
Der Herr Zottelbart, Karl, neunzehntes Jahrhundert (heute Chemnitz), hat seinerzeit darauf aufmerksam gemacht, dass die gute soziale Marktwirtschaft ein paar Webfehler hat. Gut, er hat sie nicht so genannt, aber durchaus gemeint, denn ein Esel ist ein Esel, egal ob wer drauf sitzt oder nicht. Den kannst du zwar “Pferd” nennen und das auch noch reiten wollen, wenn es mausetot ist, Probleme löst dadurch aber eher nicht.
Wirre Auftaktrede? Mag sein, aber mir gefällt sie. Kommen wir zu den Fakten: Die Soziale Marktwirtschaft® zwanzichneunzehn hat ein paar Probleme. Eines der ganz großen ist das viele Geld. Es gibt zu viel davon, viel zu viel. Wie des öfteren bereits gesagt, gibt es für jeden Dollar, der in der Welt jährlich ausgegeben wird, drei Dollar, die vermehrt werden sollen. Herr Marx hat das kommen sehen, wobei nicht einmal er diese irrsinnigen Dimensionen an die Wand gemalt hat.
Kasinos schließen
Die Anderen, sogenannte “Ökonomen”, hantieren derweil mit Modellen, die von dem Nichts, das sie erklären zu können behaupten, inzwischen nichts mehr erklären können. Zum Beispiel: Wie kömmt es, dass bei so viel flottierender Kohle keine Hyperinflation entsteht, zumal inzwischen durch Null- und Negativzinsen immer schneller immer mehr davon abgerufen werden soll. Seltsam.
Kurz zurück zu denen, die alles besser machen wollen: Zu ihnen gehören jene, die gern fordern, man müsse “die Kasinos” schließen“, die “Zockerbuden”, in denen gewaltige Gewinne gemacht werden können, ohne irgendetwas zu produzieren. Nun ist es nicht nur so, dass diesen Gewinnen ebensolche Verluste gegenüber stehen. Viel wichtiger noch: Hier geht sehr viel Geld spazieren, das sonst woanders durch die Rabatten marodieren müsste. Wollt ihr, dass wer damit einkaufen geht? Was war noch gerade Inflation?
Kaufen!
Wieder zur Gegenwart: Da der ganze überschüssige Zaster nicht in Kippen, Bier und Brot umgesetzt wird, steigen die Preise dieser Waren nicht adäquat. Puh, Glück gehabt, außer … man wohnt zur Miete. Kapital mag nämlich Immobilien, mjam! Die steigen nicht nur als Ware im Wert, sondern werfen auch noch unverschämt leckeren Mietzins ab, den man aus ihren Bewohnern so lange herausquetscht, bis sie aus der Frucht flutschen und sich im nächsten Stadtrandghetto wiederfinden. Weniger Glück gehabt.
Das ist mindestens der Anfang der hässlichen Zeit, in der es nicht mehr so darauf ankommt, wenn die letzten Profite gerettet werden. Hatte ich das schon erwähnt? Dass Kapital Profit machen muss? Dass es dafür alles tun wird, wenn die Profitraten insgesamt schwächeln? Dass das überhaupt nichts mit Gier zu tun hat und dass man das auch nicht regulieren kann? Weil das Argument nämlich schlicht zutrifft, dass das Kapital dann abwandert und überhaupt ohne Profite der ganze Laden zusammenkracht? Und dass er das am Ende ohnehin tut? Ihr könnt später vielleicht die Lebensmittelgutscheine regulieren. Das ist dann aber bereits Sozialismus.

April 12th, 2019 at 17:12
Das wird dann aber traurich wenn die Profitratten das stinkende Schiff verlassen. Rennen die dann entlang der Seidenstraße ostwärts?
April 12th, 2019 at 17:42
OT wg. “Qualitätsmedien” und copyright, aber ich find’s einfach zu “schön”:
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=485036
April 12th, 2019 at 18:12
“Hier geht sehr viel Geld spazieren, das sonst woanders durch die Rabatten marodieren müsste. Wollt ihr, dass wer damit einkaufen geht? Was war noch gerade Inflation?”
Für mich der spannenste Teil im aktuellen Narrativ.
Ist das Einsicht, Angst oder ein Gentleman’s Agreement?
Ihr könnt auf dem Papier so reich werden wie ihr wollt, aber geht bloß nicht einkaufen.
Bei geschätzten 1000 Milliardären auf der Welt ein faszinierender Aspekt.
April 12th, 2019 at 19:28
Falls hier jemand gaaaanz viel Zeit und Langeweile hat:
https://file.wikileaks.org/file/
International Vermischtes, auch aus Germany, aber wohl schon älter.
April 12th, 2019 at 19:48
@3
Zu meiner Jugendzeit war ein einfacher Millionär in Italien ‘ne ziemlich arme Sau. Dann erfuhr ich, dass es in DE ‘ne Zeit gab, da waren hier alles Multimilliardäre, in’s Kino kam man nur mit echter “Kohle”.
Habbich vor paar Jahren mal gesagt von wegen von oben nach unten verteilen, dass es dann nur heftige Inflation gibt. Wollte mir keiner so recht glauben. Tja, Sterntaler ist halt ein Märchen, die Spanier hatten mit dem Goldraub auch schon eine Inflation ausgelöst.
Es gab doch vor wenigen Jahren in der USA die Idee, eine 15(?) Billionen (trillions) $ Münze zu prägen, danach wären sie doch schuldenfrei. OK, auf irgendwelchen Südseeinseln liegen ja auch noch so einige riesige und “wertvolle” Steinmünzen ‘rum. Man muss halt nur fest daran glauben.
Odda so.
April 12th, 2019 at 20:53
Kleiner Grundkurs zur Rolle des Eigentums in einer ‘Marktwirtschaft’. Und hier geht’s weiter, aufgehängt an einer etwas anderen Kritik der Grünen. Immerhin, denn eigentlich ist der Freitag ja eher eine typische Postille der Wohlfühl-Linken.
April 12th, 2019 at 21:17
@renée Nro 5: Es war ne 1 Billion USD Münze, aber egal. Gabs schon lang zuvor. Nur eben woanders.
Hat och nich geholfen, die schweren Geschütze wurden Ende 23, Anfang 24 aufgefahren. Die Reichsmark wurde an den USD und das britisch pound gebunden. Seinerzeit klappte das. Heute is da nix mehr. Klingt skurril, aber das grosse Verdienst des Kap. liegt wohl darin das Geld an sein logisches Ende vorzeitig gebracht zu haben…
Flatter hatte hier mal (is schon ne Weile her ) den zweiten von der Reichsbank verausgabten 100 Bill. Markschein im Bild vorgestellt ( der datiert vom Februar 24 und kam nicht mehr in den Umlauf ). September 23 kam ein 100 Bio Markschein in Umlauf, hier mal ne kleine Auswahl…
April 12th, 2019 at 21:37
Geht es dem Großkapital denn wirklich nur um Profit? Ein paar 100 Millionen Privatvermögen ziehen doch Schaaren von Stiefelleckern an (Politiker, Juristen, “Journalisten”, etc.) die sich gerne in den Dienst stellen das Vermögen zu schützen um selbst ein paar Krümel davon zu “verdienen” und sich dann zur gehobenen Mittelschicht zählen zu können. Dies festig dann ohnehin die Machtdifferenz des Großkapitals zur Normalbevölkerung ohne dass noch viel Profit nötig wäre.
April 12th, 2019 at 23:49
@7
Achduschreck, da hätten sie mal das exakte Datum, evtl. noch die Uhrzeit einprägen müssen. 1923 – Anfang des Jahres wären sie pessimistische Hellseher gewesen, später eher durchgeknallte Optimisten. Ja, im Interweb habe ich die Scheine auch schon bewundert und vor vielen Jahren ein paar ???-Millionenscheine in echt.
Das Beispiel Kohle zeigt aber doch, dass der Tauschhandel sinnvoller wurde, weil das Geld seine Funktion als Äquivalent verloren hatte. Hier gibt es einfach nicht genug Kaurimuscheln als Ersatz ;)
(Hoffentlich habe ich alle geplanten Wörter da oben eingepflegt, sorry wenn nicht, Schlafmangel wg. Wadenkrämpfe alle Std.)
April 13th, 2019 at 01:48
Der exit ins Weltall ist wohl auch keine so gute Idee:
http://blog.fefe.de/?ts=a24e42c8
Nix da Terra II.
April 13th, 2019 at 11:44
Ei gugge, die Frau war sparsam:
https://file.wikileaks.org/file/angela-merkel.pdf
April 13th, 2019 at 11:49
Alles andere als OT: Diese Woche gab [der Internetrechtler Prof. Thomas] Hoeren bekannt, dass es seit Verabschiedung der EU-Urheberrechtsrichtlinie keine Vorlesungen zum Urheberrecht an der Uni Münster mehr gäbe. Die vormalige Vorlesung „Urheberrecht“ heiße künftig “Urheberrechtliche Bezüge des gewerblichen Rechtsschutzes”, da es bedingt durch die Richtlinie im UrhG nicht mehr um Urheber, sondern um die mächtigen Verwerter gehe. (_)
April 13th, 2019 at 14:00
@kurms(8): “Geht es dem Großkapital denn wirklich nur um Profit?”
“Kapital” ist keine Gruppe von Menschen, auch nicht “Großkapital”. Kapital definiert sich durch den Zwang, Profit abzuwerfen, sonst ist es keins.
April 13th, 2019 at 15:58
Den Menschen allerdings, die ihm ‘ihre Seele verkaufen’, denen geht es natürlich schon um Macht. Aber auch auf der Ebene erzwingt der Erhalt und Ausbau eben jener Macht auch immer weiter Profit.
April 13th, 2019 at 16:03
Das ist ja immer wieder der Witz, dass im Zweifelsfall immer der Profit den Vortritt erhält, selbst vor der Macht. Vielleicht sollten wir das einmal illustrieren, wenn es namhafte Beispiele für Situationen gibt, in denen genau das geschehen ist.
April 13th, 2019 at 16:24
Gerade auch in dem Zusammenhang: Wer vom Kapitalismus nicht reden will, soll auch zum Neoliberalismus schweigen. Die arrogante Agressivität dieser ‘Denkschule’ ist Ausweis eben jenes Zwanges zum Profit – und der schlechte Witz dabei, dass er den Gesamtruin und damit auch den Machtverlust nur beschleunigen kann. Winner takes it all, Monopoly finito.
April 13th, 2019 at 23:09
@15
Müst, mir fällt noch nicht mal ein nicht namhaftes Beispiel ein. Jedes mal, wenn ich drüber nachdenken will, habe ich das Gefühl, mein Gehirn wehrt sich dagegen. Seltsam. Normalerweise habe ich eine eher überschießende Phantasie und kann mir die kuriosesten Sachen vorstellen.
?????
April 14th, 2019 at 01:12
@flatter (13)
logisch; kürzest mögliche Definition! So noch nicht gehört/-lesen – Volltreffer. Danke!