2005-2013 (alle Beiträge)
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Wir müssen reden, liebe Jugend. Ihr seid links? Das ist schön und gut. Aber ihr solltet wissen, dass da draußen überall das falsche Links lauert. Das Links, das nur der Köder ist für das Rechts. Und das Rechts gewinnt dann. Das kann man verhindern, wenn man einige Regeln beachtet.

Zuerst einmal müsst ihr natürlich rebellisch sein. Ihr seid ja Jugend, ihr seid links, dann ist man rebellsich. Tut nicht einfach, was irgendwer euch sagt! Macht nicht stumpf mit, wenn Autoritäten euch etwas sagen! Auch wenn ihr es richtig findet! Es ist wichtig, mal dagegen zu sein und nicht auch noch stolz, etwas zu tun, was die Mehrheit tut. Das ist nicht links.

Obacht!

Man muss aber aufpassen, denn rebellisch sein hat auch seine Grenzen. Haut ab und zu mal mit der Faust auf den Tisch! Dazu heben wir die linke (nicht die rechte, das ist nicht links), lassen aber den Ellenbogen auf der Stuhllehne liegen, dann heben wir die linke Faust um etwa 20 Zentimeter und lassen sie auf den Tisch fallen. Dann geht auch das gute Hutschenreuther von Tante Annemarie nicht kaputt. Das hat sie sich nämlich vom Mund abgespart, und sie hat immer SPD gewählt. Dazu kann man dann auch mal eine Parole sagen – vernehmlich, aber nicht gebrüllt.

Auf keinen Fall sollt ihr euch einfach selbst eine Gruppe suchen und dann machen, was die Anderen machen. Das ist der Anfang vom Ende. Passt vor allem auf, wenn sie schwarze Kleidung tragen! Ganz besonders schlimm sind die mit den Kapuzenpullovern. Die machen das Land kaputt oder sind Computerverbrecher, die nur so tun, als wollten sie links sein. In Wirklichkeit wollen sie Chaos und Gewalt.

Wirklich, echt, wahr

Wir wirklichen Linken – wie Tante Annemarie – wollen das Gute. Das Tantchen wurde jahrelang mundtot gemacht und dazu gezwungen, Dinge gegen ihre Überzeugung zu tun. Dann kamen die Amerikaner, der VW Käfer und bald auch endlich Willy. Unsere große Zeit, die aber auch die der ganz falschen Linken war. Ungepflegte Haare, Sonnenbrille und Drogen. Am Ende wollten sie nur noch töten. Und was war? Die CDU hat gewonnen!

Bisher haben noch alle guten Rebellen irgendwann den Weg zum Frisör gefunden und fleißig Parteiarbeit gemacht. Gutes Links ist demokratisch gewählt und muss sein Vaterland nicht verleugnen. Gutes Links bekämpft nicht die Ordnung, es hält sie. Gutes Links ist rebellisch, aber im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, versteht sich. Fragt einfach einen erfahrenen alten Linken, dann bleiben euch manche Gefahren und Abwege erspart.

 
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US-Präsident Trump hat per Dekret die anstehenden Präsidentschaftswahlen für unbestimmte Zeit verschoben. Wegen der Corona-Krise sei es nicht möglich, einen ordnungsgemäßen Ablauf der Prozedur zu gewährleisten. Er berief sich dabei auf seine “umfassenden Befugnisse als Präsident” und rief zugleich den nationalen Notstand aus, um als Commander-in-Chief die volle Regierungsmacht auszuüben.

Die chinesische Führung sei für diese Lage verantwortlich, weshalb Trump dem seit Wochen im Chinesischen Meer kreuzenden Flugzeugträger St. Mary in the Marsh befahl, Cruise-Missiles auf die chinesische Insel Formosa abzuschießen. Als er kurz darauf von Zerstörungen in Taiwan efuhr, veruteilte er den “unmenschlichen Racheakt der Kommunisten gegen ein unschuldiges Volk“.

Showdown im Gelben Meer

Staatspräsident Xi forderte den Kapitän der St. Mary auf, das Schiff unverzüglich zu übergeben, es werde konfisziert, bis in den USA “ein Präsident im Amt” sei, “der weiß, pünktlich seine Medizin einzunehmen“. Anderenfalls werde das Schiff versenkt. Die Entsendung einer Fregatte durch den deutschen Bündnispartner scheiterte an einem fehlenden Motor, der aus China geliefert werden soll. Bundeskanzlerin Merkel appeliert an die “Vernunft der beteiligten Parteien“.

Die Proteste der US-Demokraten gegen die Verschiebung des Wahltermins tat Trump als “Gejammer von Joe Nuts und seinen Kommunisten ab“. Diese hätten das Virus mit Absicht verbreitet, um den großen Sieg des “erfolgreichsten Präsidenten aller Zeiten” zu verhindern. Das Nachrichtenmagazin “Spiegel” wies in einem Kommentar zur Lage darauf hin, dass eine Eskalation weder China noch den USA nütze, sondern ausschließlich dem russischen Machthaber Putin. Auf einer Dringlichkeitssitzung der NATO wurden die Sanktionen gegen Russland noch einmal verschärft.

Dieses Szenario ist nicht wirklich witzig und keineswegs unmöglich. Ausgelassen haben wir dabei noch die bürgerkriegsähnlichen Zustände, die Trump einzudämmen versuchte, indem er Milizen, die sich “Konföderierte” nennen, offiziell zu Einheiten der Nationalgarde erklärte. Sie seien “gute Leute”. Ein selbsternannter Rebellengeneral errichtete wenige Tage später ein Hauptquartier in Atlanta und erklärte sich zum “legitimen Präsidenten des wahren Amerika”. Der türkische Präsident Erdogan bat um dessen Namen und die genaue Adresse, um seiner Regierung die offizielle Anerkennung zukommen zu lassen.

… to be continued …

 
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Es spont heute : “Der ehemalige Verfassungsrichter Johannes Masing blickt mit Sorge auf die Drohschreiben, die im Namen des “NSU 2.0″ verschickt werden. Die Polizei müsse sich klar positionieren.

Dann ein paar Zeilen des üblichen Blablas. Es ist ja nicht so, dass ich mich zuletzt aus lauter Gnade seltener zu der vollendeten Idiotie einer dem Zerfall der Rechtskultur mit wehenden Fahnen vorauseilenden Journaille geäußert habe. Es ist auch keineswegs so, als hätte diese wenigstens die Erzdreistigkeit eingestellt, ihr unrecherchiertes, ignorantes Korrupti-Gewäsch als ‘kritisch’ zu etikettieren. Nein.

Sie treten genau so ahnungslos auf wie eh und je, erkennen in einem Schachbrett ebenso wenig ein Muster wie in Gepunktet, Gestreift oder den rechtsradikalen Umtrieben in allen kriminellen Vereinigungen, die einen Anspruch auf die Bezeichnung “Behörde” haben. Nein, was waren das wieder für “Pannen” rund um NSU, Amri, KSK et cetera you name it. PANNEN! Habe ich jemals Großbuchstaben in einem Artikel verwendet? Ei gugge, Premiere!

Oops, Holocaust!

Das muss wohl so ähnlich gewesen sein dunnemals, als eine gewisse Tendenz zum Nationalismus in einer Krise des Kapitalismus mit einer judenfeindlichen Grundstimmung kollidiert ist. Nun waren zu allem Unglück jene Tendenzen, die man heute als “rechtsextrem” bezeichnet, schon überrepräsentiert in Polizei und Wehrmacht, dann kamen, schlimmer Ausrutscher, noch ein paar sogenannte “Nazis” dazu, die gleich eine eigene Truppe mitbrachten und ein paar Unfälle später glücklich mit ihren Gesinnungsgenossen in die große Fusion hinein rutschten. Was für eine Panne!

Wir erinnern uns dann an die SA-Panne, die Machtergreifungs-Panne, die SS-Panne, die Holocaust-Panne und nicht ganz so gern an die daraus folgenden Pannen ‘Bombenterror’, ‘Invasion’ und den Schandfrieden von 1945. So weit unser kleiner Rückblick mit einem herzlichen Gruß an Guido Knopp.

Ich kann einfach nicht mehr. Ich bringe die Füße nicht in Bewegung und schon gar nicht die Finger, um jedes Mal, wenn einer der Nützlichen Vollidioten aus einer beliebigen Redaktion sein verlogenes feiges Mantra hervorkotzt und so tut, als sei das Problem nicht systemisch, dem etwas zu entgegnen. Habe ich oft genug, guckt ins Archiv. Aber dann und wann, ab und zu, rutsche ich auf meiner eigenen Galle aus, und dann passiert sowas wie das hier.

Das wusste ich nicht

Zurück zum Zitat am Eingang: Die Polizei hat sich klar positioniert, du Oberhonk. Sie schreibt selbst solche Briefe. Sie ist teils so organisiert, dass ihr formidable Verfassungsfeinde vorsitzen. Flankiert wird sie von noch übleren Gestalten aus sogenannten ‘Diensten’, die – Achtung, Gebetsmühle! – von Nazis gegründet wurden, immer faschistische Feindbilder gepflegt haben, von niemandem kontrolliert werden und jeden erpressen können, der das versucht. Und es gibt auch wieder eine relevante Partei, die es genau solchen besonders kuschelig macht.

Bis heute hat sich nichts an dieser Struktur verändert, und zwar folgerichtig weder von innen noch von außen (Grüße an die Herren Tauss und Edathy bei dieser Gelegenheit). Aber psst, bloß keine Verschwörungstheorien! Dieses Land ist nicht nur frei von Verstand und Kultur, es ist auch frei von Zivilcourage, zumindest überall dort, wo eine große Öffentlichkeit erreicht wird. Euch kann mal nicht mal in die Eier treten. Kognitive Eunuchen erklären mir die Welt. Da mach’ ich mir doch lieber ‘ne Wurzelbehandlung mit der Hilti.

Update: Die sog. “Ermittlungen” zum Oktoberfest-Attentat 1980 lesen sich hier wie eine Blaupause für den Umgang der Behörden mit faschistischem Terror in der BRD.

 
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Er ist das Symptom des Verfalls eines Gesellschaftsmodells, das sich eben auflöst. Das ist nichts Neues. Schon in einer der hoffnungsvollsten Epochen der Geistesgeschichte – der Renaissance, in der sich der Erkenntnisstau nach 1000 Jahren katholischer Unterdrückung entlud – explodierte ebenso der moralische Rigorismus, gingen Menschen aufeinander los mit einer Verachtung, die jede Grausamkeit legitimierte. Spanische Inquisition und Hexenverfolgung – bei der sich vor allem Protestanten hervortaten – waren die Begleiterscheinungen. Am Ende der kapitalistischen Rechtfertigungsversuche für die Weltherrschaft eines irrsinnigen Systems zeigen sich ähnliche Tendenzen.

Mit einem kleinen Schritt zurück komme ich noch einmal auf das Thema “Moral versus Ethik”: Ethik fragt wie gesagt danach, was in einer Gesellschaft erwünscht(es Verhalten) ist und was sie optimaler Weise tun kann, um dies zu erreichen bzw. das Unerwünschte zu hemmen. Dies ist eine grundsätzlich praktisch-wissenschaftliche Perspektive. Vor allem muss hierbei auf die Gesellschaft Bezug genommen werden, um die es geht. Es muss deutlich werden, was sie ist, wie sie funktioniert, wer dazugehört und wie man diese Menschen erreichen kann.

Ping-Pong

Das Gegenteil besorgt wie so oft Moral, zumal in ihren extremen Formen eines Rigorismus hier und einer autoritären Willkür dort. Sie zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sich ‘Erlaubtes’ aus dem ‘Guten’ ableitet, welches wiederum den handelnden Personen innewohnt. Bei den neuen Pietisten wohnt dieses Gute bestimmten Opfergruppen inne (Frauen, LGTBXY, Leute von Farbe etc.) denen ein moralisch hoher Status zugewiesen wird, während potentielle Täter (weiße Männer) per se abgewertet werden, was wiederum Auswirkungen auf deren Rechte haben soll. Klassische Diskriminierung wird hier beibehalten und die Liste der Diskriminierten und Diskriminierenden umgedreht.

Damit einher geht die Moralisierung der Diskurse, vor allem Politik und Wissenschaften. Diese Moralität wird von einer in allen Medien sehr präsenten, in der Bevölkerung aber kleinen Minderheit gepflegt. Sie ist der elendige Rest dessen, was heute noch als ‘Links’ identifiziert wird – vor allem von Rechten. Auf deren Seite wiederum hat sich die Komplementärmoral dazu durchgesetzt, die sich durch diesen Rigorismus angespornt fühlt. Intuitiv erkennen deren Vertreter, dass diese ‘linke’ Ideologie nicht nur inkonsistent und irrational ist, sondern dass man so nicht leben kann. Diese, ihnen verfeindete Moral ist eine aggressive Anleitung zur (Gegen-)Unterdrückung – und zwar der Mehrheit.

Daher kann die Rechte ihren Muff der eigenen Klientel ernsthaft als ‘Freiheit’ verkaufen, obwohl der selbst ebenfalls das Gegenteil bedeutet. Nicht nur dass er, weil er eben reaktionär ist, die Unfreiheit des Kapitalismus zementiert, sondern weil er Hierarchien, übelste patriarchalische Strukturen und alle überwunden geglaubten Übel von Feudalherrschaft bis Faschismus restauriert: Rassismus, Frauenhass und jede Form von Diskriminierung. Dabei darf der Chef jeweils alles und das kleine Arschloch gar nichts – außer es findet eines, das noch unter ihm steht.

Illiberal, kapitalistisch

Der ‘linke’ Rigorismus, der diese rechte Willkürmoral enorm stabilisiert, fühlt sich dadurch wiederum (weil eben dogmatisch) befeuert: Der Kampf muss noch härter geführt werden! Auf der Strecke bleibt zuerst jede rationale Auseinandersetzung. Zumal im Rahmen einer medialen Aufmerksamkeitsökonomie, kommen moderate Töne oder die Frage, wie man sich mit Anderen einigen könnte, nicht zur Geltung.

Völlig unter die Räder gerät eine grundsätzliche Kritik, die eben jener Rationalität bedürfte und die wirklich relevanten Probleme benennt. Der Kapitalismus als solcher gerät in der Folge völlig aus dem Fokus. Die Rechte wollte das noch nie anders und diese ‘Linke’ stimmt dem mehr oder minder schweigend zu. In dieser Konstellation kann sich keine (zumal linke) positive Zukunftsvision entwickeln. Was bleibt, ist alternativlose Dekadenz.

 
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Im Godesberger Programm der SPD wird einleitend zunächst einiges von Atomkraft und Freiheit geschwurbelt, um den “Sozialismus” zu definieren, auf dem das Ganze künftig beruhen soll. Ernsthaft wird dabei die “christliche Ethik” als dessen Basis benannt und nicht lange gefackelt, bis (auf Seite 4) schon eingangs die antikommunistische Mission der SPD formuliert wird:

Zu Unrecht berufen sich die Kommunisten auf sozialistische Traditionen. In Wirklichkeit haben sie das sozialistische Gedankengut verfälscht. Die Sozialisten
wollen Freiheit und Gerechtigkeit verwirklichen, während die Kommunisten die Zerrissenheit der Gesellschaft ausnutzen, um die Diktatur ihrer Partei zu errichten.


Der neue alte Feind

Aha, so ist das also. Klassenkampf adieu, der neue Feind heißt Kommunismus. Schon 1959 musste man sich freilich fragen, wozu man eine christliche und antikommunistische ‘SPD’ brauchte. Das Original war doch bereits seit Gründung der BRD an der Regierung. Und weil das alles so frisch und modern ist, folgen Passagen, in denen ohne Unterlass vom “Volk” die Rede ist, dem deutschen. Man könnte sich sehr intensiv mit diesem irren Text befassen, er ist voller Perlen. Z.B. diese hier:

Nur unabhängige Richter dürfen Kriminalstrafen aussprechen.” Man fragt sich ja generell, wieso in einem politischen Programm Sachverhalte besungen werden, die doch die Verfassung regelt. In Bezug auf die Richter hätte man aber vielleicht etwas zur damals aktuellen Besetzung der Posten sagen können. Unabhängig sollte er sein, der alte Nazirichter, der die Kommunisten in den Bau schickt. Damit das alles demokratisch bleibt.

Raffendes Kapital

So geht das in Einem weiter: Die SPD “Sie bejaht die Landesverteidigung.” Ach was! Nicht, dass man sie noch mit dreckigen Pazifisten … Immerhin, so viel Bekenntnis geht über die Lippe: Angriffskriege wollten sie noch nicht. Dafür ist aber “Stetiger Wirtschaftsaufschwung” ein eigenes Kapitel wert, das irgendwie ökonomisch daherkommt und in letaler Dosis inkompetentes Blabla ausstrahlt, wo früher ein Bezug auf Marx wenigstens die Hoffnung auf einen Sinn genährt hatte.

Stetiger Wirtschaftsaufschwung, das ist das Phantasma der Jünger des Kapitalismus, für die solche Magie eben zum Credo gehört. Wozu braucht man das bzw. wiso heißt das jetzt auch noch “Sozialismus”? Ach ja richtig, weil das Wachstum eingehegt wird: “Wo das Großunternehmen vorherrscht, gibt es keinen freien Wettbewerb.” “Die Bändigung der Macht der Großwirtschaft” ist das Projekt. Ein bisschen Gemeineigentum und Konkurrenz durch irgendwie nicht großwirtschaftliche Unternehmen, dann wird das schon. Großartiges Konzept; wir wissen ja, wie es dann kam und wo man das schon vorher hätte nachlesen können.

Angekommen

Im Kapitel “Unser Weg” gibt es dann den expliziten Abschied von allem, das mal links war. Wunderbar mündet das in den Satz: “Die Sozialdemokratische Partei ist aus einer Partei der Arbeiterklasse zu einer Partei des Volkes geworden.” Die stellt sich dann der “brutalen kommunistischen Herausforderung“. Der Feind steht links. Lustig auch der Titel: “Unser Weg” – Erinnert mich an irgendwas.

Doch, spätestens 1959 konnte man wissen, was zu erwarten war. Das ganze Geschwafel von “Freiheit” und “Gerechtigkeit” war bereits konzeptionell auf die Begleitung der kapitalistischen Eigendynamik abgestellt. Es gab keinen Gegensatz zwischen den Klassen mehr, nur “Großkapital”, auf das man irgendwie aufpassen musste, während die nunmehr völkische Partei den Volksfeind auf der Linken erkannt hatte. Endlich war die SPD angekommen, wo Besatzer, CDU, FDP und Altnazis längst marschiert waren. Dass der Feind nicht bloß die organisierte Arbeiterklasse, sondern die Arbeiterschaft selbst werden würde, haben dennoch nicht viele kommen sehen.

 
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Ein Bekannter, den ich ohnehin nicht leiden kann, sprach mich neulich auf mein Blog an. “Zeig’ mir doch mal einen lustigen Artikel, einen wirklich lustigen! Ich habe nämlich einen Freund, der ist Experte für sowas. Der will sich vielleicht mal mit deinem Zeugs beschäftigen. Der kann dir genau sagen, wie man sowas erfolgreich macht.”

Ich hätte gern mit einer lustigen Szene geantwortet, eine, in der meine Faust in seinem Gesicht Polka tanzt vielleicht. Stattdessen blätterte ich wie gelähmt in meinen Artikeln herum. Ich hatte sie ja ausgedruckt; aber waren das wirklich so wenige? War da nicht so ein witziger gewesen über eine Cornflakes-Packung … oder etwas mit einem Schwimmbad? Ich starrte auf diesen alten mintgrünen Schnellhefter, aber das waren doch uralte Klamotten, dafür interessierte sich doch kein Schwein mehr.

Verfall

Mein Bekannter las hier und da ein paar Brocken und wirkte regelrecht angeekelt, als er auf eine Überschrift deutete: “Was ist das denn hier? Das kann man so nicht machen. Das ist kompletter Müll. Ich wundere mich kein Stück, dass du so erfolglos bist. Und von meinem Freund willst du dir auch nicht helfen lassen, das ist mal wieder typisch für dich. Leute wie du werden es nie zu etwas bringen. Weißt du was du bist? Verschwendete Zeit bist du.“

Mein Hund musste raus. Ich öffnete ihm die Tür zum Garten. Er ging die Treppe hinunter, schiffte vor die Stufen und drehte sich noch einmal zu mir um. Er schüttelte den Kopf und ging durch die Hecke in den Nachbargarten. Ich habe ihn seitdem nicht mehr gesehen.

Das Telefon klingelte. Ich stolperte durch die Schluchten aus gestapeltem Papier; Konzepte und Anfänge von Buchprojekten, die ich allesamt verworfen habe. Als ich endlich das Fon fand, hatte die Gegenseite aufgelegt. Es war aber eine Nummer im Display; ich rief also zurück. Mal wieder mit jemandem reden, war ja auch nicht so falsch. Es meldete sich eine Bandansage:

Showdown

“Sie haben den Anschluss von Bonetti Media gewählt. Aus Gründen, die wir nicht zu vertreten haben, wurde der Kontakt zu Ihnen eingestellt. Bitte rufen Sie nicht mehr an, Ihr Anschluss wird für ohnehin für unser gesamtes Unternehmen gesperrt.”

So weit war es also gekommen, dass nicht einmal mehr die zwielichtigsten Gestalten aus dem Darknet mit mir zu tun haben wollten. Okay. Verstanden. Ich zog die einzig mögliche Konsequenz aus der Sache, schnürte den Bademantel enger, steckte den Hausschlüssel ein und machte mich auf den Weg zum Bäcker – ohne Maske!

 
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Symbolbild

Der Kollege Stefan Rose erinnert heute nicht nur an den von mir schon oft zitierten Satz aus dem Ahlener Programm der CDU, sondern auch an das Erfurter Programm der Sozialdemokraten. Das waren noch Zeiten, als der Kapitalismus kurzfristig wenigstens nette Lippenbekenntnisse zuließ, für die man heute in jeder Talkshow niedergebrüllt würde.

Schon im Gothaer Programm (1875) war der Klassengegensatz zwischen Kapital und Proletariat deutlich hervorgehoben worden und dem Inhalt nach unversöhnlich. Marxens Kritik daran mag aus heutiger Sicht geradezu kleinkariert aussehen, nicht zuletzt auch, weil diese Missverständnisse und geschichtswissenschaftlichen Schwächen gegenüber den Kehrtwenden, welche die Sozialdemokratie danach vollbracht hat, irrelevant erscheinen.

Klasse!

Da folgende Erfurter Programm hat das noch einmal und noch deutlicher bestätigt. Im Görlitzer Programm wird die die Positionierung durch die Ablehnung der “imperialistische[n] Machterweiterung” ergänzt. Aus dem Erfurter Programm wird ausdrücklich der Satz wiederholt: “Sie kämpft nicht für neue Klassenprivilegien und Vorrechte, sondern für die Abschaffung der Klassenherrschaft und der Klassen selbst [...]” Kurz und vereinfacht: Die Sozialdemokratie vertritt in ihren Zielen eine revolutionäre Haltung.

Gleichzeitig führt sie aber unter “Sozialpolitik” und Folgendem reformistische Forderungen an, deren Umsetzung eben den Kapitalismus erfordern, der an der anderen Front abgeschafft werden soll. Hier wird jene Lohnarbeit gestaltet, gegen die sich das ursprüngliche Programm ausdrücklich wendet. Der Weg der Veränderung soll über einen demokratischen Staat führen, in dem die Arbeiterpartei die Macht übernehmen soll. Das alles wird einige Jahre später im Heidelberger Programm noch einmal konkretisiert.

Vom Gegensatz zum Hundeplatz

Die äußerst oberflächliche Analyse der komplexen politischen Strukturen zwischen Ökonomie/Kapital, Staat und politischen Interessen birgt bereits hier die Gefahr, auf das falsche Pferd zu setzen. Der autoritäre Staat war durch das Abdanken des Kaisers und die Existenz eines Parlaments keineswegs außer Kraft gesetzt, und eine sozialdemokratische Regierung würde keineswegs die ‘Macht im Staat’ innehaben. Ironischerweise wurde dieser Fehler aufs Brutalste deutlich, als es Sozialdemokraten waren, die Arbeiteraufstände zusammenschießen ließen.

Dieser unfassbare Verrat offenbarte derweil nicht nur die Schwächen im Programm, sondern gleich auch den generellen Wert solcher Wortsammlungen im Moment der Entscheidung. Den nächsten Schritt in Richtung auf eine reaktionär kapitalistische Partei ging die SPD nach der demokratischen ‘Machtergreifung’ einer anderen Arbeiterpartei. Aus diesem Desaster eines kollabierenden Kapitalismus schloss sie, dass es an der Zeit sei, das Kapital nicht länger als Gegner zu betrachten.

 
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Lustig: Es gibt ein Syndrom namens “Burnout”. Das ist eine Krankheit, die geheilt werden muss. Sie betrifft wohl in erster Linie Berufstätige. Ich habe mir einige der schönsten Symptome herausgesucht (nach den “Stufen” eines Burnout) und versuche mal den Realitätsabgleich.

Stufe eins

Verleugnung eigener Bedürfnisse

Witzig. Im Job, als ob! Der ist doch nur da, um persönliche Bedürfnisse zu befriedigen, oder? Du musst kacken? Vergiss es! Kannst du am Wochenende machen. Durst? Mach’ schnell, dafür wirst du nicht bezahlt. Hunger? Magensäure schäumt über? Ist noch lang bis Mittag. Oder Feierabend. Das ist hier schließlich kein Brunch.

Verdrängung von Misserfolgen und Enttäuschungen

Ach was, die feiert man ab. Das macht sich irre gut bei den nächsten Gehaltsverhandlungen oder bei Konkurrenten, die gern nach unten treten.

Der Widerwille gegen die Arbeit führt dazu, dass nur noch das Nötigste getan wird.

Ähm, ja. Logisch. Und sonst? Ach so: Widerwille gegen die Arbeit ist ein Symptom. Verstehe.

Mitgefühl und Anteilnahme für Andere nimmt ab. Emotionale Kälte und Zynismus entstehen. (Beispiel: Pflegekräfte reden abwertend über Patienten)

Ach hör doch auf! Bloß weil die dritte Nachtschicht mit den 80 Patienten kein Kindergeburtstag war, muss man doch nicht zynisch werden. Was stimmt mit dir nicht?!

Zwo

Schwindender Idealismus

Bei den Zynikern jetzt? Pfui! Steht das nicht im Arbeitsvertrag, dass du uns Haut, Haar und Ideale schuldest?

Herunterfahren des Engagements

aka “Dienst nach Vorschrift? Bei Dalli Dalli wird sowas abgezogen.

Gefühl mangelnder Wertschätzung

Krass! Du Kriegst nen satten Zehner die Stunde, der Chef kennt deinen Namen nach zwei Jahren immer noch nicht und deshalb fängst du an zu jammern? Hör’ auf zu heulen!

Gefühl, ausgebeutet zu werden

Hahaha, in Deutschland! Mann, bist du krank …

emotionale Kälte und Zynismus

Ist hier ein Echo?

Nummer Drei

Gefühl der Ohnmacht

Hej, du bist abhängig beschäftigt. Das ist ne Machtposition. Zeig’ die Krallen, Tiger (aber vorher schön stutzen, ist klar, ne?)!

Schwaches Selbstwertgefühl

Wie jetzt, echt so ohnmächtig? Kann ja nicht.

Pessimismus

Komm, das ist hier das Land der Aufsteiger. Frag’ mal die Großeltern!

Angstzustände

Jetzt übertreibst du’s. Was hat das mit der Arbeit zu tun? Ach so, der Job ist unsicher, die Rente wird höchstens mickrig und die Miete ist schon wieder erhöht worden? Kämpf, Löwe!

Niedergeschlagenheit

Oh, Land der Frühaufsteher. Andere müssen auch früh raus und hart arbeiten®.

Antriebslosigkeit

Dann wundere dich nicht, wenn dir jemand Beine macht. Da kann der Chef ja nu nix für, dass du nicht ins Bett kommst.

Schuldzuweisung nach außen, an Kollegen, Vorgesetzte oder “das System”, Zorn

Siehe “A” wie “Anarchismus” und “arbeitsscheu”. Alles eine Klitsche. Zorn ist ein weiteres dieser sogenannten “Gefühle”. Gehört nicht auf die Arbeit, du Systemkritiker.

Die Vier

Probleme, Entscheidungen zu fällen

Ach, du hast was zu entscheiden? Ja sicher: Schnitzel oder Pute, Überstunden oder Arschloch, Schreien oder Weinen. Ich erinnere mich.

Dienst nach Vorschrift

War da nicht was mit “das Nötigste”? Ist wohl der Dauerbrenner.

Undifferenziertes Schwarz-Weiß-Denken

Gibt es auch differenziertes? Ich hatte ein paar Chefs, bei denen war das ein Feature. Wenn ich mir das leiste, bich ich also psycho? Aha.

An Fümpf

Gleichgültigkeit, Rückzug, Einsamkeit

Am Arsch, die Räuber! Da macht einer nicht mehr mit. Ruf’ mal den RTW!

Sechstens

Schlafstörungen und Albträume

Kommt das nicht auch wegen der ständigen Rhythmuswechsel? Weil ich nicht zum Frühaufstehen geboren bin? Weil jede Nacht mit der Kettensäge im Schädel namens “Wecker” endet?

Muskelverspannungen, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen

Schon mal gesehen, wo ich arbeite, wie ich da sitzen und mich bewegen muss? Die Albträume hat längst meine Physiotherapeutin. Ach ja, und arbeiten bis siebzig, ne? Das muss die Bandscheibe abkönnen.

Erhöhter Blutdruck

Ja nee is klar.

Verdauungsbeschwerden

Siehe oben, in der Mitte und noch weiter oben.

Verstärkter Konsum von Nikotin, Alkohol oder Koffein

Oh ja. In Sozialberufen brennst du schon am dritten Tag bis in Stufe sechs vor. Ohne Drogen macht das keiner länger als zwei Wochen. Dafür sind wir dann die Aussätzigen, denen sie Fotos von ihren Patienten auf die Kippen drucken. Aber hej, doller Applaus damals! Irgendwer ist hier behandlungsbedürftig.

Das siebte Tor der Hölle

Depression / Suizid

Nö, lass ma. Aber das mit den Arbeitsbedingungen, das ist auch wirklich zu teuer. Da kann man nix machen. Bisschen Verschnitt haste immer.

 
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Die wichtigsten Fragen werden nur hier gestellt: Ist Alfred E. Amthor ein Geschöpf der Eliten, um von Corona abzulenken oder ist es umgekehrt? Ist der Korruptionsskandal, aus dem ihn zu retten eine Armada von Mentoren angetreten ist – wie gesagt bis hin zum Meister der Geldkoffer selbst – ein Trick, um davon abzulenken, dass Alfred auch ganz ohne solche Skandale eine nicht hinnehmbare Zumutung wäre? Soll durch ihn und womöglich weitere Bots aus derselben Produktion die Bevölkerung über 80 ausgetauscht werden und ist Corona nur der Anlass oder das Mittel dazu?

Dahinter verschwindet die Tagespolitik in einem Nebel aus Untätigkeit, Geheimniskrämerei und saisonbedingter Verschnarchtheit. Dennoch steigt aus dem Sommerloch eine Schwefelwolke empor: Sie wollen Killerdrohnen. Telezid jetzt aus deutscher Hand – wo kämen wir auch hin, schmiedeten wir nicht solche Optionen. In Fällen bewaffneter Verantwortung zieht es sich doch zu derselben am besten, wenn der Gulasch einem nicht auf die frisch gebügelte Camouflage spritzt.

Auf den Boden kommt es an

Wer ist wie immer mittendrin und nicht bloß dabei? Richtig: Die Spezialdemokraten. Auf dem Grillteller heute: Kontrolle (Lacher vom Band) und – jetzt kocht der Saal – “Therapeuten“. “Die jungen Frauen und Männer“, die den Tod aus dem Bunker steuern, riskierten “für Frieden und Sicherheit ihr Leben“, murmelt es aus den Willy-’erst ins Ausland, dann Krieg‘-Brandt-Haus. Strenge Bedingungen! Denn merke: Wenn man erst einmarschiert und dann Menschen mit Drohnen killt, ist das kein Angriffskrieg mehr, sondern – das steht doch schon da! – “Frieden und Sicherheit“. Zwinkersmiley.

Das wird wieder so eine Entscheidung ‘mit Bauchschmerzen’ gewesen sein. Ich höre das Gerülpse bis hier. So wie der dreißigjährige Krieg in Afghanistan (19 haben wir schon, Ende nicht in Sicht), dem haben sie ja auch erst als zivile Maßnahme zugestimmt. Aber immerhin: Sie kriegen Therapeuten, um die Enttäuschung zu managen, dass Mörder in Uniform ihre Opfer nicht mehr sehen können und nur mehr “ihr Leben riskieren”, weil sich der eine oder andere mangels Endgegner selbst die Kugel gibt. Es ist ja doch humaner geworden.

Gesucht wird gerüchteweise noch das Nachfolgemodell der plumpen Miniflugzeuge mit Sternfeuerung: ein selbststeuernder Minensaugroboter mit Brunnenbohrfunktion, grundgesetzflexibler Verantwortungsausübung und autotherapeutischer Zusatzfunktion. Wer glaubt, damit sei die Verteidigung der Freiheit unserer Handelswege bis zum Kuipergürtel langweilig geworden, soll sich mal auf die andere Seite stellen. Oder – Scherz! – darüber berichten. Nie wieder Dings, äh, Nazikrieg am ersten September, versprochen! Ihre SPD.

 
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Unser autokratischer Stil kommt nicht gut an, wir brauchen mehr davon! In seltener Eintracht haben parteiübergreifend berufspolitische Dilettanten offenbart, was sie von ihrem Geschäft verstehen und von ‘Links’ bis rostschwarz den starken Staat beschworen, weil irgendwo eine vermeidbare Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen und der Polizei eskaliert ist.

Besonders gefiel mir der aktuelle Grüßaugust, ein Ableger der extremen Rechten aus der SPD: “mit aller Härte des Rechtsstaats verfolgt und bestraft werden” müssten die Delinquenten. Man könnte jetzt den nächsten Amtsträger daran erinnern, dass er als Staatsoberhaupt nicht zu eskalieren hat und schon gar nicht in die Souveränität der Justiz einzugreifen. Aber Steinmeier hat es halt gern hart und mit Strafe. Hat da wer “Guantanamo” gesagt?

Ehre, Treue, Härte

Alle sind sie sich einig, die Innenminister sowieso, die Härterestrafen® bei Amtsantritt in den Nacken tätowiert bekommen, die reaktionäre Rechte sowieso, weil sie ihrer verkalkten Klientel immer nur den deutschen Sadomasochismus als ‘Lösung’ aller Probleme angeboten haben. Eskalation tut not, sagt sich auch Grünen-Kretsches Schwarzer Thomas Strobl, der von einer “nie da gewesenen Qualität” schwadroniert und “mit allem, was uns der Rechtsstaat zur Verfügung stellt, diese Randalierer verfolgen und sie zur Rechenschaft ziehen” will.

“Lebenslänglich! Todesstrafe!” möchte man da assistieren. Für immer wegsperren, Fall erledigt! Das ist das Niveau, das da bedient wird von Hinz bis Kunz. Ich habe von keinem dieser Rechtsstaatsexperten auch nur eine Frage danach gehört, was eigentlich passiert ist. Eine offenbar höchst komplexe Situation von erheblicher Eigendynamik, unter Beteiligung von Personen aus unterschiedlichsten Milieus und Altersgruppen, die sich eher zufällig an demselben Ort aufhielten. Von denen wiederum wurden einige wenige festgenommen.

Die sind jetzt aber alle Randalierer, die randalieren, weil sie randalieren wollen. Weil sie böse sind und keinen Respekt haben. Den müssen sie jetzt lernen, nämlich durch harte Strafen. Es grüßt das Murmeltier und fragt gähnend: Sind die so blöd oder tun sie nur so? Die Situation wäre demnach durch einen Mangel strafrechtlicher Konsequenzen entstanden, ja? Und wenn man jetzt ein paar Schauprozesse den jeweiligen Höchststrafen entgegen beugt, wird etwas besser?

Wir sind dann mal weg

Westliche Rechtsstaaten verlieren gerade ihre Jugend und die Abgehängten. Ein Mix aus Hoffnungslosigkeit, einem Gefühl der Nutzlosigkeit und dem Nachhaltigen Eindruck, weder ernst- noch wahrgenommen zu werden, mag sich da entladen. Es mag auch mit naivem Gerechtigkeitsgefühl zu tun haben. Der Eine bringt ganz legal seine Sklaven durch unwürdige Arbeitsbedingungen um und wird damit obszön reich, der Andere kriegt auf die Mütze, weil er einen Joint raucht. Und der Mann mit dem Geldkoffer meint, er müsse seine schützende Hand über einen korrupten parfümierten Schnösel halten.

Das sind so ein paar Splitter aus dem Staat, dessen Autorität respektiert werden soll – von Menschen, die aktuell sehr viel Disziplin investieren, um trotz völlig widersprüchlicher Ansagen bezüglich Pandemie denen zu folgen, die es nicht für nötig erachten, ihre Entscheidungen transparent zu machen. Da ist keine Autorität. Da ist bloß autoritäres Gehabe, und das geht gerade mächtig nach hinten los.

p.s.: Das offenbar eskalierende Verhalten der Poizei wird zum Ausmaß beigetragen haben; zu den Ursachen eher nicht.

p.p.s./Update: Hier noch ein paar Fakten zu den schlimmsten Unruhen seit dem Hunneneinfall.

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