlichen wir die Mitschrift ihres Typemanagers.

Bratzo-Biggi: Flatter, du bist Blogger, ne?

flatter: Yo, bin ich, ne?

Bratzo-Biggi: Wieso eigentlich?

flatter: Ich musste. Diese Stimmen, weißt du?

Bratzo-Biggi: Ja, das kenn ich. Ich hab die auch immer im Kopfhörer. Aber ich mein: Wieso machst du das immer noch? Das ist sowas von … zweitausendeins.

flatter: Ja richtig. Ich wollte mal was Hippes machem, was Modernes. Was, das die Leute interessiert. Was Eigenes.

Bratzo-Biggi: Du bist ja inzwischen Großvater …

flatter: Danke! Vielen vielen Dank! Ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

Bratzo-Biggi: Biste jetzt beleidigt?

flatter:: Nicht für die Kohle. Frag weiter, ich kann noch.

Bratzo-Biggi: Was sind eigentlich deine Vorbilder?

flatter: Früher Jesus und die Eifel, inzwischen Jens Berger, Roberto De Lapuente und Stefan Sasse.

Bratzo-Biggi: Wer ist das?

flatter: Falsche Frage, Biggi. Wenn du keine Ahnung hast, einfach so tun als ob!

Bratzo-Biggi: Okay, also … und wieso sind das deine Vorbilder?

flatter: Weil die es geschafft haben. Ich bin hier draußen … ganz allein. Ich will aber doch nur dazugehören! Gemocht werden. Dass Heiner Flassbeck mich liebt!

Bratzo-Biggi: Wer ist … ach so, der Heiner! Ja, das verstehe ich. Macht dich das traurig?

flatter: Sehr. Ich habe schon mehrere Selbstmordattentate auf mich verüben lassen. Hat alles nichts gebracht. Nicht mal der Stadt-Anzeiger hat berichtet.

Bratzo-Biggi: Du bist also eigentlich gescheitert.

flatter: Nicht “eigentlich”, total. Sogar als Märtyrer.

Bratzo-Biggi: Warum machst du nicht was ganz Anderes?

flatter: Was denn? Ich kann doch nix.

Bratzo-Biggi: Na Twitter, Facebook, Insta oder YouTube.

flatter: Meinst du, das kann ich?

Bratzo-Biggi: Hm … nö. Ey, ich will dich nicht krank machen, ne? Aber du bist alt, du siehst scheiße aus, du bist voll langweilig und ich versteh’ deine Geschichten überhaupt nicht.

flatter: Dann musst du halt Tagesschau gucken, die spritzen zuverlässig nach 15 Minuten ab.

Bratzo-Biggi: Siehste, das versteh’ ich auch wieder nicht. Tagesschau? Was soll das denn bitte sein?!

flatter: Ich breche das an dieser Stelle ab.

Bratzo-Biggi: Wieso das denn?

flatter: Kippen alle, Wodka alle.

Bratzo-Biggi: Zeig’ mal die Marken, du Noob!

An dieser Stelle tritt der Säzzer ins Bild, beleidigt Biggi sexistisch und zerhaut einen Tisch mit einer Axt. Man sieht im Abspann, wie er mit ‘flatter’ in den Sonnenuntergang reitet. Das Video wurde nie veröffentlicht und jüngst zufällig von einem Kammerjäger entdeckt.

p.s.: Die Rechtschreibkorrektur schlägt als Alternative zu “Influenzerin” “Influenzaviren” vor.

 
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Endlich mal ein Grund, müde zu sein. Na, geht noch wer arbeiten? Was ist das bloß für ein beschissenes Land, in dem schon morgen um sieben die Sonne aufgeht? Nee, im Ernst ist nix drin heute. Also machen wir ein bisschen Spaß und lesen was:

Netz-Reaktionen zum Hymnenwechsel bei Borussia” überschreibt ein Kollektor publizistischer Glanzleistungen eine solche. Wo fangen wir da an? “Was ist Borussia”? könnte man fragen und wäre schon sehr einsam, wenn man nur wüsste, dass das Wort etwas mit Preußen zu tun hat. Die Zielgruppe hingegen weiß: “Fußball”, und die Adresse der Redaktion weist auf die aus Menschenjagdbach hin, Home of Reichspropagandaminister. Gowdwin. Bingo!

Dummdidumm …

So weit tappen wir also in die Falle einer inhaltlichen Annäherung an das Nichts, um das es da geht. Die Kenner und Experten aber haben längst notiert: Hier kann einmal mehr ungehemmt Twitter zitiert werden, ‘Insta’ und Fräsbook, fertig ist der ‘Inhalt’ für die Leistungsgeschützten. Ob die Urheber aus dem Netz das dann mit Link auf die Quelle zitieren können, ohne dafür zahlen zu müssen?

Bleiben wir kurz bei Spocht und Zelebrities; eine niederländische Leichtathletin wurde “mit mehr als 50 Kilogramm Drogen erwischt“, dabei u.a. Meth. Bloody Hell, dafür sieht sie noch gut aus – oder hat das Zeugs eine leistungssteigernde Wirkung, von der die Öffentlichkeit nichts wissen darf (wegens Beunruhigung, wissens’ schon)? Immerhin könnte das der erste echte Einzelfall sein. So brutal hat nicht mal Lance Armstrong zur Kanüle gegriffen. Fun Fact: Der Bildredakteur hatte die großartige Idee, die Dame in Arbeitskleidung mit Sporttasche abzubilden. Das ist der Beweis!!111!

… Keksee!

Beinahe ohne Worte: “5500 Paar Schuhe stehen in Flammen“. Das soll eine Meldung sein? Oder ist das auch wieder eine dieser Propagandameldungen und Durchhalteparolen? Bei den Asphalttemperaturen kann mir niemand erzählen, das wären nicht mehr.

Eine kleine innere Oktoberparade aus traurigem Anlass: Ein nicht ganz unterprivilegierter Sprechsänger, der sich dabei hat filmen lassen, wie er wen amtlich vermöbelt (vulgo “Körperverletzung”), wurde dafür in Schweden der Strafjustiz zugeführt. Der Komiker Trump, Donald, derzeit als POTUS im Raum Amerika unterwegs, kann das nicht leiden und fordert daher den Schwedischen Ministerpräsidenten auf, diese lästige Gewaltentrennung gefälligst aufzuheben und den US-Bürger subito ziehen zu lassen. Tja, Schweden, wenn das der Lohn der Arschkriecherei ist, gibt es doch noch Spuren von Gerechtigkeit in der Asche dessen, was früher (alles besser®) einmal “Diplomatie” hieß.

 
lu

Ich frage mich ja oft und öfter, ob ich mich auf diesem Planeten noch verständlich machen kann. Ich versuche es einmal mit einer Hundeanalogie. Ich mag Hundeanalogien, zumal als Pädagoge, als der aufzutreten meine Anpassungsleistung ist, um an diesen bizarren Ritualen des Warentauschs und der Zinszahlung teilnehmen zu können, die über den Stand des Religiösen hinaus der hier dominierenden Spezies zur zweiten Natur geworden ist.

Also, Hundeanalogie: Wenn ich mich einem Hund verständlich machen will, muss ich Hund sprechen. Mensch zu sprechen, nützt nix, da ist die Töle grammatikalisch überfordert, und nein, der “weiß” nicht “ganz genau”, was man von ihm will. Insofern geht das, wenn man einfache Dinge zu kommunizieren hat, wie “komm her” und dafür bereit ist, ein angemessenes Angebot zu unterbreiten. Bei der Spezies ‘Mensch’ funktioniert das auch sehr gut, nur ist diese in einer Art mit sich selbst beschäftigt, dass das nur funktioniert, wenn sie nichts davon bemerkt; sonst verfällt sie in einen Modus komplexer Sinnverhandlungen, die auch höher entwickelte Spezies’ in den Irrsinn zu treiben vermögen.

Wuff!

Während Hund einfache Beobachtungen als einfache Kombinationen abspeichert (“Sitz!” hören, setzen, Leckerli), versucht sich Mensch an Folgen und Reihen, die er teils mit den logischen nicht völlig unähnlichen Operatoren kombiniert, um dann aber wiederum Verknüpfungen zu bilden, gegen die Quantendynamik nachgerade simpel erscheint. Selbstverständlich entgleitet ihm dabei jeglicher Durchblick, was ihn dazu veranlasst, den Fokus zu tunneln und die so gewonnene ‘Einsicht’ für die Steigerung von Wahrheit zu halten.

In der Folge ist er jederzeit befähigt, Schuldige zu benennen und Hierarchien zu bilden. Darin ähnelt er dem Hunde nur grob, dessen genetisch inkludiertes Wolfswesen zu funktionierenden Hierarchien führt, die einer klaren Logik folgen, weil Hunde eben nicht so tun, als verstünden sie diese und wüssten darum besser, wer hier der Chef sein muss, nämlich das Arschloch mit der größten Fresse. Pardon!

Jetzt geeht’s lost

Menschen bilden daher Gruppenstrukturen aus, die evolutionär als äußerst irregulär gelten müssen. Die Dominanz des Menschen auf dem von ihm als Beute betrachteten Planeten hat das Prinzip der Auswahl quasi umgekehrt und das zur Gattung gewordene Selbstmordkommando installiert. Durch skurrile Zufälle bedingt, gelang es dieser aber bis heute nicht einmal, mit Anstand auszusterben.

Oh, ich merke, ich schwiff ab. Eigentlich wollte nur zu Protokoll geben, dass die religiöse Überzeugung vorherrscht, man könne maßgebliche Veränderungen im Weltgeschehen herbeiführen, indem man … doch, das meinen die Ernst … ich schmeiß’ mich weg … ich krieg die verdammte Tür nicht mehr zu … eine Partei gründet, muuhahaha! Der Wellbrock will eine für Verbote, Sternchentante Kleimann von OXI eine für “Future”. Sozen! Sind sie nicht niedlich! I mean … wenn man nicht wüsste, wie die Nummer wieder ausgeht, man könnte sie knuddeln, oder?

 

Die Sozialdemokratie setzt einfach auf ‘bessere Eliten’.

Autor bekannt

 
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Ernsthaft jetzt? Uschi von der Leyen wird Juncker? Ihr traut euch was! Warum eigentlich, fragen Gazetteure vom Journaill. Ja, warum wohl? Alter Adel. Hervorragend vernetzt. Stinkreich. NATO-gestählt. Die Dame schwebt in einer Parfumwolke der Elite. Bei Normalsterblichen nennt man das “Stallgeruch”, in ihrem Fall ist es der Pesthauch der Paläste.

Dennoch ist sie handzahm, liest artig jeden Zettel ab, macht alles mit und redet alles schön – es sei denn, sie ist im Auftrag der Angst unterwegs. Dann muss sie schon mal vor Alten und Kranken den Buhmann geben, damit ihre Spießgesellen den Überwachungsstaat voranbringen können. Remember? Eat this:

Aber die 80 Prozent, die nicht so versierte Internetnutzer sind, deren Einstieg geschieht über den klassischen Weg der Spam-Mails, mit denen sie überschüttet werden, mit denen sie angelockt werden – ich sage mal aus der Drogensprache ‘angefixt’ werden – und dann kommt der Hunger nach mehr. Dann fängt das Suchen an. Es werden gezielt auch Angebote unterbreitet.

Fürchtet euch!

Man wird sozusagen unkompliziert und verlockend auf einen Pfad geführt, wo – und das ist das Entscheidende – im Internet, solange keine Sperre da ist, das Gefühl entsteht: “Na ja, es guckt ja jeder sich das an.” Die Hemmschwelle sinkt und das ist der Einstieg in die Sucht, die Vergewaltigung von Kindern immer wieder auch zu sehen. Ich muss auch deutlich sagen, dass die Experten sagen, dass ein kleiner Teil dieser User irgendwann das auch im realen Leben erleben möchte und sich deshalb dann auf den Straßen umschaut.

Jahaa, das ist schon eine Expertenkennerin, die Uschi. Und wenn sie ihr erzählen, Putin hätte den Mond mit Cyberstrahlen angegriffen, damit er uns auf den Kopf fällt, dann wird sie auch das mit seriöser Miene vortragen, und die Mehrheit der Konservativen wird mit dem Stahlhelm auf der hohlen Nuss in den Keller rennen. Die perfekte Besetzung für eine Demokratiesimulation, die mit den aktuell bereits Vollsenilen aussterben wird.

Aber wartet, wo Dunkelheit ist, das lauert auch die Finsternis. Habe ich mich jemals über das Äußere eines Politikers lustig gemacht? Wen gedisst, weil er scheiße aussieht? Na verdammt, dann wurde das auch mal Zeit! Der Amthor Flip ist nämlich einer der Typen, nein Bürschlein, deren Anblick mich in Wallung bringt. Da schießt mir die Säure ein.

The End Is Always Near

Ich bin an vielen Schulen unterwegs, aber das, was ich aus den 80ern noch kenne, diese Exemplare, die damals mit ihrem Samsonite-Koffer verwachsen waren und den totenhässlichen Anzug nur abgelegt haben, um sich ‘leger’ ins Lacoste-T-Shirt zu quetschen, diese gesichtslosen, amorphen inkarnierten Nichtse, die auf ihrer eigenen Schleimspur durch die Hallen glitten, ich hatte sie für ausgestorben gehalten.

Und dann kommt das. Das ist doch ein Bot, oder? Wenn man den zehn Mal fraggt, respawnt der doch als Horrorclown, richtig? Und was der plappert – das ist keine KI, das hat nicht mal Windows 3.11-Format. Sieht aus wie ein Teenie und haut Jahrhunderte alte Macho-Sprüche raus, ist für Abtreibungen, die er aber “Töten” nennt (Sie nannten ihn “Babykiller”), hat nix gegen Schwule, wenn die nur nicht zu extrem werden, findet das Wort “Ölauge” lustig und und und.

Himmel, das kenne ich von noch meinem Opa, und ich bin inzwischen selber einer. Dieses Angebot von der Resterampe der unvermittelbaren Schwiegersöhne aus der Kriecherfraktion soll also die Zukunft der hochheiligen Demokratie sein? Oder ist das vielleicht eine bizarre Art von Kunst? However, von mir aus kann das weg. Schickt den Schnösel in Pension, ehe er noch am Tor rüttelt!

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