Propaganda: Die Kampagne gegen Russland
Posted by flatter under best of , journalismus[39] Comments
21. Jun 2016 14:58
Immer wieder “Lügenpresse”; wie schön, dass es ein paar Deppen gibt, denen man (im Ansatz zurecht) Naziterminologie und Einfältigkeit vorwerfen kann, dann ist der Vorwurf ja vom Tisch. Gefehlt! Die Techniken der Propaganda lassen sich benennen und massenhaft in den Massenmedien nachweisen. Während man von Boulevard und Springerpresse längst an Propaganda gewöhnt ist, werden dieselben Methoden inzwischen fast überall angewendet.
Das beginnt bei der klassischen Kampagne. Medien schießen sich auf bestimmte Personen oder Gruppen ein, um sie zu fördern oder niederzuschreiben. Beispiele: In Obamas erstem Wahlkampf 2008 hielten sich “Spiegel“, “Zeit” und “Welt” für bemüßigt, Clinton quasi ins Amt zu schreiben. Schon damals glaubte der “Spiegel”, selbst Politik machen zu können; Weltpolitik, versteht sich. Steingart brüstet sich mit gar mit Einflussnahme und sagt auch, wie das geht:
“Der „Spiegel“ hat mit seinen Titelstorys Rot-Grün konsequent aufs Korn genommen, geradezu kampagnenartig.
Ich widerspreche nicht: Wenn Kritik und wiederholte Kritik eine Kampagne ist, dann haben wir eine Kampagne betrieben.”
Kritische Kampagne
Er nennt das, wiederum in Verdrehung des Begriffs, “Kritik”. Eine wiederholt geäußerte Ablehnung in Form einer Parteinahme ist aber nicht “kritisch”, sondern verstößt gegen genau die journalistischen Prinzipien, die genau solche Hanswurste gern für sich in Anspruch nehmen. Ein Beispiel für eine Kampagne, der man nicht entgehen kann, ist die aktuelle gegen Putin, i.e. Russland. Jeder einzelne Vorwurf trifft entweder nicht zu oder wird selektiv gegen Russland gewendet, obwohl er sich gegen Gott und die Welt richten ließe.
Beispiel Doping: Wie gesagt dopt jeder Leistungssportler, Ausnahmen sind äußert rar gesät. In Deutschland gab es dafür eine Spezialabteilung in Freiburg (s. Armin Klümper). Nachdem Birgit Dressel bereits infolge ihres Arzneimittelmissbrauchs gestorben war, hat man diesen Stall nicht etwa dichtgemacht; im Gegenteil waren teils dieselben Ärzte z.B, für das Team Telekom um Jan Ullrich zuständig, einen dieser Rennställe mit den vielen Einzelfällen. Die Uniklinik Freiburg ist übrigens eine staatliche Einrichtung, aber allein der alberne Unterschied zwischen “Staatsdoping” und staatlich gefördertem Doping im kapitalistisch verwerteten Sport ist schon Propaganda.
Beispiel Krieg: Bosnien, Irak, Afghanistan, noch einmal Irak, Libyen, Syrien usf., sind Kriege ‘für Menschenrechte“ – es sei denn Russland “mischt sich in den Bürgerkrieg ein“. Die Anerkennung jugoslawischer Teilrepubliken durch den Westen Anfang der 90er Jahre steht im diametralen Gegensatz zur Verurteilung Russlands wegen des Anschlusses der Krim. Deren Annexion wird ernsthaft als “Überfall” bezeichnet, obwohl jeder wissen kann, dass die Krim vertragsgemäß immer von russischen Truppen ‘besetzt’ war.
Trolle, Doping, Krieg: Diese Russen!
Beispiel Trolle: Es gibt keinen einzigen belegten Fall, in dem russische Trolle irgend ein deutschsprachiges Forum heimgesucht haben, dagegen dutzende, dass sowohl politisch Einfluss durch Parteien und ihre Unterstützer genommen wird, ganz zu schweigen vom Dauerfeuer bezahlter Mietmäuler im Interesse des Kommerzes. Obendrein ist es schon witzig so zu tun, als hätte ‘Putin’ Zauberargumente, mit denen er die hilflose deutsche Öffentlichkeit manipuliert.
Ach ja, die Hacker sind übrigens auch Russen, z.B. die vom IS, siehe dazu auch unten “Verdachtsjournalismus”, dessen primitivste Variante die Wahnphantasie ist: “Putin könnte 2017 einen Atomkrieg starten” ist die endgültig unterste Schublade. Dieser Schwachsinn suggeriert, es gäbe quasi einen Plan, denn nur so kann ja ein Zeitpunkt genannt werden. Der vermeintlich korrekte Inhalt (vermutlich könnte Putin das, aber ich kann auch die Kinder der Nachbarin aufschlitzen) besteht in einer infamen Unterstellung.
Beispiel Hooligans: Es gibt russische Hooligans, erfahren wir, und: Es gibt irgendwen in Russland, der mit irgend einer staatlichen Instanz zu tun hat, den das nicht stört. Schon ist es “Putin”, der dahinter steht. Überhaupt ist die dauernde Personalisierung, die Gleichsetzung Russlands mit Putin, ein Mittel der Propaganda. Personen kann man nämlich mit beliebigen negativen Eigenschaften behängen; bei Völkern wäre das offensichtlich Hetze, deshalb braucht es das personifizierte Böse.
Eines der übelsten Mittel der Propaganda ist Verdachtsjournalismus. Als es noch die Vorstellung gab, Journalismus könne seriös sein, war es ein Tabu, unbelegte Verdachtsmomente auszusprechen. Es war ein Sakrileg, nicht zwischen Vermutung, Verdacht und Tatsache zu unterscheiden. Die denkbar schlimmste Variante ist die, wüste Spekulation als Tatsache zu verkaufen und damit die Forderung nach Konsequenzen zu verbinden. Den absoluten Nullpunkt journalistischer Qualität und die Rückkehr der Hetzpropaganda hat der Spiegel mit seinem Titel vom 28.07.2014 erreicht. Dass die Hinterbliebenen der Opfer des Anschlages, mit denen dort Kasse gemacht wird, nicht gefragt wurden, macht den Braten auch nicht mehr fett,
Tausende Geisterfahrer
Die Reaktion der Redaktion (siehe Link) ist typisch: Unter den Kritikern dieser widerlichen Hetze “waren auch organisiert auftretende, anonyme User, die schon seit Monaten jegliche Kritik an Russland mit einer Flut an Wortmeldungen in den Foren vieler Online-Medien kontern.“, so der “Spiegel”. Propaganda kann man nicht inhaltlich verteidigen. Die Reaktion auf Kritik ist daher folgerichtig das beleidigte Spinnen an Verschwörungstheorien. Da sie nichts falsch machen, kann Kritik nur von Putins Trollen kommen, da sieht man’s wieder!
Die Wortwahl ist nicht minder verräterisch. In den 80er Jahren wurden die Taliban der “Nordallianz” als “gemäßigte Rebellen” bezeichnet, jene Truppen, die später “Terroristen” waren und mit “Al Kaida” verschmolzen. So lange irgendwer auf Seiten der NATO kämpft, gilt er immer als “gemäßigt”, über die anderen werden Horrormärchen wie die Brutkastenlüge oder Scharpings kranker Verbalamok von den gegrillten Föten erzählt. DIe NATO kämpft nur gegen Unmenschen, die unsagbar böse sind. Ganz anders der Russe: Der bombardiert “moderate Oppositionelle“.
Eine Medienlandschaft, die sich längst an ein Neusprech gewöhnt hat, das vor allem wirtschaftliche Hintergründe tendenziös darstellt (so wie es das Lambsdorff-Papier und das Schröder-Blair-Papier ausdrücklich fordern), kann sich vielleicht noch damit herausreden, dass sie in ökonomischen Fragen das Vokabular von neoliberalen Experten gestellt bekommt. Das wäre auch schon traurig, aber in Sachen Poltik, vor allem wenn eindeutig Feindbilder aufgebaut werden, gibt es keine Rechtfertigung mehr. Es gibt nur noch Ausreden wie im Kindergarten, derer sich die Propaganda stets fleißig bedient. Sie erwartet unmündige Gefolgschaft, sonst funktioniert sie nicht. Wer sie kritisiert – gleich ob verblendet oder sachlich – gehört zum Feind und wird entsprechend behandelt.
Juni 21st, 2016 at 15:33
OT: Ich notiere mir hier mal einen schönen Satz zum Soziademokratismus:
“Vor allem die Herstellung fester Wechselkurse und rigide Kapitalverkehrskontrollen – beides Voraussetzungen einer keynesianistischen Politik – sind derzeit derart fernliegend, dass sich die Frage aufdrängt, was momentan utopischer ist, eine Überwindung der kapitalistischen Verhältnisse oder die Bedingungen für ein keynesianistisches Projekt?”
Übrigens ein sehr geiler Text, der Keynesianismus so nahe es geht am Marx heran schiebt.
Juni 21st, 2016 at 15:46
[...] Propaganda: Die Kampagne gegen Russland [...]
Juni 21st, 2016 at 15:57
Drollig, ich hatte eben die Lektüre beendet und wollte auch grad drauf verlinken. Stützle lohnt sich überhaupt meistens.
Was den Beitrag angeht, so ist das fast allgemeine und meist völlig verstiegene Gegeifer als Reaktion auf Steinmeiers milden Vorstoß nur allzu verräterisch.
Juni 21st, 2016 at 16:43
Schön, dass Du die Propaganda nochmal analytisch-ernsthaft aufbereitest! Ich kann mich bei diesem Schwachsinn nicht mehr zusammen reißen und werde zynisch-sarkastisch. Leider vermute ich, gibt es immer noch viel zu viele Menschen da draußen, auf denen diese dummdreiste Meinungsmache gegen Putin/Russland auch wirkt.
Juni 21st, 2016 at 17:28
Hoi flatter!
Dankenswerter Weise gibst Du ja selbst den Hinweis auf Propaganda und “gerichtete Berichterstattung” in der Vergangenheit.
Gab es immer, gibt es, wird es immer geben.
Hier, in Großbritanien, Brasilien, USA, China, Russland…
Der größte Unterschied zu Früher: dank Internet kann man sich breiter informieren. Sich eine eigene Meinung zu bilden ist und bleibt halt Arbeit (auch wenn die BILD anderes verspricht).
In so fern gebe ich Dir durchaus recht; sehe das alles aber gelassener. Wir sind halt noch weit weg vom Paradies in dem sich Politiker, Investoren und Journalisten völlig altruistisch verhalten.
Juni 21st, 2016 at 17:44
Nachdem ich die schlagenden Beispiele des geradezu wütenden verbalen Russlandfeldzuges gelesen habe und selbst welche hinzufügen könnte, erlaube ich mir, gezielt an die ersten drei Kommentatoren gerichtet die Frage zu formulieren (ja, dieser Satz hatte irgendwo mal einen Anfang), also:
Was meint ihr drei, was ist die tiefere Absicht hinterdieser flächendeckend hysterisch gewordenen Anti-Russland-Kapagne?
(ja, natürlich, hier “ersucht” einer um ein paar Sätze mit analytischem Ansatz)
Juni 21st, 2016 at 18:10
Nun gehöre ich zwar nicht zu den Angesprochenen. Aber dennoch:
Das Ziel dürfte die Hoffnung auf einen Regime Change sein.
Wenn Russland wirtschaftlich am Boden ist muss Putin das Handtuch werfen oder wird (vgl Ukraine) davon gejagt. Dann ist es Zeit ein pro US Regime dort zu installieren.
Das Säbelrasseln zählt dazu. Schließlich ist der Zusammenbruch der Sowjetunion in der Logik der US Think Tanks ebenfalls durch das Wett- und somit Totrüsten erst möglich geworden.
Das irgend einer der Beteiligten tatsächlich einen Krieg will halte ich für absurd, schon allein wegen der enormen atomaren Potentiale.
Sekundär Ziel der USA ist wohl zumindest den Europäisch-Russischen Handel zu unterbinden. Dabei waren sie ja schon erfolgreich.
Juni 21st, 2016 at 19:03
@Wolf (7),
ein analytischer Ansatz, der dennoch nicht ganz befriedigt. Es ist nicht so, dass ich diesen erwarte!
Nur schliesst sich für mich die Frage an: Warum einen Regime Change herbeiführen, wenn Russland auch aus westlicher Perspektive ein kapitalistischer Staat geworden ist, also eigentlich ein “Bruderstaat”.
Geht es darum, dort Grossmachtambitionen/Sonderwege zu unterbinden oder/und auch darum, das Land für westliches Kapital besser erschliessen zu können?
Juni 21st, 2016 at 19:30
@Troptard
Im Kapitalismus gibt es keine Brüder sondern Konkurrenten (hübscher gesagt “Mitbewerber”).
Und Russland ist, wie Du selbst anklingen lässt, ein Mitbewerber der seine eigenen Interessen verfolgt. Sowohl als militärische Großmacht / strategisch, wie auch als Marktmacht.
Sicher gibt es da verschiedene Varianten. Die schönste Variante wäre sicher die Russische Politik aus US Sicht mit gestallten zu können. Das schließt ja nicht aus auch von außen gewisse Ambitionen Putins zu unterbinden solange er nicht abzusetzen ist (vgl Sanktionen).
Juni 21st, 2016 at 20:17
Schwedische Regierung vor zehn Tagen: Es gab kein russisches U-Boot vor Schweden: http://blauerbote.com/2016/06/16/schwedische-regierung-gibt-bekannt-angebliches-russisches-u-boot-2014-war-schwedisches-u-boot/ Die deutschen Medien schweigen konsequent zu diesem Dementi.
Juni 21st, 2016 at 20:26
Mein Gott, sind die Russen korrupt!!11!
Juni 21st, 2016 at 20:39
@Bruchmüller (6)
Dazu kann man nur Vermutungen anstellen. Hier würde ich unter anderem folgendes zählen: Erzfeindschaft mit Russland, Energieversorgung Europas (US-Fracking vs. russisches Gas), US-Angst vor einem EU-Russland-Block (also Spalten und einen Keil dazwischen treiben), Snowden in Russland (glaubt jemand, dass das den USA nicht mehr juckt?) und so weiter.
Ich bin mir übrigens nicht so sicher, dass es zu keinem Krieg kommen könnte. Es gibt derzeit viele Konflikte, die sich zu einem Flächenbrand ausweiten können (Syrien, Senkaku-Inseln, Krim etc.). Und wer garantiert uns, dass nicht auf der Seite der NATO, Russlands oder auch China irgendwann jemanden die Nerven durchbrennen oder jemand impulsiv reagiert? Darauf zu vertrauen, die wären alle rational und “vernünftig” halte ich für naiv. Dafür gibt es zuviele Spannungen und Konflikte.
@flatter (11)
Die Camorra hat es immer noch nicht geschafft, den Saviano umzunieten? Der steht doch schon seit Jahren ganz oben auf deren Todesliste. Er hat zu viel Unangenehmes zu berichten. Nicht nur für die Mafia, wie es scheint.
Juni 21st, 2016 at 21:56
Wahrscheinlich und wie meistens in solchen Fällen gibt es je nach Akteur(en) durchaus unterschiedliche Ziele und Absichten, die sich durchaus auch gegenseitig im Wege stehen oder sogar regelrecht ausschließen können. Was wiederum auch in meinen Augen die Gefahr erhöht, dass die Dinge aus dem Ruder laufen und der Krieg in der einen oder anderen Weise tatsächlich ‘heiß’ wird. Die gegenwärtig fragmentierte Lage eines ungewissen Übergangs von einer unipolaren zu einer multipolaren ‘Ordnung’ birgt gegenüber der alten Bipolarität relativ strikt getrennter und ‘wohldefinierter’ Blöcke die durchaus größere Gefahr auch des Einsatzes von Atomwaffen. Und da waren wir ja schon ein paarmal kurz davor…
Von der angeblichen ‘Friedensdividende’ des Endes der Blockkonfrontation ist jedenfalls schon lange nichts mehr zu bemerken, wenn je. Und nicht zuletzt kommt noch erschwerend hinzu, dass sich das gesamte inzwischen durchkapitalisierte Weltsystem in einer tiefen Krise befindet, deren Ende nicht nur nicht absehbar sondern wahrscheinlich gar nicht mehr möglich ist. Der ‘Rettungsversuch’ namens Neoliberalismus hat darüber hinaus noch zu einer nachhaltigen Zerstörung dessen geführt, was sich dem noch widersetzen könnte – dem Bewußtsein der Gesellschaftlichkeit, der positiven Abhängigkeit aller von allen.
Juni 22nd, 2016 at 00:05
*gähn* … alles durchschnittlich einssiebzig …
@flatter
Du hast auch schomma was zum lesen geschrieben, kann das sein?
Juni 22nd, 2016 at 00:46
Immerhin haben einige meine unter (6) platzierte Fragestellung aufgenommen und ihre Gedanken dazu formuliert. Und natürlich habe ich selbst seit Beginn der Russput-Rasputin-Kampagne versucht, hinter deren Absicht zu steigen. Man muss dazu einige Stufen hinab, meine ich. Es geht wohl hauptsächlich darum, von der europäischen Öffentlichkeit unter allen Umständen den Gedanken fern zu halten, welche wirtschaftlichen, auch kulturellen Möglichkeiten sich auftun würden, wenn Europa mit dem riesigen Territorium der russischen Föderation zum gegenseitigen Vorteil (nein, nicht Vorteil, sondern Nutzen) kooperiert. Übrigens erst recht dann, wenn man gedanklich an Utopien bastelt, die ein außer Kontrolle geratendes System einmal von sich selbst lösen und schließlich ablösen könnten.
In diesem wie in einem „Haufen“ anderer linksgerichteter Blogs lese ich seit Jahren Texte, in denen die immer absurder werdenden Entwicklungen und Erscheinungsformen kapitalistischen Wirtschaftens angeprangert werden. An den Pranger gestellt wird das zugehörige Personal, so bezeichnete Eliten, Günstlingsgeflechte aus Lobbyisten- und Diätenadel, Funktionäre ohne Funktion und die Armee der Kriechtiere und Wirbellosen der „Vierten Gewalt“.
Aber leider nicht minder ins komische Fach driftet das linksdrehende Völkchen selbst, das diese Pranger betreibt und sich dabei in Sekten spaltet, angeführt von unbeweglichen Fundamentalajatollahs, die das Wandeln auf dem richtigen Pfad überwachen …wenn sie nicht selbst auf der Suche nach einer neuen Weggabel sind.
Neue Frage: Warum verlässt ein jeder so schnell wie möglich den Zustand der Naivität?
Juni 22nd, 2016 at 09:19
LAST ROUND !!
Wenn der Boxer schwächelt, muss man unbedingt nachsetzen.’
Es ist das Jahr der Lügen.
Die Eliten und Promis lassen sich den Versuch in keinem Kommentar mehr nehmen die ‘alte’ Realität zu verkaufen. Hochrangige Journalisten sind nun gut trainiert darin den Vorwurf ‘Lügenpresse’ als Unsinn wegzuwischen, TV – Morgenmoderatorinnen, Linke-Politiker, B- Schauspieler …., sie alle versuchen ihr ‘altes Reich’ zu erhalten, denn sie sehen wie es bröckelt, sie riechen den Zorn durch die Risse und sie haben Angst, um so verzweifelter lügt man weiter, einfach nur um das Lügengebäude aufrecht zu erhalten. Sehen wir nach Westen ‘Viva la France’
Juni 22nd, 2016 at 09:41
@Bruchmüller: “Warum verlässt …”
Weil Du von Kindesbeinen an merkst, dass Du aus der Gruppe ausgeschlossen wirst, wenn Du eine Utopie hast, also naiv bist. Da ist es nur recht und billig, dass das Wort Utopie nur noch als verunglimpfendes “Utopist” vorkommt. Und die Verbannung aus der Gemeinschaft ist lebensbedrohend. Antiautoritär formuliert hieße das: “Du kannst das schon so machen, aber dann musst mit den Folgen leben.”
Mir fällt dazu die Sage von Ikarus ein, dem die Flügel verbrannt(en)/wurden.
Merkel will mehr Geld fürs Militär
Deutschland muss nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel die Verteidigungsausgaben erheblich erhöhen. Die EU sei heute nicht in der Lage, sich gegen die Bedrohungen von außen zu verteidigen, sagte Merkel am Dienstagabend auf dem Wirtschaftstag der CDU. Deshalb sei nicht nur das transatlantische Bündnis wichtig. “Ganz gewiss heißt dies auch, dass ein Land wie Deutschland, das heute 1,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Verteidigung ausgibt, und die Vereinigten Staaten, die 3,4 Prozent des BIP für Verteidigung ausgeben, sich werden annähern müssen”, mahnte Merkel. “Es wird auf Dauer nicht gut gehen, dass wir sagen, wir hoffen und warten darauf, dass andere für uns die Verteidigungsleistungen tragen.” [..]
Au ja, ich sehe schon Bilder von Rentnern, die Panzergranaten montieren. Diese Art von Wirtschaftsprogramm hatten wir schon mal. Es hielt leider nur 12 Jahre lang. Aber danach gab’s ein “Wirtschaftswunder”.
Juni 22nd, 2016 at 10:56
Weia, der Kopp-Verlag hat mich entdeckt, ich bin jetzt Querfront. ;-) Schönen Dank, ich habe da ein starkes Abgrenzungsbedürfnis. Bemerkenswert viel Traffic generieren die da, hätte ich nicht gedacht.
Juni 22nd, 2016 at 11:11
Heute vor 75 Jahren begann der Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion.
Die Meisten derer, die aus dem Krieg etwas lernen mussten, sind bereits gegangen, ihr moralisches Erbe ist zum größten Teil ausgeschlagen worden … offensichtlich.
Juni 22nd, 2016 at 11:17
@flatter: Wenn die merken, dass wir mit Kapitalismuskritik nicht das Geld der Juden meinen, dann verschwinden die wieder von alleine.
Juni 22nd, 2016 at 11:36
Habe ich erwähnt, dass meine große Tochter ein Flüchtlingskind ist? Ich zerrasse mein Vaterland!!1!
Juni 22nd, 2016 at 11:39
Jetzt noch ein Selfie eines Dunkelhäutigen vor dem Sozialamt, der lächelnd 100 Euro in der Hand hält …
Juni 22nd, 2016 at 11:42
Geile Idee, aber ich nehme lieber einen unserer letzten 500er.
Juni 22nd, 2016 at 11:44
Egal, wichtig wäre nur die Bildunterschrift “Wir lieben Deutschland!”. Wahlweise ginge auch ein zukunftsfrohes “Mein erster Sohn wird Angelo heißen”.
Juni 22nd, 2016 at 12:31
@flatter (18)
Viel nerviger als der mögliche Querfront-Vorwurf (nur weil sie Dich da ungefragt verlinken^^) dürften evtl. die neuen Kommentatoren von dort drüben sein. Das macht deutlich mehr Freude ;-)
Juni 22nd, 2016 at 12:42
@epikur: Sinn- und freudlos. Ich kenne jemanden, der fast nur Bücher von Kopp in seinem Regal hat. Mit diesen Leuten kann man nicht reden, denn sie wissen schon alles.
Juni 22nd, 2016 at 13:11
@R@iner: So einen hab ich als Kollegen. Wenn er nicht gerade irgendwas von Kopp liest, hat eine wissenschaftliche Publikation (P.M.) oder Tatsachenberichte aus glorreichen Zeiten (Landser) am Wickel. Lieh im mal Vonneguts Schlachthof 5 – bekam es (nach 10 Seiten) mit “Was fürn Scheiß!” zurück. So geht das.
Juni 22nd, 2016 at 14:48
Ungeheuerlich-wie unsere USA-gesteuerten “Entscheidungsträger in Politik, Medien und Wirtschaft gegen unseren großen Nachbarn und Handelspartner Russland Stimmung machen.
Hier ein nachdenklicher Beitrag zum unseligen Beginn des zweiten Weltkrieges:
Link gelöscht, ich habe keine Zeit, mir ein Video anzugucken. Steht alles im Manual. Säzzer
Juni 22nd, 2016 at 16:08
@flatter #21
Ich werfe solchen Leutz meistens die Frage hin ab wann es dann die “arische Rasse” gab/gibt und was dann eigentlich davor war. Ich muss mich noch in das Thema weiter einlesen, aber nach Sichtung der Sendung Leschs Kosmos “Konfrontation mit dem Fremden” wo behauptet wird, dass alle bisher untersuchten Männer einen gemeinsamen Vorfahren haben (anhand Mutationen im Y-Chromosom) frage ich mich wie wohl Adi und Gefolgschaft diese anthropologische These (Out-of-Africa-Theorie) mit ihrer Ideologie in Einklang bringen.
Naja gut, die halten eh nicht viel von Wissenschaft, ausser es findet sich mal wieder was (pseudo)wissenschaftliches, was in ihre Ideologie passt. Somit würden sie es vermutlich einfach als Verschwörung der Juden/Nicht-Arier oder ähnliches abtun.
Juni 22nd, 2016 at 17:28
Ich kann mich noch daran erinnern, dass in den 1980er ein R. Reagan, eine M. Thatcher u. ein H. Kohl Osama-bin-Laden fuer einen “Freiheitskaempfer” u. Nelson Mandela fuer einen “Terroristen” hielten.
Juni 22nd, 2016 at 17:45
Gar nicht so OT: Der Chef des französischen Inlandsgeheimdienstes DGSI befürchtet den Bürgerkrieg: “Um Ihnen gegenüber ehrlich zu sein: Ich fürchte hundert Mal mehr die Radikalisierung als den Terrorismus. Was den Terrorismus angeht, so werden wir noch ein paar Schläge einstecken müssen, aber wir werden uns dem zu stellen wissen – wir haben im Laufe unserer Geschichte mit sehr schwerwiegenden Vorfälle Bekanntschaft gemacht -; aber die sich anschleichende Radikalisierung, die die unterliegende Balance unserer Gesellschaft zum Kippen bringt, das ist in meinen Augen die sehr viel tiefgreifendere Gefahr.” (Quelle)
Damit bezieht er sich weniger auf die aktuelle Auseinandersetzung um das Arbeitsrecht als vielmehr auf die auch dieser ‘Reform’ zugrundeliegenden längerfristigen Entwicklungen. Aber natürlich nicht als ‘gesellschaftlichen Befreiungsschlag’, sondern eher als ‘faschistischen Auftakt’: Um es kurz zu machen, Calvar hält folgendes Szenario für wahrscheinlich: eine Reihe von weiteren Terror-Anschlägen durch Dschihadisten, nicht notwendigerweise nur von IS-Fanatikern, auf die eine aufgerüstete Ultrarechte im Land reagiert, unterschiedliche Gruppen, die sich Waffen besorgt haben, zur “Selbstverteidigung” aufrufen und entsprechend loslegen. (aaO) Im übrigen sieht er diese Gefahr nicht nur für Frankreich selbst, sondern im Grunde für das ganze sich polarisierende und in Extremismen rutschende Europa.
Um den Bezug zum Thema herzustellen – es gelingt offenbar keineswegs, die aufgestauten inneren Spannungen auf einen äußeren ‘Feind’ wie eben Rußland abzuleiten. Das Volk folgt den rasselnden Säbeln nicht.
Juni 22nd, 2016 at 18:45
“Steckt dahinter ein Kreml-Komplott? Oder die Gewaltherrschaft von Putins Statthalter?” spont der Spon heute. Interessiert wen, worum es geht? Nee? Ist ja auch völlig wurscht.
Juni 22nd, 2016 at 20:21
Ist Putin hier zu weit gegangen? Kritischer Redakteur beim Südkurier kaltgestellt
Nach rund neun Jahren ist Michael Lünstroths Zeit als Redakteur beim Südkurier wohl endgültig abgelaufen. Er bekam eine Abmahnung und darf nur noch Schreibtischdienst verrichten. Kaum vorstellbar, dass sich daran noch was ändert. Es sieht so aus, als unterwerfe sich sein Arbeitgeber auch wirtschaftlichen Interessen und ist bereit, dafür einen verdienten Mitarbeiter über die Klinge springen zu lassen. [..]
War wohl eher Merkels cholerischer Stadthalter.
Juni 22nd, 2016 at 21:21
Gut, @R@iner, das du den Jäger der verlorenen Papierschnipsel mal wieder auf die Seiten des HPd geschickt hast.
Einige Artikel vor dem von dir verlinkten gehts dem Judenhasser, Frauenfeind und Bauernmörder immerhin verbal an den Kragen.
Ist zwar irrelevant aber dennoch ne spannende Frage: Wie wäre die Geschichte in Europa weitergegangen wenn die Kirchenspaltung nicht stattgefunden hätte…
Juni 23rd, 2016 at 08:42
@langlode44: Danke für den Tipp. Ich wusste nicht, dass sich der Geschichte mal jemand professionell angenommen hatte.
Rhetorik: “Dauernde militärische Präsenz” anstelle “ständiger Stationierung”
[..] In dem Papier heißt es nun: “Die Jahrzehnte der “Friedensdividende” nach Ende des Kalten Krieges sind vorbei; trotz vielfach angespannter Wirtschaftslage muss mehr in Verteidigung investiert werde.” [..]
Und ich dachte schon, alle Krisen wären passé. Militärische Aufrüstung und Abschreckung sind also konservativ/christliche Zukunftsprojekte. Das muss man den Leuten doch mal sagen.
Erler warnt vor Eskalationsspirale „bis hin zum Krieg“
Die Nato-kritischen Äußerungen von Außenminister Steinmeier schlagen weiter hohe Wellen. Nun äußert sich der Russlandbeauftragte der Bundesregierung. Erler fordert, dringend die Eskalation mit Russland zu stoppen. [..]
Juni 23rd, 2016 at 10:41
OT: Aus der Reihe “Wrong Planet Problems”: Israelisches Unternehmen will Terroristen an Gesichtern erkennen
Wiederkehr der längst beerdigten Phrenologie mit maschinellem Lernen
@flatter: Du wolltest doch mal die Welt retten … Es wird langsam Zeit.
Juni 23rd, 2016 at 10:50
Der Staatssekretär des Verteidigungsministeriums, Ralf Brauksiepe darf die deutschen Soldaten auf der Militärbasis Incirlik nicht besuchen. Die Bundesregierung schweigt. [...] Wie der Spiegel am Mittwoch berichtete, teilte Ankara dem deutschen Verteidigungsministerium mit, dass deutsche Politiker derzeit nicht erwünscht seien. (Quelle)
Das sollte sich Putin mal erlauben – aber bei der Türkei handelt es sich ja um einen Verbündeten. Was soll’s also…
Juni 23rd, 2016 at 14:27
Vielen Dank für den Link, langlode :)
Eine Art diesen Text noch interessanter zu machen, ist ja die Perspektive einmal umzustülpen.
Ein Großteil der Gedanken Luthers widerspricht unserem heutigen, an den Menschenrechten orientierten normativen Konzept. Der “gute” Luther lässt sich nicht von dem »bösen« trennen. Luther muss als Gesamtpersönlichkeit gesehen werden.
Das Zitat spricht ja schon Bände. Da geht es hauptsächlich darum, dass Luther deutliche Flecken auf der weissen Weste hat und diese sichtbar gemacht gehörten. Das ist löblich, aber viel interessanter ist m.E. was der “dunkle” Luther eigentlich mit unserem Heute zu tun hat. Es ist leicht darauf zu verweisen, dass wir ja heute Menschenrechte hätten und Antisemitismus mit dem zweiten Weltkrieg gestorben sei und Frauen ja so gleichgestellt, etc. etc. (inwieweit diese Bekenntnisse mehr wert sind als die Tinte auf dem Papier, ist da fast unerheblich).
Wie aber dieses bei Luther zu beobachtende Gnadenlose, der Hass auf das “Unverdiente” sich im Kapitalismus Bahn brechen, wäre genauer zu betrachten. Das vollkommen sinnentleerte Streben nach mehr bei “denen oben” und das “Hauptsache Arbeit” bei “denen unten” gleichen sich schon ziemlich in ihrem als Rationalität verkleideten Irrsinn. Wenn man dieses “leere” Streben eventuell als religiös erkennen, begreifen könnte, wäre vielleicht auch ersichtlich, woran viele “Alternativen”, “Utopien” kranken. Oder auch nicht, ich weiss davon zu wenig. Peinhart hat da, meine ich, auch schon hin und wieder gegraben, vielleicht hat der was Klügeres dazu zu sagen.
Vielleicht ist es ja etwas in der Richtung, was du mit deiner abschliessenden Frage meintest?
Juni 26th, 2016 at 17:19
[...] neulich schon erwähnt, personalisiert die Journaille gern, und der „Spiegel“ ist dabei ganz weit vorn. Das Dauerfeuer [...]