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	<title>Kommentare zu: Heimat (Sachsen)</title>
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	<description>Keine Herren, keine Sklaven!</description>
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		<title>Von: kalo</title>
		<link>https://archiv2.feynsinn.org/?p=8811#comment-71894</link>
		<dc:creator>kalo</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Nov 2017 13:03:40 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Mit dem Reichschen Erklärungsansatz habe ich so meine Schwierigkeiten. Es geht irgendwie nicht recht auf, wenn betont wird, daß es die deformierten *Charaktere seien, die politische und institutionelle Fehlentwicklungen erst ermöglichten, zugleich aber richtig und konsequenzlos konzediert wird, daß die Deformierung der Charaktere durch z. B. verkehrte Erziehung, also schiefe *Verhältnisse unter Menschen, entsteht. Was denn nun? Ja - beides. 
Damit wird es aber nicht mehr so einfach, zu sagen: dieses eher als jenes. Es ist ja nur analytisch zu trennen, in re ist es eines und dasselbe, aus verschiedener Perspektive. Wir sind als Kulturwesen unterwegs, herauszufinden, wie die Gesellschaft organisiert sein muß, in der wir so aufwachsen und leben können, daß wir jede Minute unseres Daseins bejahen können. So lange wir hier den Weg nicht finden, werden immer wieder mentale Fehlstellungen von schiefen Verhältnissen erzeugt, die durch mentale Fehlstellungen reproduziert werden. Unsere personalen Dispositionen werden durch die &lt;i&gt;Verhältnisse&lt;/i&gt; - Abhängigkeit, Unterdrückung, Gewalt - geformt und unsere Dispositionen bestimmen, wie wir uns - alltäglich, automatisch, instinktiv - zueinander &lt;i&gt;verhalten&lt;/i&gt;.

Denoch danke für den Hinweis; auch, weil er auf den Text verweist, den ich gern zitiert hätte, aber nicht wiederfand: http://plus.faz.net/politik/2017-08-05/d257cc131f51e76236b31d7a7f32d714/]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem Reichschen Erklärungsansatz habe ich so meine Schwierigkeiten. Es geht irgendwie nicht recht auf, wenn betont wird, daß es die deformierten *Charaktere seien, die politische und institutionelle Fehlentwicklungen erst ermöglichten, zugleich aber richtig und konsequenzlos konzediert wird, daß die Deformierung der Charaktere durch z. B. verkehrte Erziehung, also schiefe *Verhältnisse unter Menschen, entsteht. Was denn nun? Ja &#8211; beides.<br />
Damit wird es aber nicht mehr so einfach, zu sagen: dieses eher als jenes. Es ist ja nur analytisch zu trennen, in re ist es eines und dasselbe, aus verschiedener Perspektive. Wir sind als Kulturwesen unterwegs, herauszufinden, wie die Gesellschaft organisiert sein muß, in der wir so aufwachsen und leben können, daß wir jede Minute unseres Daseins bejahen können. So lange wir hier den Weg nicht finden, werden immer wieder mentale Fehlstellungen von schiefen Verhältnissen erzeugt, die durch mentale Fehlstellungen reproduziert werden. Unsere personalen Dispositionen werden durch die <i>Verhältnisse</i> &#8211; Abhängigkeit, Unterdrückung, Gewalt &#8211; geformt und unsere Dispositionen bestimmen, wie wir uns &#8211; alltäglich, automatisch, instinktiv &#8211; zueinander <i>verhalten</i>.</p>
<p>Denoch danke für den Hinweis; auch, weil er auf den Text verweist, den ich gern zitiert hätte, aber nicht wiederfand: <a href="http://plus.faz.net/politik/2017-08-05/d257cc131f51e76236b31d7a7f32d714/" rel="nofollow">http://plus.faz.net/politik/2017-08-05/d257cc131f51e76236b31d7a7f32d714/</a></p>
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	<item>
		<title>Von: HAL9002</title>
		<link>https://archiv2.feynsinn.org/?p=8811#comment-71881</link>
		<dc:creator>HAL9002</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Nov 2017 09:34:51 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Dem letzten Satz gehorchend anbei eine für mich wertige Leseempfehlung zum Thema D, &quot;Heimat&quot;, links, Lenins &quot;Was tun&quot; und der immer wieder neu entfachten Diskussion über den rechten (hehe) zur Weltverbesserung, oder bescheidener deren Analyse ohne Schildzuweisung an Einzelne (oder Gruppen)

https://www.rubikon.news/artikel/rechtsruck-in-deutschland-5-6]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Dem letzten Satz gehorchend anbei eine für mich wertige Leseempfehlung zum Thema D, &#8220;Heimat&#8221;, links, Lenins &#8220;Was tun&#8221; und der immer wieder neu entfachten Diskussion über den rechten (hehe) zur Weltverbesserung, oder bescheidener deren Analyse ohne Schildzuweisung an Einzelne (oder Gruppen)</p>
<p><a href="https://www.rubikon.news/artikel/rechtsruck-in-deutschland-5-6" rel="nofollow">https://www.rubikon.news/artikel/rechtsruck-in-deutschland-5-6</a></p>
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	<item>
		<title>Von: kalo</title>
		<link>https://archiv2.feynsinn.org/?p=8811#comment-71870</link>
		<dc:creator>kalo</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Nov 2017 15:33:49 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Gewiß, das Wort taugt analytisch nicht; es war ja auch literarisch zu Hilfe genommen, für die Betonung. Um zu beleuchten, daß manch häßliches Benehmen von Bedrängnis hervorgetrieben wird, in der sich kalte Zwänge und privates Ungeschick treffen.

Für die Frage nach dem Kapitalismus (Privatkapital als Eigentümer wesentlicher Produktionsmittel) müßte ich dennoch schon wieder literarisch pointieren: der ist vorerst unser Schicksal. Den werden wir nicht abschaffen, das kann nur er selbst. Trübe ist natürlich, daß es in Deutschland, nicht nur in Sachsen, kaum einen politisch gestimmten Freisinn gibt, der die heute schon möglichen Freiräume aktiv sucht, weitet, bespielt. 

Dabei treffe und traf ich auch in Sachsen immer wieder Menschen, die nicht ohne Klarheit sind. Nicht nur ich habe mich am 19. Dezember 89 in Dresden fremdgeschämt (oder Mitte November in Westberlin, oder am 1. Juli 90 in Ostberlin, oder am 3. Oktober 90 überall).

Flüchtlinge ... das heikle Thema. Dazu nur eine Bemerkung: es liegt eine tiefe Demütigung darin, erkennen zu müssen, daß man jetzt mit Menschen konkurriert, die aus Not willens sind, sich weit unter Niveau zu verkaufen - noch weiter als bisher. Muß ich als ordentlich gelernter deutscher Ingenieur, Sachbearbeiter, Techniker, Kraftfahrer jetzt auch in den Schlachthof, auf den Bau, den Gemüsemarkt - wie die syrischen Ärzte, libyschen Anlagenfahrer, afghanischen Lehrer? Diese diffuse Angst wird hineinspielen. In den 80er Jahren frustriert in den Sackgassen einer zerfallenden Gesellschaft, in den 90er Jahren unter Ängsten, Mühen, Verlusten etabliert - jetzt schon wieder unter ungreifbarem Druck??

Gewiß: wie man die vielen Deutschen, die es nötig hätten, zum Kopfheben ermuntert, wie man sie dazu bringt, nach dem Scheitern angehimmelter Anführer nicht wieder in Selbstbetrug zu verfallen und Sündenböcke zu suchen, weil sie vor der selbstgesuchten Obrigkeit keinen Arsch in der Hose haben - das weiß ich auch nicht. Vor allem, wenn die neuesten Agenten der Unfreiheit nicht mehr so deutlich &quot;die da oben&quot; sind, sondern &quot;der Sachzwang, leider&quot;.]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Gewiß, das Wort taugt analytisch nicht; es war ja auch literarisch zu Hilfe genommen, für die Betonung. Um zu beleuchten, daß manch häßliches Benehmen von Bedrängnis hervorgetrieben wird, in der sich kalte Zwänge und privates Ungeschick treffen.</p>
<p>Für die Frage nach dem Kapitalismus (Privatkapital als Eigentümer wesentlicher Produktionsmittel) müßte ich dennoch schon wieder literarisch pointieren: der ist vorerst unser Schicksal. Den werden wir nicht abschaffen, das kann nur er selbst. Trübe ist natürlich, daß es in Deutschland, nicht nur in Sachsen, kaum einen politisch gestimmten Freisinn gibt, der die heute schon möglichen Freiräume aktiv sucht, weitet, bespielt. </p>
<p>Dabei treffe und traf ich auch in Sachsen immer wieder Menschen, die nicht ohne Klarheit sind. Nicht nur ich habe mich am 19. Dezember 89 in Dresden fremdgeschämt (oder Mitte November in Westberlin, oder am 1. Juli 90 in Ostberlin, oder am 3. Oktober 90 überall).</p>
<p>Flüchtlinge &#8230; das heikle Thema. Dazu nur eine Bemerkung: es liegt eine tiefe Demütigung darin, erkennen zu müssen, daß man jetzt mit Menschen konkurriert, die aus Not willens sind, sich weit unter Niveau zu verkaufen &#8211; noch weiter als bisher. Muß ich als ordentlich gelernter deutscher Ingenieur, Sachbearbeiter, Techniker, Kraftfahrer jetzt auch in den Schlachthof, auf den Bau, den Gemüsemarkt &#8211; wie die syrischen Ärzte, libyschen Anlagenfahrer, afghanischen Lehrer? Diese diffuse Angst wird hineinspielen. In den 80er Jahren frustriert in den Sackgassen einer zerfallenden Gesellschaft, in den 90er Jahren unter Ängsten, Mühen, Verlusten etabliert &#8211; jetzt schon wieder unter ungreifbarem Druck??</p>
<p>Gewiß: wie man die vielen Deutschen, die es nötig hätten, zum Kopfheben ermuntert, wie man sie dazu bringt, nach dem Scheitern angehimmelter Anführer nicht wieder in Selbstbetrug zu verfallen und Sündenböcke zu suchen, weil sie vor der selbstgesuchten Obrigkeit keinen Arsch in der Hose haben &#8211; das weiß ich auch nicht. Vor allem, wenn die neuesten Agenten der Unfreiheit nicht mehr so deutlich &#8220;die da oben&#8221; sind, sondern &#8220;der Sachzwang, leider&#8221;.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: flatter</title>
		<link>https://archiv2.feynsinn.org/?p=8811#comment-71867</link>
		<dc:creator>flatter</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Nov 2017 13:55:40 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[@kalo(21): Mit &quot;Schicksal&quot; kann ich nichts tun. Dass es ganz entscheidend ist, in welcher Klasse du geboren wirst, versteht sich hier. Aber ist Kapitalismus wirklich &quot;Schiksal&quot;? 
Der Titel des Artikels ist wie immer kein Zufall; in der Klammer hätte auch  etwas anderes stehen können, aber die Sachsen machen es einem so herrlich leicht derzeit. Was ich meinem Klischeé vom Sachsen nie verziehen habe, ist die Naivität, mit der er Helmut angehimmelt hat. Derweil hat mein eingeschaltetes Hirn nicht nur keinen Bezug zu &#039;Schuld&#039; (und hat daher nix zu verzeihen), es schickt auch regelmäßig Adrelalinanfragen an die Nebennieren bei Sätzen mit &quot;die&quot;. &quot;Die&quot; Sachsen, Türken, Griechen, Asylanten, Amis, Juden, Freimaurer. Solche Sätze sind selten etwas anderes als ein Dokument der Dummheit ihres Sprechers. Freilich macht es Spaß, &quot;die Sachsen&quot; vorzuführen - weil in &#039;Rücksicht&#039; auf das Bild des Sachsen, der &#039;die&#039; Flüchtlinge besser kennt als jeder, dem schon mal welche begegnet sind, wird ja hier Politik simuliert.]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@kalo(21): Mit &#8220;Schicksal&#8221; kann ich nichts tun. Dass es ganz entscheidend ist, in welcher Klasse du geboren wirst, versteht sich hier. Aber ist Kapitalismus wirklich &#8220;Schiksal&#8221;?<br />
Der Titel des Artikels ist wie immer kein Zufall; in der Klammer hätte auch  etwas anderes stehen können, aber die Sachsen machen es einem so herrlich leicht derzeit. Was ich meinem Klischeé vom Sachsen nie verziehen habe, ist die Naivität, mit der er Helmut angehimmelt hat. Derweil hat mein eingeschaltetes Hirn nicht nur keinen Bezug zu &#8216;Schuld&#8217; (und hat daher nix zu verzeihen), es schickt auch regelmäßig Adrelalinanfragen an die Nebennieren bei Sätzen mit &#8220;die&#8221;. &#8220;Die&#8221; Sachsen, Türken, Griechen, Asylanten, Amis, Juden, Freimaurer. Solche Sätze sind selten etwas anderes als ein Dokument der Dummheit ihres Sprechers. Freilich macht es Spaß, &#8220;die Sachsen&#8221; vorzuführen &#8211; weil in &#8216;Rücksicht&#8217; auf das Bild des Sachsen, der &#8216;die&#8217; Flüchtlinge besser kennt als jeder, dem schon mal welche begegnet sind, wird ja hier Politik simuliert.</p>
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	<item>
		<title>Von: DasKleineTeilchen</title>
		<link>https://archiv2.feynsinn.org/?p=8811#comment-71866</link>
		<dc:creator>DasKleineTeilchen</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Nov 2017 13:43:50 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[@peinhart@13: das is ja der witz; der scheiss hätte locker gereicht. is halt bischen komisch ein infantil reduziertes und verfälschtes zitat als empör-headline der BLÖDBLÖDERBLÖDEST einfach so als fakt abzuheften, nur weils einem gerade gut in den kram passt. ausgerechnet BLÖD. das drecksblatt, das seit 60 jahren scheisse und lüge quasi als markenzeichen vor sich herträgt.]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@peinhart@13: das is ja der witz; der scheiss hätte locker gereicht. is halt bischen komisch ein infantil reduziertes und verfälschtes zitat als empör-headline der BLÖDBLÖDERBLÖDEST einfach so als fakt abzuheften, nur weils einem gerade gut in den kram passt. ausgerechnet BLÖD. das drecksblatt, das seit 60 jahren scheisse und lüge quasi als markenzeichen vor sich herträgt.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: kalo</title>
		<link>https://archiv2.feynsinn.org/?p=8811#comment-71864</link>
		<dc:creator>kalo</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Nov 2017 11:13:50 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[#19
Bitter?

Antidot, nicht überraschend: Nachdenken, um glücklich zu werden (Spinoza).

Das verdammte Geworfensein. (Muß man nicht heideggersch esoterisch mystifizieren.) Aufwachsen in der Dumpfheit einer Familie, die sich unter ihr Schicksal duckt. Wenig Glück gehabt. Vieles wieder verloren. Wünsche und Ergebnis passen nicht, die Decke ist immer zu kurz. Frustration. Betäubung. Sich wegwünschen. Mangel an Selbstvertrauen. Mangel an Entschlußkraft. Verzweifeltes Festklammern an trüben Hoffnungsresten: das darf nicht wahr sein, so schlimm darf es nicht wirklich sein, ich muß doch auch mal was kriegen. - Und dann endlich ein kleines Glück: passabler Job, erträgliches Einkommen, kleiner Frieden, Vati, Mutti, Kinder - Bange, wenn das wieder ins Rutschen gerät, bange, bange.
Und das ist in Hattingen, Essen, Bremen, Schweppenhausen etc. anders als in Sachsen?? Ich glaub&#039;s nicht. 
Der Unterschied ist nur, daß der letzte große Geschichtsbruch im Westen schon lange ausgeheilt ist, zwei Generationen her. Die Ostler sind gerade erst durch eine Mühle der Veränderungen gedreht worden, in der sie immerzu Objekt waren, nie Subjekte. Keine verbindende Erzählung, keine gemeinsame Idee, an der ein &quot;Wir schaffen das, wir bringen&#039;s, und gemeinsam&quot; hätte sich bilden können, den Rücken gerade zu machen, selbst etwas aufzubauen. Mitlaufenmüssen, nach der Decke strecken müssen, dem Chef ums Maul gehen müssen, während einem, in grausamer Ironie, das Mitläufertum der Vergangenheit um die Ohren gehauen wird ... 

Ein schreibender Beobachter hat 1989 im Osten sagen hören: &quot;Nie mähr minderwertsch sein!&quot; Tja, kann man da nur sagen, das war wohl nichts. 
Ist es verwunderlich, daß manche nicht Kraft, Klarheit und Selbstvertrauen genug aufbringen, mit der Enttäuschung fertigzuwerden, ohne Projektionen als Krücke einsetzen zu müssen?

Anekdote, anderes soziales Stratum: vor fünfzehn Jahren sitze ich an der Uni mit einem Privatdozenten zusammen (der inzwischen auch freigesetzt ist), ein fast-schon-Juniorprof dabei, der cool und lächelnd anmerkt, daß wir uns doch keine Gedanken machen müssen, es stünde ja die größte Erbschaftswelle der deutschen Geschichte an. Sieh an, sage ich mir, so leicht kann es sein, wenn man auf der richtigen Seite der Geschichte geboren ist, sieh mal an. In den frühen Neunzigern war es en vogue, zu diagnostizieren, daß man im Westen schon längst ironisch existiere, denn Schicksal gebe es nicht mehr, die Ostler müßten das noch lernen. 

Nun, ich denke, die Ostler haben gelernt, was Schicksal ist, gehoben oder geworfen zu werden, während man nicht besser oder schlechter als der Nachbar ist. Einige Westler eigentlich auch, z. B. hier: https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2016/august/exzellente-entqualifizierung-das-neue-akademische-prekariat.
Und flatter? Doch wohl auch.]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>#19<br />
Bitter?</p>
<p>Antidot, nicht überraschend: Nachdenken, um glücklich zu werden (Spinoza).</p>
<p>Das verdammte Geworfensein. (Muß man nicht heideggersch esoterisch mystifizieren.) Aufwachsen in der Dumpfheit einer Familie, die sich unter ihr Schicksal duckt. Wenig Glück gehabt. Vieles wieder verloren. Wünsche und Ergebnis passen nicht, die Decke ist immer zu kurz. Frustration. Betäubung. Sich wegwünschen. Mangel an Selbstvertrauen. Mangel an Entschlußkraft. Verzweifeltes Festklammern an trüben Hoffnungsresten: das darf nicht wahr sein, so schlimm darf es nicht wirklich sein, ich muß doch auch mal was kriegen. &#8211; Und dann endlich ein kleines Glück: passabler Job, erträgliches Einkommen, kleiner Frieden, Vati, Mutti, Kinder &#8211; Bange, wenn das wieder ins Rutschen gerät, bange, bange.<br />
Und das ist in Hattingen, Essen, Bremen, Schweppenhausen etc. anders als in Sachsen?? Ich glaub&#8217;s nicht.<br />
Der Unterschied ist nur, daß der letzte große Geschichtsbruch im Westen schon lange ausgeheilt ist, zwei Generationen her. Die Ostler sind gerade erst durch eine Mühle der Veränderungen gedreht worden, in der sie immerzu Objekt waren, nie Subjekte. Keine verbindende Erzählung, keine gemeinsame Idee, an der ein &#8220;Wir schaffen das, wir bringen&#8217;s, und gemeinsam&#8221; hätte sich bilden können, den Rücken gerade zu machen, selbst etwas aufzubauen. Mitlaufenmüssen, nach der Decke strecken müssen, dem Chef ums Maul gehen müssen, während einem, in grausamer Ironie, das Mitläufertum der Vergangenheit um die Ohren gehauen wird &#8230; </p>
<p>Ein schreibender Beobachter hat 1989 im Osten sagen hören: &#8220;Nie mähr minderwertsch sein!&#8221; Tja, kann man da nur sagen, das war wohl nichts.<br />
Ist es verwunderlich, daß manche nicht Kraft, Klarheit und Selbstvertrauen genug aufbringen, mit der Enttäuschung fertigzuwerden, ohne Projektionen als Krücke einsetzen zu müssen?</p>
<p>Anekdote, anderes soziales Stratum: vor fünfzehn Jahren sitze ich an der Uni mit einem Privatdozenten zusammen (der inzwischen auch freigesetzt ist), ein fast-schon-Juniorprof dabei, der cool und lächelnd anmerkt, daß wir uns doch keine Gedanken machen müssen, es stünde ja die größte Erbschaftswelle der deutschen Geschichte an. Sieh an, sage ich mir, so leicht kann es sein, wenn man auf der richtigen Seite der Geschichte geboren ist, sieh mal an. In den frühen Neunzigern war es en vogue, zu diagnostizieren, daß man im Westen schon längst ironisch existiere, denn Schicksal gebe es nicht mehr, die Ostler müßten das noch lernen. </p>
<p>Nun, ich denke, die Ostler haben gelernt, was Schicksal ist, gehoben oder geworfen zu werden, während man nicht besser oder schlechter als der Nachbar ist. Einige Westler eigentlich auch, z. B. hier: <a href="https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2016/august/exzellente-entqualifizierung-das-neue-akademische-prekariat" rel="nofollow">https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2016/august/exzellente-entqualifizierung-das-neue-akademische-prekariat</a>.<br />
Und flatter? Doch wohl auch.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: ThomasX</title>
		<link>https://archiv2.feynsinn.org/?p=8811#comment-71863</link>
		<dc:creator>ThomasX</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Nov 2017 10:33:23 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Zu pauschal - zu viel Verschiebung, um ja nicht mal ins eigene Kaff schauen zu müssen, was sich da so seit Jahrzehnten zusammenbraut. Nix unterscheidet die Sachsen derzeit von den Franken, den Bayern, ja selbst den Pommern, Slowaken, Tschechen, Magyaren, Russen, Frängfurdern oder Schotten.
&quot;Myself first&quot; ist das gelebte Ergebnis der immerwährenden medialen und gesellschaftspolitischen kapitalistischen Gehirnwäsche. Der Ossi ist in seinem Lernverhalten nur eben sehr .... gonsegvent.

Nich, dass es das besser machen würde. Aber den Latsch müssen wir uns alle anziehen. Auch das war schon immer ein &quot;Integrationsproblem&quot;. Und zur Integration gehören immer alle ... oder eben keiner.]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Zu pauschal &#8211; zu viel Verschiebung, um ja nicht mal ins eigene Kaff schauen zu müssen, was sich da so seit Jahrzehnten zusammenbraut. Nix unterscheidet die Sachsen derzeit von den Franken, den Bayern, ja selbst den Pommern, Slowaken, Tschechen, Magyaren, Russen, Frängfurdern oder Schotten.<br />
&#8220;Myself first&#8221; ist das gelebte Ergebnis der immerwährenden medialen und gesellschaftspolitischen kapitalistischen Gehirnwäsche. Der Ossi ist in seinem Lernverhalten nur eben sehr &#8230;. gonsegvent.</p>
<p>Nich, dass es das besser machen würde. Aber den Latsch müssen wir uns alle anziehen. Auch das war schon immer ein &#8220;Integrationsproblem&#8221;. Und zur Integration gehören immer alle &#8230; oder eben keiner.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: flatter</title>
		<link>https://archiv2.feynsinn.org/?p=8811#comment-71856</link>
		<dc:creator>flatter</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Nov 2017 22:36:21 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wow, ein Poet! Btw.: Lesekompetenztest bestanden, sacht der Säzzer.]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Wow, ein Poet! Btw.: Lesekompetenztest bestanden, sacht der Säzzer.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: kalo</title>
		<link>https://archiv2.feynsinn.org/?p=8811#comment-71855</link>
		<dc:creator>kalo</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Nov 2017 22:26:34 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://feynsinn.org/?p=8811#comment-71855</guid>
		<description><![CDATA[Brauen ohne B.
Mit F.]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Brauen ohne B.<br />
Mit F.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: flatter</title>
		<link>https://archiv2.feynsinn.org/?p=8811#comment-71854</link>
		<dc:creator>flatter</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Nov 2017 22:24:01 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://feynsinn.org/?p=8811#comment-71854</guid>
		<description><![CDATA[&quot;F.&quot;? Whut&#039;s dat?]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;F.&#8221;? Whut&#8217;s dat?</p>
]]></content:encoded>
	</item>
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