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Ich wollte eigentlich einen Text erstellen, um ihn in dem hiesigen Medium zu veröffentlichen. Dann aber wurde mir bewusst: Teile dieses Textes könnten die Leserschaft verunsichern. Ich war also zufrieden mit mir und errichtete mir wie so oft eine Statue aus Brot und Spucke. Eine Statue mir zu Ehren, ob dieser vorbildlichen bahnbrechenden Rücksichtnahme.

Das ist selten dieser Tage, zumal im ‘Netz’. Wer meint, er hätte sich hier schon ausgekannt, gestählt durch Heiseforum, GiMiX und Aldi-Newsgroup, sieht sich eines Besseren belehrt. Du Nazisau hast Grippevergleich gesagt, heißt es nebenan sinngemäß, Pantoufle weist auf einen Thread hin, in dem nicht Nazis, Stalinisten oder Kinderschänder bespuckt werden, sondern Künstler und deren Zuarbeiter. Das Pack soll gefälligst erfolgreich sein, dann kann es sich auch die Pleite leisten.

Unwertes Arbeitsleben

Der Faschist, der alles weniger “Erfolgreiche” für seiner Existenz unwürdig befindet, empfindet sich in keinster Weise als solcher; nein, er sei “liberal”, wird er glauben und wiederum nicht ahnen, welch wertvollen Hinweis er damit gibt auf die Nähe vom Einen zum Anderen. Kein Mehrwert, kein Wert, keine Existenz – so einfach ist das. Und genau deshalb ist Faschismus auch nicht von Kapitalismus zu trennen und dieser ‘Liberalismus’ eben ein Vorläufer. Und wie er läuft!

Da muss man gar nicht erst in den anderen Nachbargarten gucken, wo sie die Existenz leugnen dessen, das nicht genannt werden soll und Tag für Tag dasselbe bejammern, nein, krakeelen und fordern, die Realität solle sich für ihre beharrliche Abweichung von den selbst gesammelten Fakten® entschuldigen. Ich frug schon zuletzt, woher wohl der ganze Hass komme und deutete in eine gewisse Richtung. Ich will einmal dort entlang gehen und wiederum feststellen, dass die Trümmer gar nicht so zahlreich sind wie sie dort verteilt liegen.

Es sind zuerst einmal immer dieselben – nicht die Gleichen, dieselben! – die sich verbreiten mit dem altbekannten Mix aus Inkompetenz, Eifer und verbaler Brutalität. Letzteres halte ich für besonders wichtig: Das Gespucke und Gekeife, die Drohungen und Tiraden, entfleuchen dem Ventil dieser Hanswurste, die an keinem Stammtisch die Zähne auseinander kriegen. Schon, weil sie keiner einlädt und sie nach solchen Auftritten keine mehr hätten. Also Zähne jetzt.

Kapier’s doch endlich!!1¹!

Zudem ist es auch ganz logisch, dass ‘Hate Speech’ völlig überrepräsentiert ist, ebenso wie das Argumentesurrogat aus Argumenteersatzstoff, das die Doofen kübelweise absondern. Erstens musst du von einem Eifer getrieben sein, den du im echten Leben nicht loswirst und zweitens furchtbar viel Zeit haben. Wer überzeugende Argumente hat, erntet regelmäßig ein Nicken und Respekt auch vom Gegner, mithin Befriedigung. Er kann sich darauf verlassen, dass es wirkt, wenn es ausgesprochen oder – umso mehr – geschrieben ist.

Wer hingegen ums Verrecken niemanden überzeugt und womöglich verlacht wird, mag, wenn die Stimmen des Eifers es dem Rest des maroden Schädelschwamms befehlen, seine Brandreden vom Hundertsten auf Tausendste wiederholen. Gern auch aus der raffinierten Deckung einer ansehnlichen Sammlung von Pseudonymen. Das wirkt, sicher: Nimm das, Bamm!, Bamm! Da bin ich schon wieder, und Bamm! Es ist nicht klug, sich davon frustrieren zu lassen, auch wenn sich der Unterhaltungswert längst verbraucht hat.