2005-2013 (alle Beiträge)
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Putin soll befohlen haben …”, Hättehättefahrradkette, Propagandakonjunktiv. Was wollt ihr? Krieg? Ist doch ganz einfach:

Putin hat Massenvernichtungswaffen!

 
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Zu Weihnachten gab es im Hunsrück immer nur Lasagne

Als meine jüngere Tochter sehr klein war, verbrachte sie viel Zeit bei ihrem Opa, der auch RTL hatte. Sie berichtete mir dann gern, was es dort so alles gab und achtete sehr darauf, dass ich “Exkluusiv” nicht mit “Exploosiv” verwechselte. Die “Zeit” recherchiert derweil aktuell über “Vorbilder” – und wird ganz sicher bei Helmut Schmidt landen oder Henry Kissinger oder anderen großen Militärstrategen. In der Hood hier um den (nein, das!) Blog kann ich alles auf einmal haben: Kiezneurotiker, Kiezschreiber, Vorbilder und Asi-TV.

Die beiden sind meine Vorbilder. Warum? Weil sie so obszön sind, und das kommt verdammt gut an bei den Weibern. Ich komme überhaupt nicht an bei den Weibern, nur bei den uralten, und ich sage ja immer: “Was soll ich mit einer Vierzigjährigen?“. Ich verstehe ihn natürlich nur zur Hälfte, höchstens, den ganzen Buzz, finde auch nicht raus, wo da die Ironie wie ein schwarzer Rabe angaloppiert kommt und sein Raubtiergebiss zeigt, aber dies und das schon. Zum Beispiel, dass der Exklusiv dem Explosiv quasi vorwirft, er sitze im Glashaus und werfe mit Steinen. Ha, das weiß ich besser, denn der Explosiv sitzt im Glashaus und wirft mit Steinen. Weil er’s kann und das auch noch geil findet.

Selfmade Mediocre

Der Explosiv hat außerdem recht, wenn er sagt: “Exklusiv, das Buch ist scheiße.“. War das nicht der Anlass der Sendung, ein wenig zu zitieren und dezent die Nase zu rümpfen? Wollte er nicht nur mit etwas Trockenbrot und Gammelsalat das vernichtende Urteil in einen Imbiss von Autobahnraststättenformat verzaubern um zu zeigen, dass es ja nur auf der Durchfahrt und überhaupt irrelevant? Auch das Scheitern, von dem Klusiv fragt, wer denn das sage? Zurecht, denn es kann doch noch etwas werden, wir sind ja noch jung!

Andererseits hat der Exklusiv natürlich auch recht, wenn er sich gegen unberechtigte Vorwürfe wehrt. Er sei kein “Sozialhilfeempfänger“. Charlie, übernehmen Sie! Nein, er hat vielmehr “noch nie Miete gezahlt” – und nicht etwa wegen Erbe und Eltern, sondern selbst verdient®. Mehrere Wohneigentümer nennt er sich und weiß so dem Anzugboss Paroli zu laufen. An dieser Stelle befielen mich Visionen von Friedenspfeifen, Sweet Smoke, der vom Idarkopf gemächlich gen Ost-Nordost wabert, bis beide Erfolgsmenschen selig lächelnd in etwas ungeheuer Teures pissen und es aus dem Fenster werfen. Stattdessen klirrt der Fehdehandschuh durchs Gewächshaus und es schallt: “Power-Point-Penner aus dem Trump Tower irgendwo in Arschfotzenhausen“.

Owowow, da kriegt der Rantingking aber mächtig was auf die Hasskappe! Der Pseudo, der sich zu schade ist, viertklassige Literatur unter seinem Klarnamen zu veröffentlichen; Feigling, friss das! Sie sehen also, liebe Zuschauer, wie ich mich auf die Seite des Plosiv zu schlagen scheine, obwohl der Klusiv völlig im Recht ist und nur, so will es weiterhin scheinen, weil mir dessen stilistischer Schlaganfall auch eher das Mütterliche in die Brust treibt. Nur ganz unterschwellig und in zwei Halbsätzen deute ich an, dass ich mich als Loser in meiner Ehre gleich doppelt gekränkt fühle durch diese “Mein Haus, mein Auto, mein Blog“-Attitüde zweier offenbar noch adoleszenter Mittelschichtsopfer, die hie vergaßen und da nie eine Ahnung davon hatten, dass man sich das Prädikat “gescheitert” verdienen muss. Ins Bett, ohne Essen!

 
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Auf dem 33c3 hat Joscha einen Vortrag gehalten, den ich nicht hätte live hören mögen, denn er war derart zu schnell, dass ich ihm im Leben nicht hätte folgen können; aber dazu gibt es ja die Videos. Ganz interessant das, aber ich möchte hier nur auf einen Satz eingehen, den er am Rande gesagt hat, bzw. auf dessen Inhalt. Demnach ist bei Nerds die “Belief Assimilation somewhat broken“. Das heißt, dass Menschen wie er nicht spontan/”empathisch” einer Regel folgen können, die etwas als ‘gut’ festlegt, sondern es hinterfragen müssen und rationale Argumente brauchen, um sie zu akzeptieren.

Ich habe tatsächlich noch nie darüber nachgedacht, ob es sich dabei um eine Art ‘Störung’ des menschlichen Sozialverhaltens handeln könnte. Bislang fehlte mir die Phantasie für die Annahme einer Art intuitiver Akzeptanz sozialer Standards, dass es also normal ist, zu tun, was alle tun und nach sozialem Status zu streben. Ich hielt es vielmehr für eine Selbstverständlichkeit, dass Menschen fähig sind zu hinterfragen, was von ihnen verlangt wird und dass es quasi Bequemlichkeit sei, wenn sie es nicht tun. Was aber, wenn es sich tatsächlich völlig anders verhält?

Homo homini ovis

Das hieße nicht nur, dass wir Jahrhunderte ethischer Forderungen und Modelle in die Tonne schmeißen können. Es hieße, dass die Konstruktion des bürgerlichen Subjekts von vorn bis hinten eine Illusion ist und dieses nur durch seine irrationalen Bestrebungen an die Ordnung gebunden ist. Am schlimmsten aber wäre die Erkenntnis, dass Aufklärung zwangsläufig scheitern muss, weil Menschen, die bei Entscheidungen mit sozialen Konsequenzen nicht bloß ihren Instinkten folgen, immer in der Minderheit sind. Die Fähigkeit, sich gegen soziale Konventionen zu stellen, wäre eine Art Autismus. Normal ist die unreflektierte Reproduktion der Normen, nicht die kritische Rekonstruktion.

Bis hierher gibt es zwar genug zu denken, aber ich möchte bei der Gelegenheit noch auf die Folgen der sich auflösenden sozialen Kontrolle eingehen. Während gleichzeitig alles getan wird, um Menschen zu überwachen und neuerdings ‘Meinung’ durch Zwang zu normieren, zerfällt die soziale Orientierung. Was erlaubt oder verboten ist, hängt zunehmend von der Klassenzugehörigkeit ab und was wahr oder falsch ist, vom Tagesgeschäft der herrschenden Medien. Thatchers Sinnspruch “There is no such thing like society” wird wahr, weil es keine verbindenden Normen mehr gibt. Stattdessen wird unter der steten Behauptung einer Gleichheit die Ungleichheit zum allgegenwärtigen Dogma. “Füge dich der Ungleichheit, sorge selbst für Ungleichheit und beharre auf Gleichheit” ist die oberste Direktive – die gelebte Psychose.

Es sind damit die Angepassten, die zur Soziopathie gezwungen werden, weil ihr Status und das, was sie dafür tun müssen von dem Gedanken an Gesellschaft völlig abgekoppelt wird. Eine Norm, eine Moral, eine Regel, die nur für einen Einzelnen gilt, ist keine mehr. Eine Gesellschaft, die sich ausdrücklich selbst abschafft, kann das Bedürfnis(!) nach Anpassung nicht mehr befriedigen. Die Mehrheit der Menschen sehnt sich nach Anpassung, findet aber nichts mehr, an das sie sich anpassen kann. Ich bezweifle allerdings, dass sie sich aus dieser Verzweiflung heraus endlich der Rekonstruktion ihrer Gesellschaft widmet.

 
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Ich habe bei Fefe heute eine Argumentation gefunden, die ich inspirierend finde und die sich mit einem Gedanken überschneidet, der mir neulich kam zur ‘Toleranz’ der Rechten. Aber ich muss erst einmal ausholen:
Dass die Rechten es leichter haben, weil sie im Zweifel einfach nicht differenzieren und bei ihnen das Ergebnis, sprich Weltbild bereits feststeht, hatten wir schon. Eine gewisse ‘Linke’ holt da ganz gut auf, was das Weltbild anbetrifft, ist aber exakt so intolerant wie Fefe das skizziert.

Das ist bereits durch die jeweiligen Weltbilder bedingt. Was sich Antirassisten, Feministen und Ähnliche gezimmert haben, ist eine unterdrückerische Rechthaberei, die jeden Buchstaben bestimmen will, der richtig oder falsch sei. Ein Ziel, eine Vorstellung davon, wie die Welt aussehen soll, die sie damit begründen, gibt es hingegen nicht. Kein Wunder, denn positive Utopien scheitern sehr schnell an Analyse und Kritik, und aus der Bürokratie der Besserwisseria lässt sich auch eher eine Dystopie ableiten.

Ein Prosit …

Die Rechten sind eigentlich Alltagsmenschen. Sie glauben an alles: An Gott, Familie, Nation, Autorität, Rasse, Kultur. Alles ist gut, wenn es so ist wie es ist, wie es sein soll und – wie es die Werbung zeigt. Sie wollen ein Abziehbild leben, den totalen Kitsch als Realität. Damit sind sie vollkommen unpolitisch und nehmen eine recht universelle Haltung ein; denn wer hätte niemals solche Träume? Ihre ‘Utopie’ ist umfassend anschlussfähig. Jeder kann ihnen zustimmen, ja, sie sind sogar nicht einmal böse zu Fremden. Dazu muss erst ein Heinrich Himmler kommen, um unterschiedslos alle Juden zu verdammen, und der kommt gemeinhin nicht.

Der Fremde stört das Idyll und taugt daher im Zweifel immer wieder zum Sündenbock, aber im Grunde hat der Rassist gar nichts gegen Neger. Wenn er sagt: “Ich habe nichts gegen Ausländer, aber …”, dann meint er das nicht nur so; in seiner Welt stimmt das auch. Die Linken wiederum stören nicht bloß das Idyll, sie wollen es mit ungenießbarem Essen und anderen bizarren Zwängen kaputt machen. Die allermeisten Menschen, die ich kenne, haben nicht das intellektuelle Rüstzeug, um dem etwas überzeugendes Politisches entgegen zu setzen und scheitern episch beim Versuch, der rechten Romantik mit einem alternativen Weltbild beizukommen. Ich setze noch einen drauf: Die rechte Lagerfeuerromantik ist mir spontan um Längen sympathischer als die Vorstellung eines von ‘linken’ Tugenden geprägten Alltags.

Das soll Spaß machen?

Die Welt des Werbefernsehens ihrerseits unterscheidet sich von der Kommunikation der Berufspolitik ebenfalls nur durch die Bilder. Hier Sonnenschein, Glück und trautes Heim, da Sachzwänge, Alternativlosigkeit, hässliche alte Lallbacken und peinlichste Lügen. Die Werbung lügt schön, die Politik hässlich. Beides ist darauf angewiesen, dass niemand genauer hinschaut, prüft und sich die Zeit nimmt, die Wahrheit zu suchen. Die Rechte ist unkritisch, aber nicht bedürfnislos. Sie wollen schöne Lügen und wenden sich deshalb denen zu, die ihnen das Schöne versprechen. Sie geben sich nicht mit jeder Qualität von Lügen zufrieden, aber die triste Wahrheit muss es auch nicht sein. “Alternative” heißt für sie eben “nicht alternativlos”.

Die neoliberale Berufspolitik dreht uns eine Lüge als Realität an. Was ist die Alternative? Dass wir uns alle tagein tagaus disziplinieren müssen, um die Welt zu ändern – vegan, geschlechtslos und unter einem zwanghaften Schamgefühl, sollte man einer Mehrheit angehören? Oder, da kommen wir meiner Fraktion nahe, in der Geduld eines politischen Buddhisten, der weiß, dass es wahrscheinlich noch Generationen dauert, bis sich etwas substanziell ändert? Letzteres führt immerhin zu wirklicher Toleranz. Wenn du weißt, dass du es nicht zwingen kannst, erkennst du den Versuch als Fehler.

Toleranz bedeutet keineswegs, jede Meinung gutzuheißen, und das wird man bei den Rechten sehr schnell erfahren, wenn es zum Argument kommt. Gemeinhin ist ihnen aber ohnehin lieber, man streitet sich erst gar nicht. Ganz außen oder ganz unten in der IQ-Skala ändert sich das, ja, aber (nicht nur) bei den Nazis sind die Doofen eben gern am lautesten. Da ist das links anders, und wir streiten hier (auch wenn das gern Grabenkämpfe sind) um das, was möglich ist. Wenn es uns aber nicht gelingt, das Mögliche mit einem Ziel zu verbinden, das für jedermann attraktiv ist und uns auch mit denen zu vertragen, die anders denken, wird uns jede noch so blöde Kitschgeschichte der Rechten den Wind aus den Segeln nehmen.

 
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In einem Vortrag auf dem 33C3 (hier eine Zusammenfassung) werden die Kollateralschäden des Drohnenkrieges dargelegt, und zwar nicht nur die, dass ständig mehr Unbeteiligte getroffen werden, sondern die Auswirkungen auf Kriegsführung generell. Das betrifft ebenso die politische Ebene, sprich: Propaganda, wie die militärische.

Politisch, das bringt der Vortrag auf den Punkt, müssen Meuchelmord und Serienmord sprachlich verschleiert werden. Ich möchte an dieser Stelle nicht näher auf Framing und Zwiesprech eingehen, aber mir selbst fiel eben beim Verfassen des Artikels auf, dass ich beinahe von “unschuldigen” Opfern gesprochen hätte, den ermordeten “Kollateralschäden” – als seien die “Ziele” der Morde schuldig. Im Sinne eines Rechtsstaats ist nicht nur niemand schuldig, der kein ordentliches Gerichtsverfahren hatte, in dem er sich hätte verteidigen können. Es wird hier auch noch eine Todesstrafe in Abwesenheit verhängt über alle, die sich in dessen Nähe aufhalten. Diese Barbarei heißt so, weil sie in vorzivilisatorische Zustände zurückfällt.

Ein bisschen Krieg

Militärisch sind solche Programme desaströs, weil sie die Schwelle des Krieges so weit herabsetzen, dass der zu einer Frage der Laune des ‘Commander in Chief’ wird – oder wer auch immer den Daumen senken darf. Entsprechend wird hier auch entweder gar nicht von Krieg gesprochen oder dieser abstrahiert (“Krieg gegen den Terror”). Es gibt demnach gar keinen Gegner, sondern nur mehr ‘etwas’, das bekämpft wird. Dieses Etwas entspricht auf jeder Ebene dem ‘Bösen’ selbst wie die mittelalterliche Vorstellung vom Teufel. Der Unterschied, auch hier ein Rückfall in die Barbarei, ist dass selbst die Besessenen, Ketzer und Hexen des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit ein Gerichtsverfahren durchliefen. Die Gegenaufklärung verzichtet darauf.

Da der Drohnenkrieg sich also der aufklärerischen Errungenschaft eines modernen Rechtssystems entledigt, kann hier sprichwörtlich jeder machen, was er will. Es sind ja nur ‘Maßnahmen’, die daheim als militärisch verbrämt werden, damit sie nicht dem Strafrecht unterliegen, das Verdächtige als Unschuldige bis zum Beweis des Gegenteils behandelt, und auf fremdem Territorium als eine Art Strafvollstreckung gelten. Es ist absehbar, dass dieses Vorgehen in Konflikte führt, die als kriegerisch betrachtet werden. Wo die Interessen von Atommächten davon betroffen sind, ist dieses Spiel geeignet, der Schöpfung die Krone vom Kopf zu blasen.

Besuchen Sie Europa …

Ein politisches Korrektiv ist nicht in Sicht, ganz im Gegenteil. Ergänzt wird dieses Szenario durch eine schlicht infantile Haltung der Verantwortlichen in Europa, vor allem in Deutschland. Der Staat, dessen Exekutive in den vergangen Jahrzehnten für Dutzende Angriffsriege, willkürliche Morde, Folterung und den sehr gründlichen Abschied von einer aufgeklärten Rechtsauflassung verantwortlich ist, wird durchgängig als “Freund” apostrophiert. Dumm genug, dass ein Staat kein Freund sein kann und auch “Freundschaft” zwischen den Vertretern von Staaten bestenfalls irrelevant, wo nicht unmöglich ist, besteht in diesem kindlichen Konstrukt eines Verhältnisses die Unterwerfung des Grundschülers unter den Schulbully.

Wenn er befiehlt, marschieren wir. Seine Feinde sind unsere Feinde. Sein Urteil wird niemals in Zweifel gezogen. Was gestern noch galt, ist morgen hinfällig, wenn es ihm einfällt. Sein Kampf ist unser Kampf, sein Wohl ist unseres. Das ist kein Denken mehr, das ist blinder Gehorsam. Nun wird unser ‘Freund’ aktuell aber von innen angegriffen. Das Establishment, das bislang die Hierarchie angeführt hat, wurde ausgetrickst, und ein Unbefugter hat den Platz des ‘Freundes’ eingenommen. Da es bislang eben kein Denken gibt, kein Mittel der Kritik, mit dem sich die Beziehung zu den USA im Narrativ beschreiben ließe, herrscht Hilflosigkeit. Selbst das Feindbild Russland/Putin kommt damit ins Wanken.

Letzteres ist der einzige Lichtblick des Ganzen, denn die verbale Aufrüstung gegen die tödliche Atommacht hat bereits die Dimension einer konkreten Kriegsvorbereitung angenommen. Wenn man weiß, dass die transatlantischen Pläne im Kalten Krieg teils vorsahen, ganz Europa zu opfern, um den Sieg des Freien Westens® zu erringen, sollte man Angst haben. Fürwahr, wir leben in interessanten Zeiten.

 
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Januar: Donald Trump wird vereidigt und tritt sein Amt an. In der darauf folgenden Nacht erleidet er einen tödlichen Herzinfarkt. “Der Spiegel” beschuldigt Vladimir Putin des politischen Mordes und fordert offen den Krieg gegen Russland. Andere Medien schließen sich dem zunächst an. Auf eine Demonstration von 100.000 begeisterten Atlantikern folgt eine weitere von Putinverstehern. Die Veranstalter sprechen von zwei Millionen Kriegsgegnern, die Tagesschau nennt “mehrere Tausend”. Bundeskanzlerin Merkel versucht, “eine gemeinsame Lösung zu finden“. US-Präsident Pence erklärt den Austritt der USA aus der NATO.

Februar: Frank-Walter Steinmeier wird neuer Bundespräsident. In seiner Aufsehen erregenden Antrittsrede erklärt er nicht nur den Islam für einen Teil Deutschlands, sondern lässt auch durchblicken, dass er das Bundessicherheitserhöhungsgesetz (BSEG) in seiner vorliegenden Fassung nicht ausfertigen werde. Darin wird nicht nur der Abschuss von Verkehrsmitteln durch die Bundeswehr in Gefahrensituationen geregelt, sondern auch das Erstürmen privater Wohnungen durch die Feldjäger. “Bild” spekuliert über “private Probleme” Steinmeiers.

März: Die Wahrheitskommission des Abwehrzentrums gegen Falschmeldungen hat ihre Arbeit aufgenommen und begonnen, die Meldungen des vergangenen Aprils zu prüfen. Bis zur endgültigen Entscheidung über den Wahrheitsgehalt dürfen Meldungen nicht mehr veröffentlicht werden, es sei denn von zertifizierten Meldungsstellen. Zuwiderhandlungen werden strafrechtlich verfolgt. Die CSU hat bereits härtere Strafen gefordert. Die Regierungskoalition aus CDU/CSU, SPD und Grünen verhandelt noch darüber, ob mündliche Meldungen in kleinerem Kreise ebenfalls unter das FMAG (Falschmeldungsabwehrgesetz) fallen. Die Facebook-Aktien gaben dramatisch nach; Twitter hat bereits Insolvenz angemeldet.

April: In einem Kompromiss einigt sich die Koalition auf die weitere Aufnahme von gechipten Flüchtlingen. Einwanderer aus Krisenregionen erhalten Zugang zu unserem Vaterland, wenn sie sich elektronisch markieren lassen. “Das ist absolut zumutbar“, erklärt Cem Özdemir, der den Vorschlag des Innenministeriums begrüßte, “zumal das Material der elektronischen Begrüßungseinheit aus nachhaltigen Rohstoffen hergestellt wird.“. Der Chip enthält Informationen über die Physiologie sowie politische und religiöse Einstellungen von Einwandere_*en. Streit gibt es nur über die Erfassung des Geschlechts. Die Grünen lehnen dies als diskriminierend ab.

Mai: Das Wachstumsbeschleunigungsarbeitsplatzgesetz setzt die Vorschläge der Industrie zu einer Flexibilisierung der Arbeitszeiten um. SPD-Chef Gabriel lobt die dadurch steigenden Löhne: “Da können sich die Arbeitnehmer mal einen vollen Schluck aus der Pulle gönnen. Zehn Prozent Lohnsteigerung hat es seit der Nachkriegszeit nicht mehr gegeben.” Die bevorstehende Einführung der 55,5-Stunden-Woche mache Deutschland wieder wettbewerbsfähig.
Der Bundeshaushalt investiert Steuerüberschüsse und kauft alle griechischen Inseln.

Juni: Nach dem Rückritt Frank-Walter Steinmeiers, bei dem Kinderpornographie gefunden wird, einigt sich die Deutschlandkoalition, der sich in den Zeiten der Krise auch die “Linke” angeschlossen hat, schnell auf einen neuen Kandidaten. Günter Jauch kann schon eine Woche später ins Schloss Bellevue einziehen. Seine beliebte Sendung “Wer wird Millionär?” führt er fort, da diese “eine wichtige Stütze des Inneren Friedens darstellt“, wie die Kanzlerin betont.

Juli: Bei der Gemeindewahl in Suppenstedt-Heimersiel müssen die Stimmen neu ausgezählt werden. Hier ist die Vaterländische Front auf nur 60% gekommen, was sogleich Verdacht erregt. Schnell stellt sich heraus, dass russische Hacker die Wahlen manipuliert haben. Die Neuwahl wird im Oktober unter strengster Aufsicht der Wahrheitskommission wiederholt werden.
Es wird mit Temperaturen von 45° ein heißer Sommer, den die Wahrheitskommission für das Resultat von Sonneneruptionen erklärt. Jörg Kachelmann leistet bei seiner Festnahme gewaltsamen Widerstand und kann nur durch einen sich lösenden Schuss unter Kontrolle gebracht werden.

August: Auslandseinsätze der Bundeswehr sollen künftig auf weniger bürokratische Hürden stoßen. Die neue Friedensarmee erhält ein umfassendes Mandat zur Sicherung der Grenzen von außerhalb und zur Wahrung der Bundesinteressen auf aktuell fremdbesetztem Gebiet. Insbesondere die Versorgungslage der Bevölkerung soll nicht durch unvernünftige Entscheidungen ausländischer Behörden gefährdet werden. “Fremdwahrheiten, die außerhalb unseres Prüfungsgebietes publiziert werden, können wir nicht einfach hinnehmen, wenn sie zu falschen Entscheidungen führen“, so der Minister des Globalen Inneren, Thomas de Maizière.

September: Angela Merkel wird wiedergewählt. Da ihre schon vor der Wahl geschmiedete Koalition “Die Vaterländische” in allen Gremien der Republik auf mindestens 75% der Mandate kommt, kann sie auf eine Ernennung auf Lebenszeit hoffen. Hinter ihr steht eine ganze Nation – Politik, Industrie, Gewerkschaften und Kirchen. Deutschland war lange nicht mehr so geeint und so stolz. Bundespräsident Jauch schlägt vor, die Kanzlerin auch zur Präsidentin zu küren und unverzüglich die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Oktober: Ein Bataillon russischer Fallschirmjäger landet in Suppenstedt-Heimersiel und beschlagnahmt die Wahlurne. Als Entschädigung bringen die Kosaken einen Hektoliter ihres besten Wodkas mit. Suppenstedt-Heimersiel erklärt sich noch in der Wahlnacht für unabhängig, um sich tags darauf der Russischen Föderation anzuschließen. “Geht doch“, kommentiert Machthaber Putin. Deutsche Politiker zeigen sich empört. “Ich kann in zwei Stunden auch in eurer hässlichen Waschmaschine am Spreebogen sitzen“, droht der Potentat. Die Bundeskanzlerin bemüht sich um eine “diplomatische Lösung“.

November: Ein Anschlag auf Deutschland an einem geheim gehaltenen Ort wird auf frischer Tat vereitelt. Am Tatort findet man den Ausweis des mutmaßlichen Täters, seine Geburtsurkunde, Kreditkarten, zwei Mobiltelefone, den Impfpass, eine Speichelprobe, seinen Briefkasten mit der Korrespondenz des vergangenen Jahres, Kontoauszüge und ein zehnbändiges Tagebuch. Bei der Auswertung der Fundstücke gehen die meisten Informationen durch spontane Selbstentzündung verloren. Dasselbe gilt für den Täter, der aber anhand der mitgeführten zahnärztlichen Unterlagen identifiziert werden kann.

Dezember: Die Wahrheitskommission entscheidet, Wahrheit® völlig neu zu organisieren und delegiert das Management an die Bertelsmann-Stiftung. Vom Springer-Verlag organisierte “Volksproteste” werden teils von Truppen des Bundesdienstes McKinsey-Berger niedergeschlagen, zeitigen aber dennoch Erfolg. Springer wird das Management der Volkswahrheit® zugesprochen, das Wahrheit® ergänzen soll. Thomas de Maizière wechselt zu Bertelsmann, bei Springer übernimmt Thilo Sarrazin den Vorsitz. Am Silvesterabend beendet eine weltweite Zombieapokalypse den ganzen Scheiß und es wird endlich wieder einmal ordentlich gefeiert. Selbst Deutsche tanzen sich an und haben Sex. Es ist das Ende der Welt.

 


Ich streite mich schon den ganzen Tag. Etwas von damals® muss es wohl sein, das hinter mir her ist und meinen Tinnitus überlagert: “Los, schreib’ was, ich will was anderes lesen als das Bullshitbingo.” Ich2 so: “Leck mich, ich bin krank!” Ich1, von dem Ich2 sich fragt, wie es eigentlich dazu kommt, dass es sich diesen Vorrang anmaßt, näselt dazu nur: “Ach kraank, wie süüß! Haben wir Männerschnupfen?!” Tatsächlich war ich drei Jahre nicht krank. So lange meine Liebste noch lebte und meiner bedurfte, habe ich das aufgeschoben.

Na jedenfalls hat Ich2 sich dann zwischen die Hunde auf die Couch gelegt, wie demonstrativ, und schlief ein Ründchen. Kaum erwacht, wurde es wieder bedrängt, und weil es den 1000-seitigen Schmöker, in den es eigentlich allmählich einmal eintauchen will, als zu schwer befand (davon kriegt es Rücken, Herrgott!), wurde es ins Archiv geschickt. Feyne Texte fand es dort aus den Anfangsjahren, richtige politische. Es kommen gar Parteien und Personen des Talkshowbiz darin vor, das kann man sich heute kaum mehr vorstellen. Inspiration ist dennoch etwas anderes.

Ichkannichmehr

Die Blockade war nicht zuletzt ausgelöst worden durch ein anfangs heiseres, dann schallendes Lachen, das in jenen Husten überging, der von außen nach Natodraht an betontrockenen Bronchien klingt und einen reflexhaft rückwärts hüpfen lässt, um dem zu erwartenden blutigen Auswurf zu entgehen, der sicherlich bald wie eine Strombolianische Eruption über die Umstehenden niedergehen würde. Doch ist es nur der Klang, der quasi postfaktisch einen deutlich hoffnungsvolleren Krankheitsverlauf begleitet und ihm diesen Schrecken verleiht.

Das Lachen wiederum wurde ausgelöst durch den Ausweis. Ich1 und -2 verlangten unverzüglich eine Statistik über Kriminalfälle außerterroristischer Art, die durch das galante Hinterlassen des Bundespersonalausweises oder vergleichbarer Papiere geklärt werden konnten oder die Fahndung wenigstens erheblich vereinfachten. Ach was, wir kennen das Resultat! Terrorist, so schlossen sie, muss ein Lehrberuf sein, zu dessen unverzichtbaren Grundqualifikationen das Hinterlassen eines Papiers gehört, und zwar unübersehbar, aber doch so, dass es einwzo Tage dauert, bis es gefunden wird. Ganz große Magie, davon verstehen Sie nichts, folgen Sie einfach den Anweisungen der Sicherheitskräfte!

Jetzt habe ich es doch wieder erwähnt, wenn auch implizit. Ich wollte das nicht, ehrlich, aber mein Zustand! Halt, lasst mich erklären, ihr macht einen Fehler!

 

Mein Hund sitzt vor mir und sieht, wie ich auf den Tisch klopfe. Dann rennt er zur Tür und schaut nach, wer da kommt.

NRW-Polizei sichert Weihnachtsmärkte mit Maschinenpistolen

 

 
bg

Einmal über die Dörfer heute. Ich kenne wen, der wen kennt, der mir eine “Büroleitung” bei der Schülerhilfe womöglich anzudienen gedachte. Die Aufgabe besteht darin, die Nachhilfetätigkeit, Termine, Kommunikation nach innen und außen zu koordinieren. Dafür gibt es einen Haufen Kohle, nämlich als Minijob (ggf. auch etwas mehr), jedenfalls bei einem Stundenlohn von “neun bis zehn Euro”. Dafür darfst du noch sehen, wie du hin und zurück kommst, was bei einer Arbeitszeit von drei Stunden täglich einen relativ hohen Aufwand bedeutet. Der Mindestlohn ist übrigens ab Januar bei 8,84 Euro vorgesehen.

Für das Geld arbeiten viele Reinigungskräfte nicht. Hätte ich mich von Hartz IV abhängig gemacht, müsste ich den Job jetzt antreten. Was mir dabei am meisten auf den Sack ginge, wäre die Tatsache, dass man mich zwingen könnte, einen solchen Job zu machen, weil das genau der Mechanismus ist, mit dem Hartz IV Löhne drückt. Überhaupt ist das wie schon so oft gesagt zumindest einer der Hauptaspekte dieser Sklaverei per Gesetz. Die Mentalität der Willigen, die sich nichts dabei denken, macht es allerdings noch einen Tick ekliger:

Lohn wird überbewertet

Schon mehrfach habe ich dieser Tage gehört, dass Leute solche Jobs machen, weil sie “Zeit haben” oder “sonst nur herumsitzen”. Ob das jetzt stimmt oder nur die Not übertünchen soll, für die sie sich auch noch schämen, sei dahingestellt, aber das ganze System läuft wie geschmiert und stinkt zum Himmel. Ergänzt wird dieses Downcycling ehemals bezahlter Arbeit durch “Helfer”-Ausbildungen wie Pflegehelfer, Erziehungshelfer oder Tagesmutter. Die Steigerung davon sind sogenannte “Ehrenämter”, die man tun darf, wenn man sie sich leisten kann und “Freiwilligendienste”, für die in der Regel ernsthaft erwartet wird, das man noch “Spenderkreise” aufbaut, um die Träger zu finanzieren.

Diese Maschinerie einer perfiden Ausbeutung haben wir bekanntermaßen der SPD zu verdanken, die bis heute stolz darauf ist, der nationalen Wirtschaft Exportweltmeisterschaften in Serie verschafft zu haben. Die SPD, die ihre Arbeiterschaft mit Lohndumping beglückt, die den Faschismus mit Zensur und Überwachung bekämpft, die internationale Solidarität durch Rassentheorien und Abschottung sichert, den Frieden durch Kriege, die die Armut durch Privatisierungen und Deregulierung bekämpft, Europa durch Russenhass stärkt, Menschenrechte mithilfe von Saudi-Arabien und der Türkei durchsetzt und die Freiheit durch eine gesetzliche Festlegung der gültigen Wahrheit® im Strafrecht schützt. Brüder, zur Sonne!

 
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Es ist wahr. Sie sind hier. Überall. Sie sind alle. Hier wird kein Wort Deutsch mehr gesprochen. Spanisch, Französisch, Englisch, Russisch, und das nur auf dem Weg zum Bäcker, der wegen der Unsicherheit, die diese Horden verbreiten, 42 Cent für ein Brötchen nehmen muss, das nur mehr aus politischer Korrektheit „Schrippe“ heißt.

Sie fotographieren alles. Ein kurzfristig leerstehendes Ding, das bald mit einer neuen tollen Geschäftsidee aufwarten wird, wie das mit den bunten Tellern und Tassen nebenan. Türen. Rinnsteine. Cafés. Fahrräder. Warum tun sie das? Was hecken sie aus? Wollen sie hier einbrechen?

Der einzige deutsche Satz, den ich höre – nein, das ist kein müder Witz – kommt direkt aus dem gammeligen Schlund der Hölle, Heise-Forum, Mülleimer, Spamfilter: „Armes Deutschland!“. Einer der letzten Einheimischen, dessen Verzweiflung über die Verlotterung der Sitten nach der Umvolkung seiner Stadt sich Bahn bricht.

Umvolkung abgeschlossen

Buschkowsky, wo bist du? Auf dem Weg hierher hörte ich auf einem der zwanzig Radiosender, deren Gedudel man keine drei Minuten aushält, dass du dort eine eigene Sendung hast. Wie nutzlos, sie verstehen dich hier doch gar nicht. Man braucht dich vor Ort, wo du das Schlimmste verhinderst. Oder hätte hätte Fahrradkette nicht verhindert hast.

Sogar eine Synagoge haben sie hier, aber die ist eingesperrt. Panzersperren, Ketten, Bullerei, und zwar nicht, weil der Terrormann sich angemeldet hat, nein, das ist hier offenbar Alltag. Man weiß ja nie, was diese ganzen Ausländer so im Schilde führen. Ich sage euch, es ist schlimmer als in der Bronx. Berlin hat wirklich furchtbare Seiten. Das hier ist “Mitte”. Tiefer kannst du nicht sinken.

Ich werde gleich durch die mit skurrilen Geschäftsangeboten gespickten Häuserschluchten mein Heil im nächsten Stadtteil suchen, aber mir wurde wenig Hoffnung gemacht. Dort sei es deutscher, heißt es, aber was dort noch übrig ist, sei kulturell schon völlig verwahrlost. Man verstehe sie nicht mehr; sie kennten gar den Unterschied von Mann und Weib nicht mehr.

In diesem Sumpf hält man es obendrein für Kultur, die Devotionalien einer der schlimmsten Banden der jüngeren Geschichte auszustellen, einer Rotte sogenannter Panker, die Haschgift spritzend ihre blutige Spur durch die einstige Kunst der Musik zogen und auf ihren Stromguitarren alles dafür taten, das Abendland total kaputt zu machen. Ich muss hier weg!

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