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Eine wunderbar konzentrierte Geschichte haben wir da über das Erpressungspotential der Dienste und ihrer Totalüberwachung, die Essenz quasi dessen, was geschieht, wenn der Mob die Politik kontrolliert, der sich von Gesetzen unabhängig wähnt und sich als Schutz der Staaten aufspielt, die er unterwandert. Der Mob, der eigentlich genau umgekehrt der Politik, den Parlamenten und letztlich den Bürgern Rechteschaft ablegen müsste.

Wenn nun ein Minister abgehört wird, dann ist er selbst dann zu schützen, wenn er sich einer Gesetzesverletzung schuldig gemacht hat. Das gilt in einem Rechtsstaat überhaupt für jeden Bürger, so lange nicht offizielle Untersuchungen damit verbunden sind und selbst dann nur in Ausnahmen (über die man auch noch diskutieren kann). Aber nein: Eine willfährige Presse – wir hatten das bereits im Zusammenhang mit Edathy und anderem – zieht Gewinn aus der Veröffentlichung, und anstatt diesen Sumpf einer Kampagne zu verurteilen, gibt es Rücktrittsforderungen.

Fuck you, fuck you and fuck you!

Die Spitzel sind nicht identifiziert, es ist auch egal, wer die Gespräche von Radolsaw Sikorski mitgeschnitten hat. Auch ein Minister darf und muss private Ansichten äußern. Gerade der Tonfall, in dem er es tut, ist seine Privatangelegenheit. Inhaltlich muss ich im konkreten Fall obendrein feststellen, dass da endlich mal einer merkt, was läuft. Behandeln die USA ihre Partner wie Schlampen, die sie für ein paar Dollar ficken und dann wegwerfen? Ich kann dem im Kern nicht widersprechen.

So kommen wir also zu den Konsequenzen des Abhör-Pingpongs, das im Sinne der Spitzel immer wieder in Erpressungs-Squash mündet. Man kann sich dem nicht entziehen. Die technischen Voraussetzungen machen es zu leicht, und die Staaten, die vor der widerwärtigen Praxis schützen sollten, fördern sie stattdessen, vermutlich, weil ihre Repräsentanten längst deren Opfer sind. Sie versuchen sich offenbar unter der Gefahr zu ducken und die blütenweiße Unschuld zu mimen. Wer weiß, was da alles getan wird, um nicht selbst ins Rampenlicht zu geraten.

Das ist keine Lösung. Geheimhaltung ist auf jeder politischen Ebene fatal, und wenn es den politischen Entscheidern nicht mehr möglich ist, sich vor Überwachung und Erpressung zu schützen, gibt es nur die Flucht nach vorn. Wir brauchen mehr Leute, die sich nicht mehr ficken lassen und erkennen, dass es sich nicht lohnt, jedem einen zu blasen, dessen Einfluss man sonst fürchten müsste. Was habt ihr denn zu befürchten? Eine Titelstory? Wir werden uns dran gewöhnen und Skandälchen wie diese noch mit einem wohlwohlenen Nicken quittieren. Wohlan denn: Fickt die Spitzel, aber ordentlich, das ist nämlich ganz nebenbei euer verdammter Job.