Dezember 2016


 
xy

Quelle: Pixabay

Draußen in der Wildbahn der freidrehenden Verlagsangestellten wäre diese Überschrift nichts Besonderes. Sie ist vollkommen bescheuert, ja, aber das fällt dort schon recht lange niemandem mehr auf. Bemerkenswert, dass an der Filterkuppel journalistischer Adabeis unbemerkt abprallt, wenn die Kundschaft nicht mehr nur anders interpretiert, sondern die vermeintliche Logik rundheraus ablehnt.

Der Betrieb lässt sich nicht von ein paar kleinen Publizisten mit Niveau beinflussen, zu denen ich mich durchaus zähle, das ist mir klar. Unter der Stahlkuppel sind sie immun gegen Kritik, nicht zuletzt weil sie sich einem andauernden Shitstorm ausgesetzt fühlen von Seiten unreflektierter dummer Nörgler, die von dunklen Mächten (Putin) gelenkt werden. Das ist nicht nur dumm oder psychisch zerrüttet, das entspricht auch an der Oberfläche einer messbaren Wirklichkeit.

Alle doof außer wir

Es sind längst Massen, die nicht mehr zuhören und nichts mehr glauben, aber leider keinen Schimmer haben, warum das alles so ist; warum sie die Welt nicht verstehen und die Erklärungen der Gatekeeper als Lügen zurückweisen. Sie haben sehr wohl Ahnungen, ein gewisses Gespür, wenn sie wieder und wieder für blöd verkauft werden, wenn ihnen der nächste Erklärbar aufgebunden wird und die nächste Sau durchs Dorf getrieben. Es fällt halt auf, wenn die Stichwörter sich plötzlich ändern und von ihnen verlangt wird, dass sie gefälligst einzustimmen haben in jedes neue Mantra, weil sie sonst Verschwörungstheoretiker und Putintrolle seien.

Was macht eigentlich Al Kaida? Verschwunden? Den Platz nahm der IS ein. Aus Terroristen werden Rebellen und umgekehrt. Der Krieg gegen den Diktator wird zum Krieg gegen den Terror, wird zum Krieg gegen den Diktator. Islamismus ist böse, es sei denn der aus Saudi-Arabien. Der ist gut, es sei denn, er wird vom IS verbreitet. Aleppo ist schrecklich, Mossul wird befreit. Putin ist ein böser Alleinherrscher, Erdogan unser Partner. Die Guten heißen "Präsident", die bösen "Machthaber". Wie aus dem einen der andere wird - man weiß es nicht.

Verbotene Hohlfrucht

Jetzt haben die Kampagneros "Populisten" entdeckt. Seit Trump sind sie überall, die "(rechten) Populisten". Darunter fallen wieder einmal alle, die nicht dazugehören sollen, aber dasselbe tun wie die anderen. Nicht Demagogie ist das Problem, nur die falsche Demagogie. "Populismus" ist böse, weil die Populisten böse sind. Die neuerliche Kampagne gegen Unbekannt rennt dabei wie immer voll gegen die Wand. Dem Volk wird angekreidet, dass seine Emotionen wahrgenommen werden. "Ihr dürft niemandem zustimmen, der euch zustimmt", ist die Botschaft, ihr habt gefälligst diejenigen zu wählen, die euch komplett ignorieren, denn die sind seriös.

Jetzt erfahren die Menschen also, dass sie Populisten auf den Leim gegangen sind. Schon wieder zu blöd! Überall werden Warnschilder aufgehängt - den dürft ihr nicht wählen, die sind sind gefährlich und das dürft ihr nicht tun! Grandiose Idee. Der Brexit, Trumps Wahlsieg und die Zustimmung zu den Banden von Honks, mit denen das Establishment nicht spielt, sind Trotzreaktionen. Jetzt müssen die vom System Angepissten also nur noch hingucken, wo die Etiketten kleben, und schon werden sie zugreifen. Wer sind da jetzt eigentlich die dümmsten Idioten?

 
wh

Es ist immer dasselbe. Wer nach Meldungen oder Berichten zu dem oben genannten Herrn sucht, wird nur bei den üblichen Verdächtigen fündig: Neues Deutschland, Junge Welt und heute das OXI-Blog. Zuletzt hatte ich in den Kommentaren danach gefragt, ob wer Jeremy Corbyn kennt, und als man den Mann wirklich nicht mehr ignorieren konnte, ließ sich auch die deutsche Verlagspresse dazu herab, seinen Namen zu erwähnen. Selbstverständlich fanden sie den Mann furchtbar, denn seine Positionen waren links von der Linie, an der entlang SPD und Grüne den Stechschritt üben.

Syriza, Podemos, Corbyn, Sanders - wenn welche auch nur altbacken sozialdemokratisch oder vorsichtig sozialistisch daher kommen, werden sie so lange es geht ignoriert, dann diffamiert und schließlich korrumpiert. Am schlimmsten dürften zweifellos solche Bewegungen und Kandidaten sein, die von vornherein versuchen, ihre eigene Macht effektiv zu begrenzen. Mélenchons Ticket ist eine Art imperatives Mandat, hat er sein Programm doch von seinen Unterstützern erarbeiten lassen. Seine Prioritätenliste ist keine der Sachzwänge, nicht seine persönliche und keine einer Parteiagenda, sondern eine derjenigen, die er zu vertreten sich anschickt.

Da war doch was ...

Ja richtig, das hatten wir auch schon, die Trennung von Amt und Mandat, die befristete Wahrnehmung solcher Aufgaben, Gehaltsobergrenzen, Primat der Basis, den ganzen schönen Zierrat, der verhindern sollte, was die Grünen als Musterbeispiel eines schlimmsten Falls inzwischen geworden sind. Es würde sich lohnen, allein anhand der Entwicklung dieser Partei in den 25 Jahren von 1980 bis 2005 das Wirken des Narrativs, der Institutionen und ihrer Anpassungsmechanismen zu erläutern.

Wenn man sich anschaut, wie eine ganze Partei die Perspektive wechselt vom engagierten Bürger hin zum Funktionär, von Pazifisten, die die Abschaffung der NATO auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges forderten, hin zu Bellizisten, die Wirtschaftkriege befürworten; von ökologisch-bäuerlichen Naturschützern zu Förderern einer Umweltindustrie; von Kommunisten und Sozialisten zu dogmatischen Kapitalisten, kommen einem je nach Charakter die Tränen oder die letzten drei Mahlzeiten hoch.

Ich frage mich daher, warum die Hofschranzen der Sozialen Marktwirtschaft® jedesmal so einen Aufriss machen, wenn es der nächste Kandidat versucht oder die nächste Bewegung. Das habt ihr doch noch immer gefressen mit euren Seilschaften und Klubs, dem Zuckerbrot und der Peitsche eurer medialen Machtmaschine. Habt ihr immer noch Angst? Oder wird dieses Ritual aus Gründen des Timings durchlaufen, damit in den Phasen der Ignoranz und der Diffamierung schon mal fleißig Kompromat gesammelt werden kann und gut vernetzte 'Unterstützer' aufgebaut werden? Ich frag' ja nur. Das ist noch keine Theorie!

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